Sad Story

04.10.2006 um 12:47 Uhr

Mina

von: Moonlil

So, das ganze hier wird jetzt also eine Story von mir. Natürlich kommt das ganze kapitelweise, das hier ist also nur das erste Kapitel. Würd mich trotzdem über Kommis freuen *nicken-tu* dankeschööön

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It´s hypocritical of you to say that you love me. You don´t have to say that. I think nobody here believes you. And I ... I´ll never be your perfect girl. Wasn´t it you that made me run away?

Kleiner, reiner, weißer Vogel
im Käfig aus Dornen
Kleiner, reiner, weißer Vogel
deine Federn werden blutig
Kleiner, sündiger, verdorbener Vogel
wer hat dir das angetan?

Müde starre ich in meinen Kaffee. Eigentlich hasse ich Kaffee. Aber er soll wach machen, also trinke ich ihn. Das letzte, was ich wollte, wäre es, in einer Bar einfach einzupennen und nach Hause gefahren zu werden. Seufzend trinke ich wieder einen Schluck. Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack zurück und ich verziehe kurz das Gesicht. Widerliches Gesöff.
"Na, dir scheint es wohl nicht besonders zu schmecken?" Eine belustigte Stimme reißt mich aus meinen Gedanken. Na toll. Kann man nicht einmal seine Ruhe haben?
"Nein", gebe ich einsilbig zurück und blicke kurz auf. Vor mir steht ein Mädchen. Seine schulterlangen braunen Haare fallen ihr ins Gesicht und sie grinst mich fröhlich an.Hübsch...
Darf ich mich zu dir setzen?" Bevor ich widersprechen kann nimmt sie ihre Tasche und setzt sich ganz dreist mir gegenüber an den Tisch. Ich muss sie wohl ziemlich perplex ansehen, denn sie fängt schallend an zu lachen. Na danke. Du wirst schon merken, dass es keinen Spaß macht, sich mit mir zu unterhalten.
Ganz demonstrativ schaue ich aus dem Fenster. Regentropfen prasseln gegen die Scheibe und hinterlassen feine Spuren. Wunderschön...
"Ich heiße Mina und du?" Verdammt. Die ist ja auch noch da.
"Tara..."
"Ein schöner Name!" Ich nicke nur kurz.
"Wie alt bist du?" Ich seufze auf. Merkst du eigentlich nicht, dass ich keine Lust habe, mit dir zu reden?
"...16..." Sie klatscht erfreut in die Hände und ich zucke, von dem plötzlichen Geräusch aufgeschreckt, zusammen. Was zum...?
"Dann bist du ja fast genauso alt wie ich! Ich werde nämlich nächste Woche auch 16!"  Toll. Herzlichen Glückwunsch.
"Aha..." Ich schaue immer noch aus dem Fenster. Der Himmel erinnert mich an meinen Gemütszustand: Grau und bewölkt. Unendlich...einsam? Na herrlich.
Eine ganze Weile herrscht Stiile zwischen uns. Ich genieße sie und frage mich insgeheim, wann sie denn wieder geht. Irgendwie geht mir das hier zu schnell. Die soll sich doch einen gutaussehenden Typen suchen und den volllabern
Ich spüre, wie Mina mich ansieht. Unwohl versuche ich erst, es zu ignorieren, doch dann schaue ich sie an. Sie blickt mir mit einem nicht zu deutenden Blick direkt in die Augen und ich fühle mich vor ihr irgendwie...nackt.
"Du magst den Regen oder?", fragt sie mich ganz plötzlich.
"Äh ... ja, schon", gebe ich etwas verunsichert zurück. Sie lächelt. "Ich auch. Ich finde, er hat etwas beruhigendes. Oder..." Mina fängt auf einmal an zu kichern. Ich blicke sie fragend an. "Naja ich...", sie fängt wieder an zu kichern, dann fängt sie sich und spricht weiter, "hast du das mit deinen Eltern nie gespielt? So in die Pfützen reinspringen oder einen Regentanz machen oder so?"
Etwas in mir krampft sich zusammen. Erinnerungen, die ich zu vergessen versuchte, brechen plötzlich wieder hervor. Wie ein Damm, der die Wassermassen nicht mehr aufhalten kann. Dunkelheit, Kälte, Angst, Schmerz... Ich schließe gequält die Augen und fange an zu zittern.
Auf einmal legen sich zwei Arme um mich. Ich reiße die Augen auf, erschrocken über die plötzliche körperliche Nähe. Mina ist um den Tisch herumgekommen und sieht mich nun aus ihren rehbraunen Augen besorgt an.
"Das wollte ich nicht...", stammelt sie. "Es tut mir wirklich Leid, wenn ich dich verletzt habe!"
"Ist schon okay."´, höre ich mich sagen und versuche zu lächeln, was mir nur unzureichend gelingt. Aber wenigstens sieht Mina wieder etwas beruhigt aus. Das fehlte noch, dass sie sich jetzt Sorgen um mich macht... Mina hält mich immer noch in ihren Armen, was mir langsam peinlich wird. Sie dagegen scheint das überhaupt nicht zu stören und legt ihren Kopf sogar noch auf meine Schulter. Na wunderbar.
"Darf ich dich mal was fragen?" Auweia. Was jetzt wohl kommt.
"...Ja, klar..." Ich stelle mich innerlich aif alles mögliche ein, auf diese Frage war ich aber nun doch nicht vorbereitet.
"Glaubst du an Gott?"
Waaaa...? Hab ich mir das jetzt etwa so eine Religionsfanatikerin angelacht? Komisch, sie hat auf mich gar nicht so einen Eindruck gemacht...
"Ähem...das...ist schwer...also...glaubst du denn an ihn?" Komischwerweise fängt sie an zu grinsen.
"Du kneifst", sagt sie übertrieben deutlich. Ja und? Und wenn schon...
"Ich hab nie gesagt, dass ich antworten werde", knurre ich sie leicht beleidigt an. Daraufhin grinst sie noch breiter. Ich schnaube und tue ao, als wäre die Fliege, die irgendwie inzwischen in meinem Kaffee schwimmt, äußerst interessant. Jedenfalls interessanter als Mina. Oder Gott. Ich wollte mich ja eh nie mit ihr unterhalten Pah.
"Also ich...", begann sie. Ich beschloss spontan, meine Verhaltensanalysen für ersoffene Fliegen erstmal beiseite zu legen und drehte meinen Kopf wieder zu ihr. Mina schaut gedankenverloren aus dem Fenster, während sie weiterspricht.
"...ich denke, wenn es Gott wirklich gibt, dann ist er es nicht wert, dass wir zu ihm beten." Ich blicke sie erstaunt an.
"Was meinst du damit?"
"Naja... er passt nicht auf uns auf und wir verletzen einander und begehen Sünde um Sünde. Wir sind egoistisch und menschenverachtend. Und würden alles dafür tun, um in den Himmel zu kommen. Heuchelei. So einen Himmel möchte ich nicht." Mina schaut erst auf den Tisch und dann mir direkt in die Augen. Unwillkürlich muss ich an eine Stelle aus einem Buch denken. Die gefallenen Engel vergießen rote Tränen und beten für Gottes verdammte Kinder auf der Erde, die immer mehr der Sünde verfallen... Sag mir...Wessen Liebe tötet Gottes Kinder?
Plötzlich springt Mina auf und nimmt mich bei der Hand.
"Was...?", frage ich überrumpelt.
"Lass uns das nachholen, was du in deiner Kindheit versäumt hast!" Sie fischt ein paar Euro aus ihrer Tasche und wirft sie dem erstaunten Wirt zu.
"Der Rest ist geschenkt!"
"He, warte doch mal!", rufe ich, als sie mich, immer noch an der Hand, aus dem Laden zieht. Draußen regnet es immer noch in Strömen. Na toll...wenn das so weitergeht sind wir in ein paar Minuten klatschnass.
"Nein, das werde ich nicht tun." Sie grinst mich an. Dann zieht sich mich in das Gewirr der Gassen.

Kleiner, reiner, weißer Vogel
singst für Freiheit, singst für Freiheit...