Hey-hoooooooo… kennt ihr mich noch? Liest hier noch jemand mit?
Endlich habe ich heute die Gelegenheit, mal wieder was in mein Blog zu schreiben. Ja, klar, es gibt auch hier Internet (danke für die wohlgemeinten Tipps vor meiner Abreise!), und Zeit zum Schreiben hätte ich auch mehr als genug - aber keinen PC. Ich habe meinen ja nicht mitgenommen. Dachte eigentlich, dass hier jeder mit einem Laptop rumläuft, den ich mir mal schnell ausleihen kann, aber das ist nicht so. Heute sind wir jetzt endlich mal in einem Hotel, das so eine Art Internet-Raum hat, und das nutze ich gleich mal aus, um ein bisschen zu erzählen, was seit unserer Abreise so passiert ist.
Wo fange ich an? In Baltimore - unserer ersten Station.
Chris Rückkehr zu seiner Band lief eigentlich ganz gut. Seine Bandkollegen haben sich riesig gefreut, dass er wieder da war, und sie haben auch mich sehr herzlich begrüßt. Wir haben uns ja in Deutschland auch schon gut verstanden. Sein Management (ein Triumvirat von drei richtigen Geld-Bossen) hat eine Weile getobt und geschäumt vor Wut – aber letztlich überwog wohl die Erleichterung, dass er überhaupt zurückgekommen war. The show must go on, so ist das halt. Sie waren natürlich auch tierisch angepisst, dass er mich mitgebracht hatte, aber Chris machte ihnen unmissverständlich klar, dass er sich in sein Privatleben nicht mehr reinreden lässt.
Chris hat auf der Band-Homepage einen offenen Brief an die Fans veröffentlicht. Er schreibt darin sinngemäß, dass er seine Fans sehr respektiert und achtet und niemals absichtlich etwas tun würde, um sie zu verletzen oder vor den Kopf zu stoßen. Dass er aber, wie jeder andere Mensch auch, ein Recht darauf hat, sein Privatleben so zu führen, wie er es gut findet. Und dass er sich sicher ist, dass echte Fans tolerant genug sind, um nicht wegen seiner Person die ganze Band und ihre Musik schlecht zu machen und abzulehnen. Es ist sehr schön formuliert. Die Manager haben natürlich auch deswegen getobt, aber Chris hat sich durchgesetzt, der Brief blieb so stehen. Die Resonanz war gemischt. Es gab sehr nette Zuschriften von Leuten, die ihm Mut machen und uns unterstützen wollten, aber leider auch kranke, richtig verletzende Kommentare. Chris sagt, auf jeden Fall sind die ganzen Gerüchte jetzt verstummt und jeder weiß, was Sache ist, also braucht auch keiner groß hinter uns her zu spionieren. Da hat er wohl Recht.
Chris hat sich bereit erklärt, die Tour weiter zu machen und am Schluss noch die ausgefallenen Konzerte nachzuholen, und so reisen wir jetzt in der Gegend rum. Nach Baltimore waren wir noch in Philadelphia, New York und jetzt Boston. Ich kann dazu nicht viel sagen, ich hab außer den Konzerthallen und den Hotels von diesen Städten nichts gesehen. Naja, Sightseeing kommt später.
In unserer freien Zeit sind wir natürlich zusammen, wir haben auch immer ein gemeinsames Zimmer, aber sonst ist Chris halt meistens unterwegs. Abends Konzerte, davor noch Probe und Soundcheck, und tagsüber, wenn kein Konzert ist, Interviews, Foto-Sessions und anderes Promotion-Zeug. Zu den Konzerten begleite ich ihn, aber die übrigen Termine macht er besser allein, das ist ok. So kommt es, dass ich sehr viel Leerlauf tagsüber habe. Ich schaue fern, gehe spazieren und habe, nachdem mir Chris’ Gitarrist eine Gitarre geliehen hat, wieder angefangen, Songs zu schreiben, Es geht allmählich wieder, darüber bin ich sehr froh! Aber ich hab auch, wie erwartet, Heimweh und telefoniere, wenn ich allein bin, ewig lang in der Gegend rum, mit Jana, mit Sven, um zu hören, wie es daheim läuft.
Komischerweise verbringe ich tagsüber auch viel Zeit mit Melissa, Chris’ angedichteter Ehefrau. Klar, die ist die einzige, die auch nichts zu tun hat und ständig rumhängt. Ihr Dad schleppt sie mit auf seinen Reisen, und wenn er Termine hat, muss sie halt im Hotel warten.
Zuerst fand ich sie einfach nur schrecklich. Daddy’s little sunshine girl halt. 19 Jahre, sehr hübsch, blonde Locken, “Cheese”-Lächeln, und in jedem zweiten Satz quietscht sie ein “cute” oder “nice” oder “oh my god”. Diese Sorte läuft hier massenhaft rum. Die werden so erzogen, weil das den Männern angeblich gefällt, aber ich weiß nicht - ich bin zwar kein echter Maßstab dafür, aber ich kann mit so was nichts anfangen. Deshalb hab ich in den ersten Tagen einfach einen großen Bogen um sie gemacht.
Ja, und dann kam sie vormittags, als Chris weg war, in unser Zimmer, setzte sich aufs Bett, betrachtete mich eine Weile und piepste dann "du bist der erste gay, den ich kennenlerne“. Ich hab sie wohl angeguckt wie ein Auto und dann gesagt "wenn schon, bin ich der zweite, Chris kennst du ja auch, und wahrscheinlich kennst du noch viel mehr und weißt es nur nicht, denn wir laufen ja nicht mit einem Schild um den Hals rum“. Zugegeben, das war nicht sehr höflich, aber was soll man auf so was denn antworten? Es hat sie auch nicht abgeschreckt, sie kommt seitdem ständig, wenn Chris unterwegs ist. Fragt, ob ich mit ihr was trinken gehe, ob wir Eis essen gehen wollen, ob ich mit ihr spiele (ja, spiele, sie hat so einen großen Koffer mit Backgammon, Monopoly, Domino und so dabei). Boah… was hab ich denn nur verbrochen?
Ich bin genervt, Chris amüsiert sich köstlich und Melissas Dad ist stinksauer, und das, obwohl sein Goldkind in meiner Obhut wirklich so sicher wie im Nonnenkloster ist. In meiner Verzweiflung hab ich ihr vorgeschlagen, ihr Deutsch beizubringen, und das fand sie ganz toll. Lernt jetzt wie verrückt und macht tatsächlich gute Fortschritte. So doof und naiv, wie sie sich gibt, ist sie also gar nicht. *Grins*… das hab ich ihr tatsächlich auch so gesagt, und sie erklärte, dass Frauen nicht zeigen dürfen, dass sie intelligent sind, damit Männer sich überlegen fühlen können (?????). Oh weh, wie sehr wünsche ich mir Jana zurück… oder euch Mädels aus dem Blog!
Ja, so verlaufen die Tage. Manchmal hab ich echt die Krise und wünsche mir nichts mehr, als heimzufahren. Aber wenn Chris dann von einem Termin zurückkommt und wir allein für uns sind, oder wenn er bei Konzerten ständig den Blickkontakt sucht, dann weiß ich, dass es richtig ist, dass ich hier bin. Dass ich ihm echt helfe. Und er sagt auch oft zu mir, dass er das Ganze nur schafft, weil er sich die ganze Zeit darauf freuen kann, wenn wir wieder zusammen sind.
Und noch etwas Wunderschönes hab ich erfahren (das weiß ich aber "offiziell“ noch gar nicht): Chris hatte gestern allein einen Interview-Termin mit einem der Manager. Ich hab mit den anderen von der Band in der Hotelbar abgehangen und etwas rumgemosert - da sagte Gerry (der Bassist): "Hör mal, du Schlafkopf (Schlafmütze bei uns, egal), wenn du mich nicht verrätst, sage ich dir was.“ Ich: "ja ok, ich verrate nichts“, und da erzählte er mir, dass Chris bei der letzten Besprechung mit dem Management absolut klar gemacht hat, dass er von Februar bis einschließlich Mai keine Termine annimmt (im Januar machen sie sowieso alle Urlaub). Ich - Schnellmerker, der ich bin - "hm, ja und?“. Und Gerry meint grinsend "nun, ich denke, in dieser Zeit ist eine andere Tour, und da will unser Chrissy wohl zur Abwechslung mal den Kofferträger und stillen Gesellschafter spielen“. Da hab ich es erst kapiert, und ich hab richtig ’ne Gänsehaut gekriegt, so schön war das. Chris selbst hat mir noch nichts davon gesagt, der wartet vermutlich ab, bis ich mal wieder die Krise habe und Aufmunterung brauche. J
Ich bin verdammt glücklich, dass wir zusammen sind! Zusammen geht irgendwie immer alles, aber ohne ihn wäre alles nichts…