Frauen Bewegen Frauen

24.08.2017 um 15:26 Uhr

Aufklärung hilft Verstehen

Hallo Ihr Lieben!

Es lohnt sich immer.

Zu protestieren, aufmerksam zu machen.
Viel zu viele sehen weg, schweigen.

Erst durch Proteste haben Frauen damals das Wahlrecht bekommen. Sie sind auf die Barrikaden gegangen. Proteste bewirken auch heute noch sehr viel.

Diese Tage eine Umkehr im Denken der Stadt Frankfurt. Bedauerlich zwar, dass es dafür erst Proteste brauchte u. die entsprechenden Stadt MitarbeiterInnen null Ahnung hatten, was eigentlich in einem Bordell vor sich geht. Aber die Proteste zeigten Wirkung. :-)

Ebenso melden sich immer mehr Ex-Prostituierte öffentlich. Protestieren so gegen Unwissenheit u. für Aufklärung. Berichten uns darüber, was jeden Tag Frauen in deutschen Bordellen angetan wird.

Erstmal zum Artikel über Frankfurt:

http://www.emma.de/artikel/frankfurt-stopp-fuer-bordell-fuehrungen-334701

Auszug:

„Nach Protesten stoppt die Stadt Bordell-Führungen und Puff-Werbung bei der „Frankfurter Bahnhofsviertelnacht“ am 17. August. Und: Aktivistinnen laden zur Mahnwache. Sie wollen die BesucherInnen des Szeneviertels sensibilisieren: „Vor unser aller Augen werden Frauen in diesem Viertel sexuell misshandelt und ausgebeutet.“

Eine andere Form des Protestes wählt auch die nächste Prostituierte, die ausgestiegen ist, wie viele andere vor ihr. Huschke Mau, Tanja Rahm, Rachel Moran(Irland), Rebekka Mott(England), Rosen Hicher(Frankreich), Jana Koch-Krawczak(Polen) uvm.

In diesem Artikel berichtet Sandra Norak über ihren Ausstieg:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/prostitution-wie-sandra-norak-den-ausstieg-schaffte-a-1160616.html

Auszug:

Frühere Prostituierte "Es war Seelenmord" Ein Loverboy machte sie gefügig, sechs Jahre lang schaffte Sandra Norak an. Dann kämpfte sie sich frei. Heute studiert sie Jura und hat ein großes Ziel: die Abschaffung der Prostitution.

In ihren zarten Gesichtszügen deutet nichts darauf hin, was die blonde, zierliche 27-Jährige von 2008 bis 2014 durchgemacht hat. Sechs Jahre als Escort-Mädchen, als Prostituierte in verschiedenen Bordellen, Flatrate-Sex, freundliche Familienväter, die "zum Monster wurden", wie sie sagt, Panikattacken, Atemnot, nur mit viel Alkohol ließ sich das ertragen.“

Und hier geht es zu ihrer eigenen Webseite. Sie möchte aufklären über das Leben oder wohl besser über die tägliche Gewalt denen Prostituierte ausgesetzt sind. Sie möchte helfen, dass Menschen, die noch ein ziemlich verklärtes Bild von Prostitution haben, klarer sehen.

https://mylifeinprostitution.wordpress.com/startseite/
https://mylifeinprostitution.wordpress.com/ueber-diesen-blog/

Auszug:

Was führt einen Menschen in die Prostitution? Kann sie wirklich freiwillig von statten gehen? Was fühlt jemand, der sich prostituiert? In welchem Ausmaß empfindet ein solcher Mensch eigentlich Gefühle wie Ekel, Wut oder Angst? Was bleibt am Ende übrig?

Fragen über Fragen, mit denen ich mich seit meinem Ausstieg vor 3 Jahren auseinandersetze. Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, wie ich überhaupt in die Prostitution hineinrutschen konnte und noch länger habe ich gebraucht um zu verstehen, wie Menschen wie ich in der Lage sind, diese Art von Leid (z.B. Geschlechtsverkehr mit alkoholisierten und aggressiven Menschen) auszuhalten und dauerhaft zu ertragen. Wissenschaftliche Arbeiten und Studien aus der Traumaforschung über Vorgänge im menschlichen Gehirn in bestimmten Situationen haben mir bei der Verständnisfindung meiner eigenen Lage und der vieler anderer Frauen sehr geholfen.

Um Dinge zusammen mit der Masse verändern zu können, braucht es allerdings Verständnis der Menschen für die Problematik eines Themas und dazu ist Aufklärung nötig. Dazu möchte ich beitragen; das Vorantreiben der Aufklärung in diesem Bereich ist der Grund, warum ich an die Öffentlichkeit gehe.“

Weiter schreibt sie in ihrem Blog:

6 Jahre habe ich also am eigenen Leib erlebt und von anderen Frauen in zahllosen, erschütternden und verstörenden Gesprächen erfahren, was diese Art von Dienstleistung in einem Menschen auslöst. Was durch sie im Menschen zerstört wird. Nicht nur die Würde, sondern das Menschsein wird einem entzogen.

Wie bereits andere Aussteigerinnen vor mir, kann und will auch ich nicht mehr zu den Missständen in unserer Gesellschaft schweigen. Denn Schweigen bedeutet zusehen. Und zusehen bedeutet mitverantworten, wie tagtäglich tausende von Menschen in der Prostitution ihrem Selbstwert und ihrer Würde beraubt werden. Die immer wieder auftauchenden Berichte vor allem von Sexarbeiterinnen, die mit ihren Beiträgen die Prostitution verherrlichen und sie in ein gutes Licht zu rücken versuchen während sie der absoluten Minderheit angehören, diese Tatsache aber leider viel zu selten an die Öffentlichkeit dringt, machen mich sehr nachdenklich.

Das Traurige, was ich aus meiner Zeit im Milieu leider mitnehme ist, dass in all den Jahren, in denen ich gearbeitet habe, die überwiegende Zahl der Männer das Leid und Unbehagen der Frauen gesehen, ignoriert und den sexuellen Akt fortgesetzt hat. Wie Tiere sind sie über mich und die anderen Frauen hergefallen. Ohne Respekt, ohne Achtung, ohne WÜRDE.“

Die meisten Menschen wissen überhaupt nicht, was da in unseren deutschen Bordellen geschieht, wie viele Frauen täglich vergewaltigt werden u. keiner sieht hin.

Nochmal zur Erinnerung:

Das EU-Parlament hat 2014 Prostitution als Verletzung der Menschenwürde eingestuft.
http://www.emma.de/artikel/eine-klare-botschaft-fuer-das-21-jahrhundert-316553

http://www.europarl.europa.eu/news/de/news-room/20140221IPR36644/Die-Freier-bestrafen-nicht-die-Prostituierten-fordert-das-Parlament

Auszug:

Die Abgeordneten betonen, dass nicht nur Zwangsprostitution, sondern auch freiwillige sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung die Menschenrechte und die Würde des Menschen verletzen. Es sieht Prostitution als eine Verletzung der Menschenrechte und als eine Form von Gewalt gegen Frauen. Es kriminalisiert diejenigen, die für Sex bezahlen, und nicht die, die ihn verkaufen. Die Abgeordneten rufen die Mitgliedstaaten dazu auf, dem nordischen Modell zu folgen.“

Prostitution ist eine Menschenrechtsverletzung.

Prostitution ist Gewalt gegen Frauen.
Prostitution verletzt die Würde der Frauen.

Aus diesem Grund rufe ich euch auf selbst aktiv zu werden.

So wie es in Frankfurt geschehen ist.
Wir müssen aufklären, informieren.

Ja, müssen. Denn es kann nicht sein, dass in unserem Land Frauen jeden Tag gegen ihren Willen in deutschen Bordellen vergewaltigt werden. Und dabei verdient auch noch unsere Regierung dran. „Vergnügungssteuer“ u. was nicht alles.

Informationen gibt es reichlich, z.B. in meinem Blog:

http://www.blogigo.de/Frauen_bewegen_Frauen/category/4

Die EMMA schreibt seit den 80igern drüber:

http://www.emma.de/thema/emma-appell-gegen-prostitution-111249
http://www.emma.de/thema/prostitution-der-ueberblick-317533

Bündnisse die Prostituierte schützen wollen:

http://sisters-ev.de/
https://stop-sexkauf.org/
http://www.solwodi.de/931.0.html

Prostituierte die überlebten u. ausgestiegen sind:

http://www.spaceintl.org/

Trauma u. Prostitution:

http://www.trauma-and-prostitution.eu/

Gebt die Infos weiter, verteilt sie bei facebook, in euren Netzwerken.

Wir können etwas bewegen! :-)

Zum Wochenende gibt’s wieder leichte Kost. :-)

Great Spooted Woodspecker Nest (tolle Aufnahmen!)

https://www.youtube.com/watch?v=LC5N292iIAI

Middle Spotted Woodspecker

https://www.youtube.com/watch?v=UfuFDOLAVAk

Great Spotted Woodspecker at nest

https://www.youtube.com/watch?v=FHolMV93Ya8

Passt gut auf euch auf!

Liebe Grüße
Violine

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSweetFreedom schreibt am 24.08.2017 um 16:07 Uhr:Liebe Violine,
    danke, daß Du immer wieder daran erinnerst.
    Ich habe das vor Jahren mal gehört, daß eine Sportkollegin bei solch einer Führung in einem Bahnhofsviertel gewesen ist. Sie war damals schon 60 und ich fragte mich, wie sie nicht sehen konnte, worum es wirklich ging. Meinungsmache, Gehirnwäsche, festzementierte Annahmen...
    Jeder von uns kann beitragen, indem er immer wieder NEIN sagt zu diesen Märchen, die über Prostitution erzählt werden. Und dann mal nachfragen, wenn das alles so lustig ist, warum verdienst "du", "deine Frau" oder Tochter nicht was auf diese Weise dazu? Erschreckend, was die Leute unbedacht von sich geben.
    Es gibt kein Argument für Prostitution. Jegliches Scheinargument stellt eine Bevölkerungsgruppe über eine andere. Unerträglich.

    Sehr schön, der Post über das Kopftuch. Wußte ich nicht. Danke.

    Übrigens, hast Du die aktuelle Wahl des Zornigen Kaktus gesehen? Auch unerträglich, wie jemand für solche Werbungsentwürfe Geld kriegen konnte. Ausgelacht gehören diese Typen. 15 sind sie noch immer und unreif. Schade, daß jedes Jahr wieder so viele Dinge eingereicht werden können. Ich hoffe auf den Tag, wo die Leute nichts mehr zum Nominieren finden...

    Liebe Grüße
    S.F.
  2. zitierenFrauenBewegenFrauen schreibt am 25.08.2017 um 18:15 Uhr:Hallo SweetFreedom!
    Genau wie Du schreibst: Keiner würde die eigene Tochter, Schwester, Frau... ins Bordell schicken. Nicht nur zum Dazuverdienen, nein als Vollzeitjob. Unvorstellbar. Dieser Selbstbetrug ist so furchtbar.

    Ach der zornige Kaktus. :-( Lernen die denn nichts dazu? Es sind Firmen Chefs, die solche Werbung absegnen. Das spricht für unsere sexualisierte u. pornografisierte Gesellschaft. Kein Bewusstsein. Gut, dass es den zornigen Kaktus gibt, öffentlicher Pranger. ;-) Vielleicht lernen sie es dann endlich.
    LG Violine

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