Frauen Bewegen Frauen

22.09.2017 um 08:07 Uhr

Frauenhhäuser - Aufnahmestopp

Hallo Ihr Lieben!

Seit 2012 gibt es meinen Blog. :-)

Kaum online war eines der wichtigen Themen die Gesicherte Finanzierung der Frauenhäuser u. Frauenberatungsstellen.

Die Frauenhäuser selber kämpfen seit 1976, seit es Frauenhäuser gibt, um ihre Finanzierung. Dafür schreiben sie regelmäßig an die Regierung u. berichten über diese Zustände.

Im Jahr 2012 kam auch der erste Lagebericht über die Situation in den Frauenhäusern an die Öffentlichkeit. Somit ist bekannt, dass es an Geld u. Plätzen mangelt.

Geändert hat sich daran nichts. Keiner fühlt sich zuständig.

Länder u. Kommunen. Regierungen u. PolitikerInnen.
Keiner hört zu. Keiner sieht hin. Auf diese Not, dieses Leid.

Dieses Gerangel um Zuständigkeiten wird auf dem Rücken verfolgter Frauen u. Kinder ausgetragen. Denn um die geht es ja. Frauen, die geschlagen, vergewaltigt, bedroht werden u. nach Schutz suchen.

Inzwischen hat sich die Lage derart zugespitzt, dass Frauenhäuser Alarm schlagen.

http://www.emma.de/artikel/aufnahmestopp-frauenhaeuser-schlagen-alarm-334827

Auszug:

„Frauenhäuser schlagen Alarm! Seit Jahren gibt es zu wenig Frauenhaus-Plätze, aber jetzt ist die Lage „dramatisch wie nie“. In einem Offenen Brief an die Fraktionen warnen die Frauenhäuser. Es herrsche „faktisch vielerorts Aufnahmestopp“, erklärt der Dachverband „Frauenhauskoordinierung“ – und spricht von einer „Katastrophe“. Was sind die Ursachen?

Sie bekommen Hilferufe aus ganz Deutschland. „In Hessen gibt es schon seit Wochen einen Notstand bei freien Frauenhausplätzen, schon seit März sind wir voll belegt. Wenn wir versuchen, eine Frau innerhalb von Hessen zu vermitteln, ist dies so gut wie nicht möglich. Wir haben versucht, in Baden Württemberg, in Bayern und Nordrhein-Westfalen einen Platz zu bekommen – ohne Erfolg. Für die Frauen und Kinder ist das eine Katastrophe und für uns eine große psychische Belastung, dass wir Frauen und Kindern keinen Schutz anbieten können.“

Es ist eine Schande! Und diese Problematik ist ja seit vielen Jahren mehr als bekannt. Doch fühlt sich keiner zuständig. Auf Kosten von Frauenleben.

Weiter aus dem o.g. EMMA Artikel:

"Schon seit Jahren klagen die Frauenhäuser über Platz- und Geldmangel. Nun aber verschärft sich die Situation. Zum Beispiel durch die steigenden Mieten, die es Frauenhaus-Bewohnerinnen immer schwerer machen, nach dem Aufenthalt im Frauenhaus eine bezahlbare Wohnung zu finden. „Hinzu kommt, dass immer mehr Frauen mit besonderen Problemlagen in die Frauenhäuser kommen“, sagt Heike Herold, Sprecherin der „Frauenhauskoordinierung“. „Das sind zum Beispiel Frauen mit Schulden, psychischen Problemen oder einer Suchtproblematik. Die können Sie nicht nach ein paar Wochen wieder auf die Straße schicken

Und dann sind da noch die geflüchteten Frauen, die ihre prügelnden Ehemänner verlassen. Eine weitere Gruppe, die in die Frauenhäuser drängt, die aber schon jetzt aus allen Nähten platzen. Gleichzeitig ist die Finanzierung der Frauenhäuser immer noch keine staatliche Pflichtaufgabe, Länder und Kommunen schieben sich den Schwarzen Peter hin und her.  

Dabei, so die "Frauenhauskoordinierung", hat sich Deutschland mit Unterzeichnung der Istanbul-Konvention zur "Einrichtung von leicht zugänglichen Schutzunterkünften in ausreichender Zahl verpflichtet."

Bereits 2012(!) schrieb ich über die prekäre Lage in den Frauenhäusern u. was, wie getan werden müsste, damit der Bund handeln kann. Hier zu finden:

http://www.blogigo.de/Frauen_bewegen_Frauen/Frauenberatungsstellen-Frauennotrufe-und-Frauenhaeuser/10/

Auszug:

Seit vielen Jahren kämpfen die Frauennotrufe, Frauenberatungsstellen und Frauenhäuser um ihre Existenz. Obwohl der Bund dazu verpflichtet ist nach dem Grundgesetz (Recht auf körperliche Unversehrtheit), durch das Gleichstellungsgesetz u. den Europäischen Konventionen zum Schutz der Frauen vor geschlechtsbezogener Gewalt werden die Mittel weiterhin gekürzt. In Deutschland werden die Frauenhilfesysteme (Frauennotrufe, Frauenberatungsstellen u. Frauenhäuser) von Ländern u. Kommunen finanziert u. durch Bußgelder und das oft als „freiwillige Leistungen".

Bisher gibt es keine bundesweite Regelung die eine verbindliche u. planungssichere Finanzierung der Hilfesysteme ermöglichen und das auf Kosten der Frauen, die Gewalt erleiden mussten.

Der Bund fühlt sich nicht zuständig.

Praktisch sieht das so aus, dass die Möglichkeit für eine Gesetzgebung des Bundes nur im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebung umsetzbar wäre. Danach kann der Bund die Gesetzgebungs Kompetenz an sich ziehen, wenn es um die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse geht. Allerdings sind in diesem Fall hohe Hürden durch das Bundesverfassungsgericht gesetzt und diese Möglichkeit greift nur, wenn entschieden wird, dass dies im gesamtgesellschaftlichen Interesse dringend erforderlich ist.

Da fragt frau sich doch, ob die körperliche Unversehrtheit u. das Gleichstellungsrecht - die in unseren Grundrechten verankert sind - keine „gesamtgesellschaftlichen Interessen“ sind?“

Auch 2013 weiterhin alles unverändert:

http://www.blogigo.de/Frauen_bewegen_Frauen/Frauenhaeuser-Versorgung-mangelhaft/162/

Wie Terre Des Femmes 2013 schrieb, nachdem der erste Lagebericht zur Situation der Frauenhäuser heraus kam.

https://frauenrechte.de/online/index.php/themen/haeusliche-gewalt/aktuelles/1105-die-zukunft-der-frauenhaeuser.html

Auszug(weiter unten auf der Seite):

„Ich habe davon nichts gewusst.“ Diese Ausrede ist uns bekannt. Wir haben sie in Deutschland schon viel zu oft gehört, vor allem in Situationen, in denen Zivilcourage angesagt gewesen wäre.

„Ich habe davon nichts gewusst.“ Mit dieser Ausrede kann sich die Bundesregierung zumindest seit diesem Jahr nicht mehr herausreden, wenn es um die Situation von gewaltbetroffenen Frauen in Deutschland geht.

Im August 2012 ist der erste Lagebericht zur Situation der Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen in Deutschland erschienen, im Dezember 2012 erfolgte eine öffentliche Anhörung im Bundestag dazu. Sowohl im Bericht, als auch in der Anhörung wurde deutlich, dass die Lage der Frauenhäuser und Beratungsstellen und somit der von Gewalt betroffenen Frauen teilweise erschreckend ist:  Es besteht in Deutschland keine flächendeckende Versorgung mit Hilfsangeboten, es stehen nicht ausreichend Plätze für hilfesuchende Frauen zur Verfügung und die finanzielle und personelle Ausstattung der Angebote ist mehr als dürftig.

Um diese Mindeststandards zu erfüllen, muss das Problem der Finanzierung endlich gelöst werden. Momentan gibt es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Finanzierungsmodelle, bei denen die Kommunen zu keiner Unterstützung verpflichtet sind. Muss eine Kommune sparen, kann es durchaus passieren, dass die Unterstützung des örtlichen Frauenhauses dem Rotstift zum Opfer fällt. Eine Möglichkeit der Finanzierung wäre, dass der Bund eine ausreichende Sockelfinanzierung u.a. für die Finanzierung des Gebäudes und des Personals zur Verfügung stellt, die Bedarfsplanung aber den einzelnen Bundesländern überlassen bleibt.“

Hier geht es über die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser, kurz ZIF, zum Offenen Brief an die Bundestagsfraktionen, die Gleichstellungs- u. FrauenministerInnenkonferenz u. die kommunalen Spitzenverbände.

http://www.autonome-frauenhaeuser-zif.de/de/content/frauenh%C3%A4user-schlagen-alarm-platzmangel

Der Offene Brief(pdf):

http://www.autonome-frauenhaeuser-zif.de/sites/default/files/report_attachment/2017-09-12_offener_brief_fhk_frauenhausplaetze.pdf

Über die katastrophalen Zustände in Deutschland schreibt auch die Huffington Post:

http://www.huffingtonpost.de/2017/09/15/frauenhauser-mussen-jahrlich-tausende-frauen-abweisen_n_17994020.html

Auszug:

Jede vierte Frau in Deutschland erfährt mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt von ihrem Partner. Für viele Frauen ist der einzige Ausweg die Flucht in ein Frauenhaus.

Doch zum Teil muss jede zweite Frau abgewiesen werden, die Hilfe sucht – es gibt kaum freie Plätze in Deutschland. Jetzt wendet sich der Dachverband Frauenhauskoordinierung mit einem offenen Brief an die Bundestagsfraktionen, die Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz und die kommunalen Spitzenverbände.

Etwa 40.000 Frauen und Kinder suchen jährlich Zuflucht in Deutschlands Frauenhäusern, aber rund 9000 Frauen müssen aufgrund des Platzmangels abgelehnt werden. Durch die fehlenden Plätze und den Geldmangel spitzt sich die Lage immer mehr zu. Die Mieten der Frauenhäuser steigen, einen Platz gibt es nicht immer umsonst. Einige der Schutzsuchenden können sich den Aufenthalt gar nicht leisten. Auch geflüchtete Frauen kommen vermehrt bei den Unterkünften an, um gewalttätigen Männern zu entkommen.

Schon vor fünf Jahren hat die Informationsstelle Autonome Frauenhäuser (ZIF) in einer Stellungnahme kritisiert, dass die finanziellen Mittel, die den Frauenhäusern zur Verfügung gestellt werden, nicht ausreichen. Aber die Zuständigkeient werden von den Ländern zum Bund, dann auf die Landkreise geschoben und wieder zurück. Keiner möchte die Verantwortung übernehmen. Politiker diskutieren schon lange darüber, wie Frauenhäuser finanziell abgesichert werden sollen. Doch Ergebnisse gibt es bislang keine.“

Genau das ist das Problem. Seit Jahren.

Wie die ZIF schreibt, gibt es seit 1976 Frauenhäuser, aber deren Finanzierung hängt vom politischen Willen der Kommune u. des jeweiligen Bundeslandes ab.

Erschwerend ist noch hinzugekommen, dass die Kosten des Frauenhauses auf die Frauen und ihre Kinder umgelegt wird mit der Tagessatzfinanzierung.

http://www.autonome-frauenhaeuser-zif.de/de/themen/frauenhausfinanzierung

Auszug:

Frauen mit genügend Einkommen müssen die Kosten für den Frauenhausaufenthalt selbst tragen und Frauen ohne genügend Einkommen müssen dafür Sozialleistungen (meist "Hartz IV") beantragen – auch wenn sie für den eigenen Lebensunterhalt sonst keine Sozialleistungen bräuchten. Diese Art der Finanzierung stellt nachweislich für viele gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder eine unüberwindliche Hürde dar und gefährdet ihren schnellen und unbürokratischen Schutz in erheblichem Maße. Die Frauenhäuser selbst setzen sich seit 2007 trägerübergreifend wieder verstärkt für eine bundesweit einheitliche, unbürokratische und verlässliche Regelung zur Finanzierung von Frauenhäusern ein. Sie darf die gewaltbetroffenen Frauen und ihre Kinder nicht zusätzlich belasten und gefährden.

Nur über eine bundeseinheitliche Regelung können der erforderliche Schutz und die notwendige Unterstützung gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder über Stadt- und Landesgrenzen hinweg ohne Einschränkung - frei von Zuständigkeits- oder Finanzstreitigkeiten, frei von ausländerrechtlichen Hindernissen - gewährleistet werden. Darüberhinaus muss die Trägervielfalt mit unterschiedlichen Konzepten und Angeboten  im Interesse der Gewalt betroffenen Frauen erhalten bleiben und auch für die Zukunft sichergestellt werden.“

Das alles ist eine Schande für unser Land!

Mein Blog ist ein Informations – u. Aufklärungs Blog. Je mehr so etwas bekannt wird, desto mehr Menschen können sich dafür stark machen. Wer kann, bitte verteilt den Offenen Brief an andere, im Internet, bei facebook.

Als ich 2012 damit begann über dieses Elend zu schreiben, bin ich parallel dazu herum gelaufen u. habe für die Frauenhäuser u. deren Finanzierung geworben. Eigentlich der Job des Bundes. Wenn die aber weiter das Problem ignorieren u. vertrödeln... Irgend etwas muss getan werden!

Und naja, Kleinvieh macht auch Mist. ;-)

Frau/man fühlt sich nicht ganz so hilflos.
Aktiv werden ist besser als nur zu jammern. ;-)

Deshalb noch einige simple Tipps:

° Wer vorhat demnächst zu heiraten, man kann ja solche Wunschlisten veröffentlichen. Statt Geschenkeberge, wieso nicht auch darum bitten an das örtliche Frauenhaus zu spenden?!

° Wer es mit Kirchens hat, bittet eure PfarrerInnen mal ne Sammelaktion zu starten für ein Frauenhaus. Dafür kann man sich auch entsprechende Flyer besorgen oder selber gestalten.

° Wer jemanden zu Grabe trägt, kann auch statt Kränze um ne Spende für Frauenhäuser bitten auf den Trauerkarten oder in der Anzeige. Ist alles möglich.;-)

° Es gibt Geburtstage, Anlässe, Straßenfeste,KiTa Feiern, uvm., für die man entsprechende Flyer mit Infos vorbereiten kann, Spenden an die ZIF oder an das nächste Frauenhaus.

° Und dann waren da ja noch… Erntedank, Weihnachten, Ostern… Feste, die auch als Anlass genommen werden können, um für Frauen u. Kinder in Not Gelder aufzutreiben. :-)

°Es gibt Arztpraxen, bei denen ihr Infos dazu hinterlassen könnt. Viele Praxen spenden zum Jahresende gerne mal an irgend einen Verein, gebt ihnen Anlass Frauenhäuser zu unterstützen. ;-)

Heutzutage wäre wohl eine Art Flashmob vor dem Bundestagsgebäude oder größere Wellen bei facebook, den Sozialen Netzwerken eher die Art, etwas zu bewegen. Fein, dann tut es. ;-) Ich kann nur Anregungen geben.

Zum Wochenende nun wieder etwas luftigere Kost.;-)

Killdeer Chicks

https://www.youtube.com/watch?v=Lka-Pqm4YtY

A Good Mother Killdeer

https://www.youtube.com/watch?v=UcJB4sWVykQ

Singing Birds

https://www.youtube.com/watch?v=48h51Ejyhm0

Euch ein sonniges Wochenende

und liebe Grüße
Violine

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.