Bücherkram

23.04.2006 um 16:35 Uhr

Aquamarin - Carol Anshaw

von: Katze

Stimmung: 9 von 10
Musik: 222 Seiten

Ein technisch sehr interessantes Buch (inhaltlich natürlich auch), dass man nicht alle Tage zu lesen bekommt.
Es gibt einen Prolog, eine kurze Szene als Jesse bei den Olympischen Spielen Silber auf 100 Meter Schwimmen gewinnt.
Soweit so gut, doch dann folgen drei Varianten eines Lebens 22 Jahre später, die aber alle damit verbunden sind, dass Jesse ihre Vergangenheit nicht verarbeiten kann.

Numero 1:
Jesse bleibt in ihrer Heimatstadt New Jerusalem, heiratet einen Tropfhöhlenbesitzer, ist schwanger und hat ein Verhältnis mit einem Fliegerpiloten.
William, ihr geistig behinderter Bruder, lebt bei ihnen.
Hallie, ihre Patentante, lebt in der selben Stadt, ebenso wie ihre Mutter.
Jesse bekommt ihr Kind und beendet das Verhältnis.

Numero 2:
Jesse ist Professorin für Englisch in New York und liiert mit einer Schauspielerin namens Rhonda.
William lebt teils im Heim, teils bei ihrer Mutter.
Mutter ist in New Jerusalem geblieben, wird als Englischlehrerin gerade pensoniert.

Numero 3:
Jesse hat zwei jugendliche Kinder, ist geschieden und hat ein schlecht laufendes Schwimmbad.
Ihr Sohn kommt nicht so Recht mit dem Leben klar, ihre Tochter hat Liebeskummer. Jesse selbt hat was mit einem Schwarzen, Oskar, will das aber nicht vertiefen.

In allen Versionen kommen früher oder später gewisse Figuren immer wieder vor (William, Patentante, usw.) vor, die man jedesmal ein bisschen anders kennenlernt. 
Wie schon erwähnt, gemeinsam ist allen Versionen jedoch, dass Jesse immer wieder an ihre Konkurrentin Marty zurückdenken muss, die damals Gold gewann. Marty und Jesse hatten, wie sich dann nach und nach herausstellt, eine sexuelle Beziehung in den Tagen vor dem Kampf, wobei sich Marty danach nie wieder bei Jesse gemeldet hat.

Zu guter Letzt gibt es noch ein Ende etwa 5 Monate später, wo Jesse (aus welcher Version ist egal) Marty endlich besuchen geht und somit die Chance hat, ihre Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen.

Das Buch hat mir recht gut gefallen, sehr emotional, empfindsam, leider aber nur recht selten witzig.




13.04.2006 um 18:51 Uhr

Vor dem Frost - Henning Mankell

von: Katze

Stimmung: 3 von 5
Musik: 541 Seiten

Der erste Wallander-Krimi, in dem seine Tochter die Hauptrolle spielt. Linda, etwa 30 Jahre alt, hat die Polizeischule gerade hinter sich und fiebert ihrem Arbeitsbeginn entgegen. Interessanterweise fängt sie in der selben Stadt wie ihr Vater an zu arbeiten und man kann schon die Konflikte ahnen, die auf die beiden zukommen.
Soweit kommen wir aber in dem Buch gar nicht, die ganze Geschichte spielt genau in diesen paar Tagen vor Lindas Arbeitsbeginn.
Es geht um verschwundene Frauen, die teilweise (wie sollte es bei Mankell auch anders sein) bestialisch ermordet werden, es geht um wieder aufgetauchte Männer, es geht um Religion und Fanatismus und zu guter Letzt um die komplizierte Beziehung zwischen Kurt Wallander und seiner Tochter.

Aber gerade diese Beziehung hat irgendwie so ein paar Sachen, die mich gestört haben: Was die beiden nicht alles intuitiv von sich wissen, ahnen, spüren oder sonstwie in Erfahrung bringen. Schon sehr erstaunlich! Wozu miteinander reden, sie sehen sich ihre Gedanken ja vermutlich an der Nasenspitze an...

Insgesamt: Spannend ist es auf jeden Fall, teilweise auch witzig, auf jeden Fall gut geschrieben.

Dauer:
2 Tage

13.04.2006 um 18:31 Uhr

Das große Loriot Buch

von: Katze

Musik: 592 Seiten

Gesammelte Geschichten in Wort und Bild

Sehr großes und dickes Buch, mit dem man vermutlich prima jemanden erschlagen könnte.
Man könnte es aber auch lesen, und wenn man sich dazu entschlossen hat, entfaltet sich ein gesamter Kontinent an Witz und Humor. Skurille Figuren, die durch ihre Normalität komisch wirken, wechseln sich ab mit Karikaturen über den Alltag, die Gesellschaft oder generell das allgemeine menschliche Miteinander.
Es ist nichts Aussergewöhnliches, was dort geschrieben bzw. gezeichnet ist, aber es ist ausserhalb des Gewöhnlichen und dank Loriot's Feder sehr komisch, aber auch nett, beschrieben.


Dauer:
ca. 2 Wochen


13.04.2006 um 18:16 Uhr

Der Schatten des Windes - Carlos Ruiz Zafon

von: Katze

Stimmung: 9 von 10
Musik: 563 Seiten

Ein zauberhaftes Buch.
>>...rundum das, was man einen wunderbaren Schmöker nennt.<<
Elke Heidenreich

Das steht auf dem Buchrücken und dem kann man nur zupflichten. Ein sehr, sehr schönes Buch, schön geschrieben, sehr spannend.

Nagut, wer der "Böse" ist, darauf kommt man dann recht schnell, aber die Geschichte dahinter ist sehr packend.

Inhaltsangaben finden sich eigentlich überall, da das Buch momentan hoch im Kurs ist - spar ich mir also.

Kommt meiner Vorstellung vom perfekten Roman schon recht nahe, hat's aber noch nicht getroffen.

Dauer:
etwa 2 lange Tage

06.04.2006 um 15:52 Uhr

Nachmahr - Anne Rice

von: Katze

Stimmung: 7 von 10
Musik: 538 Seiten

Der 4. Band der Vampir-Chronik von Anne Rice, und, wie ich finde, der witzigeste. Keine langen Ausflüge in die Vergangenheit, keine mystischen Rätsel wie in "Die Königin der Verdammten" und auch keine Biographie wie "Gespräch mit einem Vampir" und "Der Fürst der Finsternis".

Lestat de Lioncourt ist erneut die Hauptfigur, Louis und Claudia spielen eine Rolle, Marius taucht einmal kurz auf, die anderen Vampire werden mal erwähnt, spielen aber kaum eine Rolle. In diesem Buch wird viel vom Unterschied zwischen den Vampiren und Menschen gesprochen, über Gott, Teufel und Erlösung, über das Gute und das Böse, und über Schuld und Vergebung. (Lestat muss sich das ganzen Buch über mit Claudia und seiner Schuld ihr gegenüber auseinander setzten, und erst gegen Ende, als Lestat mit sich ins Reine kommt, verschwindet und stirbt sie endgültig)

Lestat erfüllt sich einen Traum und wird wieder Mensch, was sich allerdings als nicht ganz so berauschend herausstellt, wie er sich das vorgestellt hatte. Im Gegenteil, er erstickt fast am Essen, kann seinen, im Vergleich schwerfälligen, Körper nicht ausstehen und ist fast immer erkältet. Der Mensch, mit dem er den Körper getauscht hat, denkt natürlich nicht daran, den "gottgleichen" Vampirkörper wieder raus zu rücken und haut ab, wobei auch er mit den Kräften seinen Körpers Probleme hat. (Was ihn aber nicht daran hindert, drauflos zu metzeln)

Natürlich geht das Ganze gut aus, Lestat bekommt seinen Körper zurück, der Dieb stirbt und alles ist gut. Nunja, wenn da nicht die Sache mit David gewesen wäre, die einem wieder vor Augen führt, was Lestat im Grunde ist. David Talboot, ein Mensch und Oberer bei der Talmasca, ist der einzige Freund Lestat, der ihn sein lässt wie er ist. Die beiden unterhalten sich nächtelang und lernen sich lieben, wobei Lestat dauernd daran erinnert wird, dass David, der nicht mehr der Jüngste ist, bald sterben muss. Sämtliche Angebote Lestats, ihn zu einem seinegleichen zu machen, lehnt David jedoch wehement ab.
David ist es auch, der ihm hilft, den Körperdieb zu fangen, nachdem Louis ihn zurückgewiesen hatte: Louis war der Ansicht, dass Lestat die Chance nutzen solle, um nochmal Mensch zu sein und brachte es einfach nicht über sich, ihn wieder zum Vampir zu machen.

Der Rücktausch gestaltet sich natürlich nicht ganz unproblematisch. Lestat bekommt zwar seinen Körper wieder, jedoch wird David aus dem seinem geschmissen und muss den alten Körper von Lestat nehmen (der übrigens, wie sollte es auch anders sein, von umwerfender Schönheit ist). Der Dieb, im alten Körper Davids, trifft sich später mit Lestat, der den Schwindel nicht sofort erkennt, und bittet ihn um die Gabe der Finsternis. Lestat erkennt fast zu spät der Betrug und bringt den Menschen daraufhin im Jähzorn um. David, im falschen Körper gestrandet, ist dazu verdammt, dort zu bleiben, wobei er das vielmehr als Wiedergeburt empfindet.
Jetzt kommt eben die Stelle, wo Lestat zum "neuen" David geht und ihn, gegen dessen Willen, zum Vampir macht.....

Zu guter Letzt gibt es eine 3er-WG mit Lestat, Louis und David, die sich vermutlich noch eine Weile halten wird.


Mir hat das Buch ganz gut gefallen, teilweise eben sehr witzig, teilweise sehr traurig oder beklemmend. Die manchmal etwas lang anmutenden Auseinandersetzungen mit dem "Gute" und dem "Bösen, gibt es in jedem Buch, aber man kann sich gut daran gewöhnen. Auch gewöhnen muss man sich an den etwas pathetischen und dramatischen Stil Lestats, der sehr emotional wirkt.

Dauer:
ca 2 bis 3 Wochen