Times of Life

22.01.2009 um 06:44 Uhr

Was gab's denn eigentlich in Deutschland…

von: Galahad

Musik: Edguy - Tinnitus Sanctus

...in den letzten Monaten? Darüber habe ich hier noch gar nichts berichtet. 

Zunächst Jana… bei ihr und ihrer Familie ist alles bestens. Wir hatten natürlich in der Zeit von Chris Erkrankung sehr viel Kontakt - telefonisch und auch per Mail. Ich hab sie oft angerufen und nur gesagt "komm, erzähl mir mal was", und sie hat dann genau verstanden, was ich wollte - und hat mir dann von Timmy erzählt und von seiner Schule, von ihren Eltern, den Hunden, den Nachbarn, ganz egal. Es hat mich immer abgelenkt und auf andere Gedanken gebracht, und genau das war der Sinn und Zweck. Und natürlich war sie auch immer zum Trösten und Aufmuntern für mich da. Ist eben mein Janamädel *lächel*! 

Darüber hinaus habe ich aber auch noch von anderen Leuten aus Deutschland in dieser Zeit viel Zuspruch erfahren. Und darunter waren auch zwei, von denen ich das wirklich nicht so erwartet hatte. 

Regelmäßig Kontakt hatte ich zunächst mal mit Sven, dem Manager meiner Ex-Band. Wir schreiben oder telefonieren ja eigentlich immer mal - und nachdem er von Chris gehört hatte, hat er mir sehr oft geschrieben, nachgehört, wie die Lage ist und versucht, zu trösten. Da ich weiß, wie viel er geschäftlich und terminlich immer am Hals hat, rechne ich ihm das umso höher an. Er ist wirklich ein guter Freund. 

Auch Philipp, mein Ex-Bandkollege, hat sich oft bei mir gemeldet (zur Erinnerung: Phil ist der, dessen Frau letztes Jahr diesen schweren Autounfall hatte, im Koma lag und trotzdem anschließend einen gesunden Sohn zur Welt gebracht hat). Phil konnte meine Ängste und Sorgen wegen Chris nur zu gut nachempfinden… und er hat mir immer wieder Mut gemacht. Ein lieber Kerl.  

Bei ihm selbst ist alles super, musikalisch läuft es gut, und Christiane, seine Frau, erwartet ihr zweites Kind - der kleine Leon wird bald eine kleine Schwester bekommen *smile*. 

Einer der beiden, von denen ich dagegen eigentlich gar nichts erwartet hatte, war - Frédéric! Timmys Papa. Was der in dieser Zeit gebracht hat, war wirklich sensationell - und unheimlich lieb! Jede Menge Mails, auch wenn ich auf die vorangegangenen noch gar nicht geantwortet hatte… und meistens mit Bildern von den Kids, wie sie im Garten spielen, mit den Hunden toben oder vom Sommerurlaub am Meer *smile* - schön! Klar, er schickt mir auch so immer mal Bilder von Timmy und seinen Schwestern (Jana hat es mit Bildern nicht so, sie macht nie welche). Aber in dieser Zeit hab ich mich ganz besonders darüber gefreut, es hat mir soviel bedeutet, und ich hab sie mir immer wieder angesehen.

Daneben hat er mir auch viele Durchhalteparolen gesandt - so nach dem Motto "Kopf hoch, Danny, ihr beide schafft das - lass dich nicht unterkriegen!" oder auch mal in dem üblichen spöttischen Ton "Hey, nur keine Sorge - ihr werdet schneller, als du denkst, die Welt wieder mit dem Lärm, den ihr Musik nennt, erfreuen" *fg*. Egal, was er geschrieben und geschickt hat - ich hab meistens anschließend da gesessen und vor mich hin gegrinst.  

Auch bei ihm und Madeleine ist übrigens alles in Ordnung- alle sind gesund und fit, und Urlaub am Meer ist im Sommer auch wieder geplant, seine Eltern haben das Haus dort schon gemietet. 

Und dann bekam ich an einem Tag eine Mail, mit der ich nie im Leben gerechnet hätte - von Manny (dem Bassist meiner Ex-Band, der damals Knall auf Fall die Band verlassen hat, als das mit Chris anfing *seufz*).

Er schrieb: 

Hallo Danny, 

ich habe gehört, was mit deinem Chris ist, und möchte dir sagen, dass mir das sehr leid tut. Ja, ich war damals sehr enttäuscht und sauer auf dich, aber so etwas habe ich weder Chris noch dir jemals gewünscht, glaub mir das bitte.  

Ich sehe sowieso vieles von damals inzwischen mit anderen Augen. Zwischen deinen Gefühlen für mich und dem, was ich damals für dich empfunden habe, haben immer ganze Welten gelegen, ich wollte das nur nie wahrhaben. Aber Gefühle kann man nun mal nicht erzwingen, inzwischen weiß ich das. Ich freue mich ehrlich für dich, dass du mit Chris glücklich geworden bist - und ich wünsche ihm aufrichtig, dass er bald wieder gesund wird und ihr noch lange glücklich zusammenleben könnt! 

Es wäre schön, wenn wir uns bei einem deiner Deutschlandbesuche mal treffen und dann wieder ganz normal zusammen reden könnten, gerne auch zu dritt. Ok?

Manuel

P.S. Dass ich euch damals so überstürzt hängengelassen habe, tut mir sehr leid. Sorry dafür!  

Das hat mich doch am meisten überrascht. Jana, die ihn ab und zu mal in der Stadt trifft, meinte, er habe sich tatsächlich verändert und sei "viel erwachsener" geworden. Und offenbar ist er immer noch/wieder Single und turnt munter in der Szene rum. Soll bloß auf sich aufpassen, der Kerl! :-) 

All diesen Leuten möchte ich auch an dieser Stelle nochmal danke sagen für ihre Unterstützung - auch wenn sie es (hoffentlich *hust*) hier nie lesen werden. ;-) 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenClarice schreibt am 22.01.2009 um 07:43 Uhr:ich finde es super, dass es immer wieder ganz überraschend für einen leute gibt die sich dafür entschuldigen können, dass sie mist gebaut haben. ist ja - wie man aus eigener erfahrung weiß - nicht immer ganz leicht. schön, dass bei deinen freunden in D alles ok ist.
  2. zitierenGalahad schreibt am 22.01.2009 um 08:33 Uhr:@Clarice: ja, da hast du Recht. Jeder baut mal Mist, und ich bin der Letzte, der das ewig lang nachträgt und darauf herumreitet... aber es ist schon schön, wenn derjenige dann irgendwann kommt und sagt "sorry, das war damals nicht so gut von mir". Einen Fehler zugeben und sich dafür entschuldigen ist für mich ein Zeichen von Charakterstärke. Und wie du ja sagst - so ganz leicht fällt das wohl keinem.
  3. zitierenSchussel schreibt am 22.01.2009 um 11:32 Uhr:Wenn man es am wenigsten erwartet, tauchen Menschen auf, die einem die Kraft und den Halt geben, den man verbens sucht.....
  4. zitierenaurielle schreibt am 22.01.2009 um 20:55 Uhr:ja, einen fehler zugeben und sich dafür entschuldigen ist manchmal gar nicht so einfach. manchen von uns fällt es ganz besonders schwer...*hüstel*.
    und manchmal braucht man wohl auch den nötigen abstand um den fehler eizusehen und sich zu entschuldigen...
    liebe grüße,aurielle
  5. zitierenGalahad schreibt am 25.01.2009 um 19:11 Uhr:@Schussel: Ja, das Verhalten von dem lieben Fréri (ich sag nie mehr blöder Franzose *fg*) fand ich da schon ganz toll - das hat mir in dieser Zeit viel gebracht.

    @Aurielle: Ja, das stimmt... manchmal sind einfach erst mal noch weitere Erfahrungen nötig, bis man erkennt "oh verdammt, da hab ich damals wirklich Mist gebaut". Und sich dann nach all der Zeit zu entschuldigen - hm, dazu gehört schon was!

    Liebe Grüße an euch beide!
    Danny
  6. zitierenSchussel schreibt am 27.01.2009 um 10:20 Uhr:Naja, es gab Gründe warum der liebe Fréri in deiner Gunst sehr tief am Abgrund weilte....
    Allerdings finde ich es toll von ihm, dass er, auch wenn ihr nie die besten Freunde ward, sich so verhalten hat!
    Menschen können doch ganz anders sein, als man es von ihnen erwartet :-)

    Fühl dich umarmt!
    Sarah
  7. zitierenGalahad schreibt am 29.01.2009 um 09:54 Uhr:Oh ja, diese Gründe gab es weiß Gott! Aber Menschen können sich ja auch ändern... und dazulernen - ich will gerne glauben, dass das bei Fréri der Fall war.

    *zurückumarm*
    Danny
  8. zitierenPetra01 schreibt am 30.01.2009 um 10:59 Uhr:Das ist wirklich schön, wenn es einem nicht gutgeht und dann Trost und Zuspruch von Menschen kommt, von denen man das nie erwartet hätte.
    Und siehste, dann ist der Frederic wohl doch gar nicht soooo doof:-)

    Ich finde es übrigens toll, Danny, dass du wieder in deinem Blog schreibst.
  9. zitierensternenschein schreibt am 01.02.2009 um 02:57 Uhr:Ein ganz bisschen kann man den Bassistten ja auch verstehen in seiner damaligen Situation. Da konnte er nicht mit umgehen.
    Umso schöner finde ich, dass er es jetzt so geschrieben hat.
    Zeugt doch von Grösse.
    Liebe Grüsse
  10. zitierenGalahad schreibt am 01.02.2009 um 17:45 Uhr:@Petra: danke schön! Mir hat auch irgendwie was gefehlt ohne meinen Blog... ;-)

    Und Frédéric hat sich echt geändert, das muss ich schon zugeben.

    @Sternenschein: Ja sicher, verstehen konnte ihn wohl jeder - das ändert aber nichts an der Tatsache, dass damals dann alle MIR die Schuld dafür gegeben haben, dass wir plötzlich ohne Basser dastanden *grummel*.

    Aber zu dieser Mail hat echt Mut gehört, das finde ich auch - und ich werde mich auch gerne mal mit ihm treffen, wenn wir wieder in Deutschland sind.

    Liebe Grüße
    Danny

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