Donadoni droht mit Rücktritt
München - Vor den EM-Qualifikationsspielen am Samstag (ab 16 Uhr ) und Mittwoch stehen einige Trainer bereits mit dem Rücken zur Wand.
Obwohl Italien, Griechenland, Spanien und die Niederlande jeweils erst zwei Quali-Spiele absolviert haben, sind deren Trainer bereits heftig in die Kritik geraten und stehen unter Erfolgsdruck.
Allen voran der Coach des Weltmeisters, Roberto Donadoni. Nach nur einem Punkt aus zwei Partien spürt der 43-Jährige den Gegenwind und drohte bereits mit Rücktritt.
"Ich bin auch bereit, mein Amt sofort niederzulegen", reagierte Donadoni auf die jüngsten Seitenhiebe der italienischen Presse angesäuert.
Rehhagel poltert gegen Medien
Auch beim Europameister Griechenland hängt der Haussegen schief. Auf einer Pressekonferenz gab zuerst Kapitän Theodoros Zagorakis seinen Rücktritt bekannt, anschließend fuhr Trainer Otto Rehhagel die versammelte Journalie an.
"Wollt ihr die Nominierungen machen, oder darf ich das weiter tun?", entfuhr es dem einstigen "König Otto", nachdem die Medien die Berufung eines Spielers gefordert hatten.
Tipps von außen nähme er sowieso nur von einer Person an, sagte Rehhagel: "Nur meine Frau kann mich beeinflussen."
Sport1.de gibt einen Überblick über die "Brennpunkte" vor der EM-Quali.
Italien
"Donadoni hat unsere Unterstützung, aber natürlich müssen jetzt auch wieder die Ergebnisse stimmen", sagt Italiens kommissarischer Verbandspräsident Luca Pancalli vor den Spielen gegen die Ukraine und in Georgien.
Das taten sie zuletzt nicht, Lippi-Nachfolger Donadoni ist in drei Spielen noch ohne Sieg. Bislang hatte er dafür eine Ausrede: "In diesen Spielen waren wir noch nicht soweit. Die Spieler waren noch nicht fit, da wir durch den Manipulationsskandal erst verspätet in die Meisterschaft gestartet sind."
Doch nun müssen Taten folgen. Verliert der Weltmeister die Neuauflage des WM-Viertelfinale gegen die Ukraine am Samstag, sind Donadonis Tage wohl gezählt.
Griechenland
Auch beim Europameister Griechenland ist man längst wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Der EM-Triumph war gestern, nun wird es schwer genug, sich überhaupt für die nächste Endrunde zu qualifizieren.
Wie das zu geschehen habe, da vertritt jede griechische Zeitung so seine eigene Meinung. Einige Blätter hatten die Nominierung von Mittelfeldspieler Ieroklis Stoltidis gefordert; Rehhagel kam der Aufforderung nicht nach.
Damit konfrontiert, platzte dem 68-Jährigen auf einer Pressekonferenz der Kragen. "Es war bis 2001 vielleicht so, dass die Presse Spieler aufgezwungen hat, aber in meiner Zeit wird so etwas nie passieren", so der erboste Trainer: "Ich kann mein Team ja wohl immer noch nach sportlichen Kriterien zusammenstellen."
Niederlande
Bondscoach Marco van Basten hat da ganz andere Probleme. Er nominiert zwar die von der Öffentlichkeit geforderten Spieler, diese lehnen aber dankend ab. So geschehen in den Fällen Mark van Bommel und Ruud van Nistelrooy.
Nachdem beide zuletzt nicht berücksichtigt wurden, erklärten sie in der letzten Woche, wegen "unüberbrückbarer Differenzen" nie mehr unter van Basten auflaufen zu wollen.
In der Gunst der Öffentlichkeit ist der Coach dadurch vor dem Spiel in Bulgarien am Samstag gefährlich ins Minus gerutscht.
Spanien
Einen Schritt weiter als bei den anderen Nationen ist man in Spanien. Nach der peinlichen 2:3-Schlappe in Nordirland hatte Trainer Luis Aragones seinen Job bereits zur Verfügung gestellt, der Verband lehnte seinen Rücktritt jedoch ab.
Nun macht der 68-Jährige weiter und traf als erstes gleich mal die unpopuläre Entscheidung, den kriselnden Kapitän Raul abzusägen. Der Schuss ging nach hinten los: Raul trifft seitdem wie er will und die Öffentlichkeit zweifelt nun mehr denn je am alternden Trainer.
Der ebenfalls nicht nominierte Joaquin bringt es auf den Punkt: "Raul hätte vielleicht viele andere Male nicht dabei sein sollen, aber in der letzten Woche hat er bewiesen, dass er es verdient hat, ein Teil der Mannschaft zu sein."
Dem Duell mit den wiedererstarkten Schweden am Samstag blickt man in Spanien angstvoll entgegen - gut möglich dass danach auch Aragones' Tage als Übungsleiter der "Seleccion" gezählt sind.
Florian Bogner

