Frauen Bewegen Frauen

09.02.2018 um 14:57 Uhr

Von wegen ein Zeichen setzen...

Hallo Ihr Lieben!

Bei uns dauert alles länger…

Meine Bilanz nach Jahren des Beobachtens.

Während in anderen Ländern, wie Frankreich oder aktuell in Amerika so richtig was in Bewegung kommt, wenn es um Frauen geht, kriecht Deutschland hinterher.

Schweigen im Blätterwald.

Oder die Umkehrung, ein Backslash. Wie neulich geschehen beim Deutschen Fernsehpreis. Da bleibt frau fassungslos stehen u. reibt sich die Augen. Keine Halluzination…

Seht selbst:
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Reschke-Seien-Sie-froh-dass-der-Fernsehpreis-nicht-uebertragen-wurde,zapp11118.html

Auszug:

„Finde den Unterschied: Bei den Golden Globes in den USA trug man schwarz - als Zeichen gegen sexuelle Belästigung. Der Deutsche Fernsehpreis eröffnet mit Troddeln auf den Brüsten.“

Das alles mit Geldern der zwangs-zahlenden ZuschauerInnen.

Es geht ja noch tiefer. Das Wegsehen u. Dulden.

Alle haben es gewusst…

https://www.emma.de/artikel/geschlossene-gesellschaft-335349

Auszug:

„Im Fall Dieter Wedel halten die Jungs bis heute zusammen. Dabei ist klar: Alle wussten oder ahnten es. Aber keiner will was sagen. Bis auf zwei. In ihrer aktuellen Ausgabe lädt Die Zeit nach. Die Aussagen der Frauen sind erschütternd. Es geht nicht um Sex, sondern um Demütigung und um Gewalt.

Das Kartell des Schweigens funktioniert also weiter. Nur zwei haben es bisher gebrochen. Als erster Michael Mendl. Er erklärte in der Zeit, Wedel habe die Menschen „wie seine Leibeigenen“ behandelt. Er habe selbst miterlebt, wie es einer Frau erging, „die sich von Wedel sexuell bedrängt gefühlt“ habe. Und er sei empört, dass er jetzt „die Frauen der Lügen bezichtigt“. Und dann ist da noch der Regisseur Simon Verhoeven, der Sohn von Senta Berger und Michael Verhoeven. Auf seinem Facebook-Account redet er Tacheles.

Verhoeven schreibt: „Fakt ist: Jeder, der in der Filmbranche eine Zeitlang gearbeitet hat, wusste von den ätzenden Geschichten über Wedel. Dass er am Set Schauspieler tyrannisiere, dass er ein eitler, egomanischer Schreihals sei, ein Arschloch. Ich schäme mich für die Mechanismen meiner Branche, die es diesem Sadisten und brutalen Gewalttäter erlaubt haben, jahrzehntelang Frauen zu vergewaltigen und Menschen zu quälen – geschützt durch das Schweigen der Sender, Produktionen und Filmschaffenden, die mit Wedel arbeiteten.“

Und der 45-jährige Regisseur schreibt weiter: „Ich danke den mutigen Frauen, die ihre Scham überwunden haben und jetzt geholfen haben, diesen Mann zu entlarven. Spät, ja. Aber besser spät als nie. Und ich erwarte – so wie viele andere auch – vom ZDF, dem Saarländischen Rundfunk und von allen anderen Sendern und Produktionsfirmen, allen Verantwortlichen, auch aus den Filmteams, die mit diesem Drecksack jahrzehntelang gearbeitet und Erfolge gefeiert haben, dass sie jetzt schleunigst beginnen, diese Zeit aufzuarbeiten und offen zu sagen, was sie damals wussten, ahnten, in Kauf nahmen.“ Wir dürfen gespannt sein.“

Nun sollte es doch wenigstens einige Statements geben seitens der Öffentlich-Rechtlichen, die es betrifft. Aber bisher nur Schweigen… wie gehabt. Keiner will sich wohl die „weiße Weste“ besudeln. Ich bin mir sicher, das alles ist nur die Spitze des Eisberges...

Unter unter unseren Politikern…

Da wird gegrabscht, dass sich die Balken biegen, bis hin zu Vergewaltigungen. Und auch hier bleibt es fast immer beim Wegsehen u. Schweigen. Alle haben Angst.

Wohlgemerkt, das sind Politiker, die unsere Zukunft mitgestalten. Und auf allen Ebenen herrscht unverändert Sexismus. Eine Tragik u. ein Skandal.

http://www.huffingtonpost.de/entry/95-junge-politikerinnen-berichten-uber-sexismus-in-ihren-parteien_de_5a66f7fae4b002283006035b

Auszug:

Man wird nicht in Ruhe gelassen, man sagt Nein, man sagt, man will das nicht. Aber die Kommentare hören nicht auf. Ich fühle mich dadurch weniger wert. Als wäre ich schmutzig. Als hätte ich ein Aussehen, das Männer dazu veranlasst, so mit mir umzugehen.” Politikerin in der Jungen Union

Es sind Szenen, die anmuten, wie aus einer anderen Zeit. Doch diese Begebenheiten schildern Politikerinnen deutscher Partei-Jugendorganisationen im Jahr 2018. Die HuffPost hat in einer aufwendigen Recherche 95 Jungpolitikerinnen der 5 größten Jugendorganisationen Jusos, Junger Union, Linksjugend, Jungen Liberalen und Grüner Jugend zu ihren Erfahrungen mit Sexismus befragt. In einer anonymen Umfrage – und in dutzenden persönlichen Interviews.

Die meisten der Befragten sitzen in Bundes-, Landes- und Bezirksvorständen der Jungparteien. Das Bild, das viele von ihnen von der Arbeit in ihren Verbänden zeichnen, hat wenig mit der offenen politischen Diskussionskultur zu tun, die sich die jungen Parteien auf die Fahne schreiben.

Stattdessen berichten sie von sexistischen Sprüchen, Strukturen, die Frauen ausgrenzen und benachteiligen und von sexueller Belästigung bis hin zu Vergewaltigungen. Viele der Betroffenen haben gebeten, anonym zu bleiben, aus Angst vor den politischen und persönlichen Folgen.“

Und weiter aus dem o.g. Artikel:

„Während sich viele Frauen mit solchen Kommentaren rumschlagen müssen, treffen die wichtigen politischen Entscheidungen derweil oft Männer. “Oft fallen sie an der Bar”, sagt eine hochrangige Amtsträgerin der Jungen Liberalen. Das klinge klischeehaft, entspreche aber noch immer der Wahrheit. Diese Männernetzwerke gibt es in allen Parteien und Jugendorganisationen. Auch bei der einem rückwärts gewandten Frauenbild unverdächtigen Grünen Jugend. “Diese männlich-dominierten Klüngelrunden”, erklärt ein junges Landesvorstandsmitglied, seien “die schlimmste Kränkung für jede Feministin”.

Es beginnt mit anzüglichen Kommentaren, mit dem Klaps auf den Hintern, dem ungefragten Kuss eines Kollegen – und endet bei Vergewaltigungen. Der HuffPost haben mehrere Jungpolitikerinnen verschiedener Parteien von Vergewaltigungen bei Parteiveranstaltungen berichtet. Eine junge Frau, die anonym bleiben will, sagt, dass allein sie von 7 Fällen innerhalb ihrer Partei wisse. Auch sie selbst sei Opfer einer Vergewaltigung geworden. Eine andere Politikerin notiert: “Ich wurde bei einem politischen Wochenende vergewaltigt...“

All das ist zum Haare raufen.

Hat denn keiner was dazu gelernt?

Wieso gehen bei uns die Menschen nicht auf die Straße, wie z.B. in Frankreich? Wieso tun sich hier keine Schauspieler zusammen wie in Amerika u. gründen z.B. eine Organisation, die Betroffenen hilft?

https://www.emma.de/artikel/oprah-die-zeit-der-taeter-ist-vorbei-335311

Auszug:

Tatsächlich breitet sich der Widerstand, der in Hollywood begann, nun weiter aus: Wenige Tage vor der Golden Globe-Verleihung in Beverly Hills hatten rund 300 Schauspielerinnen die Initiative "Time's up!" https://www.timesupnow.com/ (Die Zeit ist vorbei!) gegründet. Sie soll Frauen unterstützen, die sich rechtlich gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr setzen wollen.

„Liebe Schwestern“, schreiben die Aktivistinnen, „wir wissen um unser Privileg und um die Tatsache, dass wir Zugang zu enormen Plattformen haben, um unsere Stimmen hörbar zu machen.“ Die Unterzeichnerinnen wenden sich deshalb an „jedes Zimmermädchen, das versucht hat, vor einem übergriffigen Gast zu fliehen“, an „jede Kellnerin, von der erwartet wird, dass sie dem grapschenden Kunden mit einem Lächeln begegnet“ und an „jede Migrantin, die ihr illegaler Status zum Schweigen bringt“. Die Unterzeichnerinnen erklären: „Wir sind an eurer Seite. Wir unterstützen euch.“

Und wo bleibt in Deutschland die Solidarität?

Es gibt zum Glück doch zwei kleine positive Nachrichten…

https://frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen/haeusliche-und-sexualisierte-gewalt/aktuelles/2686-istanbul-konvention-tritt-in-kraft

Auszug:

Ab heute, dem 1. Februar 2018, tritt die Istanbul-Konvention auch in Deutschland in Kraft, nachdem sie von Bundestag und Bundesrat im November letzten Jahres ratifiziert worden war. Das Inkrafttreten der Konvention ist ein Meilenstein für die Umsetzung von Menschenrechten in Deutschland, insbesondere für Schutz und in der Unterstützung von Mädchen und Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt.“

https://www.frauen-gegen-gewalt.de/nachricht/pressemitteilung-ab-01-februar-mehr-rechte-fuer-gewaltbetroffene-frauen-in-deutschland.html

Auszug:

Die Konvention schreibt in Artikel 22 fest, dass es für alle Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt spezialisierte Hilfen geben muss, die gut erreichbar und mit angemessenen Ressourcen ausgestattet sind. Dazu gehören die spezialisierten Fachberatungsstellen für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen. Als Dachverband sieht der bff hier großen Handlungsbedarf. Vor allem im ländlichen Raum fehlen Fachberatungsstellen, an die Betroffene sich wenden können. Viele Fachberatungsstellen sind nicht barrierefrei, sie müssen ihre Sprechzeiten beschränken, es fehlt das Geld für Dolmetscher_innen in der Beratung. Die Finanzierung der Fachberatungsstellen wird meist im Rahmen nicht abgesicherter ‚freiwilliger Leistungen‘ von Ländern und Kommunen gestellt, die stetig neu beantragt werden müssen. „Die Anfragen an die Fachberatungsstellen nehmen kontinuierlich zu – von Betroffenen, Fachkräften oder Angehörigen.

Der bff hält für die Umsetzung der Konvention eine politische Gesamtstrategie für zentral, denn die Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auch müssen bestehende Benachteiligungen aufgrund von Herkunft, Behinderung oder Geschlechtsidentität beseitigt werden.

Und was den Sexismus betrifft haben Pinkstinks eine wunderbare Aktion gestartet. Denn wie sicher alle mitbekommen haben startete diese Tage wieder Heidis Next FrauenErniedrigungs Show. Sexismus pur im Fernsehen. Hier nun ein positives Frauen- u. Mädchenbild:

https://pinkstinks.de/heidi2018/

Auszug:

Ein Ohrwurm gegen Heidi. „Klar bringt Germany’s Next Topmodel Spaß. Also, während ich das sehe. Aber was ist danach? Danach fühle ich mich hässlich, weil die alle so groß und schlank sind. Das wirkt nach zwei Stunden so normal. Dabei ist das nicht normal, oder?“ So und ähnlich klangen Schüler*innen zweier Hamburger Schulen, die wir zu Germanys Next Topmodel befragten. Und: „In Zeiten von #Metoo, Trump-Sexismus und Pay-Gap brauchen wir gegenseitigen Support, keine „Zickenkriege“, von denen nur Heidi Klum und Pro7 profitieren. Die sollen uns endlich eine Sendung geben, die uns stark macht!“

Weil das so schnell nicht passieren wird, haben wir gemeinsam mit den Kids Sticker entworfen, die ihr ab heute kostenlos bei uns bestellen könnt! Außerdem könnt ihr gegen die Marke Heidi Klum jetzt auch ansingen: Mit dem ersten Ohrwurm gegen GNTM! Jetzt hoffen wir, dass das Video auf „Lu Likes“ unzählige Male geteilt und geliked wird, die Sticker-Bestellungen in Masse eintreffen und eine große Anti-GNTM-Welle entsteht, die von den 11-15-jährigen selbst angestoßen wird.“

https://youtu.be/_ErDdw5jowA

Und weiter aus dem o.g. Artikel:

Über 90% der 16-jährigen Mädchen in Deutschland schauen regelmäßig GNTM, über 60% davon wünschten sich, ihre Mutter wäre Heidi Klum. (IZI, 2015) Das ist eine verstörende Zahl angesichts der Tatsache, dass die Sendung die Entstehung von Essstörungen begünstigen kann, ein devotes Frauenbild prägt und Konkurrenzkampf unter Mädchen schürt anstatt sie gegen die bestehenden Hindernisse für Frauen in Gesellschaft und Arbeitswelt zu solidarisieren…

Wir sind begeistert, auf Kids gestoßen zu sein, die sehr viel zu sagen haben. Bitte helft uns, ihre Botschaft in die Welt zu tragen und teilt das Video oder diesen Blog mit so vielen Menschen, vor allem jugendlichen, wie es geht!“

Bitte nehmt euch die Zeit u. lest den ganzen Artikel. Lohnt sich. :-) Und verteilt bitte das Video u. die Infos weiter!!

Zum Wochenende und überhaupt hier nun wieder etwas

leichtere Kost zum Entspannen u. Durchatmen. :-)

Herbst in Österreich

https://www.youtube.com/watch?v=z6-OQWsrUJg

Crystallize – Lindsey Stirling (Faszinierende Violinistin)

https://www.youtube.com/watch?v=aHjpOzsQ9YI

Passt gut auf euch auf!

Liebe Grüße

Violine

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSweetFreedom schreibt am 09.02.2018 um 17:26 Uhr:Boah, hi Violine, ich hatte die Schöneberger irgendwie witzig und modern in Erinnerung... Der Beitrag zum Fernsehpreis hat mich echt schockiert. Vor 100 Jahren hätte das gepaßt, vor genau hundert!!! Wo leben wir denn? Offensichtlich in D im luftleeren Raum.

    Es muß immer weiter geächtet werden, was pervers und unmenschlich ist. Wir sind noch am Anfang, ich hoffe, daß unsere Kinder solche Probleme nicht mehr kennen werden.

    Ich möchte jede und jeden dazu aufrufen, immer wieder bei unangebrachtem Verhalten einzuschreiten. Verhoeven z.B. - wenn er es wußte, warum hat er nichts zu Wedels Verhalten gesagt? Gerade Männer hätten hier gut was bewirken können. Daß die Opfer Angst haben, ist ja klar. Aber als an sich unbeteiligter Beobachter... Hinterher haben es immer alle gewußt. DAS finde ich richtig Sch...

    Schönes Wochenende Dir auch.
    Liebe Grüße
    S.F.
  2. zitierenFrauenBewegenFrauen schreibt am 10.02.2018 um 16:10 Uhr:Liebe SweetFreedom!
    Ja, boah... auch unsere Vorgängerinnen haben gekämpft wie die Löwinnen. Und dann 'sowas', in unserem scheinbar so aufgeklärtem Zeitalter. Richtig, immer u. immer wieder müssen wir den Mund aufmachen. So wie ich das sehe, werden uns noch andere Sachen um die Ohren fliegen. Das ist ja nur die Spitze vom Eisberg... Also weiter machen!! :-) LG Violine

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