„Meine
Wohnung funktioniert nach dem Prinzip der mémoire involontaire, sie erlaubt nur
zufällige Wiederentdeckungen." (15)
Neulich unter dem Sofakissen eine Zeitschrift mit
dem Titel Chocoladen Seiten hervorgezaubert. Zufälliger geht's wohl
nicht. Der Superschalker war schwer beeindruckt! ;-)
„Mit Proust
ist es wie mit dem eigenen Leben, es scheint eigentlich nichts los zu sein,
aber hinterher gibt es doch mehr aufzuschreiben, als man in der verbleibenden
Zeit schaffen kann. Ich muß noch einen Kompromiß finden zwischen der
Versuchung, das ganze Buch abzutippen und der Minimallösung, alles in einem
Satz zusammenzufassen." (24)
Wäre die Recherche dann mein Werk, wenn
ich sie komplett abtippe? Was meint Herbert Quain wohl dazu? ;-)
„Noch eine Antwort auf die Frage, was
man im Leben macht, die einem immer wie eine Falle vorkommt: »Ich reichere
Gedächtnis an.«" (71)
Wenn ich jemandem erzähle, dass ich Komparatistik studiere, folgt regelmäßig
(natürlich erst im Anschluss an die Frage, was das eigentlich ist) die große
Falle in meinem Leben: „Was macht man damit?" Wenn mir dann diese großartige
Antwort nicht einfällt, bleibt mir nur zu erwidern: „Glücklich werden!"
„Bis jetzt
habe ich das Buch gelesen als sei es gerade erst erschienen und mich, obwohl
die Versuchung groß ist, gehütet mehr über Proust zu erfahren. Nun habe ich
doch einmal geguckt und bin sofort darauf gestoßen, daß hinter Albertine
Prousts Chauffeur und späterer Sekretär und Geliebter stecken soll. Ich
wünschte, ich könnte das wieder vergessen." (112)
Keiner kann sich vorstellen, wie viele
biographische Informationen und Interpretationsansätze sich in meinem
Gedächtnis festgesetzt haben. Da Proust bereits den Beweis erbracht hat, dass
das willkürliche Vergessen ebenso wertlos ist wie die mémoire volontaire
bleibt mir nur, auf die Men in black zu hoffen...
„Wenn man
elitär ist, liegt das nicht an einem selbst, sondern an den Mitmenschen, die
sich disqualifizieren." (115)
Da ist eigentlich kein Kommentar nötig, oder?!
[Jochen Schmidt: Schmidt liest Proust. Dresden, Voland & Quist 2008.]