Musik: Eminen & Rihanna - Love The Way You Lie
Mit der Liebe, also nicht der Liebe des Herzens, sondern der
körperlichen, dem Sex also, hält es sich fast so wie mit dem Führerschein. Hat
man ihn erstmal, möchte man auf keinen Fall, und wenn dann nur schwer und
schmerzlich, auf ihn verzichten. Und wenn man ihn jedoch nicht hat, braucht man
ihn eigentlich immer ganz ganz dringend. Falls man, wie ich, jetzt gerade
Single ist, ist es unter Umständen sehr unwahrscheinlich, dass noch in diesem
Sommer der Märchenprinz, die große Liebe, das perfect Match bei einem im Bett
landet und sich zu verlieben. Ich weiß: unverhofft kommt oft, aber dennoch
sollte man nicht mit dem unmöglichen an sich rechnen. Denn: die Wartezeiten auf
eine glückliche und harmonische Beziehung, mit der man vollkommen zufrieden
ist, sind teilweise nämlich länger als die der Deutschen Bahn. Laut einer
(nicht ganz repräsentativen) Umfrage des Hamburger Instituts „Trend research“
aus dem Jahre 2006 trifft ein Mann nur rund alle zwei Jahre auf eine Frau, die
Traumfrau potential in sich trägt, und das ihr entgegengebrachte Interesse dann
glücklicherweise auch erwidert und um ehrlich zu sein, jeder von uns weiß, dass
das bei uns schwulen noch viel schlimmer ist. Und selbst dann, im Falle dieses
unbeschreiblichen Glückes entsteht auch nur im viertel aller Fälle eine
längerfristige Bindung – Statistiken können sehr frustrierend und deprimierend
sein. Man kann die ganze Sache aber auch versuchen positiv zu betrachten: Man
hat bis zur nächsten, unerreichbaren großen Liebe, unglaublich viel Zeit sich
zu amüsieren und zu lernen dass Sex-Affären, Beischlaf ohne Verpflichtungen
sehr viel Spaß machen und einen selbst um einiges erfahrener. Schließlich
profitiert davon letzten Endes auch der Traummann, der da irgendwann mal kommen
könnte, von dem man dann beides möchte: Sex und Liebe. Wer will schon die Katze
im Sack kaufen.
Es ist natürlich eine große Herausforderung, sich während
des Single-Lebens stets gut sexuell versorgt zu wissen und dabei auch eine Art
emotionale Ausgeglichenheit in sich zu tragen. Eine Herausforderung des Lebens
mehr, die es zu bewältigen gilt… Kurzfristige Abenteuer, ich nenne Sie auch
gerne Sexuelle Gastspiele, also One-Night-Stands, kurz ONS, die bei uns schwulen
fast schon zum guten Ton gehören, bieten zwar auch Spaß und Vergnügen, sind
aber, nüchtern betrachtet, alles in allem sehr ineffektiv und ineffizient: Zu
viel zu betreibender Aufwand für viel zu wenig Aussicht auf Erfolg. Das
Risk-Benefit Verhältnis eines ONS ist sehr negativ. Schließlich hat man keine
Lust jedes Wochenende durch das Internet, die Clubs und die Bars zu ziehen mit
der Hoffnung dass der Sexhunger gestillt werden kann. Und, es darf nicht in
Vergessenheit geraten, dass es auch nicht um die schnelle Nummer an sich geht,
sondern auch um den Ausgleich aus emotionaler Ebene – denn der ist vor allem
als Single immens wichtig. Selbst wenn man Samstagabend Erfolg gehabt haben
mag, so ist man spätestens Sonntagmittag wieder allein. Und wie wir auch alle
wissen: Einsamkeit ist die böse Schattenseite des Solo-Daseins. Eine Affäre
scheint mir die beste Möglichkeit zu sein, ein einigermaßen Komfortables
Single-Leben führen zu können: Man hat Sex, Nähe und auch eine gewisse
Konstante – und das ohne Alltagsstress und Verpflichtungen. Es mag sehr abwegig
klingen, doch auch als Single ist es sinnvoll, sich immer nur auf einen
Sexpartner gleichzeitig zu fokussieren. Sonst hat man neben seinem Vollzeitjob
noch eine anspruchsvolle Nebentätigkeit: Das Affärenmanagement, oder heute auch
„PFBM- Personal FuckBuddy Management“ :) Das heißt: Montags: Tim, Dienstags:
John, Mittwochs: Sercan, Donnerstags: der schicke Bosnier dessen Namen ich mir
nie merken kann, Freitags: Party mit Freunden, Samstags: Scott und Sonntags die
Mama. Mist, wo war noch gleich die Zeit für mich, meinen Haushalt und gesellige
Abende mit Freunden bei etwas selbst gekochtem untergebracht? Nein, so geht das
auch nicht… Das wäre viel zu anstrengend,
und vor allem weil früher oder später irgendeiner der Kerle Verdacht schöpfen
könnte, gar keine gute Idee an sich. Was dann folgen würde sind störende,
bohrende Fragen, Aussprachen. Kurz gesagt: Anstrengende, zu vermeidende
Situationen.
Dass man sich nur auf jeweils eine Affäre konzentrieren
sollte muss aber noch lange nicht heißen, dass man auch aufhören muss, andere
Männer kennen zu lernen, schließlich ist der potentielle Traumprinz, den man
alle gefühlte 5 Jahre treffen könnte, irgendwo da draußen und möchte nicht
verpasst werden, weil man sich gerade mit einer Affäre beschäftigt hat. Der
Mensch ist und bleibt ein großer Stratege und bereitet sich schon einmal auf
die Zeit „danach“ vor. Denn: sobald die aktuelle Affäre sich dem Ende zuneigt,
winkt das große, tiefe emotionale Loch und verschickt eine nette kleine
Einladung. Entweder – weil man die Affäre zu sehr vermisst, oder die Person
wichtige geworden ist, als einem selbst lieb ist. Da ist es wieder, das kleine,
gemeine und unangenehme „ich bin Single – Gefühl“ – Deswegen sollte man offen
sein, flirten, weiterhin Männer kennen lernen. Affären gehen meist schneller
vorbei, als man es erwartet – und es ist doch sooo schön, wenn man weiß, dass
es dann jemanden gibt, der sich über einen Anruf freut. Das ist, sozusagen eine
„Haifischzahn Strategie“ – Ein Hai hat mehrere Reihen Zähne – eine aktive die
zum Schnappen und Halten der Beute genutzt wird, und eine passive, die hinten
dran liegt und dafür dient, falls einer der aktiven Zähne abbricht, und dieser
dann eben nachrückt. Die aktuelle Affäre ist also sozusagen der aktive Zahn,
und die anderen Bekanntschaft die vielen passiven Zähne. So kann man sich voll
und ganz auf die laufende Affäre konzentrieren, ohne der Person das Gefühl
geben vorgeführt zu werden, und die anderen werden, im Falle der Beendigung der
Affäre, einfach reaktiviert. Das beugt Verlustschmerz vor, und den hat ja
keiner gerne. Der Kontakt zu den passiven Zähnen, sollte jedoch nicht
verschwiegen werden: denn, das mag zwar missfallen, macht aber auch klar: „Wir
haben eine kleine bedeutungslose Affäre – keine Beziehung.“
Wie die Bezeichnung schon anmerken lässt: es geht bei einer
Sex-Affäre ums Vögeln. Und das sollte aufregend, wild und geil sein – ich
meine, warum trifft man sich sonst? Ein großer Vorteil ist, dass man
idealerweise nicht ineinander verliebt ist. So kann man sich anfängliche
Hemmungen und langsames herantasten schlichtweg schenken. Man kann jede
einzelne Affäre als kleine Expedition ansehen, bei der man sexuelles Neuland
erforscht. Man kommuniziert ganz klar, worauf man Bock hat. Man kann es jedoch
auch wie Tiger Woods machen, und versaute SMS-Nachrichten verschicken. Der Typ
hätte das sicherlich nie seiner Ehefrau geschrieben – jedoch bei seinen
geliebten hat er es sich gewagt, die innere Sau rauszulassen. Mit seiner Affäre
hat man die Gelegenheit, miteinander Sachen auszuprobieren, die man sich in
einer Beziehung nicht trauen würde. Der Unterschied ist: Man schläft nicht
glücklich, eng umschlungen mit einander ein und weckt sich nicht am nächsten
Morgen mit einem zärtlichen Kuss auf die Stirn, und wenn doch, dann läuft etwas
gewaltigst falsch. Es mag manchmal hart sein, ihn aus deinem Bett, kurz nach
dem Sex gehen zu sehen, oder ihm ein Taxi zu rufen, aus Vorsicht, dass er nicht
bei dir bleiben möchte, aber eine wichtige Regel bei Affären ist: Gegenseitiges
Übernachten nur in extremen Ausnahmefällen. Wenn keine Bahn mehr fährt, er so
betrunken ist, kaum noch laufen zu können oder der Sex ohnehin bis morgens um
06ooh angedauert hat und du kaum noch sitzen oder laufen kannst. So nah man
sich in manchen Stunden auch sein mag: Distanz ist sehr wichtig. Und auch, dass
beide den jeweiligen Freiraum behalten – und auch keine falschen Erwartungen
aufkommen lassen. Denn: in den meisten Fällen ist nach wenigen lustreichen
Wochen Schluss mit Lustig. Laut „Trend Research Umfrage“ beträgt die
Durschnittsdauer einer Affäre kaum sechs Wochen. Man sieht: noch ein Grund
mehr, das Telefonbuch des iPhones stets mit neuen Nummer zu füttern.
Affären scheitern oft daran, dass meist einer von beiden,
die Spielregeln einer Affäre, nicht kennt oder gegen jene verstößt – und sich
in den anderen verliebt (und ja, davon kann ich ein kleines Lied singen...
siehe: wie man sich innerhalb weniger Wochen verliebt und vergeblich versucht
wieder zu entlieben)
Man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn sich der
andere in dich verliebt, wichtig ist nur absolute Ehrlichkeit. Schließlich sind
beide von Anfang an genau das gleiche Risiko eingegangen, wichtig ist nur, dem
anderen nichts vorzumachen. Egal, wie lieb man sich anlächelt, wie toll der Sex
mit dem anderen ist. Mach dem anderen keine Liebeserklärungen, wenn sie nicht
wirklich so gemeint sind und du dir nicht absolut sicher bist, dass du mehr als
nur diese Affäre willst. Und man sollte auch auf romantische Geschenke
verzichten. Diese Dinge führen nur dazu, falsch verstanden zu werden und werden
dann zu Recht als Signal in Richtung möglicher Beziehung gesehen.
Wenn man bei einer Affäre eine Beziehung klar ausschließen
kann, sollte man das kommunizieren, aber auch nur, wenn der andere danach
fragt. Wenn man bei einer Affäre jedoch nicht ausschließen kann, dass man das
ganze gerne in eine Beziehung umwandeln möchte, weil man sich dem Plan zuwider
doch in seine Affäre verliebt hat, sollte das auch nicht gleich gestanden
werden (Fehler den ich auch gemacht habe… grummel) Man sollte erst einmal alles
vergessen, was man als Sex- und Beziehungsprofil alles so drauf hat. Das heißt:
Man sollte Dinge tun, die bei einer Affäre normalerweise untersagt sind:
Schenke kleine Postkarten, Ruf ihn täglich an, oder zumindest lasse täglich von
dir hören, Stelle ihn deinen Freunden vor. Und schließlich: Triff dich mit Ihm
an einem Ort, der eure romantischen Gefühle kitzeln ließ. Zum Beispiel einem
Restaurant mit Kerzenschein und guter Speisekarte oder einfach bei zu
Hause. Und wenn er dir dann schonend sagt, nachdem du für Ihn gekocht hast, dass er die letzten Wochen mit dir
total genossen hat, es aber lieber bei einer Freundschaft belassen will, auch
wenn er dir noch 7 Tage zuvor per SMS Nachricht mitgeteilt haben mag, dass Ihm
die Wege ausgehen, dir indirekt zu sagen, dass auch er sich in dich verliebt
hat, dann atme tief durch – und sieh es positiv: Auch diese Erfahrungen gehören
dazu. Schließlich hast du ja noch dein Adressbuch im iPhone voll mit Nummern
von fantastischen Kerlen, die sich bestimmt nicht nur über deinen Anruf freuen
würden, und wenn das alles nicht hilft, hat man immer noch die Möglichkeit
tibetanischer Schweigemönch zu werden, während man die 5,6 oder auch 15 Jahre
auf den perfekten Mann wartet, und keine Lust mehr hat, viele Frösche küssen zu
müssen, bis der Prinz auftaucht.
Ich für meinen Teil habe bei meiner letzten Affäre alles
falsch gemacht, was man falsch machen kann: Da waren die Übernachtungen, das
Verlieben, das Kommunizieren meiner Verliebtheit etc. – Ich hätte mir früher
mal Gedanken zu dem Thema machen sollen, dann wäre mir denke ich, die ein- oder
andere Stunde voller Tränen und Herzschmerz erspart geblieben… Naja, wer nicht
hören will muss eben fühlen, das hat schon meine Oma gesagt, und was Omas
sagen, stimmt immer.
Peterchen