Geschlagene Hunde
Stimmung: Gedrückt, traurig,
Musik: If you dont know me
Die Traurigkeit wollte auch auf dem Elternabend nicht abfallen
Trotz des Gelächters und der netten Gespräche fühlte sie sich irgendwie abseits und ausgeschlossen
Wie durch eine Wand drangen die Gräusche an ihre Ohren und sie antwortete, erzählte und lachte bisweilen eher mechanisch
Es merkte aber keiner.
Auch zu einem Glas ging sie noch mit in die Kneipe, war dann aber plötzlich mit zwei Frauen dort allein, die sie gut kannte und die sie dann auch noch fragten: Und.... wie läuft es denn so bei Euch??
Sie schluckte die Tränen herunter, immer und immer wieder. Ihre Augen brannten und ihr Hals schwoll zu. Manchmal blieben ihre Worte im Halse stecken und sie erzählte von Begebenheiten die sie ärgerten und verletzten.
Die Frauen erzählten ihr etwas von ihrer Stärke und sie würde wohl vergessen habe, was sie alles schon geschafft habe. Es läge nicht alles nur an ihr. Sie sei nicht schuld.
Die Musik im Auto auf der Rückfahrt war traurig. If You dont know me right now..... you will never never never know me
Sie hörte die Melodie und sang mit und ihr fiel auf, dass ihre Stimme sich gut anhörte, und ihr Kraft gab.
Je näher sie ihrem Zuhause kam umso schlimer wurde das Gefühl. Ein Riesenstein in ihrem Magen machte sich breit und drückte sämtliche Organe zur Seite. Oder lag es am Weißbrot?
Eine Frau die geschlagen wird, wird sich ähnlich fühlen, dachte sie bei sich. Und die geht auch immer wieder nach Hause. Warum tu ich das. Ja, da sind die Kinder, das große Haus, die vielen Annehmlichkeiten, die finanziellen Verpflichtungen.....
Es gab so viel zu bedenken.
Sie stellte sich vor, wie er auf dem Sofa auf sie wartete, oder später ins Bett kam und ihr wurde ganz kalt.
Sie spürte, wie sie kurzatmig wurde und zittrig. Wie ihr die Tränen wieder hochkamen und ein schlechtes Gewissen sich breit machte aufgrund des Gedankens, der sich wieder in ihrem Kopf breit machte.
Es wäre so schön, wenn er mal gehen würde. Wenigstens für eine Weile. Ich käme mal zur Ruhe, könnte mal nachdenken. Könnte mal ehrlich mit mir sein. Hätte mal keine Angst vor Verpflichtungen mehr.
Er lag auf dem Sofa. Der Fernseher lief, im Wohnzimmer war es angenehm war, denn sie hatte nachmittags den Kamin angezündet.
Er schien zu schlafen. Sie ging noch mit dem Hund, räumte noch so dies und das hin und her.... gleich ins Bett oder ihn erst wecken oder .....
Er wachte auf, weil ihn eine Fliege nervte. Er schlug um sich nach der Fliege und schimpfte derbe.
Er schaute sie an, wie sie da so vor dem Fernseher stand, schloss dann wieder die Augen,schlief weiter.
Sie ging dann schnell ins Bett. Vorher noch eine Hand voll Baldrian würgend heruntergeschluckt.
In der Hoffnung, sie würde nicht aufwachen, wenn er ins Bett käme.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
