Frauen Bewegen Frauen

23.11.2017 um 15:37 Uhr

25.November 2017 - Internationaler Tag für Frauen

Hallo Ihr Lieben!

Übermorgen ist es wieder soweit.

Der "Internationale Tag für die Beseitigung von Gewalt an Frauen" findet weltweit statt. Zum Glück hat es viele positive Veränderungen gegeben, um diese Gewalt mehr u. mehr einzudämmen.

Einzudämmen. Abgeschafft ist sie leider, leider immer noch nicht. Auch wenn unsere ‚westliche‘ Welt noch so zivilisiert zu sein scheint. Gewalt gegen Frauen wird weiterhin geduldet, unterschätzt, verharmlost, übersehen…

Weswegen Frauen auch weiterhin darüber reden müssen.

Viele glauben, diese Gewalt betrifft sie nicht. Doch das ist ein Trugschluss. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen beginnt schon mit Sexistischen Witzen, Anzüglichkeiten, Belästigungen. Und endet irgendwann in konkreter Gewalt. Es gibt stets eine Steigerung.

Gewalt gegen Frauen beginnt im Kopf.

Wer denkt, dass nichts dabei ist Frauen anders zu behandeln, weil sie Frauen sind, ist schon auf dem besten Weg dahin, auch Gewalt zuzulassen. Denn Frauen sind Menschen. Was ich denke, das bin ich. Wenn Frauen als sexualisierte Objekte dargestellt werden, trägt dieses desaströse Menschen, bzw. Frauenbild irgendwann auch negative Früchte. Wie wir ja sehen...

Frauenfeindliche Werbung ist strukturelle Gewalt“ schreibt Terre des Femmes zum Thema:

https://frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen/frauenfeindliche-werbung

Auszug:

„Auf der Straße, beim Lesen, Fernsehen oder beim Surfen durchs Internet - Werbung begegnet uns täglich und ist allgegenwärtig. Über Reklame werden Botschaften transportiert, Lebensgefühle erzeugt und Idealbilder verbreitet. Werbung gibt gesellschaftliche Rollenbilder weiter und zeigt uns, wie Frauen und Männer angeblich zu sein haben. Bereits Kinder werden früh von diesen Bildern geprägt.

Besonders die Darstellung von spärlich bekleideten Frauen wird gerne genutzt, um auf ein Produkt aufmerksam zu machen, das meist in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit dem Frauenkörper steht. Unter dem Motto "Sex sells" soll mithilfe von teilweise pornographischen Darstellungen Elektronik, Autos oder andere Produkte verkauft oder sogar Spenden für Hilfsorganisation generiert werden. Aber nicht nur die Reduzierung des weiblichen Körpers auf ein sexuelles Objekt ist diskriminierend…“

Anhand einiger Beispiele sexistischer Werbung möchte ich aufzeigen, wie sehr die Gedanken beeinflusst werden, Frauen als Objekte zu sehen u. nicht als Menschen. Das Frauenbild in der Gesellschaft ist das Problem.

https://pinkstinks.de/negativ-beispiele/
http://itzebitze.de/aktuelles.html
https://www.emma.de/thema/sexismus-es-reicht-jetzt-185284

Und so sieht es aus, wenn Männer Frauenrollen in der Werbung übernehmen würden. Daran seht ihr recht schnell, wo das Problem liegt:

http://meedia.de/2014/03/18/wenn-maenner-frauenrollen-in-der-werbung-spielen-wuerden/

Die Frau als Objekt.

Das führt unweigerlich zur nächsten Stufe, den Übergriffen. Denn was entmenschlicht wird, verliert, schleichend zu Beginn, aber dann die (Menschen-)Rechte. Die Auswüchse davon sehen wir in der Porno- u. Prostitutions Industrie.

Prostitution ist nicht anderes als - vom Staat - legitimierte sexuelle Gewalt gegen Frauen.

Worüber es gerade eine aktuelle Dokumentation gibt:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/bordell-deutschland-ueber-prostitution-im-zdf-eine-gewaltige-doku-a-1177716.html

Auszug:

Jünger, vielfältiger und billiger. Das 2002 verabschiedete Prostitutionsgesetz wurde als Fortschritt gefeiert. Welche Verheerungen es in Wahrheit nach sich gezogen hat, zeigt eine monumentale Doku in der ZDFinfo-Mediathek.

Nach zwei Minuten ist klar, wohin die Reise geht. Nach fünf Minuten steht die Tendenz der Dokumentation endgültig fest. Nach 15 Minuten ist das Elend kaum mehr auszuhalten, sind Opfer, Profiteure und Urheber der Malaise benannt und bekannt. Aber da muss man nun durch. "Bordell Deutschland" ist die umfassendste Recherche, die bisher zum Thema Prostitution im deutschen Fernsehen zu sehen war.

Über ein Jahr hat Christian Paul Stracke recherchiert, von Berlin bis Temesvar, von Malmö bis Kleinblittersdorf, vom Straßenstrich zum Edelpuff, von der Therapiestelle bis ins Ministerium, bei "Sexarbeiterinnen", Zuhältern, Aktivisten. Auf 90 Minuten breitet er aus, mit welcher Heftigkeit das 2002 verabschiedete Prostitutionsgesetz nach hinten losgegangen ist.

Die Doku (noch) in der Mediathek:

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/bordell-deutschland-milliardengeschaeft-prostitution-102.html

Die strukturelle Gewalt gegen Frauen hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, das sehen wir auch anhand des Sturmes der wegen Weinstein losbrach. Frauen sprechen endlich darüber, schweigen nicht mehr über sexualisierte Gewalt.

Doch ändert sich etwas?

Ein aufschlussreicher Artikel, den ich beim österreichischen DerStandard gefunden habe, zeigt wo das Problem liegt:

https://derstandard.at/2000066760214/MeToo-und-die-Begriffsstutzigkeit-der-Maenner

Auszug:

Keiner soll sagen, dass er es nicht geahnt oder gewusst hat. Niemand. Nicht die Männer im Umfeld von Harvey Weinstein wie Quentin Tarantino, die jahrzehntelang seine Protektion und sein Vertrauen genossen haben. Und auch wir nicht, die wir immer mal wieder geflissentlich über Belästigungen hinwegsehen, sexistische Bemerkungen abnicken und so tun, als wäre nichts gewesen.

Wir Männer, die wir uns für dufte, anständige Typen halten, weil wir Frauen nicht zu Opfern machen, während wir sie ein ums andere Mal ohne mit der Wimper zu zucken zu Kollateralschäden unserer Feigheit, Selbstgerechtigkeit und Ignoranz degradieren. Und dafür auch noch Dankbarkeit erwarten. Immerhin haben wir begriffen, dass Frauen ja auch Menschen sind, mit denen wir befreundet sein können und die wir nicht gegen ihren Willen anfassen würden. Aber die Taschen, in die wir uns lügen, sind so groß, wie unsere Aufmerksamkeitsspanne bei solchen Debatte kurz ist. Oder wer von uns hat persönliche Konsequenzen aus dem #Aufschrei gezogen und rekapituliert, in welchen Situationen er weggeschaut hat? Wir machen es uns zu einfach. Mit den Männern um Harvey Weinstein und mit uns selbst.“

Und weiter aus o.g.Artikel:

"Wir wollen es uns nicht vorstellen. Wir stehen mitten auf einem Schlachtfeld missbrauchter Frauenkörper, von überall her branden laute Stimmen gegen unsere Ohren. 

Und was tun wir Männer? Wir sorgen uns, weil angeblich neue rote Linien in dem alltäglichen Miteinander von Männern und Frauen gezogen werden. Womöglich darf Mann dann überhaupt nichts mehr sagen – und flirten schon gar nicht. Wo bleibt denn da der Spaß?

Jeder von uns kennt mindestens eine Frau, die Opfer von Belästigung oder Missbrauch geworden ist. Und doch macht dieser Umstand viel zu wenig mit uns. Nein, nicht alle Männer sind Täter. Aber es sind viel zu viele. Und nein, nicht alle Männer sind Mitwisser. Aber doch die meisten. Wir müssen endlich erkennen, dass wir durch unser Nichtstun Missbrauch und Belästigung zu unvermeidlichen Nebenwirkungen des Zusammenlebens von Männern und Frauen erklären. Und dass unser Schweigen den Eindruck erweckt, diese Nebenwirkungen seien nicht einmal unerwünscht. Wir sind dran!“

Dank der #MeToo Welle melden sich immer mehr Frauen, die sexuelle Gewalt erlitten haben. Da kanns einem schwindelig werden. Denn jeden Tag kommen neue Anzeigen hinzu. Ein Fass ohne Boden. Nur einige wenige - bekannt gewordene - Beispiele der letzten drei Monate:

https://derstandard.at/2000067868041/Uebergriffe-auch-fuer-Kuenstlerinnen-in-Schweden-an-der-Tagesordnung
http://www.huffingtonpost.de/2017/11/13/koeln-sex-uebergriffe-fes_n_18540312.html
https://www.merkur.de/bayern/haftbefehle-erlassen-sexuelle-uebergriffe-auf-volksfest-8673705.html
https://www.welt.de/politik/deutschland/article170723834/Eine-Reihe-von-Beschwerden-ueber-sexuelle-Belaestigung.html

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-10/sexuelle-belaestigung-frauen-umfrage

Auszug:

Fast jede zweite Frau betroffen. Ein großer Teil der Frauen in Deutschland ist laut einer Umfrage sexuell belästigt oder bedrängt worden. Mehr als jeder sechste Mann räumt Fehlverhalten ein.

Bereits Mitte des Monats hatte eine YouGov-eigene Umfrage mit fast 2.400 Teilnehmern ähnliche Zahlen zu Betroffenen ergeben. Die häufigste Art der Belästigung sind laut dieser Umfrage Berührungen (rund 28 Prozent), gefolgt von anzüglichen Sprüchen (24 Prozent).“

Seit so vielen Jahren kämpfen Frauen gegen Gewalt. Aber die Verursacher haben sich bisher kaum oder gar keinen Kopf darüber gemacht.

Deswegen schätze ich auch jeden einzelnen Mann, der sein eigenes Verhalten u. das anderer Männer überprüft u. sich fragt, was da schief läuft!! :-)

Wir Frauen gehen immer, ständig, Jahrzehnt um Jahrzehnt auf die Straße. Wehren uns. Haben uns Rechte erstritten, die für Männer selbstverständlich sind, wie z.B. Nein heißt Nein.

Ich wünsche mir viel mehr Männer, die ihre Mütter, Töchter, Schwestern, Freundinnen darin unterstützen. Denn welcher Mann will denn unter Generalverdacht stehen, nur weil es so viele Idioten gibt, die die Grenzen von Frauen mit Füßen treten.

Zeigt Flagge! Ächtet alle Formen der Gewalt gegen Frauen!

Denn wenn ein positives Menschen/Frauenbild an unsere Kinder weiter gegeben wird, könnte es doch noch geschehen dass sich viel mehr verändert u. Frauen genauso frei leben könnten wie Männer. ;-) Das ist unter dieser objektivierenden Haltung in unserer Gesellschaft kaum möglich.

Auf der Seite von UN-Women erfahren wir u.a.:

https://www.unwomen.de/un-women-nationales-komitee-deutschland-ev.html
http://www.unwomen.de/schwerpunkte/beendigung-der-gewalt-gegen-frauen/internationaler-tag-zur-beendigung-der-gewalt-gegen-frauen-2017.html

Auszug:

#Jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner getötet. In Deutschland.

Letztes Jahr wurde eine grauenhafte Beziehungstat aus Hameln bekannt, bei der ein Mann die Mutter ihres Kindes an einem Seil hinter seinem Auto herzog, bis sie mit schwersten Verletzungen auf dem Bürgersteig liegen blieb. Das Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlichte 2016 erschreckende Zahlen zur Gewalt gegen Frauen. Fast jeden Tag wird eine Frau Opfer von Gewalt. Jeden dritten Tag wird eine Frau durch ihren Partner getötet. In Deutschland! 

Wir fordern die neue Bundesregierung auf, das Gesamtkonzept zur Prävention von und zum Schutz vor Gewalt gegen Frauen zu verschärfen und die Hilfen für Opfer zu verbessern. Dazu hat sich Deutschland mit der Ratifizierung der „Istanbul-Konvention“ verpflichtet"

Sind Sie von Gewalt betroffen?

 

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Es ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr kostenlos unter der Telefonnummer 08000 116 016 und online unter www.hilfetelefon.de erreichbar.

Auch Personen aus ihrem sozialen Umfeld und Fachkräfte finden zu allen Formen von Gewalt Unterstützung – anonym und vertraulich, in 17 Fremdsprachen, in Deutscher Gebärdensprache und in Leichter Sprache.“

Abschließend möchte ich die wunderbaren Worte von Alice Schwarzer, aus dem Jahr 2000 hier auszugsweise rein setzen. Sie hat einen Traum…

https://www.aliceschwarzer.de/artikel/ich-habe-einen-traum-266229

Auszug:

Ich habe einen Traum. Ich bin eine Frau. Es ist eine laue Sommernacht. Ich schlendere durch die Straßen. Bleibe stehen. Schaue in eine Auslage. Beachte kaum, dass sich jemand neben mich stellt. Gehe weiter. Biege in einen Park ein. Setze mich auf eine Bank. Schaue in die Sterne. Erschrecke nicht, als sich jemand mit raschen Schritten nähert… Zu Misstrauen habe ich keinen Grund. Der Mann neben mir ist nicht mein Feind. Vielleicht wird er sogar ein Freund. Ich bin eine Frau. Ich kann überall hingehen. Ohne Angst. Die Welt steht mir offen.

Ich habe einen Traum. Ich bin ein kleines Mädchen. Nachts stört niemand meinen Schlaf. Keiner schiebt sich in mein Bett. Ich nässe nicht in meine Laken und kaue nicht meine Nägel. Wenn ich etwas sage, hören mir die anderen zu. Wenn meine Mutter die Hand hebt, zucke ich nicht zusammen. Wenn mich mein Vater auf seinen Schoß zieht, stockt nicht mein Herz. Wenn mir Gefahr droht, eilen die anderen mir zur Hilfe. Wenn ich teile oder tröste, werde ich dafür gelobt. Wenn ich stolz bin, werde ich darin bestärkt. Wenn ich verwegen bin, werde ich zu mehr ermutigt. Ich bin ein kleines Mädchen. Ich freue mich auf morgen...

Ich habe einen Traum. Ich lebe in einem fremden Land. Ich muss nicht hungern. Ich muss mich nicht prostituieren. Ich bin nicht wie Vieh verkauft, nicht wie eine Sklavin verstoßen, nicht wie ein Hund lebendig verscharrt worden. Ich bin auch nicht der Besitz eines Mannes, der mich im Namen Allahs bis zur Unsichtbarkeit unter den Schleier zwingt. Mir sind nicht die Genitalien mit deinem Rasiermesser verstümmelt, mir ist nicht die Vagina zugenäht worden. Ich spüre nicht Schmerz, sondern Lust. Ich habe mich auch nicht mit Versprechungen oder Drohungen in ein reiches Land verschleppen lassen, Endstation Bordell. Ich bin eine Frau. Und im vollen Besitz meiner Menschenrechte…“

Träumen ist etwas Wunderbares! :-)

Behaltet das Ziel im Auge! Habt Visionen! Traut euch!

Zum Wochenende nun wieder luftigere Kost. :-)

Ganzjährig Vogelfutter für Wildvögel (Prof. Dr. Berthold)

https://www.youtube.com/watch?v=AeW_rracJF0

Eichhörnchen am Futterhaus

https://www.youtube.com/watch?v=3fZ8O0XZ3N0

3 Eichhörnchen zu 4 verschiedenen Jahreszeiten

https://www.youtube.com/watch?v=XxynpK_FFic

Gönnt euch mal ne Pause...

und liebe Grüße
Violine


Nachgetragen:

https://pinkstinks.de/blog/eine-ende-von-gewalt-gegen-frauen-beginnt-im-kleinen/

Auszug:

„Der Name dieses Tages ist in einer bestimmten Hinsicht unvollständig, da die Gewalt und ihr Ursprung nicht genannt werden. In vielerlei Hinsicht wäre es folgerichtig den 25. November den „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen DURCH MÄNNER“ zu benennen. Denn in 99 Prozent aller Fälle von sexueller Gewalt sind die Täter Männer.

Und damit geht gerade uns Männer dieser Tag explizit an. Verantwortlich für die Gewalt an Frauen sind nämlich nicht nur die Männer, die Taten verüben, sondern auch die vielen anderen: Männer, die nicht eingreifen. Männer, die zuschauen. Männer, die durch sexistische Witze eine sexistische Kultur am Leben erhalten. Männer, die von Vorfällen wissen, aber nichts unternehmen. Gewalt an Frauen beginnt als Gewalt und Erniedrigung in den Köpfen – meistens also in den Köpfen von Männern. Was ist zu tun?...“


Nachgeschoben:

Um mehr Ruhe u. Zeit beim Recherchieren zu haben werde ich (vorerst) statt jede Woche alle zwei Wochen hier in meinem Blog schreiben. Wie heißt es so schön: Weniger ist mehr. ;-)




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