Frau Zettelchen liest...

04.12.2011 um 10:34 Uhr

...jetzt auch Strickbücher!

Der Superschalker hat sich selbstgestrickte Socken gewünscht. Sein Wunsch sei mir Befehl! Aber der erste Versuch war am Fuss zu eng, der zweite Versuch oben zu weit. Was tun?! Wir fragen ein Buch. Da finden sich nebenbei auch noch wertvolle Ratschläge für das tägliche Leben:

"Die Wörter lassen sich aus den Buchstaben des Alphabets individuell zusammenstellen." (4)

Wer hätte das gedacht??? ;-)

[Milla Schoen: Fashion Socks stricken. Stuttgart, Frechverlag 2005.]


03.12.2011 um 10:42 Uhr

...Holidays on Ice

Noch schnell ein Vorsatz für das laufende Jahr: Weihnachten 2011 will ich die ganzen Weihnachtsbücher, die sich in den letzten Jahren so angehäuft haben, tatsächlich lesen. Zumindest der Anfang ist gemacht... :-)

 

"Ein Zwerg im WeihnachtsLand ist das eine, ein Zwerg in der Sportbekleidung ist ganz was andres." (13)

Gescheiterte Drehbuchautoren, die eine Karriere als "Ganztagszwerg" anstreben. Schwarze Weihnachtsmänner, die den Weißen zu schwarz und den Schwarzen zu weiß sind. Eltern, die ihren Kindern Wünsche souflieren, die zufällig den Dingen entsprechen, die sie bereits gekauft haben. Das Ergebnis eines Seitensprungs des eigenen Ehemanns, das pünktlich zu den Festtagen halbnackt auf dem Schoß des eigenen Sohnes Platz nimmt. Ein Mord. Ein frustrierter Kritiker, der seinen  Unmut an Grundschülern und ihren Weihnachtsaufführungen auslässt:

"Indem er auf die überdimensionierte Kiste deutete, die als Krippe diente, sagte ein ganz besonders ungenügender Heiligerdreikönig: >>Uns ist ein Kindlein gebohrt.<<

Ich mir auch. Vor Langeweile in der Nase." (7)

Das ist kein bisschen langweilig. Das ist böse, lustig, voller Ironie. Das ist Weihnachten. Gerade weil nicht immer plötzlich alles großartig ist, nur weil der Kalender das Fest der Liebe verspricht...

 

David Sedaris: Holidays on Ice. Zürich, Haffmans Verlag AG 1999.

[Übersetzt übrigens von Harry Rowohlt - für mich ein eindeutiges Indiz für Qualität und gute Unterhaltung!!!]

 

 

22.11.2011 um 14:04 Uhr

...Bücher???

Azubine: Sag' mal, liest Du eigentlich?

Frau Zettelchen: Was?!

Azubine: Na, Bücher. Liest Du eigentlich auch Bücher?

Frau Zettelchen: Ähm. Also, ich studiere Literaturwissenschaften. Was würdest Du da vermuten??? Fröhlich

21.11.2011 um 07:04 Uhr

...Schmidt liest Proust (3)

„Meine Wohnung funktioniert nach dem Prinzip der mémoire involontaire, sie erlaubt nur zufällige Wiederentdeckungen." (15)

Neulich unter dem Sofakissen eine Zeitschrift mit dem Titel Chocoladen Seiten hervorgezaubert. Zufälliger geht's wohl nicht. Der Superschalker war schwer beeindruckt! ;-)

 


 

„Mit Proust ist es wie mit dem eigenen Leben, es scheint eigentlich nichts los zu sein, aber hinterher gibt es doch mehr aufzuschreiben, als man in der verbleibenden Zeit schaffen kann. Ich muß noch einen Kompromiß finden zwischen der Versuchung, das ganze Buch abzutippen und der Minimallösung, alles in einem Satz zusammenzufassen." (24)

Wäre die Recherche dann mein Werk, wenn ich sie komplett abtippe? Was meint Herbert Quain wohl dazu? ;-)

 


 

„Noch eine Antwort auf die Frage, was man im Leben macht, die einem immer wie eine Falle vorkommt: »Ich reichere Gedächtnis an.«" (71)

Wenn ich jemandem erzähle, dass ich Komparatistik studiere, folgt regelmäßig (natürlich erst im Anschluss an die Frage, was das eigentlich ist) die große Falle in meinem Leben: „Was macht man damit?" Wenn mir dann diese großartige Antwort nicht einfällt, bleibt mir nur zu erwidern: „Glücklich werden!"

 


 

„Bis jetzt habe ich das Buch gelesen als sei es gerade erst erschienen und mich, obwohl die Versuchung groß ist, gehütet mehr über Proust zu erfahren. Nun habe ich doch einmal geguckt und bin sofort darauf gestoßen, daß hinter Albertine Prousts Chauffeur und späterer Sekretär und Geliebter stecken soll. Ich wünschte, ich könnte das wieder vergessen." (112)

Keiner kann sich vorstellen, wie viele biographische Informationen und Interpretationsansätze sich in meinem Gedächtnis festgesetzt haben. Da Proust bereits den Beweis erbracht hat, dass das willkürliche Vergessen ebenso wertlos ist wie die mémoire volontaire bleibt mir nur, auf die Men in black zu hoffen...

 


 

„Wenn man elitär ist, liegt das nicht an einem selbst, sondern an den Mitmenschen, die sich disqualifizieren." (115)

Da ist eigentlich kein Kommentar nötig, oder?!

 

 [Jochen Schmidt: Schmidt liest Proust. Dresden, Voland & Quist 2008.]

 

18.11.2011 um 07:20 Uhr

...Schmidt liest Proust (2)

 Marcel Proust

10.07.1871 - 18.11.1922

 

Prousts Grab auf dem Pére Lachaise

 


„Ideale Voraussetzungen, um endlich »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« anzufangen, vorher kann man ja gar nicht mitreden, danach allerdings auch nicht, weil man keinen mehr findet, der einen noch versteht." (15)

Viel Wahrheit steckt in diesem Satz! Einmal zum Proustie geworden, befällt mich angesichts des Unverständnisses meiner Umgebung fast das Bedürfnis, mich regelmäßig dafür zu entschuldigen, dass ich ständig über Proust rede... Ich bin so froh, dass ich in meinen Prousties wenigstens ein paar Mitstreiter gefunden habe, die meine Leidenschaft (zumindest ein wenig) teilen...

Für den heutigen Tag empfehle ich Lindenblütentee und Madeleines. :-)

 

[Jochen Schmidt: Schmidt liest Proust. Dresden, Voland & Quist 2008.]