Frauen Bewegen Frauen

20.07.2017 um 19:28 Uhr

Männergeklüngel und Mona Lisa

Hallo Ihr Lieben!

Die Sportschau wird abgesetzt.

Wir wissen‘s nicht genau.
Möglich ist alles…

Ne, das ist ne Fake News. ;-)

Es ist die „Mona Lisa“, die gehen muss.
Ist ja nur ne Frauensendung, wen kümmerts…

Eine Menge Menschen hatten mobil gemacht, sogar bei change.org an die 40.000 Stimmen zusammen gesammelt, die sich für die Sendung ausgesprochen haben. Das interessiert aber die Macher nicht die Bohne. Frauenmagazine seien antiquiert, überholt… heißt es da.

Nur zu dumm, dass just in der Woche als „Mona Lisa“ gehen musste eine Studie veröffentlicht wurde: Frauen sind deutlich unterrepräsentiert im Deutschen Fernsehen. Hoho. Na sowas. ;-)

Da hat das Öffentlich Rechtliche Gebühren Fernsehen mal wieder gezeigt wie antiquiert sie selber sind. Männer vor, noch ein Tor. Frauen haben hier nichts verloren?!...

http://www.sueddeutsche.de/medien/ml-mona-lisa-als-sei-alles-schon-erreicht-1.3589756

Auszug:

„Das bekannte Frauenmagazin "Mona Lisa" verabschiedet sich vom ZDF - kurz nachdem eine umfassende Studie belegt, dass Frauen im Fernsehen deutlich unterrepräsentiert sind.

Die letzte Sendung lief just in der Woche, in der eine umfassende Studie über Geschlechterdiversität in Film und Fernsehen veröffentlicht wurde. Deren Ergebnis: Frauen sind deutlich unterrepräsentiert, stellen nur ein Drittel der Hauptakteure auf den Bildschirmen. Was die Studie außerdem herausfand: "Ab 30 Jahren kommen Frauen sukzessive seltener vor." Frauenverbände und Politiker hatten gegen die Absetzung von Mona Lisa protestiert. Es half nichts."

Und weshalb wurde jetzt gleich noch „Mona Lisa“ abgesetzt?

http://www.tagesspiegel.de/medien/mona-lisa-wird-eingestellt-mainzer-maennerkluengel/19504060.html

Auszug:

Das ZDF will „Mona Lisa“ einstellen - und Themen aus der Sicht der Frauen "ganzheitlich" bearbeiten. „Mona Lisa“ ist eines von zwei Frauenmagazinen, die im deutschen Fernsehen noch verblieben sind. Sonst macht nur noch der Westdeutsche Rundfunk Fernsehen aus dem Blickwinkel von Frauen, mit der Sendung „frau tv“. „Eine monothematische Zielgruppensendung passt nicht mehr richtig ins Bild“, sagte Bellut und ließ durchblicken, dass er Frauenprogramme für überholt hält.

Inge von Bönninghausen hat bei jedem dieser Sätze ein starkes Déjà-vu-Erlebnis. Die frühere WDR-Fernsehjournalistin und feministische TV-Pionierin hörte sie schon vor 30 Jahren, als sie beim Kölner Sender Frauenfernsehen machte. "frau-TV" war eine ihrer Gründungen. „Damals hieß es auch schon, das brauchen wir nicht, Frauen kommen überall vor.“ Das Wort von der Antiquiertheit der Zielgruppensendung macht die erfahrene Fernsehfrau geradezu fassungslos: „Das ist einfach dummes Zeug. Die gibt es natürlich für Männer genauso. Was anders ist der größte Teil der Sportsendungen? Das sieht man an dem Riesengetöse, als zwei EM-Spiele von einer Frau kommentiert wurden. Prompt verspricht der ZDF-Sportchef, dass es sicher nicht noch mehr werden.“

Wobei im Falle "Mona Lisa" (ML) die Entscheidung gegen eine Frauensendung nicht erst jetzt gefallen ist. Maria von Welser, Gründerin von "ML", spricht von einer „Gemischtwaren-Form“, zu der das alte Format umgemodelt worden sei. Und beklagt auf ihrer Website, dass sich die Frauen im Sender schon damals nicht gewehrt hätten gegen den „Männerklüngel“ auf dem Mainzer Lerchenberg.“

Tja, liegt wohl so einiges im Argen. Noch eine andere Stimme:

http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Das-schleichende-Ende-von-%E2%80%9EMona-Lisa%E2%80%9C-_arid,10702296_toid,535.html

Auszug:

Wer glaubt, Frauenmagazine beschäftigen sich nur mit der Wahl des richtigen Outfits, der hat „ML Mona Lisa“ noch nicht gesehen. Als erste Sendung im deutschen Fernsehen zeigte „Mona Lisa“ einen Beitrag über die Beschneidung eines Mädchens in Afrika – und stieß damit eine weltweite Diskussion über Genitalverstümmelung an. Seit 1988 hat „Mona Lisa“ um Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit gekämpft: Gesetzesentwürfe, wie etwa die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe, waren genauso Gegenstand wie die gesellschaftlichen Tabuthemen Abtreibung, Vergewaltigung und Kindesmissbrauch. Opfer weltweit kamen zu Wort. Nach beinahe 30 Jahren ist jetzt aber Schluss. Die Absetzung der Sendung „ML Mona Lisa“ sei schleichend eingetreten, sagt die ehemalige Moderatorin Maria von Welser. „Nun gibt es im Fernsehgeschäft ja immer so ein paar Tricks, um unliebsame Formate vom Bildschirm zu verdrängen. Das erste ist: das Format kürzen. Von 45 Minuten auf 30 Minuten. Dann: lange Sommerpausen. Damit die Zuschauer die Sendung vergessen. Die Quote, die vielgeliebte, sinkt. Das nächste ist: den Sendeplatz verschieben.“ All das sei dem Frauenjournal widerfahren..“

Nun aber auch was zur Studie selber:

http://www.sueddeutsche.de/medien/deutsches-fernsehen-mannomann-1.3584530

Auszug:

„Einer Studie zufolge sind Frauen in Film und Fernsehen unterrepräsentiert, und zwar nicht nur in der Fiktion: "Männer erklären uns die Welt", sagt eine der Autorinnen. Die Untersuchung mit dem etwas sperrigen Titel "Audiovisuelle Diversität? - Geschlechterdarstellung in Film und Fernsehen in Deutschland" hat sich mit der Frage beschäftigt, wie oft und auf welche Art Frauen und Männer auf dem Bildschirm oder auf der Leinwand zu sehen sind. 3500 Stunden Fernsehprogramm wurden dafür 2016 ausgewertet, dazu 883 Kinofilme und mehrere tausend Kinderprogramme.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Frauen sind durchweg seltener zu sehen. Über alle Fernsehprogramme hinweg kommen auf eine Frau zwei Männer. Besonders deutlich wird das in Informationssendungen. Zwar sind dort sehr viele Moderatorinnen und Sprecherinnen am Werk, sobald aber jemand interviewt wird, sieht man Männer. Gäste sind zu 58 Prozent männlich, Experten zu 79 Prozent. Selbst wenn Alltagspersonen auftreten, sind dies zu zwei Dritteln Männer.“

Nun wüsste ich ja schon gerne, wie sich das Öffentliche Rechtliche Gebühren Fernsehen aus diesem selbst fabrizierten Desaster wieder heraus manövrieren will. Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache.

Was war noch gleich der Auftrag der Rundfunkanstalten? Mal sehen:

http://daserste.ndr.de/ard_check/fragen/Aufgabe-und-Funktion-des-oeffentlich-rechtlichen-Rundfunks-der-ARD,antworten104.html

Auszug:

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den verfassungsrechtlich vorgegebenen Auftrag, einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu leisten und so zu einem funktionierenden demokratischen Gemeinwesen beizutragen.

Entstanden ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg als Gegenentwurf zu dem zentralistisch organisierten Staatsfunk der NS-Diktatur. Er gehört heute alleine der Allgemeinheit, die ihn wiederum beaufsichtigt – durch Aufsichtsgremien, in die Vertretungen aller gesellschaftlichen Gruppen entsandt werden. Staatsferne, föderale Struktur und die Programmgestaltung durch und für eine pluralistische Gesellschaft kennzeichnen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er ist weder privatwirtschaftlichen noch staatlichen Interessen verpflichtet, sondern ausschließlich dem Gemeinwohl. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist damit wirtschaftlich und politisch unabhängig. Diese Unabhängigkeit gilt es gegen Einflussnahmeversuche zu bewahren.

Die ARD liefert damit einen essenziellen Beitrag zum politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Diskurs. Die ARD stärkt zudem die kulturelle Identität aller Bürgerinnen und Bürger im Land, weil sie in ihren Programmen Deutschland in seiner ganzen Vielfalt abbildet. Mit ihrer politisch und wirtschaftlich unabhängigen Berichterstattung sollen die öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten Garanten für eine politische Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger und wesentliche Mittler in einer repräsentativen Demokratie sein.

Dem Gemeinwohl verpflichtet, Deutschland in seiner ganzen Vielfalt abbilden, Mittler einer repräsentativen Demokratie…

Für mich als Frau fehlt noch eine ganze Menge an Repräsentativ, wenn der Großteil der Frauen in Deutschland überhaupt nicht auftauchen, bzw. jetzt mal eben eine Sendung von u. für Frauen ausradiert wurde.

Vielleicht sollten wir uns als ‚zahlende Allgemeinheit‘ viel mehr einbringen u. unsere Meinung kundtun bei den Rundfunkanstalten. Wenn sie die „Öffentliche Meinungsbildung“ vertreten, nun dann tragen wir doch mehr dazu bei, dass ARD u. ZDF auch tatsächlich unsere Meinung vertritt.

Hier mal die Kontaktdaten Das Erste/ARD:

http://www.daserste.de/specials/ueber-uns/kontakt-118.html
http://www.daserste.de/specials/ueber-uns/impressum-102.html

Und die Kontaktdaten vom ZDF:

https://www.zdf.de/service-und-hilfe/zuschauerservice/kontakt-zum-zdf-102.html
https://www.zdf.de/service-und-hilfe/zuschauerservice/impressum-zdf-100.html

Zu guter Letzt möchte ich daran erinnern, wie sehr einige wenige Frauen damals gekämpft haben um im Jahr 1949 die Gleichstellung von Mann u. Frau im Grundgesetz zu verankern. Elisabeth Selberts reiste im Land umher, um Frauen mobil zu machen. Und was geschah? Es kamen Berge an Protestbriefen an.

http://www.emma.de/artikel/dossier-60-jahre-brd-maenner-und-frauen-sind-gleichberechtigt-264006

Auszug:

Männer und Frauen: Gleichberechtigt! Diesen Satz im Grundgesetz (Artikel 3, Absatz 2) haben wir Elisabeth Selbert (Foto re) zu verdanken, die vor 120 Jahren geboren wurde. Der Satz klingt schlicht, hatte aber große Folgen. Denn durch ihn mussten die frauenfeindlichen deutschen Gesetze abgeschafft werden. Deshalb hatte Selbert wie eine Löwin für ihn gekämpft.

"Wir haben ein Männerregime hinter uns und eines vor uns", schrieb Trude Bosse, Herausgeberin der Frauenzeitschrift Silberstreifen, im kalten Hungerwinter 1947 weitsichtig. Recht hatte sie, und doch: Neben den 61 Männern saßen auch vier Frauen in der verfassungsgebenden Versammlung, die knapp vier Jahre nach der Kapitulation in Bonn tagte. Keine dieser Frauen wurde nach 1900 geboren, alle hatten sie noch die erste Frauenbewegung erlebt und den Kampf ums Frauenstimmrecht.

Die selbstständigen und selbstbewussten Frauen draußen im Land lassen sich nicht wieder in die Rechtlosigkeit abdrängen und zu bloßen Besitztümern von Männern degradieren. "Wie ein Wanderprediger bin ich von Versammlung zu Versammlung gefahren." Und die Frauen stehen hinter ihr wie eine Frau – über alle Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg. Elisabeth Selberts Rückkehr von ihrer Reise ist triumphal. "Waschkörbeweise" hat sie Eingaben, Solidaritätsadressen und Protestschreiben im Gepäck. Folge: Die Sitzung des Hauptausschusses am 18. Januar 1949, als die Gleichberechtigung zum vierten Mal auf der Tagesordnung steht, bringt die Wende.“

Waschkörbeweise Solidaritäts- u. Protestschreiben.

Heute gehen unsere Proteste meistens unter im Weltweiten Netz. Papier hatte immer schon größere Wirkung, hat Welten verändert. Wieso nicht auch die Haltung des Rundfunks?! ;-)

Zum Wochenende etwas leichtere, bzw. kühlere Kost. ;-)

Badende Vögel – ein faszinierendes Video

https://www.youtube.com/watch?v=V9MuOqTI83U

Schöner Tauchen – Buckelwale (ca. 10 Min)

https://www.youtube.com/watch?v=MzCxVHZMSnQ

Euch ein erfreuliches Wochenende

und liebe Grüße
Violine

 


Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenAmanita schreibt am 21.07.2017 um 01:14 Uhr:„Eine monothematische Zielgruppensendung passt nicht mehr richtig ins Bild“, sagte Bellut.

    O.K., Herr Bellut, dann verzichten Sie doch bitte auch auf den Fußball :)

    Der ist nicht nur eine "monothematische Zielgruppensendung" der etwas teureren Sorte, sondern es wird selbstverständlich erwartet, dass alle Nicht-Fußballfans während Fußball-Live-Übertragungen auf Lieblingssendungen verzichten!

    Ich glaube, die Absetzung von "Mona Lisa" hat auch was mit der klammheimlichen Einsparung von Auslandsreporter/innen zu tun.

    Früher hatten die nämlich immer Reportagen über Frauen in den aberwitzigsten Ländern und sogar in Kriegsgebieten, aber das Korrespondentennetz wurde derart ausgedünnt, dass es z.B. für ganz Russland nur noch vier Korrespondenten gibt. Damit das nicht so auffällt, hatte man "Mona Lisa" vom Frauen-Politmagazin zum Lifestyle- und Unterhaltungsformat umgemodelt, und das braucht nun wirklich niemand.

    Ich hätte mir gewünscht, dass "ML" sich mehr kritisch mit den heutigen Lifestyle-Themen auseinandersetzt, z.B. mit dem Körperbild von Frauen, den zahlreichen Zwängen, denen sie ausgesetzt sind, Mehrfachbelastung etc., aber möglicherweise glaubte das ZDF, dass dann sämtliche Werbekunden Amok laufen.

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.