*nerv* zum zweiten
Ok… also erstmal noch zu gestern: Der Gig ist gut gelaufen! Um 10 Uhr waren wir "dran", haben bis kurz vor Mitternacht gepielt, die Leute (es waren keine Country-Fans *grins*) hatten Spaß - ja, und wir hatten auch Spaß. Klar! Es ging ja auch nicht darum, dass ich nicht auftreten will… Von Ed hab ich nochmal 'ne Standpauke zu hören bekommen, dass sie als Management unsere Termine machen und dass sie gedenken, das auch zukünftig ohne vorherige Rücksprache mit Herrn Danny xxx zu tun… ich hab’s ja kapiert. Ist gut jetzt! :-P
Eigentlich wollte ich aber gestern schon über was ganz anderes schreiben, etwas, wozu diese Überschrift leider ebenfalls passt.
Wir haben hier in Nashville ja im Moment ein Riesen-Country-Festival. Geht noch bis zum 13. Juni. Jede Menge Bands und Alleininterpreten und sonstiges… überall Konzerte, Open-Airs, Bühnenshows… also schon mächtig was los. Und tausende von Country-Fans aus allen möglichen Ländern, die per Rundreise hierher gekarrt werden - sie besuchen rudelweise zwei oder drei Konzerte, vielleicht noch die Country Music Hall of Fame, machen ein Foto vor der Grand Ole Opry (auch "Wiege der Country-Musik" genannt), und werden nach zwei Tagen weiter gekarrt nach Memphis oder nach Lynchburg zur Jack Daniel’s Brennerei (ja genau - die aus der Reklame *grins*). Soweit, so gut, warum nicht.
Leider sind unter diesen Massentouris eine Menge Deutsche, und die benehmen sich hier - ja, wie Deutsche im Ausland halt. Gruselig! Das Standard-Urlaubs-Outfit - kurze Hose, Socken und Sandalen, hier anlassgemäß ergänzt um eine lederne Fransenweste und den unvermeidlichen Cowboyhut - wäre mir ja noch egal… schließlich haben die Amis selbst ja auch ein Händchen dafür, sich unpassend anzuziehen. Aber meine Landsleute benehmen sich laut, überheblich und anmaßend - sorry! Muss man denn wirklich nach ein paar Bier den Einheimischen hier Vorträge halten, dass ihr Präsident eine Null, ihre Troups in den Krisenregionen ein desolater Sauhaufen, ihre Innenpolitik nicht vorhanden und ihr Sozialsystem marode ist? Ach, und die Todesstrafe solltet ihr auch sofort abschaffen… Ich will nicht behaupten, dass diese Aussagen nicht alle stimmen, ich weiß auch, dass viele Amis selbst auch so denken - aber ich finde dieses Verhalten einfach unpassend und arrogant. Stell' man sich doch mal den umgekehrten Fall vor: Ein Ami geht in Deutschland in eine Kneipe, trinkt zwei Bier und hält der Stammtischrunde einen Vortrag , dass unsere Regierung unfähig, unsere Sozialsysteme gerade am Zusammenbrechen und unser Bildungssystem für den Arsch ist - was würde, bitte schön, passieren? Richtig! Die Leute würden sagen "hey, verpiss dich, erstens geht dich das nichts an, und zweitens habt ihr daheim genug eigene Probleme, kümmer’ dich besser darum!" (das wäre jetzt noch eine relativ freundliche Antwort…)
Mir tut solches Verhalten irgendwie weh - und es sind nur die Deutschen, die das bringen! Kein Franzose oder Skandinavier oder Spanier führt hier solche Reden. Und ich habe es hier auf dem Festival jetzt schon mehrmals erlebt, also kein Einzelfall. Ich bewundere die Gelassenheit der Einheimischen in solchen Situationen… sie verfallen in ihren Südstaaten-Slang und tun so, als würden sie nichts verstehen - was bei den Englischkenntnissen mancher "Redner" vielleicht auch gar nicht mal schwer ist. Aber dafür hab ich mich voll provozieren lassen, als einer so anfing, und ihm (auf Deutsch) gehörig die Meinung gesagt. Und was passiert? Der Typ mustert mich, so von oben nach unten und zurück, betrachtet die anderen (außer Chris waren noch Johnny und Ben dabei) und sagt: "was seid ihr denn für Vögel? Wahrscheinlich Musiker? Ja, das gefällt mir - Maul aufreißen, aber in Deutschland keine Steuern zahlen, was? Und später dann zur Wohlfahrt, weil ihr nichts Ordentliches gelernt habt!" Bevor ich reagieren konnte, hat Chris mir "vorsorglich" von hinten die Arme festgehalten, was der Kerl mit einem "ach natürlich, das auch noch… 175er…" kommentierte.
Verdammt, wenn Amerika so Scheiße und die Amis alle Idioten sind, warum bleibt so einer dann nicht einfach zu Hause? Hat ihn doch keiner gezwungen, hierher zu kommen…
Danny, calm down… bringt ja nix! Und sicher - es gibt auch 'ne Menge netter und höflicher Touris… das Pech ist nur, dass die nicht auffallen und den Leuten hier nicht in Erinnerung bleiben.

Mal ganz ehrlich: Ich weiß nicht, warum Chris von diesem Recht Gebrauch gemacht hat... der Typ hatte es verdient!
Ganz einfach, weil ihnen das Wichtigste dafür fehlt, um das zu verstehen und zu wissen, was du zu Recht von ihnen erwartest: Verstand! Für sie ist die Welt so beschränkt wie sie selbst...
...und für denkende Menschen ist das eine Provokation.
Leider kann man niemandem Hirn ein prügeln, aber der Gedanke an eine schallende Ohrfeige gefällt mir in solchen Situation trotzdem.
LG
Ich weiß nicht, ob ich dem Kerl überhaupt eine gescherbelt hätte... ich kann zwar oft den Mund nicht halten, schlage aber selten nur wegen nem blöden Spruch zu (da hätte ich schon oft genug draufhauen können...) Und Chrissy hatte ja noch nichtmal verstanden, was der Typ gesagt hat, er hat mir nur angesehen, dass es nichts Gutes war, und seine Reaktion war wohl mehr instinktiv. Aber diese Umarmung war dann das \"Sahnehäubchen\" für den Typ, danach ist er abgedreht... ;-)
Ich zähle mich zu der Gruppe, die lieber daheim bleibt, bzw. in Länder reist wo es grad nix zu meckern gibt.. *lach*
Wobei das heutzutag schon recht schwierig wird.. aber ich kann notfalls auch meinen Mund halten..
Es ist erschreckend wie sich manche in anderen Ländern aufführen.. wie die Vandalen!
Schämen sollten die sich!
Liebe Grüße
Heike
@Hernando: Ja, da hast du völlig Recht. Und man muss die Amis halt einfach kennen, wie sie ticken - auch wenn sie selbst absolut nicht glücklich mit ihrer Regierung und dem Auftreten ihrer Army sind und sie im Innenverhältnis kritisieren, \"verteidigen\" sie ihr Land, sobald ein Ausländer sich negativ äußert. Was ich irgendwie auch verstehen - oder zumindest respektieren - kann.
Liebe Grüße
Danny