Lukas Podolski konnte bei der WM bisher drei Treffer erzielen (Foto: getty)
"Ich hätte lieber den anderen Pokal"
Berlin - Lukas Podolski tat das, was er am Besten kann: Kurz auftreten, glänzen und wieder verschwinden.
"Ich nehm den Ball, hau ihn rein und Ende", lautet einer seiner legendärsten Sprüche.
Am Freitag nahm Podolski stattdessen den Pokal, sagte Danke und ging.
Bester Nachwuchsspieler
Quasi im Vorbeigehen, denn der Stürmer kam gerade vom Abschlusstraining der deutschen Nationalmannschaft für das Spiel um Platz drei am Samstag (ab 20.30 Uhr ) gegen Portugal.
Der Kurzauftritt stand im krassen Widerspruch zur Bedeutung des silbernen Balls, den der 21-Jährige mit nach Hause nehmen darf.
Denn Podolski wurde zum besten Nachwuchsspieler der WM ("Best Young Player") gewählt, vor Supertalenten wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi oder Wayne Rooney.
"Eine große Ehre"
"Ich freue mich riesig, das ist eine große Ehre", sagte "Poldi". "Es ist eine schöne Motivation, mich weiter zu steigern und in vier Jahren vielleicht eine noch erfolgreichere WM zu spielen. Denn lieber hätte ich den anderen Pokal mitgenommen."
Bei der erstmals vergebenen Auszeichnung für Spieler des Jahrgangs 1985 und jünger hatten rund eine Million User auf der offiziellen Fifa-Webside die meisten Stimmen für Cristiano Ronaldo, Messi und Luis Valencia (Ecuador) abgegeben.
Hinzu kamen die drei Favoriten der Technical Study Group (TSG): Podolski, Cesc Fabregas und Tranquilo Barnetta von Bayer 04 Leverkusen. Die vom früheren Beckenbauer-Assistenten Holger Osieck geleitete TSG wählte daraus den Sieger.
Auszeichnung für den besten Spieler
"Die Auszeichnung geht nicht an den besten oder talentiertesten Spieler, sondern an den, der die beste WM gespielt hat", erklärte Osieck.
Im deutschen Lager stieß die Ehrung erwartungsgemäß auf große Zustimmung. "Wir freuen uns enorm über diese Auszeichnung", sagte Jürgen Klinsmann.
"Das bestätigt seinen Weg in den letzten zwei Jahren. Was der Kerl durchgemacht hat, ist enorm. Er hat eine emotionale Achterbahnfahrt hinter sich", ergänzte der Bundestrainer. "Der Junge ist so etwas von vorbildlich und lernfähig. Er wird uns noch viel Freude machen."
Lob von Matthäus und Beckenbauer
Auch Lothar Matthäus, der als Patron für die Auszeichnung fungierte und den Pokal überreichte, lobte den Neu-Münchner: "Lukas ist ein außergewöhnlicher Spieler. Er hat die nötige Klasse und gehörte bei der WM zu den besten Schützen."
Franz Beckenbauer freute sich ebenfalls über die erste WM-Trophäe für einen Deutschen. "Die Wahl ist berechtigt. Messi hat zu wenig gespielt", sagte der WM-OK-Chef.
In der Tat sprachen die geringen Einsatzzeiten gegen den argentinischen Shootingstar vom FC Barcelona, auch ManU-Torjäger Rooney verpasste aufgrund seines Fußbruchs die ersten Spiele und blieb zudem torlos. So blieb als einzig ernsthafter Rivale Christiano Ronaldo, der Rang zwei belegte.
01 Kontroverse Meinung über Wahl
Bei den anwesenden Journalisten gingen die Meinungen zu dieser Entscheidung weit auseinander. Vor allem südeuropäische Pressevertreter verwiesen auf die größere fußballerische Klasse von Ronaldo im Vergleich zu Podolski.
Dagegen meinten die englischsprachigen Journalisten, der Portugiese habe wegen einiger umstrittener Aktionen gar nicht erst zur Wahl stehen dürfen. So hatte der ManU-Angreifer den Platzverweis gegen Rooney gefordert und war nach dem Halbfinale von den Franzosen als Schauspieler und Provokateur beschimpft worden.
Osieck verwies derweil auf die Maßstäbe der TSG: Technische Fähigkeiten, jugendlicher Spielstil, Kreativität und Inspiration. "Wir waren bemüht, in erster Linie sachliche Kriterien zu Grunde zu legen."
"Die Fakten sprechen eindeutig für Podolski"
So spielte Podolski 565 von 600 möglichen Minuten (Ronaldo 394 von 570 Minuten) und erzielte bei seiner ersten WM drei Tore (Ronaldo eins), zudem trafen beide Spieler jeweils im Elfmeterschießen. "Natürlich ist vieles subjektiv, zum Beispiel ob ein Dribbling nur schön oder auch effektiv ist", meinte Osieck. "Aber die Fakten sprechen eindeutig für Podolski."
Darüber hinaus habe aber auch das Verhalten auf dem Platz eine Rolle gespielt. "Die Spieler sollen auch eine Vorbildfunktion für die Jugend haben. Nicht nur als Fußballer, sondern auch als Menschen", erklärte der ehemalige Bundesliga-Trainer.
Bei aller Kritik solle man aber nicht den Stab über Ronaldo brechen, meinten Osieck und auch Matthäus. "Er hat dadurch Minuspunkte gesammelt, aber man sollte jungen Fußballern auch Fehler verzeihen", sagte der deutsche Rekord-Nationalspieler. "Diego Maradona hat ja 1986 auch die Hand Gottes zur Hilfe genommen."
Quelle:AOL