Musik: Paradise ... Do or die
Gestern war es soweit. Mit Liebe vorbereitet, mit Spannung erwartet - unsere Einweihungsparty!
Gleich vorab, für alle, die jetzt keine Zeit zum Lesen haben: es war super, megageil, richtig schön - genauso, wie ich es mir erhofft habe. Eigentlich sogar noch schöner!
Für alle anderen: setzt euch gemütlich hin, holt euch am besten noch was zu trinken: er wird lang, dieser Eintrag! Aber ich muss das einfach alles aufschreiben.
So, dann mal der Reihe nach:
Samstag Vormittag haben wir die letzten Vorbereitungen getroffen. Der Partyservice brachte Gläser, Geschirr und die Bistrotische, und um 17 Uhr dann, wie bestellt, das Essen. Wir haben die Arbeitsplatte in der Küche abgedeckt und dort das ganze Essen aufgebaut, dazu unsere eigenen Sachen, es sah sehr gut aus. Mein Kuchen ist auch geglückt, *grins*… so gut, dass ich Freitag Abend gleich noch einen zweiten gebacken habe. Einer wäre ja für 20 Leute auch ein bisschen knapp gewesen - vor allem, da Chrissy ihn freitags schon direkt angeschnitten und zwei Stücke verdrückt hatte, als ich einen Moment nicht aufgepasst hab. Super. Der Schinken war pünktlich fertig, Getränke aller Art bereitgestellt, also alles bestens.
Chris hatte morgens noch Dekomaterial gekauft - Lichterketten und Girlanden und so’n Kram, alles ziemlich bunt und kitschig, aber ich hab mal nichts gesagt. Ich guckte ihm ein bisschen beim Aufhängen zu, und als er gerade so ein blödes Blinklicht anmachte, musste ich urplötzlich an Heiligabend denken - an seinen gruselig bunten Baum. Und das war so schön, dass ich richtig Gänsehaut hatte und ihn ganz spontan mal in den Arm nehmen und fest drücken musste *lach* armer Kerl, er wusste gar nicht, was los ist.
Als offizielle Startzeit hatten wir 7 pm, also 19 Uhr, gesagt. Um halb sieben klingelte es zum ersten Mal: Marisa, beladen mit zwei Flaschen Tequila, drei Schüsseln mit selbstgemachten Desserts und einem ziemlich griesgrämig dreinblickenden Pedro im Schlepptau. "Dachte ich doch, komme ich ein bisschen früher, falls noch etwas zu machen ist…" *grins*. Bevor wir was sagen konnten, war sie schon durch die Wohnung gefegt, hat wahrscheinlich geguckt, ob an den Waschbecken auch ausreichend Handtücher hängen und so Dinge (*g* Nadine, die Frau ist Mexikanerin, vielleicht hat sie auch das Klopapier kontrolliert, ha,ha). Pedro haben wir erst mal auf die Couch vor den Kamin verfrachtet und ihm eine Flasche Bier in die Hand gedrückt, was seine Laune schlagartig verbesserte.
Ja, und dann hieß es warten. Es wurde sieben Uhr, viertel nach sieben, halb acht. Ich hatte gerade den Vorschlag gemacht, dass wir allmählich anfangen, da klingelte es. Gerry, unser Bassist. Abgerissen und zerzaust wie immer, grinsend, mit einer reichlich aufgebrezelten Blondine im Schlepptau. "Hi, bin ich der letzte? Sorry, hat ein bisschen gedauert, bis (Seitenblick auf seine Begleitung) Madam fertig war." "Keine Sorge, du bist der erste. Hast du eine Ahnung, ob die anderen von der Band auch kommen?" - "Klar kommen sie. Hat Pete nicht angerufen und Bescheid gesagt? Sollte er doch machen - so’n Blödmann!" "Egal".
Ja, und als wäre das der Startschuss gewesen, kamen sie dann. Als nächstes Melissa und Dad. Melissa - wow, in einem Outfit, als wollte sie zur Oscar-Verleihung. Enganliegendes, silberglänzendes Kleid mit Schlitz an der Seite, Hochsteckfrisur - und was da an ihrem Halsband gefunkelt hat, waren mit Sicherheit keine Strass-Steine und auch keine Zirkonias. Süß: und zu diesem edlen Teil trug sie zusätzlich noch das Sternzeichen-Kettchen, das ich ihr zu Weihnachten geschenkt habe. Sie begrüßte Chris brav mit Küsschen links/Küsschen rechts, dann strahlte sie mich an, drückte mich und knutschte mich regelrecht ab (wah, warum immer ich???). Und hielt uns ein Riesen-Paket hin: "das ist zur Einweihung, ich hab es ganz allein ausgesucht - bitte macht gleich auf, ich bin ja so gespannt, wie es euch gefällt..."
Es war ein Set (12! Stück!) riesiger knallbunter Plüsch-Kuschelkissen. In allen Farben und Formen: ein Herz in knallrot, eine Sonne in leuchtendgelb, irgendwas (ich glaub, ein Fisch) in türkis, weitere Kissen in pink, grasgrün, himmelblau… *weglach*. "Sind die nicht superschön, die könnt ihr überall in der Wohnung verteilen, das bringt Farbe und gute Laune." Da Chris dieser ganzen "Pracht" sprachlos gegenüberstand, hab ich sie in den Arm genommen und "ganz toll, Melissa, wirklich wunderschön" gesagt. Und ich schwöre - zum ersten Mal hab ich von ihrem Dad ein wohlwollendes Lächeln geerntet, fast schon sowas wie einen Blick des geheimen Einverständnisses. "Ja, das hat sie wirklich ganz allein gekauft. Ich habe was anderes - alles Gute zur neuen Wohnung!" Gibt uns ebenfalls ein Paket, drin war eine gusseiserne Kamingarnitur: so verschiedene Schürhaken und Rechen und ein schmiedeeiserner Korb für Holz. Sieht sehr schön und edel aus! "Ja, ich wusste ja, dass diese Wohnungen offene Kamine haben, ich hoffe, es gefällt euch."
Die Sache mit den Einweihungsgeschenken hat uns übrigens den ganzen Abend "verfolgt", sie hat mich regelrecht umgehauen. Es kommt noch viel härter.
Der nächste war, glaube ich, Benjamin - ebenfalls mit Riesen-Paket, das er Chris in die Hand drückte: "für eure neue Wohnung, ich hoffe, ihr habt noch keins". Inhalt: ein elektronisches Dartspiel. Cool, so ein ähnliches, wie ich auch in Deutschland hatte. Super, wir darten sehr gerne.
Als nächstes zwei unserer Manager mit Ehefrauen, der dritte ist mit seiner Familie gerade auf den Bahamas (boah…). Die sahen mal cool aus: im normalen Leben Nadelstreifen-Bosse, heute in Jeans, karierten Holzfällerhemden und Cowboyhüten. Während Ed’s Frau passend dazu aussah, als käme sie gerade aus dem Kuhstall (Fransenjeans, Cowboystiefel und ein geknotetes Hemd), war die andere eher für einen Opernbesuch gestylt: langes Kleid und Highheels (he,he, die Schuhe lagen allerdings nach ’ner Stunde in der Ecke, da lief sie barfuss rum). Sie gaben uns einen Briefumschlag und sagten "alles Gute zum Einzug vom gesamten Management, euer Geschenk wird nächste Woche geliefert". Und Ed fügte noch hinzu "das spielt ihr Jungs doch immer gerne. Hoffentlich habt ihr Platz dafür". In dem Umschlag war ein Prospekt von einem Billardtisch, komplett mit Zubehör. Da hab ich ernste Zweifel gekriegt, was die unter "Einweihungsparty" verstanden haben, es kam mir eher wie Hochzeitsgeschenke oder sowas vor. Aber klar haben wir Platz!
Zwischendurch liefen immer mal wieder Bandmitglieder ein, mit Freundin oder Frau (zwei von denen sind schon ewig verheiratet). Dann kamen Stacey und Richard von der Wohnung unter uns. "Hey, wir haben unten gewartet, bis bei euch ein bisschen Stimmung ist, wir wollten nicht die ersten sein." Und - oh mein Gott - das nächste Paket "das ist zur Einweihung". Aber diesmal war der Inhalt ein echter Lacher: eine Schwarzwälder Kuckucksuhr. Erklärung: Die zwei haben vor einem Jahr eine Deutschlandreise gemacht und die Uhren gleich im Dutzend mitgebracht - sie gelten hier nämlich als absolut cool. Haben die Augen gemacht, als Chris erklärte, dass ich Deutscher bin! Ich hab dann schnell dazugesagt, dass ich mich deshalb umso mehr freue, weil es doch etwas aus der Heimat ist. Ist zwar nicht meine Heimat, der Schwarzwald, aber na denn … niedlich, der Kuckuck *weglach*
Jo, und endlich dann auch noch Gladys. Die hatte wenigstens was Vernünftiges als Mitbringsel - einen mexikanischen Knüpfteppich, bunt, hübsch. Dachte ich zumindest. Bis sie uns in die Küche zog, Chris einen Umschlag gab und meinte "für euch, zur Einweihung". Chris sah rein, schüttelte den Kopf und sagte nur "no, Mummy. NO!" Ich hab dann auch mal einen Blick riskiert. Oh je, ich weiß gar nicht, ob ich das hier überhaupt schreiben soll. Aber es stimmt ja nun mal, also: drin war eine Zahlungsanweisung an unsere Hausverwaltung, so eine Art befristeter Dauerauftrag. Oder anders ausgedrückt: Die Mietüberweisungen fürs kommende erste Jahr. Komplett.
Ich sagte ebenfalls "nein, das geht nicht". Aber dann haben wir uns angesehen, sie und ich, ich sah dieses Funkeln in ihren Augen - ich geb das darauffolgende Gespräch jetzt mal genauso wieder, aber ich weiß nicht, ob das, was ich ausdrücken will, rüberkommt, man muss sie und ihre Art schon kennen. Auf jeden Fall hatten wir in Florida auch öfter so "Dispute" und beide immer unseren Spaß dabei.
Ich sagte also "nein, das geht nicht", und sie daraufhin "ok, sagt mir beide, dass ihr es nicht wollt, dann gehe ich am Montag zur Bank und mache es rückgängig. Kein Problem!" "Ja, aber du wärst verärgert?" - "Noch viel mehr, tödlich beleidigt!" "Dann würdest du wahrscheinlich nie mehr mit uns reden?" - "Kein Wort bis zu meinem Tod!" "Und wohl nie mehr anrufen?" - "Never ever!" "Und uns auch nie mehr einladen?" - "Das erst recht nicht, keinen Fuß mehr durch meine Tür, noch nicht mal zu meiner Beerdigung!" (da hatten wir beide schon unsere Mühe, ernst zu bleiben). Und Chrissy, der bis dahin nur verblüfft zugehört hatte, meinte, ebenfalls lachend "hört auf, ihr zwei - Mum, es ist ok. Wenn Danny nicht mehr nach Florida darf, kriegt er hier einen Zusammenbruch, und ich muss es ausbaden. Also gut dann - aber es ist verrückt und absolut übertrieben!" Und da baute sie sich vor ihm auf (noch nicht mal 1,60 m geballte Power gegen 1,90 m *grins*) und sagte "so, so, du willst mir erklären, was verrückt und maßlos ist? Dann sieh es so: was ich euch jetzt gebe, erbst du in ein paar Jahren weniger. Ich hoffe, du kannst jetzt wieder gut schlafen!" Ich mag ihre Art einfach, sie ist so lieb und warmherzig unter diesem sarkastischen Äußeren. Also Ende der Diskussion.
Ja - zurück zu unserer Party: es war von Anfang an ein Selbstläufer! Super Stimmung, alle gut drauf. Gladys unterhielt sich mit den Managergattinnen ebenso gekonnt wie mit Marisa und Pedro auf spanisch, Melissa war überglücklich, dass mit Ben wenigstens ein alleinstehender Junggeselle unter 40 da war, an dem sie ihren Charme ausprobieren konnte, und die Jungs von der Band machen sowieso immer Stimmung, auch wenn die Scherze nicht immer ganz jugendfrei sind und unser Leadgitarrist zu vorgerückter Stunde regelmäßig ’nen Striptease hinlegt *lol*. Die Selbstbedienung bei Speisen und Getränken klappte auch vorzüglich - so gut, dass Chrissy’s Getränkevorräte beängstigend schnell abnahmen, und ich, wenn ich jetzt die kümmerlichen Reste vom Buffet ansehe, mir eher noch Gedanken mache, ob es genug war. Wahnsinn, nix von wegen vornehmer Zurückhaltung.
Getanzt wurde auch viel. Wir hatten Musik aller Richtungen vorbereitet, und Stacey half uns noch aus, indem sie schnell runterlief und mindestens zwanzig verschiedene Tanzalben holte. Erklärung: die zwei sind in einem Tanz-Club. Gaben dann auch gleich mal eine Kostprobe ihres Könnens, das sah schon gut aus. Und Gladys tanzte mit Pedro Tango und Rumba und noch was anderes südamerikanisches - toll! Klar, Gladys ist ausgebildete Tänzerin, das merkt man sofort - aber dass der rundliche und immer griesgrämige Muffkopf Pedro so einen Hüftschwung hinlegen kann, hätte ich nicht gedacht (und noch weniger, dass er dabei sogar lachen kann!). Ich hab mal einen Blick zu Marisa geworfen, nicht, dass sie sauer ist - aber sie war eher heilfroh, dass "ihrer" sich amüsierte, anstatt rumzuknatschen. ;-)
Zu vorgerückter Stunde kamen unsere Bandkollegen und meinten "so, von uns kriegt ihr ja auch noch was, das holen wir jetzt, aber ihr müsst erst mal verschwinden!" - "Wie verschwinden?" "Na, haut ab, irgendwohin, hoch ins Schlafzimmer, und macht die Tür zu, bis wir euch rufen." Nun denn - haben wir uns ne Flasche Whiskey gegriffen und sind brav die Treppe hochmarschiert. Gerry rief noch hinterher "in einer Viertelstunde sind wir hier fertig, also richtet euch drauf ein, mit den ausgefallenen Spielen braucht ihr gar nicht erst anfangen". So ein Spruch hätte sonst höchstens ein pikiertes Stirnrunzeln unserer Manager zur Folge gehabt, aber heute hat alles gebrüllt vor Lachen *grins*.
Da haben wir dann oben auf dem Bett gesessen, Whiskey getrunken und hörten unten jede Menge Rumpelei, ein lautes Hallo, dann wieder Scheppern und Radau. Chrissy meinte sarkastisch "sie schlagen jetzt das Wohnzimmer zu Kleinholz, damit wir Platz für den Billardtisch haben". Aber dann durften wir wieder runter kommen, und der Anblick hat uns fast umgehauen: Sie hatten eine Hausbar fix und fertig aufgebaut! Kennt man bei uns auch: eine Theke mit Barhockern davor, hinten verspiegelt, mit einem Überbau, wo die Gläser draufkommen und die Getränke - edel edel! Anscheinend hatten sie das gute Stück vormontiert hergebracht und dann "vor Ort" fertig zusammengebaut. Und die Zimmerecke, wo sie es hingestellt haben, sieht aus, als wäre da nie etwas anderes gewesen - Wahnsinn! Jetzt können wir an unserer eigenen Theke stehen, was trinken und dabei fernsehen (TV hängt genau gegenüber an der Wand).
Ja, wir haben richtig Party gemacht. Heute Morgen um halb neun sind die letzten raus, das waren Ben, Stacey und Richard sowie Gerry und seine Blondine (sie heißt Julie, aber Chris meint, es lohnt sich nicht, sich die Namen von Gerry’s Begleitungen zu merken, weil er jedes Mal jemand anderes dabei hat *räusper*).
Ausfälle gab es keine - wenn man mal davon absieht, dass unser Drummer ab ein Uhr auf der Couch gelegen und fest gepennt hat (Kommentar seiner Frau "das passiert ihm immer, aber er schnarcht wenigstens nicht, also ignoriert ihn einfach, machen wir weiter!"). Ein einziges Glas ist zu Bruch gegangen, als Gerry einen schottischen Tanz vorführen wollte und mit voller Wucht auf das Weinglas sprang, das seine Freundin gerade neben dem Tisch abgestellt hatte. So gesehen waren wir richtig solide *grins*
Als sie weg waren, haben wir noch ein bisschen zusammengeräumt und dann fast noch eine Stunde mit einem Absackerwhiskey mitten im Schlachtfeld gesessen - übermüdet, aufgedreht, glücklich. Aufgeräumt wird erst morgen; nachher um eins sind wir mit Gladys in ihrem Hotel zum Brunch verabredet, und danach werden wir uns erst mal ein paar Stunden Schlaf genehmigen.
Ich hab eben mal überlegt, was das Schönste an diesem Abend war. Die tollen Geschenke? Die Tatsache, dass alle gekommen sind, die eingeladen waren? Dass uns Richard für in drei Wochen schon zu seinem Geburtstag eingeladen hat, und Ben mich gefragt hat, ob wir die Fußball-WM gucken, und ob wir uns die Spiele nicht zusammen ansehen wollten, bei ihm oder bei uns? Nein, es war etwas anderes: als wir vorhin da auf dem Boden saßen, umarmte mich Chris und sagte "Danny, es war so super, ich bin kaputt, aber so glücklich…". Und dann meinte er ganz leise "I’m a damn lucky man". Ja, Chris, ich hab auch verdammtes Glück, ich weiß es!
Jetzt brauche ich schnellstens jemand, der mir gehörig in den Arsch tritt und mich auf den Boden zurückholt *grins*… ja Chrissy, ich weiß, wir müssen gleich los, ich komme schon… ;-)
Euch allen einen wunderschönen (Rest)Sonntag! Und danke für’s Daumendrücken!!!