GEDANKENFLUG

22.02.2009 um 00:28 Uhr

Gedicht...für Ninon..

Stimmung: ausgeglichen

Für Ninon

Daß du bei mir magst weilen,
Wo doch mein Leben dunkel ist
Und draußen Sterne eilen
Und alles voll Gefunkel ist,

Daß du in dem Getriebe
Des Lebens eine Mitte weißt,
Macht dich und deine Liebe
Für mich zum guten Geist.

In meinem Dunkel ahnst du
Den so verborgnen Stern.
Mit deiner Liebe mahnst du
Mich an des Lebens süßen Kern.

Hermann Hesse, Dezember 1927

  

19.02.2009 um 17:40 Uhr

kleine Krücke für den Alltag...

Stimmung: gelassen

Gestutzte Eiche

Wie haben sie dich, Baum, verschnitten

Wie stehst du fremd und sonderbar!

Wie hast du hundertmal gelitten,

Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!

Ich bin wie du, mit dem verschnittnen,

Gequälten Leben brach ich nicht

Und tauche täglich aus durchlittnen

Roheiten neu die Stirn ins Licht.

Was in mir zart und weich gewesen,

Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,

Doch unzerstörbar ist mein Wesen,

Ich bin zufrieden, bin versöhnt,

Geduldig neue Blätter treib ich

Aus Ästen hundertmal zerspellt,

Und allem Weh zu Trotze bleib ich

Verliebt in die verrückte Welt 

Hermann Hesse, Juli 1919 

 Ich liebe dieses Gedicht, es ermutigt und bestärkt mich, meinen Weg trotz aller Widrigkeiten weiterzugehen, mich nicht verbiegen zu lassen und meine innere Stärke zu finden. Es reicht mir eine Krücke, aber laufen muß ich selbst.

18.02.2009 um 10:50 Uhr

Ausschweifung...

Stimmung: gut

 

Die Mutter der Ausschweifung ist nicht die Freude,

 sondern die Freudlosigkeit.
Friedrich Nietzsche

Ja, so ganz einverstanden bin ich mit diesem Zitat nicht.

Dazu müßte man "Ausschweifung" erstmal allgemeingültig definieren können. Was für den einen noch ein harmloses Vergnügen ist für den andern schon eine Ausschweifung. Außerdem bin ich der Meinung, daß man durchaus auch aus Freude ausschweifen kann.

 

17.02.2009 um 16:26 Uhr

Das Leben...

Stimmung: gut

Lange Zeit schien mir, als würde das Leben erst noch beginnen - das richtige Leben. Doch immer war irgendein Hindernis im Weg, etwas, das erst noch erledigt werden musste, irgendeine unabgeschlossene Angelegenheit, irgendwo war noch Zeit abzuarbeiten, irgendwo eine Schuld zu begleichen. Dann würde das Leben beginnen. Schließlich dämmerte mir, dass diese Hindernisse mein Leben waren.
(Fr. Alfred D´Souza)

Wir sollten unsere kostbare Zeit nicht mit Warten verbringen...

17.02.2009 um 12:17 Uhr

Spruch

 

Die Menschen sind nicht immer, was sie scheinen, - doch selten etwas Besseres.


Gotthold Ephraim Lessing

Erwarte ich zuviel?

14.02.2009 um 00:56 Uhr

unsichtbare Tränen

Nicht immer bedeutet Lachen glücklich sein,

manchmal ist es ein trauriger Versuch Kummer

zu verbergen...vor den anderen...

oder sogar vor sich selbst...

dann ist Lachen nichts anderes als Weinen...

unsichtbare Tränen...

die von niemandem wahrgenommen werden.

06.02.2009 um 09:42 Uhr

Essay...bewölkter Himmel

Stimmung: zuversichtlich

 

Bewölkter Himmel

...Wie das Verdunsten und das Wiederherabregnen des Wassers über der Erde in einem gewissen Rhythmus erfolgt, wie die Jahreszeiten oder Ebbe und Flut ihre festen Zeiten und Folgen haben, so geht alles auch in unserem Innern gesetzlich und in Rhythmen vor sich.

...Die dunkle Welle in meinem Leben, die ich fürchte, kommt auch mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Ich kenne die Daten und Zahlen nicht, ich habe niemals ein fortlaufendes Tagebuch geführt....Ich weiß nur: Von Zeit zu Zeit erhebt sich in meiner Seele, ohne äußere Ursachen, die dunkle Welle. Es läuft ein Schatten über die Welt, wie ein Wolkenschatten. Die Freude klingt unecht, die Musik schal. Schwermut herrscht, Sterben ist besser als Leben. Wie ein Anfall kommt diese Melancholie von Zeit zu Zeit, ich weiß nicht in welchen Abständen, und überzieht meinen Himmel langsam mit Gewölk....

Zorn, Leid und Anklage richten sich gegen alles, gegen Menschen, gegen Tiere, gegen die Witterung, gegen Gott, gegen das Papier des Buches, in dem man liest, und gegen den Stoff des Kleides, das man anhat. Aber Zorn, Ungeduld, Anklage und Haß gelten nicht den Dingen, sie kehren von ihnen allen zurück zu mir selbst. Ich bin es, der Haß verdient. Ich bin es, der Mißklang und Häßlichkeit in die Welt bringt.

Ich ruhe heute von einem solchen Tage aus. Ich weiß, daß nun eine Weile Ruhe zu erwarten ist. Ich weiß, wie schön die Welt ist, daß sie für mich zu Stunden unendlich schöner ist als für irgend jemand sonst, daß die Farben süßer klingen, die Luft seliger rinnt, das Licht zärtlicher schwebt. Und ich weiß, daß ich das bezahlen muß durch die Tage, wo das Leben unerträglich ist. Es gibt gute Mittel gegen den Schwermut: Gesang, Frömmigkeit, Weintrinken, Musizieren, Gedichtemachen, Wandern. Von diesen Mitteln lebe ich, ...

Was ich niemals wünsche, auch in den schlechtesten Stunden nicht, das ist ein mittlerer Zustand zwischen Gut und Schlecht ... Nein, lieber noch eine Übertreibung der Kurve - ...

An solchen Tagen der Rückkehr fühle ich etwas wie Genesungsstimmung: Müdigkeit ohne eigentlichen Schmerz, ... Langsam beginnt die Lebenslinie wieder zu steigen. Man summt wieder einen Liedervers. ... Man lebt noch. Man hat es wieder überstanden. Man wird es auch nochmals überstehen, und vielleicht noch oft.

Es wäre mir ganz unmöglich zu sagen, ob dieser bewölkte, still in sich bewegte, vielfädige Himmel sich in meiner Seele spiegelt oder umgekehrt, ob ich von diesem Himmel nur das Bild meines Inneren ablese. Manchmal wird alles so völlig ungewiß! Es gibt Tage, an denen bin ich überzeugt, daß kein Mensch auf Erden gewisse Luft- und Wolkenstimmungen, gewisse Farbklänge, gewisse Düfte und Feuchtigkeitsschwankungen so fein, so genau und treu beobachten könne wie ich mit meinen alten, nervösen Dichter- und Wanderersinnen. Und dann wieder, ... kann es mir zweifelhaft werden, ... ob nicht alles, was ich wahrzunehmen meine, bloß das nach außen geworfene Bild meines inneren Lebens sei.

Hermann Hesse, 1919

 Ja, ich habs auch überstanden. Möchte mich bei Shadowfax, Wolf und Seren_a bedanken für die liebevolle Unterstützung. Ich habe die letzten Tage sehr viel nachgedacht. Es hat "klick" gemacht. Ich hatte mich verloren, habe nicht mehr gelebt, ich wurde gelebt. Ich weiß jetzt was ich ändern muß, werde mich von den Menschen die mir nicht guttun trennen und zu mir stehen, mich annehmen so wie ich bin und lernen mich zu lieben, so wie ich bin.

Es gibt einen schönen Spruch:

Wie kannst du für andere das Beste tun, nimmst du dir nicht die Zeit es für dich zu tun.

Arthur Lassen