grenzwandel

30.01.2010 um 15:58 Uhr

verficktes semesterende.

von: grenzgaenger   Kategorie: anatomisches

ich kann nicht mehr. ich bin so erledigt. mein kopf ist dicht, mein körper streikt in form übelster verspannungen, ich schlafe nicht mehr richtig, essen ist schwierig, leben überhaupt. ich habe mir jetzt in bisher 8 tagen das gesamte hirn - struktur und funktionen - in den kopf geprügelt, 250 seiten in dem einen, 350 im anderen buch, dazu schnittbilder, grafiken, schemata. am donnerstag ist das letzte testat, T5 - das berühmt-berüchtigte hirntestat. und ich - genauso wie der rest meiner kommilitonen - kann nicht mehr. die pausen werden immer länger, die konzentration und die merkfähigkeit immer weniger. weit drüber über die grenze des erträglichen vegitiere ich hier vor mich hin, an meinem schreibtisch, gelegentlich mal in der völlig überfüllten ub, und das dann bis abends nach 23 uhr. es ist so ätzend. und ich kann und will nicht mehr. leider muss ich den ganzen stoff ab morgen nochmal komplett wiederholen, außerdem habe ich am montag physiologie- und am dienstag biochemiepraktikum, jeweils einen halben tag, vorbereitung nicht mit eingerechnet. ich könnte kotzen. apropos brechzentrum: n. vagus, formatio reticularis, hirnstamm. ... irgendwann drehe ich völlig durch.

in diesem sinne.

22.01.2010 um 18:02 Uhr

notwendigkeiten

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

die letzten tage und der aktuelle gesundheitliche einbruch sollen mir eine lehre gewesen sein. ich habe in den letzten tagen, wochen, monaten vollkommen vergessen - bzw. es einfach ignoriert - mich um mich und meinen körper zu kümmern. vor allem seit donnerstag letzte woche hatte ich alle, aber auch alle meine grenzen irgnoriert, ich wollte nur eines: den stoff fürs vierte testat in den kopf kriegen, koste es, was es wolle. tja. den stoff habe ich tatsächlich in rekordzeit ins hirn bekommen, aber der preis war zu hoch. am wochenende wurde ich krank, was ich aber mit antibiotikum und tausend anderen sachen einigermaßen im griff hatte, aber am testattag war ich komplett ausgeschaltet. ergo: kein testat, ausweichtermin nächste woche, mittwoch.

ich habe nur noch gelernt, bin früh aufgestanden, morgens die erste marathonschicht, kurze mittagspause, ungesundes essen, oder wahlweise gar keins, und dann weiter. am abend eine weitere pause, same game, kein oder nur ungesundes essen, und dann nochmal ran. und das, obwohl ich eigentlich überhaupt kein abend- geschweige denn nachtlerner bin. morgens früh, kein thema, aber abends ab ca. 8 uhr wird es schwierig, vor allem, wenn der ganze tag so voller lernen war. zudem hatte ich sogut wie keine bewegung, die einzige frische luft kam bisweilen durch die balkontüre, das wars. und was auch noch dazukam: aufgrund eklatanten schlafmangels und erschöpfung habe ich koffein und artverwandte substanzen in rauhen mengen gebraucht, um überhaupt über den tag zu kommen.

am testattag ging also gar nichts mehr. ich war beim arzt, größere aktion insgesamt und konnte natürlich nicht zur prüfung. scheiße. ich hab mich richtig geärgert, weil ich war super vorbereitet. ich hatte zwar nur sechs tage gehabt für kopf, arm und obere extremität, aber ich habe es noch vor keinem testat geschafft, mich so auf das wesentliche zu reduzieren. zudem waren kopf und hals themen, die mir super gut gefallen haben...ich habe festgestellt, dass ich die HNO tierisch spannend finde. ich dachte immer, das ist ein absolut langweiliger fachbereich, schnupfen hier und da, etc. aber weit gefehlt. egal jetzt. keine medizinischen inhalte heute. ... ich musste also zu hause im bett bleiben, völlig ausgeknockt, und habe von gestern abend um 19 uhr bis heute morgen um 10 geschlafen. das hat unglaublich gut getan, aber gereicht hat es nicht.

mein plan ist also folgender, da es so nicht weitergehen kann, das halte ich, hält mein körper nicht durch. ich werde nicht drum herum kommen, weiter sehr sehr viel zu lernen. nächsten mittwoch also T4, dann in 2 wochen hirntestat - hirn ist bei mir noch eine black box - mit physiologie- und biochemiepraktikum direkt an den beiden tagen davor, und am 8.2. ist biochemieklausur. das ist also noch eine verdammte menge. viel weniger lernen ist also nicht, wie gesagt, aber ich kann und werde die rahmenbedingungen optimieren und mich anders strukturieren. und vor allem: ich werde wieder mit mehr ruhe und gelassenheit an die sache herangehen. dass das funktioniert, habe ich mir bisher mehr als einmal bewiesen. alles andere bin nicht wirklich ich.

 

ich werde nicht mehr so früh aufstehen wie bisher. halb sieben reicht auch.

ich will und werde gesünder essen, wieder mehr selber kochen. mehr obst, gemüse, eiweiß, nicht mehr so viele kohlenhydrate. der plan diesbezüglich ist: ich werde morgen vormittag ausführlich einkaufen gehen, für drei tage im voraus, und dann werde ich mittags kochen, ebenfalls für ein bis zwei tage im voraus. und was noch dazugehört: ich werde meinen koffein-, teein-, taurin- und theobrominkonsum drastisch einschränken.

ich werde aufhören, zu rauchen. das tut mir so nicht gut, dieses ätzende gerauche, das habe ich in den letzten beiden tagen gemerkt, in denen ich eben nicht geraucht habe. ich fühle mich körperlich besser (trotz krankheit) ohne dieses gift.

ich werde mehr ausgleich und vor allem bewegung in meinen lernalltag einbauen. mit der bewegung habe ich heute schon angefangen. ich habe einen schönen spaziergang gemacht. ich möchte ein- bis zweimal am tag für 20-30 minuten raus, spazieren, mich bewegen. am besten dann, wenn der kopf eh zu ist, dann wirkt bewegung ja bekanntlich wunder. 

so ganz darauf verzichten, abends zu lernen, werde ich angesichts der stoffmenge nicht können. ich habe gemerkt, dass ich abends - welch wunder - kaum neuen stoff ins hirn bekomme. was ich also tun möchte: abends (damit ist ab ca. 20 uhr gemeint)  wiederholen. ich finde, das ist ein guter plan, denn wiederholen muss ich so und so, ohne das geht es kaum. klar sitzt der größte teil des stoffs, wenn ich ihn gelernt, ihn erarbeitet und meine zusammenfassung dazu geschrieben habe. aber leider reicht das eben nicht, auf die details kommt es an. also: tags neues, abends wiederholung.

und ganz ganz wichtig: ich möchte trotz durchstrukturiertem lerntag auf mich, meinen körper, meine grenzen hören. negativbeispiel, und das soll mir eine lehre sein, der letzte mittwoch, ein tag vor dem testat: ich saß morgens von 6 bis halb 11 am schreibtisch und habe gelernt. dann war ich von 11 bis 12 in der klinischen anatomievorlesung (war superspannend, HNO), anschließend habe ich bis kurz vor 14 uhr mit dem kommilitonen c. den testatstoff nochmal durchgesprochen, und von 14 bis 18 uhr hatte ich präpkurs, inkl. sonokurs. und danach war dann ende gelände. und das schlimme ist: ich konnte mittags schon kaum mehr, bei der besprechung mit c. habe ich schon gemerkt: hoppla, grenze. und ich habe sie ignoriert, gnadenlos. naja, wie die retourkutsch aussah, ist ja bekannt.das passiert mir nicht noch einmal.

 

ich stelle mir das also folgendermaßen vor: morgens werde ich als aller erstes ein thema fürs T4 wiederholen (bis mittwoch). danach werde ich ein bis anderthalb stunden biochemie machen und dann kommt das hürn dran. bis abends eben, und zum abschluß des tages wird das hürnthema des vortages wiederholt.die pausen will ich von der zeit her jetzt nicht festlegen, das bringt mich nur unter druck. ich werde sie dann machen, wenn ich sie brauche. entweder werde ichein bisschen schlafen, oder rausgehen, oder eben anderweitig entspannen, kochen, wie auch immer.

so. das musste jetzt sein. der tag heute war - trotz böser kopfschmerzen - gemütlich. naja, den größten teil habe ich schlafend oder dösend im bett verbracht. am frühen nachmittag war ich dann zu mittagessen und zu einer großartigen cranio-behandlung beim kommilitonen c. mein kiefergelenk war links etwas verschoben, es saß nicht hundertprozentig da, wo es hingehörte. kein wunder, dass sich mein kopf die ganze zeit etwas scheps angefühlt hatte. danach habe ich tief und fest geschlafen, war dann spazieren und jetzt werde ich mich noch ein bisschen um die bude kümmern. geschirr, staub wischen, saugen. alles gemütlich, nur ja keine hektik.

20.01.2010 um 10:20 Uhr

dienstplanungen

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

grenzi: guten morgen frau xy, hier ist grenzi. ich sollte sie nochmal anrufen wg. der dienstplanung meines praktikums auf der anästhesiologischen intensivstation im märz.

frau xy: ach, guten morgen. die dienstplanung, hmmm, ja. das ist ein ganz schwieriges thema momentan bei uns. wie können sie denn arbeiten?

grenzi: ich bin komplett flexibel.

frau xy: ... wie, komplett flexibel? *staun*. frühschichten?

grenzi: wann immer sie mich brauchen.

frau xy: ... hm. *zögernd* spätschichten?

grenzi: kein problem.

frau xy: ... ... ... wochenenden???

grenzi: die gehören dazu.

frau xy: ... ... ... *trautsichkaumzufragen* und nachtschichten?

grenzi: gerne sogar.

frau xy: ... ... ... ... ... ...  ähhh. ja. mhm. das war einfach. sowas gab es schon lange nicht mehr. eher noch nie. mormalerweise feilschen meine mitarbeiter, wo und wie sie nur können...

grenzi: *grins*

frau xy: ja. also gut. ich sehe schon, wir müssen sie uns warmhalten.

grenzi: *lalala* *nixdagegen* und *sohatteichmirdasvorgestelltunderzählensieesruhigdemchef*

...

alles geritzt. die anästhesie, notfall- und intensivmedizin und ich. *lalala...*

16.01.2010 um 21:35 Uhr

die...

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

... entdeckung des tages.

ich bin ja momentan, ähhh..., beschäftigt, jawoll. ziemlich ausgelastet, um genauer zu sein. bisher hat mein immunsystem auch 1a mitgehalten, aber gestern abend bzw. heute morgen haben dann hals und nebenhöhlen beschlossen, schlapp zu machen. hals rot und kratzig, nebenhöhlen dicht. da fängt man schon mal an, sich gedanken zu machen. zudem bin ich ja durchaus experimentierfreudig und nicht umsonst angehende ärztin. heute also ein exkurs in die angewandte hals-nasen-ohren-heilkunde und dann auch noch - eher zufällig - in die dermatologie.

zurück. die nebenhöhlen also. dicht, verschleimt. unangenehm und einem produktiven lernen nicht förderlich. viel trinken, klar, das ist nichts neues, und nasenspülung, so die idee. und alles andere ergab sich von selbst. mir kam nämlich der gedanken, statt einer selbst zusammengemischten salzlösung viel eher mal eine physiologische kochsalzlösung zu nehmen, im klinischen gebrauch ringer-lösung, normalerweise für infusionen verwendet. aber, so der gedanke, da von der zusammensetzung her physiologisch, also gleiche konzentration wie blut und weitere körperflüssigkeiten wahrscheinlich weniger austrocknend, ganz im gegenteil, eher befeuchtend. ich also in die apotheke meines vertrauens, ringer-lösung verlangt (schwei-ne-teuer, ein liter infusion geschlagene 6 euro), bezahlt und wieder nach hause. als erstes musste ich das zeug natürlich probieren (ich bin definitiv oralfixiert. ich habe keine ahnung wie ich es geschafft habe, meine kindheit zu überleben). schmeckt nur so mittel. etwas salzig eben. aber, der erste effekt nach kaum drei schlucken: halsweh weg. dann das zeug dreimal durch die nase gezogen, massenhaft schleim im gefolge beim rauslaufenlassen und dieser effekt hielt noch ca. eine halbe stunde an, dann war alles raus. und blieb draußen. freie nase und nasennebenhöhlen, kein druck mehr, keine schmerzen, alles gut. und auch der hals blieb schmerzfrei. hallelujah. gegen die allgemeine abgeschlagenheit dann noch eine aspirin-komplex eingeworfen und schon war ich wieder bereit. das ganze heute abend nochmal, der selbe effekt. der gegen abend nochmal wiedergekommene schleim (weniger als heute mittag) sowie das halskratzen weg, alles frei. 

und weil ich neben dem nasereinigen dann auch gleichzeitig mein gesicht gewaschen hatte dachte ich mir so, einmal eincremen mit ringerlösung kann auch meiner gesichtshaut nicht schaden. und auch hier - siehe da und hallelujah: so eine pralle, feuchte und entspannt aussehende haut hat mir mein spiegelbild schon lange nicht mehr entgegen gehalten. 

ringer-lösung. kann ich nur empfehlen. 

so. und nun? richtung bett. morgen gehts weiter mit den halsorganen. 

14.01.2010 um 22:51 Uhr

allerlei

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

Musik: lifehouse

heute hat mir mein unterbewusstsein zur abwechslung mal wieder einen streich gespielt. mittags mit dem kommilitonen c. telefoniert, beide hatten termine in der stadt, beide um 14 uhr präpkurs. ausgemacht, dass wir um 13 uhr in die stadt gehen, jeder sein zeug erledigt und wir uns dann per handy zusammentelefonieren und einen kaffee trinken gehen. ich also los, brauchte nachschub an grünem tee, in die stadt gefahren, geparkt, zum teeladen, um dann vor eben jenem geschäft wie angwurzelt stehen zu bleiben...handy zu hause vergessen. ich habe mein handy noch NIE! vergessen, geschweige denn, wenn klar war, dass ich es brauche. noch nie. noch gar nie. aber heute. wahrscheinlich kam hier und heute zum tragen, dass ich mich in den letzten tagen zweimal über den kommilitonen geärgert habe. nichts schlimmes, gott bewahre, aber meine nerven liegen lerntechnisch blank, und ich habe mich eben geärgert. und vergesse promt das handy. keine chance also, gemeinsam einen kaffee trinken zu gehen. nunja. ich werde darüber nachdenken.

testat gestern bestanden, ohne probleme, aber leider auch ohne anschließende pause. ich habe jetzt genau eine woche für die obere extremität, den kopf und den hals. ganz. großes. kino. und weil ich völlig erledigt bin, gehe ich jetzt ins bett, gekonnt die tatsache ignorierend, dass mir für die vollständigkeit der armmuskulatur noch 5 muskeln fehlen. aber ich kann schlicht nicht mehr. geht gar nicht. morgen wieder.

10.01.2010 um 22:29 Uhr

grenzen

von: grenzgaenger   Kategorie: anatomisches

...weit jenseits der aufnahmefähigkeit...

...noch weiter jenseits der grenze des produktiven lernens...

...und es kommt noch schlimmer: weit, sehr weit davon entfernt, den stoff für mittwoch durchgearbeitet zu haben...

...hart an der grenze zur verzweiflung...

friss oder stirb. funktioniere oder geh unter. renn, wenn du deine träume nicht auf dem harten asphalt der realität zerschellen sehen willst. und hinterfragt wird schon gar nicht. leider bleibt jegliches psychisches und physisches menschliches bedürfnis auf der strecke. emotionen haben hier nichts zu suchen, leg dir eine harte, eine verdammt harte schale zu oder such das weite.

ich habs aufgegeben. für heute. nachdem ich seit heute morgen um sieben am schreibtisch sitze,  einerseits unendlich müde und gleichzeitig innerlich so aufgedreht bin, dass ich zittere, ist jetzt schluß. ich bin fertig mit der welt und kann mir gerade nicht vorstellen, jemals wieder ein buch in die hand zu nehmen.

morgen früh um sechs geht es weiter, dann um 12 ein letztes date mit der leiche und dann ansetzen zum ca. 24-stündigen endspurt. mittwoch um 17 uhr ist testat, und anschließend breche ich mit einem lächeln auf den lippen zusammen. leider ist eine woche später schon das nächste, das schwerste testat. kopf, hals und obere extremität. und, ach ja, das hirntestat fehlt ja auch noch. und ich glaube, da war auch noch irgendwie eine biochemieklausur auf dem plan gestanden...

schluß jetzt. morgen ist ein neuer tag. neues spiel, neues glück.

02.01.2010 um 08:49 Uhr

02.01.2010 - geiles datum

von: grenzgaenger   Kategorie: anatomisches

so. nachdem ich ja gestern morgen sage und schreibe fünf stunden schädel am stück gemacht habe (...hihi, für den ungeneigten leser klingt das bestimmt blöd...), ging dann ab mittags erst mal gar nichts mehr. gottseidank rief der herr kommilitone c. an, wollte wissen, ob ich zum pizzaessen komme und bot mir als nachtisch eine ausführlich cranio-behandlung an. perfekt. besser hätte es nicht laufen können. am bankautomat stellte ich zwar fest, dass meine bankcard abgelaufen ist (...) - ich wusste noch nichteinmal, dass die dinger ablaufen können und wenn sie das schon tun warum schickt mir meine bank dann nicht rechtzeitig nachschub? - aber gut. man ja seine lebendigen privatbankautomaten, und die onlineüberweisung geht ja auch noch, denn kohle ist zu abwechslung mal wieder mehr als genug da. egal, wie dem auch sei. die pizza war gut, die craniobehandlung sensationell. mein gott hat sich mein kopf über diese behandlung gefreut, hat auch bereitwillig mitgemacht und jetzt ist wieder alles da, wo es hingehört und vor allem der druck von der schädelbasis ist weg und ich kann wieder ohne hürden denken. gelobt sei der erfinder der craniosacralen ostheopathie. hallelujah. früh ins bett und promt geschlafen wie ein engel, wie ein stein, wie ein baby, und wild geträumt. aber es fühlt sich an, als hätte sich mein unterbewusstsein mal wieder von einer menge seelenmüll entledigt, und so starte ich frisch und erholt in diesen tag. und er wird beginnen mit...na? naaa? richtig. mit anatomie. munhöhle und kauapparat sind dran. kein schönes thema, muss aber sein. wie dem auch sei. vor dem fenster liegt schnee, und zwar nicht zu knapp, denn es hat die ganze nacht wild geschneit.

mir gehts gut. und ich mag mich.

01.01.2010 um 11:03 Uhr

doktorspielchen 2010

von: grenzgaenger   Kategorie: anatomisches

das erste experiment des neuen jahres ging gründlich in die hose. ich bin ja gerade dabei, das hürn zu lernen, und dazu gehören auch nerven, bzw. hirnnerven. ein thema ist da die sogenannte thermozeption, also das empfinden vom wärmereizen. einschub: auf meinem wohnzimmertisch brennt schon seit tagen eine kerze, die flüssiges kerzenwachs noch und nöcher produziert, was mich ja schon seit angedenken fasziniert. kombiniert man diese beiden leidenschaften, neurologie und kerzenwachs, wie vorhin geschehen, kann man auch mal auf den gedanken kommen, wärmeschmerz bewusst wahrnehmen zu wollen bzw. zu versuchen, eben jenen schmerz nicht als schmerz, sondern ganz neutral einfach als empfindung wahrnehmen zu wollen bzw. zu versuchen, ob das überhaupt geht. gedacht, getan. und so begab es sich, dass sich die frau dr. heißes kerzenwachs in die handfläche goss und dann einfach mal abwartete und versuchte, die damit verbundenen schmerzen neutral zu bewerten, um sie nicht als schmerzen wahrzunehmen. aber irgendwie hat sich die katze da irgendwo in den schwanz gebissen. es hat nicht funktioniert, der schmerz war und blieb ein schmerz, und da ich es mir dabei gemütlich gemacht hatte, kam ich auch nicht rechtzeitig ins bad, um das wachs abzumachen. fazit. eine verbrannte handfläche, verbunden mit SCHMERZEN und die erkenntnis, dass schmerz schmerz ist und bleibt und nicht in ein neutrales empfinden umzudeuten ist. schade, denn wäre es so gekommen, wie ich mir das vorgestellt hatte, dann wäre die welt um eine bahnbrechende erkenntnis reicher, mir der nobelpreis sicher und die pharmaindustrie dem untergang geweiht (zumindest die schmerzmittelproduzierenden abteilungen).

blöd.

31.12.2009 um 21:36 Uhr

jahresrückblick 2009

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

so. nun sitze ich also hier, am abend des letzten tages dieses jahres, 2009. ich habe noch den kommilitonen c. vom bahnhof abgeholt, wir haben kaffee getrunken und noch ein bisschen gequatscht und jetzt bin ich wieder hier, bei mir. zu hause. ich habe alles abgesagt und werde alleine bleiben. nicht aus sozialphobischen stimmungstendenzen heraus, nein, es geht mir gut, aber ich will alleine sein. ich will dieses jahr alleine beenden und das neue alleine anfangen. bei mir, mit mir, ruhig und gelassen.

es war ein aufregendes jahr, das ist mir gestern in der kbt nochmal bewusst geworden. ich habe mit symbolen dieses vergangene jahr gelegt, und eine vorschau auf das nächste gewagt. die grundstimmung und tendenzen bezüglich beiden war ganz eindeutig. 2009 war aufregend, es war ein hoch und runter, bisweilen extrem, ich war wütend, habe getreten und abgewehrt, war weich und kopflos, bisweilen auch hilflos und gefühlt alleine, und dann immer wieder wieder bei mir, überlegt, ruhig und gelassen. mein fazit war die aus lauter verschlungenen weidenzweigen erschaffene kugel. bewegt, verschlungen, aber rund. 

ich habe eine menge geschafft dieses jahr. und ich bin stolz auf mich. aber fangen wir vorne an. 

es war mein nunmehr zweites jahr im medizinstudium, 2008 begonnen, immer noch dabei. es war meine entscheidung, meine ganz alleinige entscheidung, einen schlußstrich zu ziehen um endlich das zu tun, was ich tun wollte, seit ich tun wollen kann. medizin studieren, ärztin werden. der umweg war notwendig, um letztendlich da anzukommen, wo ich immer hinwollte. auf dem weg zu mir (in diesem fall beruflich). und das bin ich. ich habe zum ersten mal in meinem leben das gefühl, angekommen zu sein, da angekommen zu sein in meinem (beruflichen) leben, wo ich irgendwann angekommen sein wollte. ich liebe dieses studium und ich genieße - trotz aller zu lernenden berge - jede minute.

angefangen hat dieses jahr mit chemielernen. war hart, seit 14 jahren kein chemie mehr gehabt, aber interessant und nach einer ersten hängepartie lief das auch, ebenso die abschlußklausur. im februar dann die wiederaufnahme als stipendiatin ins studienwerk mit abgesicherter vollförderung bis 2015. bedeutet: keinerlei finanziellen engpässe bis zum ende meines studiums, inklusive pj. highlight des ersten quartals. definitiv. weiter gings mit histologie, dann mit biologie in den ferien, erstes histotestat, histo teil 2, seminare physiologie, biochemie und molekulare medizin mit referaten und abfragerunden, sowie mit meinem wahlfach neurochirurgie und dem histotestat 2, und vor den sommersemesterferien dann noch physikklausur. abgeräumt hab ich in physik, gnadenlos, mit genau zwei tagen vorbereitung. am tag vor dieser klausur war ich sogar noch mit im op, bei einer gehirntumoroperation, die mich sehr sehr beeindruckt hat. wie dem auch sei, physik bestanden, sommersemester erfolgreich beendet.

was blieb, waren das gefühl, das richtige zu tun und die erinnerung an zwei extreme ereignisse. zum einen der psychiatrische notfall der (damals noch) befreundeten kommilitonin, anfang juli. psychose, dissoziation, notarzt, polizei, psychiatrie. und ich mitten drin, darum bemüht, das allerschlimmste zu verhindern, nämlich dass sie fixiert und angebunden und so abtransportiert werden muss. ist mir gelungen - kunststück, ich war die einzige, die sie in ihre nähe gelassen hat, ohne auszurasten. ich hatte sie gefühlte stunden im arm, habe, wie auch immer, mit ihr kommuniziert, bin im notarztwagen mit in die psychatrie 1, um dort von einer etwas überforderten assistenzärztin gefragt zu werden, was wir denn jetzt tun sollen; jetzt weiß ich wenigstens wie es sich wirklich anfühlt wenn man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. nämlich genau so. treffender lässt sich dieses gefühl nicht beschreiben. wie dem auch sei, in der psychiatrie 1 war kein bett frei, es ging also weiter in die psychiatrie 2, 25 km entfernt. es war ein act, madame in den krankentransport zu verfrachten und es hat mich einen großteil meiner restlichen kräfte gekostet, das zu vollbringen. wieder bin ich mitgefahren, mittlerweile waren dann auch ihre eltern unterwegs, die immer wieder bei mir auf dem handy anriefen und nach dem zwischenstand fragten. angekommen, madame irgendwie - und wenn ich irgendwie sage, dann meine ich das in diesem fall auch so - in die aufnahme gebracht, sie war mittlerweile hochgradigst dissoziiert, nicht mehr anwesend, konnte kaum mehr laufen. lange rede, kurzer sinn. als dann nochmal fast zwei stunden später ihre eltern kamen und mir ihre mutter erst mal weinend in den arm fiel, war ich dann endgültig am ende meiner kräfte angekommen. ich habe keine ahnung, wie ich es geschafft habe, immer noch zu funktionieren, ihre mutter zu trösten, dem gerade gekommenen nachtdienst noch ein paar nachgefragte infos zu geben, meine heimfahrt zu organisieren, auf den beinen und bei all dem vor allem bei mir zu bleiben. ist mir gelungen, sehr gut sogar. ich war zwar am nächsten tag, einem samstag, völlig erledigt, brauchte ruhe, das erstmal alles zu verarbeiten, aber trotz allem war ich relativ ruhig und gelassen und habe mich nicht aus den augen verloren. zu jeder minute war mir klar, was ich fühle, wie es mir geht und dass es unglaublich wichtig ist, genau das nicht aus den augen zu verlieren.

das zweite  erlebnis war der tag mit den hiesigen notärzten, die ich begleitet habe, ein tag, der mit einem krassen einsatz und dem tod des patienten endete. ich war die ganze zeit mit eingebunden in die lebensrettenden maßnahmen, die notärztin hat mir anweisungen gegeben und ich habe sie mit einer traumwandlerischen sicherheit ausgeführt. beatmet, gepumpt, rhythmuskontrolle, adrenalin gespritzt, all das, was man als notärztin so macht und nebenbei auch noch der ehefrau tröstend zur seite getanden, mit eingepackt und in die klinik gefahren. die abschiedsworte der notärztin werde ich wohl nicht mehr vergessen: frau grenzi, ich habe noch nie eine anfängerin so professionell arbeiten sehen. ich stand die ganze zeit zwei meter neben mir, aber mit einem messerscharf und glasklar funktionierenden verstand, als würde ich seit jahren nichts anderes machen, als menschen das leben zu retten (oder, wie in diesem fall, auch nicht). jeder handgriff saß, keine emotionale regung, funktioniert auf professionellem niveau. das war die erste richtige, professionelle bestätigung, dass ich genau das richtige tue. ich kann es, kann unter extrembedingungen klar denken und funktionieren, eben genau das, was eine angehende anästhesistin, notfall- und intensivmedizinerin können sollte, bei aller vorhandenen menschlichkeit.

zwei wochen im sommer habe ich nichts getan, war sogar mal wieder im urlaub, in dublin und habe ein bisschen freie zeit genossen. gegen ende august ging es mit dem lernen dann aber schon wieder los, das präppkurseingangstestat stand an, anfang oktober, ein berg zu lernen. außerdem die psychologieklausur, direkt eine woche danach. und nun, ja, bin ich mitten im dritten semester. auf dem stundenplan stehen physiologie, biochemie und anatomie, von allem die volle dröhnung. vor allem anatomie. insgesamt 5 testate, zwei sind rum, bestanden, aber die drei schwersten und umfangreichsten stehen noch an. ich habe noch nie in meinem leben so viel in so kurzer zeit gelernt. ich muss zugeben, bisweilen bringt mich das an den rand meiner kräfte, physisch wie psychisch, permanenter druck, die angst, es nicht zu schaffen, permanent übermüdet und an den grenzen meiner aufnahmefähigkeit. aber so anstrenged das auch ist: ich mache es gerne, und gut; und das hat schon so seinen ganz eigenen reiz, diese andauernde extremsituation. mein gott was bin ich froh, dass ich trotz allem relativ stressresistent bin. ich arbeite seit wochen durch, ohne mal einen tag pause am wochenende, teilweise 12, 13 stunden am tag und direkt vor den testaten auch länger. aber sogar daran gewöhnt man sich, denn wo ich früher nach solchen lernexzessen drei tage oder noch länger gebraucht habe, reichen mittlerweile ein paar stunden ruhe, um mich zu erholen, um weitermachen zu können. ich meine, ewig möchte ich das so nicht haben, aber das dritte semester ist das heftigste, aber auch das wird vorbei gehen. und als ärztin werde ich nun auch nicht gerade einen 9 to 5 job haben, vor allem nicht als notfall- und intensivmedizinerin, das ist arbeit am limit. aber das paast zu mir, ich bin auch ein extremer mensch, weit entfernt vom durchschnitt.

und trotz allen stresses habe ich doch meine ruhe und gelassenheit (wieder-)gefunden und ein gefühl der inneren sicherheit, ein gefühl, das ich so lange nicht hatte, nicht kannte. ich hatte viel stress, ja, aber ich habe immer wieder zu mir zurückgefunden, habe mich nie ganz aus den augen verloren, habe für mich gesorgt und auf mich aufgepasst, mal mehr, manchmal auch weniger, mal bewusster, mal weniger bewusst, aber dennoch immer irgendwie.

und neben allen lernens und der uni habe ich weiterhin an mir selber gearbeitet, dreimal in der woche auf der couch, bei meiner geliebten werten frau dr. psychoanalytikerin, und zwischen den couchsitzungen alleine mit mir. und es hat sich dieses jahr so vieles getan, so vieles. ich glaube, das war das wichtigste therapiejahr. das erste mal ist mir wirklich aufgefallen, dieses jahr, dass da eine ganz große ruhe und gelassenheit in mir ist, die ich bis dato so noch nicht wahrgenommen hatte. bei aller aufgeregtheit, bei allem stimmungsschwanken und bei allem pendeln, da ist ruhe in mir, ruhe und gelassenheit, ein teil von mir, der seinen platz haben will und mittlerweile auch bekommt. die wichtigste erkenntnis diesbezüglich war das wahrnehmen des kleinen kindes in mir, die beschäftigung mit ihm, ihm zuhören und es ernst nehmen, das zu wollen und es auch zu können. seit dem hat es seinen platz, das kind, und wenn es etwas will, dann höre ich ihm zu und kümmere mich um mich. dieses kind ist ein ganz ganz wichtiger teil von mir, ein teil, den ich lange verdrängt und verleugnet hatte. kein wunder, dass es bisweilen vehement versucht hatte, sich bemerkbar zu machen. jetzt darf es sein, hat seinen platz, und ich nehme eswahr und an. und das schönste: es steht nicht im gegensatz zu der erwachsenen frau dr. grenzi, die ich eben auch bin, und es steht auch nicht im gegensatz zu all dem, was die erwachsene frau dr. tut, manchmal tun muss, zu dem, was zum erwachsensein eben dazugehört. verantwortung zu übernehmen, allen voran für mich. das geht, es geht beides. seit ich das herausgefunden habe und es praktiziere, geht es mir so viel besser. die ganze ruhe und gelassenheit, die braucht als basis nicht nur die erwachsene, sie braucht eben auch das kind; das kind, das mit großen kinderaugen neugierig in die welt blick, träumt, im jetzt lebt, aber manchmal eben auch bockig oder traurig ist. es ist ein teil von mir. das bin ich. ich.

die zweite wichtige erkenntnis war, dass ich auf eigenen beinen stehen kann. manchmal etwas wackelig, aber manchmal, immer öfter, eben auch fest auf beiden, auf meinen beinen. da ist ein halt in mir, tief innen drin, an dem ich mich festhalten kann. manchmal nehme ich ihn nicht wahr, diesen halt, aber immer wieder ist es mir gelungen, ihn wiederzufinden. ich hatte auch meine schwankungen, und das ein oder andere mal bin ich auch abgestürzt, in das loch, die dunkelheit, die unsicher-, halt- und hilflosigkeit. ja. bin ich. aber nie bin ich so tief gefallen, dass ich nicht wieder alleine hätte aufstehen können. ok., einige wenige male war ich auch beim vertretungspsychodok, vor allem im sommer, als die werte frau dr. psychoanalytikerin in fernen gefilden weilte, und einmal auch nach dem therapieende, vor einigen wochen. aber mir war klar, dass eben dieser schritt zum doc ein teil des wiederaufstehens ist, und immer habe ich es wieder geschafft, und es hat nie lange gedauert.

ganz ganz wichtig war auch der endgültige ablösungsprozess von meinen eltern. der letzte schritt, der hatte noch gefehlt, und den habe ich im sommer - mit einer denkwürdigen aktion - vollzogen. und seit dem, seit dem fühle ich mich freier, unabhängiger - kunststück - näher und vollständiger bei mir. 

und in diesem zusammenhang auch wichtig war das überdenken einer verbindung, die mich in der form, in der sie noch bestand - nicht mehr glücklich und zufrieden machte. ich habe viel nachgedacht, habe meine grenzen neu sortiert und gezogen, meine wünsche und bedürfnisse diesbezüglich überdacht, prioritäten gesetzt und vor allem: ich habe danach gehandelt. und seit dem ist alles ok, für mich, ich fühle mich wieder wohl. ein riesen schritt. insgesamt war das letzte quartal dieses jahres geprägt vom nachdenken über meine sozialen kontakte, über die menschen, die ich an meiner seite habe, darüber, was ich innerhalb all dieser kontakte, verbindungen, beziehungen möchte, was ich für bedürfnisse und anliegen habe und inwiefern diese berücksichtigung finden, inwiefern ich berücksichtigung finde, wie ich sehe und gesehen werde. das war ein unglaublich interessanter und auch schöner prozess. ich habe dabei versucht, nicht zu bewerten, weder mich noch die anderen, und je länger ich hinschaute und -fühlte, desto mehr sah ich, was wirklich da war. es ist eine kleine handvoll menschen, die ich an meiner seite habe, die da ihren platz haben, in meinem leben, und ich einen platz in ihrem, jeder für sich, so wie er/sie ist. menschen, die ich nicht missen möchte, die da sind, jeder auf seine weise. menschen, die mich sehen und genau so akzeptieren, wie ich bin, fern ab allen leistungsdenkens, menschen, die mich genau deswegen mögen, weil ich eben so bin, wie ich bin, so, und nicht anders. ich bin nicht alleine, ganz sicher nicht. es ist noch nicht lange her, dass mir genau das bewusst geworden ist, in einem moment, in dem es mir nicht ganz so gut ging. ich war traurig und fühlte mich hilflos und alleine, habe aber den abend mit dem herrn kollegen verbracht. es war ein wundervoller abend, ganz viel freundschaftliche, ungezwungene, unkomplizierte nähe und vertrauen. das hat mir so unglaublich gut getan (und er wusste noch nicht einmal, dass es mir nicht so doll ging, aber wahrscheinlich hat er es irgendwie gefühlt). wie dem auch sei. als ich dann nachts in meinem bett lag, traf mich diese erkenntnis wie ein, ein...naja, wie eine wichtige, große erkenntnis eben. ich bin nicht alleine, nicht einsam. ich nicht. ich habe vielleicht derzeit keinen freund, aber ich bin nicht alleine. das war unglaublich schön, unglaublich erleichternd, das zum ersten mal wirklich zu fühlen. zu fühlen, dass ich nicht alleine bin, nicht auf dieser welt.

die wichtigste entscheidung, die ich dieses jahr getroffen habe war die, die analyse erstmal zu beenden. das kassenkontingent lief aus, ich hatte mehr als 200 sitzungen gehabt, und ich konnte nicht mehr, wollte nicht mehr. pause. ich war aufgewühlt, unglaublich aufgewühlt, denn auch nach der sommerpause, die ich dieses jahr sehr sehr gut überstanden habe, hat sich noch so viel getan. ich war permanent aufgewühlt und hatte immer mehr das gefühl, dass all die erkenntnisse, all die emotionen immer und immer wieder aufgewirbelt werden, keine zeit haben, sich zu setzen. wie der sandboden im meer der, sobald er sich gelegt hat, von der nächsten welle wieder aufgewühlt wird. wieder. und wieder. und immer wieder. ich war so unglaublich müde, konnte nicht und hatte keine lust mehr, habe abgewehrt, über weite strecken keinerlei erkenntnisse in den sitzungen zugelassen und viele, sehr viele deutungen, die mir die werte frau dr. so an steilvorlagen gab, habe ich herumgedreht, um sie dann ich die ecke zu knallen und keines blickes mehr zu würdigen. irgendwann war mir klar, dass ich eine pause brauche, vielleicht sogar lieber erstmal mit der kbt weitermachen würde, aber es hat noch eine weile gedauert, bis ich das auf der couch von mir geben konnte. sobald ich das allerdings getan hatte, sobald ich gesagt hatte, schluß erstmal, halt und stop, sobald das heraus war, ging es mir besser. erleichtert, leichter, und von da an ging es dann auch wieder vorwärts, in der therapie, in den sitzungen. das war, hmmm, wann war das? anfang oktober muss das gewesen sein, als klar war, dass das kontingent nicht erst im dezember, sondern schon mitte november ausläuft. es lief, und ich war glücklich. letztendlich habe ich eine punktlandung hingelegt, mit der wichtigsten erkenntnis der ganzen therapie, in meiner vorletzten sitzung. das erreichen der depressiven position nannte es madame, und ohne diesen begriff jemals gehört zu haben wusste ich, was es bedeutet. ich habe es gefühlt und fühle es noch immer, wann immer ich an eben jene erkenntnis denke. die letzte sitzung war unglaublich traurig und wunderschön zugleich. ganz nah, vertraut, liebevoll, ehrlich, authentisch. ich liebe meine therapeutin von herzen und ich bin ihr unglaublich dankbar für all die geduld, ihre ruhe, ihre art, mit mir umzugehen, ihre kongruenz und authentizität. bei aller therapeutin, es war auch immer der mensch anwesend. anders hätte es nicht funktioniert, das muss sie von der ersten sekunde an gefühlt, gewusst haben, und dennoch hat sie mich genommen, hat mich auf sich genommen. den ganzen weg ist sie mit mir gegangen, den ganzen langen weg, nachdem sie mir das leben gerettet hatte bzw. es mir ermöglich hatte, dass ich mir selber das leben rette, indem sie von der ersten sekunde an, da wir uns am telefon gehört hatten, eben so war, wie sie war. wäre sie nicht gewesen, wäre ich heute nicht mehr. sie ist den ganzen weg mit mir gegangen, mal vor, mal hinter mir, mal rechts und mal links. aber immer war sie da, immer war sie zur stelle, wenn es brannte, klemmte, wenn ich nicht konnte oder wollte oder beides. immer und immer wieder hat sie es geschafft, mal lauter, mal leiser, dass ich mich weiter bewege. ich habe ihr vertraut, tue es noch immer, auch wenn mir das nicht immer bewusst war, ich nicht immer auf mein diesbezügliches gefühlt gehört habe. es gibt auf dieser welt keinen einzigen menschen außer dieser frau, der so viel von mir weiß, der alles, fast alles von mir weiß. ich habe es immer wieder nicht geschafft, die letzten reste der maske wegzulassen, einfach ich zu sein, nur ich, ohne den letzten rest fassade. sie hat es gewusst, gefühlt, wir haben es in der letzten stunde angesprochen. bzw. ich habe es angesprochen, habe ihr genau das gesagt und es hat mir so unendlich leid getan, für mich selber, dass es eben so war.

jetzt sind es sechs wochen, dass die therapie (vorerst) zu ende ging, und es geht mir erstaunlich gut. ich hatte den ein oder anderen durchhänger, ja, aber es geht mir gut. ich bin bei mir, immer wieder ganz ruhig und ganz gelassen, gefalle mir und mag mich so. ich habe die augen offen, nach innen gerichtet und nehme mich wahr. und es gab noch keinen einzigen moment, in dem ich meine therapie, meine therapeutin abzuwerten, kaputtzumachen, zu demontieren versucht habe. ganz im gegenteil. ich bin unglaublich dankbar und froh, dass ich therapie und therapeutin hatte, habe. momentan findet sie nicht statt, zumindest nicht auf der couch, nicht in anwesenheit der werten frau dr. psychoanalytikerin. aber in mir drin, da findet sie statt, da tut sich so viel, so viel. und sie wohnt in meinem herzen, meine therapeutin, sie hat einen großen feinen platz bekommen, an dem sie sich langsam aber stetig eingerichtet hat, sich einrichten durfte und da soll sie bleiben. meine therapeutin. mein gefühl momentan ist, dass mir die pause von der analyse super gut tut, und für den moment ist die kbt völlig ok. aber es gibt dinge, das wird mir langsam klar, die möchte ich analytisch anschauen, möchte sie verstehen, sonst werde ich nicht mit ihnen umgehen können. wann das sein wird, das sagt mir mein gefühl allerdings gerade nicht. ich werde es also auf mich zukommen lassen, und wenn dann der moment gekommen ist werde ich das daran merken, dass ich den telefonhörer in der hand und ihre nummer gewählt habe. es gibt kein zu früh, und es gibt auch kein zu spät. aber es gibt richtige oder falsche momente. und ich werde den richtigen moment nicht verpassen. bis dahin werde ich leben, mein leben leben, es mir mit mir gutgehen lassen und mich hoffentlich mit all den teilen meines ich anfreunden, die ich noch so entdecken werde.

dieses jahr war verschlungen, aber es war rund. ich habe es über weite strecken genossen, auch wenn es bisweilen sehr anstrengend war. es war ein jahr, in dem ich gelebt habe, mein leben gelebt habe. ein jahr, in dem ich endlich die regie übernommen habe, ich alleine. ein jahr, das geprägt war von vielen erkenntnissen. erkenntnisse, die mich aufgewühlt, die mich verändert und mich geprägt haben und das weiterhin tun werden. ich habe es geschafft, mal mehr, mal weniger, verantwortung zu übernehmen, verantwortung für mich, für mein leben. verantwortung zu übernehmen für das, was ich tue und vor allem für das, was ich nicht tue. ich habe gelernt, meine grenzen wahrzunehmen und sie aufrecht zu erhalten und wenn keine da sind, sie zu errichten und sie zu verteidigen. ich bin holprig, aber dennoch, in mein leben gestolpert, dieses jahr, und irgendwann werde ich angekommen sein. ich habe noch einen weiten weg vor mir, aber zum ersten mal bin ich bereit, diesen weg zu gehen, mit allem, was er zu bringen vermag. ich bin neugierig, vor allem darauf, was ich noch so alles über mich lernen werde. angst ist immer noch da; ich glaube, die angst vor dem leben und auch vor den menschen werde ich wohl nie ganz loswerden, das kann auch nicht mein ziel sein. was ich aber geschafft habe ist, anzufangen, mit der angst zu leben, sie als ein teil von mir zu akzeptieren und mich von ihr nicht unterkriegen zu lassen. die beste voraussetzung, einen schritt nach dem anderen ins leben zu machen. in mein leben.

es gibt keine wiedergutmachung, es wird keine wiedergutmachung geben. das einzige - und wichtigste -  was ich tun kann ist, mit dem schmerz leben zu lernen und ihn als ein teil von mir zu akzeptieren.

30.12.2009 um 13:10 Uhr

überfordert

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

oh hilfe. innerhalb kürzester zeit zwei anrufe bzw. sms bezüglich meiner sylvesterplanungen. die annahme des angebots des anrufers - der herr kollege - bedeutete eine etwas größere aktion inclusive zugreise nach b. bzw. nach k. und einiges an vorausplanung. action eben. gleichzeitig fiel mir ein, dass die frau dr. traumfrau auf dem weg nach b. wohnt, und ich da ja auf der rückfahrt aus dem zug springen könnte. natürlich habe ich sie telefonisch nicht erreicht, handy ist aus. scheiße. und gleichzeitig fangen meine gedanken an, zu galloppieren, wahrscheinlich hat sie das handy nur aus, weil ich ihr gestern eine sms geschrieben habe und sie nicht von mir erreicht werden will. manchmal geht mir mein kopf dermaßen auf die nerven. die andere anfrage fragte nach der bestätigung der bereits ausgesprochenen einladung. und nun sitze ich hier, völlig unfähig einen sinnvollen gedanken zu fassen, bin innerlich total unruhig und überfordert von soviel lieben wir-mögen-dich-und-wollen-dich-dabei-haben-bekundungen und habe keine ahnung, was ich machen soll. hil-fe. müsste ich in dieser sekunde eine entscheidung treffen, würde ich mich für völliges alleinesein und rückzug entscheiden. aber diese entscheidung wäre meiner überforderung geschuldet. vielleicht sollte ich ein bisschen hinhören, was mein inneres wirklich sagt und will, ohne jegliche gedanken ans außen. ich schätze, das ist die sinnvollste idee, die ich in den letzten 60 minuten hatte.

29.12.2009 um 12:07 Uhr

grinsekatze

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

es regnet. und ich sitze grinsend an meinem schreibtisch und könnte die wände hochgehen. seit vorhin hat sich nichts geändert, außer, dass meine gedanken sich mittlerweile weigern, aus f. zurückzukehren. am liebsten würde ich den körper hinterherschicken. ich bin ganz kurz davor, mir ein zugticket zu kaufen und die frau dr. des. traumfrau zu überraschen. bei der arbeit. ...

29.12.2009 um 09:26 Uhr

ohgottohgottohgott...

oh himmel. wo soll das denn wieder hinführen? da sitze ich über biochemie, genauer gesagt über o- und n-glykosidischen bindungen von polysacchariden und wo sind meine gedanken? in f. ja, genau. bei der traumfrau n. es geht mir durch den kopf, was 2006 zwischen uns war, ich träume vor und zurück, freue mich darüber, was jetzt ist, höre meinem klopfenden herzen zu und genieße das gefühl. es ist, als wären nie drei jahre dazwischen, als wäre das alles gestern gewesen. ich meine, es gab schon die ein oder andere frau, die mir verdammt gut gefallen hat und die eine zeitlang - länger oder kürzer, je nachdem - an meiner seite geweilt hat. aber es gibt nur eine erklärte traumfrau. n.s. und das eben seit 2006. bald ist 2010, das wäre dann das fünfte jahr, länger als ich mit jeder einzelnen bisher zusammen war. pfff. ok. das muss bei mir erstmal ankommen, dass eben jene frau sich zurück in mein leben katapultiert hat. wir werden sehen. entweder, wir sind auf dieser welt, um irgendwann zusammenzukommen, oder eben nicht. eines von beiden. null oder eins. schwarz oder weiß. alles oder nichts. die kugel rollt, neues spiel. ich bin gespannt.

27.12.2009 um 16:40 Uhr

weihnachtsfazit

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

das war zur abwechslung mal ein sehr sehr schönes und entspanntes weihnachten. klassentreffen am 23.12., ein sehr ruhiger 24.12. mit onkel und tante (dieses jahr ohne oma, die wollte nicht, weil es ihr nicht so gut ging), gutem essen und schönen geschenken. den 25. habe ich weitgehend im bett verbracht weil unglaublich müde und am 26. waren wir im weltweihnachtszirkus. großartige show.

am abend des 26. rief mich dann völlig überraschend die frau dr. des. n.s. aus b., bzw. jetzt aus f., an. eigentlich wollten wir nur kurz telefonieren, weil sie bei ihrer familie und ich auch, aber dann wurde es ein wunderschönes und vor allem relativ langes telefonat. irgendwie vertraut. wie ganz am anfang mal. sie ist nicht mehr mit ihrer damaligen freundin zusammen, und ich auch nicht mehr mit meiner...wer weiß, was 2006 passiert wäre, wenn wir nicht in unserer jeweiligen beziehung eingebunden gewesen wären. wir haben uns damals gesehen und uns bis über beide ohren ineinander verknallt. aber die beziehungstatsache sowie jene der fast unüberwindbaren entfernung zwischen f. und b. hat uns einen strich durch die rechnung gemacht; wir hatten beide überlegt, jeder für sich, ob das mit uns was werden könnte. es wurde nichts, und eine längere zeit war es dann auch ein ziemlich schwieriger kontakt, teilweise auch gar keiner. jetzt ist sie solo - ich auch - und in f., mit dem ice quasi ein katzensprung von hier. es hat irgendwie geknistert am telefon, das alte gefühl von damals lugte um die ecke und ich muss gestehen, als sie mich am ende des telefonats einmal schnecke (das hat sie schon damals immer gemacht, und ich habe es geliebt) und einmal süße nannte, hatte ich einen leicht beschleunigten herzschlag. es hat uns beiden leid getan, das telefonat beenden zu müssen und wir haben unseren entschluß vom oktober, uns zu treffen, sobald unser stress etwas abgeebbt ist, nochmal bekräftigt. ... die frau ist eine traumfrau. unwahrscheinlich schön und intelligent, sanft, tough und sie weiß ganz genau, was sie will und wie sie es erreicht. außerdem tiefsinnig, reflektiert, mit einer unglaublich schönen stimme ausgestattet (und das weiß sie...), geradlinig, ehrlich und überhaupt. ... heieiei. wenn ich mir so zuhöre, bzw. mir zulese könnte ich glatt auf die idee kommen...nein-nein-nein. alles viel zu früh. basta. wir werden sehen. aber ich freu mich drauf...

anyway. ich bin wieder bei mir zu hause und habe es tatsächlich fertig gebracht, mein anatomiebuch zur hand zu nehmen. und es fluppt. naja, mein hürn hatte ja auch ein paar tage zum entspannen. so soll das sein. es geht mir gut, ich bin gelassen, ruhig und entspannt (endlich wieder) und fühle mich wohl. vor allem mit mir selber.

23.12.2009 um 17:01 Uhr

adios

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

so. das ende des semesters für dieses jahr ist gekommen. ferien. und so ganz, ganz langsam beginnt der stress der letzten tage und wochen abzufallen. jetzt noch ein termin bei madame kbt, und dann ab zur familie.

22.12.2009 um 20:25 Uhr

nur kurz

so. die letzten weihnachtseinkäufe und -verpackungen sind erledigt, ich habe gelernt, und zwar nicht zu knapp und jetzt kommt gleich der kommilitone c. für einen letzten anatomiedurchgang vor seinem testat morgen.

es geht mir gut. ich hatte ein paar ganz wichtige erkenntnisse in den letzten tagen mit den entsprechenden emotionen dazu und ich habe einige wichtige entscheidungen getroffen. und ich freue mich jetzt schon auf den jahresrückblick am 31.12. das war ein ganz ganz wichtiges jahr; eines der besten jahre seit langer langer zeit. emotional, privat, beruflich. und zum jahresende werde ich noch ein bisschen mehr ausmisten.

20.12.2009 um 21:05 Uhr

alles gut

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

was für ein tag. die stunde der wahrheit am frühen abend und ein anschließendes wundervolles gespräch mit dem gemeinsamen entschluß, eine wg zusammen zu gründen. der herr kollege f. und ich. ein super gespann, auf allen ebenen. und jetzt bin ich platt. duschen verschoben, ich muss ins bett. gute nacht, tag.

20.12.2009 um 14:50 Uhr

wachsen? er-wachsen?

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

der stadtmarathon gestern war ein schöner. ich habe alles bekommen, was ich wollte, und noch viel mehr. außerdem haben wir uns im asia-shop mit sushi-utensilien eingedeckt, weil der werte herr s. aus b. die idee hatte, für die komplette wg des herrn kollegen f. eben sushi zu machen. gesagt, getan. nachdem wir das weihnachtsgeschäft erledigt hatten und selber relativ erledigt waren, gings direkt ab zum herrn kollegen. ein kilo reis gekocht, ein halbes kilo rohen fisch geschnitten sowie avocados, surimi-stäbchen, algenblätter mit klebereis beschmiert, gefüllt, gerollt. und das zu dritt, eine stunde wie am fließband, dann war sushi für 10 personen fertig. und geschmeckt hat das einfach nur großartig. sushi, ingwer, wasabi und sojasoße. hmmm. von dem zeug bekomme ich einfach nicht genug.

und heute? heute habe ich meine ruhe, bin ruhig und gelassen und zufrieden. die sonne scheint vom blauen himmel bei immer noch -16 grad und ich wurschtel so vor mich hin. ich habe meine steinsammlung geputzt, die bude auf hochglanz gebracht, gewaschen, die wassersteine endlich mal wieder abgekocht, das bad geschrubbt, und noch so einiges vergnügliches mehr.

gerade, da mein reis auf dem herd vor sich hingart fiel mir auf, dass ich mich erwachsenen menschen gegenüber ganz selten als gleichwertiger erwachsener fühle, sondern vielmehr wie ein kind. ein kind das zum erwachsenen aufschaut, übermäßigen respekt vor dessen erfahrung und wissen hat, sich dumm und klein vorkommt und ständig beweisen will, wie toll und wie gut und clever es doch ist. riesen diskrepanz zwischen innen und außen, denn kein mensch der mich nicht wirklich kennt würde je auf die idee kommen dass da in wahrheit ein kind vor ihm steht, das völlig verunsichert ist und kaum weiß, wie es sich verhalten soll. meine kompensation diesbezüglich ist nahezu perfekt. aber jetzt, da mir das mal so bewusst geworden ist kann ich - liebe frau dr. psychoanalytikerin, ich habe die ehre - mal genau beobachten und sammeln. aber ich sehe schon, ich werde irgendwann in nicht allzu ferner zeit meinen weg zurück zur frau dr. finden. es gibt dinge, die möchte ich analysieren, sonst kann ich auch nichts ändern. aber bis es so weit ist werde ich versuchen, ein kleines bisschen erwachsener zu werden. 

19.12.2009 um 09:20 Uhr

treffen sich...

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

...zwei schneeräumfahrzeuge...

 

die zauberworte der woche heißen emdr und bifokale stimulation. dem herrn vertretungspsychodok ein dickes dankeschön, denn es geht mir besser. deutlich besser. vorgestern und gestern noch wusste ich mal wieder nicht, was ich auf dieser welt soll, warum ich hier bin. ich fühlte mich ganz klein, schutz- und haltlos und war völlig überfordert vom leben. nach dem besuch bei besagtem dok mit zwei runden bifokal stimulierenden klopfens jedoch wich dieses gefühl der schutzlosigkeit einer gewissen inneren ruhe; es folgte eine albtraumlose nacht, und jetzt sitze ich zufrieden und gelassen hier, schaue den schneeflocken vor meinem fenster zu und lerne die embryologie des urogenitaltraktes. und heute nachmittag geht es in die stadt, mit dem besten freund des herrn kollegen, s. aus b., weihnachtsgeschenke vervollständigen. schön. sehr schön.
 

13.12.2009 um 19:01 Uhr

rbf, rpf, ff, gfr, etc.

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

einen großteil des nachmittags habe ich versucht mir einzureden, dass mich momentan nichts mehr interessiert als der renale plasmafluß und die glomeruläre filtrationsrate. hat nicht funktioniert. jetzt bin ich am überlegen, ob ich dem ganzen nochmal eine chance gebe oder es gleich sein lasse und beschließe, morgen zur abwechslung (...) mal die vorlesungen sausen zu lassen um mich stattdessen mit der physiologie der niere zu beschäftigen. genaugenommen habe ich gar keine chance, dem ganzen zu entkommen, denn ich habe morgen nachmittag das großartige, didaktisch äußerst wertvolle physiologie-praktkium mit an grundschulmethodik angelehnter abfragerei. nicht bestandene abfrage = fünf seiten strafarbeit zum nicht ordentlich vorbereiteten thema. und nur wenn diese dem werten herrn professor behagt, wird das notierte minus folgenlos gestrichen. eigentlich sollte ich schon aus prinzip unvorbereitet hingehen. so rein aus protest.

anyway. nachdem ich die letzten beiden tage überwiegend schlafend verbracht habe, geht es mir wieder etwas besser, das zahnfleisch heilt ab, zurück bleibt eine erste, dünne schicht hornhaut. nun denn. ich werde sie brauchen. ich hatte ein wenig zeit, in mich zu gehen, mich um mich zu kümmern und mir und meinen bedürfnissen ein bisschen zuzuhören. das war schön. es hat mir gefehlt. und so ein kleines bisschen habe ich sogar die trauer um und das vermissen meiner therapeutin wahrgenommen. ich denke viel an sie, an die therapie, was ich erkannt, erfahren und analysiert habe, wie ich mich verändert habe, in den letzten zweieinhalb jahren. und doch kratzen all diese gedanken momentan nur an der oberfläche, so richtig komme ich nicht an sie heran. aber ich werde nicht ziehen und zerren und vor allem werde ich mich dafür nicht bewerten oder geschweige denn mich dafür fertig machen. um es mit den lieblingsworten meiner therapeutin zu sagen: es ist, wie es ist. ich kann gerade nichts daran ändern, und das einzige, das wirklich sinn macht, ist dem zeit zu geben. mir zeit zu geben, ruhig und gelassen meinen weg gehen und dabei rechts und links schauen. klingt banal, ist es aber nicht. bei mir bleiben, ganz ganz wichtig. 

so. ein teil meines gehirns hat gerade beschlossen, der niere jetzt doch nochmal eine chance zu geben. mal gucken, was das wird. 

12.12.2009 um 18:16 Uhr

schön

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

ach, wie schön. ich bin zwar völlig fertig, habe jetzt zwei tage fast nur geschlafen, aber ich habe mal wieder zeit für mich. nach einem endspurt, der seinesgleichen sucht, habe ich das testat am donnerstag nachmittag bestanden - und wie - und habe jetzt ein klitzekleines bisschen ruhe. wir haben nämlich beschlossen, das dritte testat nicht auf den 23.12. zu verlegen, sondern es wie geplant am 13.1. durchzuführen. so habe ich vor weihnachten keine prüfungen mehr. ich muss zwar jetzt den testatstoff für drei testate über die weihnachtsferien vorbereiten, zudem biochemie lernen, aber wenigstens kann ich das nun im meinem rhythmus und tempo machen. schön. sehr sehr schön, und mein zahnfleisch, auf dem ich die letzten wochen gekrochen bin, kann sich auch endlich erholen. eigentlich wollte ich heute schon wieder loslegen, untere extremität und retrositus, aber es ging nicht. ich habe schon gestern den ganzen tag nur geschlafen, und heute war ich so unendlich müde und hatte kopfschmerzen, dass einfach gar nichts ging. ich werde mir morgen vom kommilitonen c. nochmal eine cranio-behandlung angedeihen lassen, und dann geht es hoffentlich wieder.

so lag ich heute den ganzen tag im bett, habe die wundervolle anna ternheim gehört und habe mich gehen lassen. keinen finger habe ich gerührt, und zudem habe ich es sehr genossen, endlich mal wieder zeit für mich zu haben. ich war ruhig und gelassen und bei mir, habe gefühlt und war weich. das zeigt mir, und das ist schön, dass meine ruhe mir gar nicht abhanden gekommen ist, und auch nicht meine gelassenheit, sondern dass es momentan wirklich nur die äußeren umstände sind, die mich davon abhalten, mich mit mir zu beschäftigen und ruhig und gelassen zu sein. 

und jetzt? jetzt wird sich die frau dr. grenzgängerin mit einem schönen buch zurück ins bett verziehen und den abend genießen. so soll es sein. jawoll.