Frauen Bewegen Frauen

20.10.2017 um 07:45 Uhr

PorNo - Für die Würde der Frauen

Hallo Ihr Lieben!

Heute gehts wieder zur Sache. ;-)

Wir werden überschwemmt.

Von Bildern. Von Entwürdigung.
Von Frauenverachtung in Bild u. Ton.

Vom sogenannten Herrenwitz bis hin zum brutalen, eiskalten Geschäft der Porno- u. Prostitutions Industrie. Es geht stets darum Frauen herabzusetzen. Sie nicht mehr als Menschen wahrzunehmen, sondern als Objekte.

Wer Augen hat zu sehen…

Dem sollte aufgefallen sein, dass sich über die Jahre das Frauenbild in der Gesellschaft, trotz Gleichberechtigungs Bestrebungen, leider sehr negativ verändert hat. Schleichend.

Was vor vielleicht zehn Jahren noch als entwürdigend galt, boomt heute. Die Pornografisierung der Gesellschaft. Und damit meine ich nackte Frauen, die als allzeit bereit dargestellt werden.

Aktuell schwappt gerade eine Welle des Protestes über den Teich zu uns rüber, #metoo. Frauen geben öffentlich zu, dass sie sexualisierte Gewalt in allen möglichen Formen erlitten haben. Durch Kollegen, auf der Straße, überall wo sie leben.

http://www.emma.de/artikel/das-problem-das-jetzt-einen-namen-hat-334931

Auszug:

„Die Erfahrungsberichte, die Frauen im Netz unter #metoo posten, zeigen vor allem eins: Wir leben in einer Gesellschaft, in der Gewalt gegen Frauen als normal gilt. So normal, dass sogar die Frauen sie häufig gar nicht wahrnehmen. In einer Kultur, in der Frauen als maximal verfügbar gelten, nicht zuletzt dank der Pornografie.“

Und wie begann das alles?

Schauen wir mal ein bisschen zurück.
http://www.emma.de/artikel/pornografie-264636

Auszug:

„Was 1978 für EMMA als relativ überschaubarer Fight begann – der Kampf gegen die frauenverachtenden Titelbilder des Stern – hat längst epidemische Ausmaße angenommen: Pornografie ist heute allgegenwärtig und dank der Neuen Medien auch unbegrenzt zugänglich. Experten schätzen die Anzahl allein von Kinderpornografie im Netz 2010 auf vier Millionen Seiten.

Was versteht EMMA – und verstehen Feministinnen in aller Welt – unter Pornografie? Die Darstellung von Erotik oder Sexualität? Nein. Nach unserer Definition ist Pornografie ausschließlich „die Verknüpfung von sexueller Lust mit Lust an Erniedrigung und Gewalt“, in Text wie Bild. Alles andere hat nichts mit Pornografie zu tun.

EMMA berichtet seit der ersten Ausgabe über die zunehmende Pornografisierung von Medien, Kultur und Kunst, die für uns eine Reaktion auf die Emanzipation ist: Frauen sollen wieder vom Subjekt zum Objekt degradiert werden.“

Mal konkreter:

http://www.emma.de/artikel/pornografie-frauenhass-ist-strafbar-263674

Auszug:

Pornografie ist die Verharmlosung und Verbreitung von sexualisiertem Frauenhass. Das ist nach dem deutschen Gesetz schon heute strafbar. Nur zeigt es niemand an. Warum nicht?“

1987 – Legte die EMMA einen Gesetzesentwurf vor, wie Frauen geschützt werden könnten gegen diesen Frauenhass. Denn nichts anderes ist Ponografie.

http://www.emma.de/artikel/gesetz-gegen-pornografie-begruendung-264423

Auszug:

„Am Morgen des 25. November wurde dieser Gesetzesentwurf inklusive Begründung allen Abgeordneten des Deutschen Bundestages sowie Justizminister Engelhard (FDP) und Familienministerin Süssmuth (CDU) zugestellt. Darüber hinaus ging die Bitte an alle weiblichen Abgeordneten des Bundestages (also SPD, CDU, FDP und Grüne), sich - über alle Parteigrenzen hinweg - für die Durchsetzung dieses Anti-Pornographie-Gesetzes einzusetzen. Am selben Tag stellte EMMA den Gesetzes-Entwurf in Bonn den Kolleginnen und Kollegen von der Presse vor.

Pornographie bedroht die elementarsten Menschenrechte von Frauen; Rechte, die nicht zufällig im Grundgesetz an vorderster Stelle stehen, so: das Recht auf Würde oder Freiheit, auf körperliche Unversehrtheit oder Leben. Pornographie (schon das Wort, aus dem Griechischen, bedeutet: Darstellung von Huren) schafft ein Frauenbild, das Frauen zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Bilder, die man sich von Menschen macht, haben Auswirkungen auf deren gesellschaftliche, soziale und psychische Realität - das ist bei einem sexistischen Bild nicht anders als bei einem rassistischen oder einem antisemitischen.“

Und weiter aus dem o.g. Artikel:

Pornographie ist Teil der sexuellen Gewalt - eben jener Gewalt, die Frauen aufgrund ihres Geschlechts die Menschenwürde abspricht und ihre Gleichberechtigung verhindert. Der vorliegende Gesetzentwurf will die Frauen schützen. Er stellt den § 184 StGB nicht in Frage, sondern präzisiert und ergänzt ihn. Allerdings durch ein zivilrechtliches Gesetz, das die Ahndung eines Verstoßes nicht in die Hand des Staatsanwaltes, sondern in die der betroffenen Bürgerinnen selbst legt. Zu den einzelnen Paragraphen:

Zu § l: Generalklausel
Frauen fallen der Pornographie aufgrund ihres Geschlechts zum Opfer. Pornographie gefährdet und verletzt die elementarsten Menschenrechte von Frauen und ist damit verfassungswidrig. Sie verstößt gegen den Artikel l ("Die Würde des Menschen ist unantastbar.") den Artikel 3 des Grundgesetzes ("Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Niemand darf wegen seines Geschlechts [...] benachteiligt oder bevorzugt werden."). Schadensersatzpflichtig  soll sein, wer Pornographie herstellt und wer Pornographie verbreitet…. „

Passend dazu habe ich eine Rede von Andrea Dworkin aus 1987 gefunden bei den „Störenfriedas“, echt lesenswert, wie ich finde. ;-) Denn diese Rede ist noch genauso aktuell wie vor 30 Jahren, was Pornographie u. Frauenhass betrifft, leider. Lest selber:

https://diestoerenfriedas.de/andrea-dworkin-rechter-und-linker-frauenhass/

Auszug:

„Es ist lange her, dass wir zusammengekommen sind, um zu sagen, was wir meinen, was Feminismus ist und warum der Kampf für die Freiheit der Frau so bedeutsam für uns ist, dass wir ihm unser ganzes Leben widmen… Und wir denken nicht, dass die Verbrechen, die an uns begangen werden, unbedeutend und klein sind. Das bedeutet, dass wir einen phänomenalen Fortschritt darin gemacht haben zu verstehen, dass wir menschliche Wesen sind, die Rechte haben; dass niemand uns diese Rechte nehmen darf; dass wir geschädigt werden durch eine systematischen Unterordnung von Frauen und dadurch, dass wir systematisch sexueller Gewalt ausgesetzt sind.

Die realen Erfahrungen von Frauen beinhalten Prostitution und die realen Erfahrungen von Frauen beinhalten Pornographie. … Wenn wir uns die Pornographie anschauen, dann können wir ihre Benutzung in Bezug auf die sexuelle Gewalt für Generationen zurückverfolgen. … Mädchen, junge Frau, Mutter, Großmutter. Die Pornographie musste nicht überall auf der Straße sein, um ein funktionaler Part in der sexuellen Gewalt gegen Frauen in dieser Gesellschaft zu sein. Ich möchte euch an etwas erinnern, das ihr längst wisst, nämlich, dass die meiste sexuelle Gewalt im Privaten passiert. Sie findet dort statt, tatsächlich, wo wir sie nicht sehen können. Und der erstaunliche Erfolg der Frauenbewegung war es zu sagen: „Hey, Vergewaltiger, wir respektieren deine Privatsphäre nicht länger.“

Denn der erste Schritt darin, Widerstand gegen Ausbeutung zu leisten, ist es ihn zu erkennen, ihn zu sehen, davon zu wissen und nicht zu verleugnen, wo der Frauenhass dich trifft. Ich würde mich freuen, wenn diese Bewegung sich wieder dem zuwendet, was ich primitiven Feminismus nenne. Der ist sehr einfach. Er bedeutet, wenn etwas Frauen schadet, dann sind Feministinnen dagegen. Der Hass gegen Frauen schadet Frauen. Pornographie ist Frauenhass. Pornographie schadet Frauen. Feministinnen sind dagegen, nicht dafür.“

Hach, das spricht mir aus dem Herzen!! :-)

Ich würde es positiver formulieren: Wir sind Für die Würde der Frauen!

Und wie sieht es heute aus - 30 Jahre später?

Hat sich etwas geändert, was Pornographie angeht?

Schauen wir mal rein:

https://diestoerenfriedas.de/drei-zimmer-kueche-porno-die-neue-amateurpornografie/#more-8161

Auszug:

„Deutsche“ Pornos, so sagt man, sind schon immer besonders authentisch und gerne auch mal richtig „versaut“, versaut im Sinne von Urin- und Fäkalspielen. Nach den USA ist Deutschland das Land, das die meisten Pornos produziert und konsumiert. Längst wird der Markt in Deutschland heute nicht mehr von Produktionsfirmen und Pornostars bestimmt, sondern durch rund 50.000 Amateure, die ihre Videos auf Plattformen anbieten.

Wenn alles, was Frauen noch zu Markte tragen können, ihr eigener Körper ist, den sie entweder im Laufhaus oder vor der Kamera verkaufen, wenn sie für Drehs mit 20 oder mehr Männern ein paar hundert Euro bekommen (diese Drehs dauern stundenlang und jeder darf mal dran. Die Männer können sich für ein geringes Entgeld anmelden, manchmal werden gültige Tests verlangt, oft auch nicht) und die Grenzen zwischen Porno und Prostitution endgültig verschwinden, dann ist das kein Grund zum Feiern, dann ist das auch kein Zeichen von Befreiung, sondern nur der Beweis dafür, dass unsere Sexualität immer mehr den kapitalistischen Bedingungen untergeordnet wird. Sich für Geld vollpinkeln zu lassen, bleibt, was es ist: maximale Demütigung, die immer gegen die Frauen geht, die Männer werden weder bepinkelt, noch sind sie in der Unterzahl...“

Was sich geändert hat: Es gibt zwei neue Gesetze. Die nicht nur, wie bisher den Jugendschutz betreffen, sondern allgemein gelten. Nämlich das „Zugänglichmachen u. die Gewaltdarstellungwird nun auf Grund der Umsetzung europäischer Vorgaben ins Gesetz aufgenommen, heißt, ist strafbar.

Zugänglichmachen pornographischer Inhalte mittels Rundfunk oder Telemedien; Abruf kinder- und jugendpornographischer Inhalte mittels Telemedien

https://dejure.org/gesetze/StGB/184d.html

Gewaltdarstellung (Anm.: Umsetzung der europäischen Vorgaben zum Sexualstrafrecht)

https://dejure.org/gesetze/StGB/131.html

Hoffen wir darauf, dass diese Gesetze auch zur Anwendung kommen. Was natürlich nichts an der grundsätzlichen Haltung zur Pornographie ändert, die in unserer Gesellschaft leider vorherrscht. Sie wird als (fast) normal hingenommen. So wie Sexismus u. offensichtliche Gewalt gegen Frauen.

Wir müssen also weiter kämpfen! Dazu gehört für mich, ganz besonders die Bewusstmachung. Wer lernt, dass Pornografie pure Frauenverachtung, ja Frauenhass ist, wird auch lernen davon Abstand zu nehmen. Und sie nicht weiter zu verharmlosen, schön zu reden, sondern zu ächten.

Unsere Welt wird nicht besser u. friedlicher, wenn wir die Hälfte der Bevölkerung, Frauen als Objekte ansehen, die für Männer jederzeit verfügbar sein müssen. Doch genau das Bild wird in unserer Öffentlichkeit durch alle Medien täglich vermittelt. Schreit uns von Plakatwänden zu.

Tut selber etwas! Ändert eure Haltung. Sprecht mit Freunden drüber. Bezieht Stellung. Lacht nicht mit bei sexistischen Witzen. Nehmt pornografische frauenverachtende Werbung auf Plakaten, an Bussen, im Fernsehen usw. bewusst wahr u. legt Protest ein bei den Werbefirmen oder den Rundfunkanstalten.

Wir verändern Gesellschaft, wir gestalten das Leben unserer Kinder. Wenn wir wegsehen wird genau dieses erschreckende Menschen/Frauenbild in die Köpfe u. Herzen unserer Kinder fließen. Generation um Generation. Welche Auswirkungen das hat, sehen wir heute.

Habt Mut! Habt eine Haltung! Für Frauen, nicht gegen sie.

Zum Wochenende nun wieder luftige Kost. ;-)

Vivaldi, Vier Jahreszeiten – Herbst/Autumn - kiddybox

https://www.youtube.com/watch?v=tVkI7P7IsQU

Meditationsmusik – Herbstfantasie – Schwäbische Alb

https://www.youtube.com/watch?v=B5hEGuACyu0

Herbst-Spaziergang, 7 Minuten Entspannung

https://www.youtube.com/watch?v=xaJSDWVXMVo

Liebe Herbst Grüße

Violine

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenAmanita schreibt am 22.10.2017 um 20:21 Uhr:Die Pornoindustrie hat es in weniger als 20 Jahren mit Hilfe des Internets nicht nur geschafft, die ganze Welt zu kolonialisieren und Millionen von Kindern so sehr anzufixen, dass sie ohne Pornos nicht mehr können...

    Sie hat es auch noch geschafft, das in den Pornos verwendete Menschenmaterial dazu zu bringen, seiner eigenen Verwendung freudig zuzustimmen, sich in dieser Rolle wohl zu fühlen, eine solche Rolle als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zu sehen sowie alle Gegner als unsexy, verklemmt und altjüngferlich abzustempeln.

    Keine Gehirnwäsche in Guantanamo Bay und kein stalinistisches Gefängnis hat das je geschafft.

    Hut ab! Respekt! Kampflos gewonnen! Sie lieben es!

    War es nicht Otto Weininger, der gesagt hat, Frauen seien von Natur aus masochistisch?

    Wenn man sieht, was da abgeht, kann man Weininger nur zustimmen.

    Die psychologischen/gehirnchemischen Mechanismen dieser totalen Machtübernahme sowie die beim Menschenmaterial positiv auf seine Besetzung/Kolonialisierung reagierenden Hirnrezeptoren harren ihrer Entschlüsselung.

    Hat man ein Medikament entwickelt, das auf seine Opfer genau so wirkt wie Porno, kann man die Welt beherrschen, ohne auch nur einem Menschen eine einzige Wunde zufügen zu müssen :)
  2. zitierenFrauenBewegenFrauen schreibt am 24.10.2017 um 07:36 Uhr:Wahre Worte @Amanita.

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