nebenbei
wer aufpickt, was andere fallen lassen, sollte zumindest versuchen, es zu verdauen.
wer aufpickt, was andere fallen lassen, sollte zumindest versuchen, es zu verdauen.
anscheinend ist mein bedarf an guten nachrichten doch noch nicht gedeckt. eine weitere flatterte gerade ins haus, per telefon. ein alter freund aus studientagen, nach jahren im ausland wieder in der heimat, und ich werde ihn ende mai besuchen gehen, verbunden mit einem besuch auf dem großartigen afrikafestival am main, in würzburg.
herrje, ich werde ein wenig melancholisch. jahrelang habe ich versucht, mit den franken warm zu werden, bin mit wehenden fahnen gen kanada entschwunden und habe der mainmetropole würzburg keine träne nachgeweint, als das neue ziel feststand. und jetzt? jetzt könnte ich schon wieder puzelbäume schlagen, freue mich unglaublich auf vier tage urlaub in franken (ich kann nicht mehr ganz dicht sein, wirklich nicht...) und bin schon dabei zu klären, wer denn von der alten clique sonst noch dort ist...
großartig. ich habs aber auch verdient, verdammt noch mal. und ja wohl erst recht an einem tag wie heute. jawoll.
meine therapeutin würde mich zwar für den folgenden satz steinigen wollen, aber gottseidank hat unsereins hochgradig effektiv und gut funktionierende abwehr- und verdrängungsmechanismen. wie sonst sollte ich nach derartigen sitzungen so mühelos zum alltag übergehen und nicht nur dinge tun, die notwendig sind sondern auch solche, die spaß machen. leicht manisch renne ich durch die gegend, bin gutgelaunt und voller tatendrang. die beste nachricht des tags war die mail eines verlagsleiters, dem ich am samstag eine mehr oder weniger hingerotzte email geschrieben habe, und der promt meine kompletten unterlagen haben will. die sind mittlerweile fertig, morgen bringe ich sie hin. die zweitbeste nachricht des tages ist keine nachricht, nämlich das ausbleiben der meldung der sportredakteurin meines vertrauens, die seit heute morgen meinen artikel auf dem schreibtisch hat. die gute scheint zufrieden zu sein. ist sie das nicht, oder gibt es rückfragen, ist madame nämlich immer unglaublich schnell am telefon. auch gut also. die beste nachricht der woche ist die tatsache, dass ich am freitag um 13.04 uhr im ICE sitzen werde, auf dem weg zu meiner besten freundin. ich könnte purzelbäume am laufenden band schlagen, jeden baum umarmen und den blumen einzeln ins ohr flüstern, wie schön ich sie finde.
ansonsten ist mein bedarf an guten und schlechten nachrichten für heute eindeutig gedeckt. ich werde jetzt den rennesel schnappen und lunge und beine zum explodieren bringen, bevor ich platze.
ein traum. vorletzte nacht. die höhle.
ein satz meiner therapeutin dazu, und alles stützt ein. nicht nur das gute-momente-gerüst, alles. einfach alles. ich fühle mich wie von einer steinlawine begraben, von einem panzer überfahren, vom zug erwischt.
verstehe nicht. nichts. dicht. komplett blockiert. mein unterbewusstsein lässt es nicht zu.
er dringt in ihre höhle ein, symbolischer und deutlicher geht es doch gar nicht.
ich habe es doch tatsächlich geschafft, mich des medizin-antrags zu entledigen. und zwar ganz so, wie es mir entspricht. nämlich pendelnd. hochoffiziell dieses mal, zwischen sekretariat, dekanat, notariat und rektorat. nachdem ich die bestätigung über die abgabe meiner dissertation - die sage und schreibe eine ganze dinA-4 seite füllt (...) - abgeholt hatte (im dekanat), pendelte ich zum notariat, da die uni nicht befugt ist, zeugnisse anderer universitäten zu beglaubigen (???), und nachdem ich dem schlipstragenden herrn notar für ein siegel und eine unterschrift 11 (in worten: ELF) euro auf den schreibtisch gelegt hatte (vom werfen hielt mich lediglich meine gute erziehung ab), pendelte ich in die andere richtung, nämlich zum dekanat der medizinischen fakultät - am anderen ende der stadt gelegen - nur um dort zu erfahren, dass der antrag aufs rektorat gehört (von dem ich mehr oder weniger gerade kam, da sich notariat direkt danaben befindet)...wie immer um 10 minuten vor schließung schlug ich auf, fragte mich einmal quer durchs rektorat, das momentan eigentlich gar keins ist, da wir keinen rektor haben weil der neue nämlich schon wieder weg ist, ans bundesverfassungsgericht, und überhaupt. durch alle stockwerke, um letztendlich bei der freundlichen mitarbeiterin zu landen, bei der ich mich seinerzeit schon als promotionsstudentin immatrikuliert hatte. wie sie wollen jetzt noch medizin studieren, sie haben doch schon promoviert, reicht's ihnen noch nicht? nein, frau k., es reicht noch nicht, jetzt gehts erst richtig los. so der gutachter und die zvs wollen. wieder raus, richtung auto, das am rechtsmedizinischen institut geparkt war, das gerade eine neue lieferung bekam...die politeuse davon abgehalten, mir einen strafzettel zu verpassen...
alle waren versorgt, untergebracht, hatten ein bett. mein bruder schlief im schlafzimmer meiner eltern, meine mutter auch, mein vater war zwar anwesend, trat aber, nachdem er sich bettfertig gemacht hatte, nicht mehr in erscheinung, aber auch er hatte sein reich, im nebenzimmer. für mich war kein platz, also verzog ich mich frustriert ins bad. mitten in der nacht fing mein bruder an, meine mutter nach allem zu fragen, was er gerade brauchte oder haben wollte, und er bekam es auch, und irgendwann stand er vor dem badezimmertüre und wiederholte monoton 'ich will da rein, ich will da rein'. nach gefühlten stunden stürmte ich raus, um ihm klarzumachen, daß ich drin sei und es auch bliebe, wohin auch sonst, was ihn überhaupt nicht interessierte. er wollte einfach nur rein und bestand darauf. ich versuchte, meine mutter dazu zu bewegen, ihn abzuziehen, war aggressiv und fühlte mich ignoriert, unverstanden, lästig. sie schaute mich an, abschätzig, von oben herab und mit einer unerträglichen ruhe und arroganz und sagte 'wenn du glaubst, daß ich jemals im leben irgendetwas für dich getan habe oder tun werde, dann täuschst du dich. alles, alles habe ich nur für mich getan. du interessierst mich nicht.'
es gibt nichts zu sagen. alles ist erledigt. antrag, artikel. alles. und es geht mir gut. es tobt nicht, frieden herrscht, im inneren, das gute-momente-gerüst, es wächst und gedeiht, mein palmfarn auch, die sonne schien und die welt hat sich gedreht.
anything to add? no, I don't think so, everything's fine and quiet, already mentioned, and it's one of those rare moments within which I can say - from the bottom of my heart, or soul, or whatever else might be there - I ähhh, kind of, like...sort of...myself. well.
ich habe tatsächlich fünfzehneinhalb stunden geschlafen. mit einer kurzen unterbrechung heute morgen. geschlafen, ruhig, fest, wild geträumt. immer ein zeichen, dass sich unterbewusst sehr viel tut. geträumte kreativität, kreatives träumen, so nennt es meine therapeutin, und mir bleibt nichts, als ihr zuzustimmen. daher die müdigkeit. unterbewusste kreativität ist durchaus anstrengend. die stränge entflechten sich, das chaos beseitigt und die emotionen ordnen sich von selbst. zulassen heißt das zauberwort, es geschehen lassen, hinschauen und bewusst machen.
immer noch: sanfte gelassenheit, bei mir, mit mir, das innen ruht. es sonnt sich, und es geht ihm gut. ein wundervolles gefühl und ein weiterer baustein für das gute-momente-gerüst.
so. *händereib*. die darlegung der wissenschaftlichen gründe bezüglich der bewerbung um den studienplatz medizin ist fertig. inklusive aller weiteren formalitäten. geht am montag an die medizinische fakultät, und zwar hingebracht von mir höchstpersönlich. hach. damit ist mein kopf nochmal freier, da mir eben jener antrag seit einem dreiviertel jahr im hinterhirn herumgeisterte. herrlich. wie sich gezeigt hat, muss ich mich mit der ganzen medizingeschichte zwar noch einmal auseinandersetzen und dieses mal A-L-L-E faktoren kritisch mit einbeziehen, aber ansonsten steht dem ganzen unternehmen 'grenzgängerin ist komplett durchgeknallt und wird jetzt auch noch ärztin' eigentlich... naja... hoffentlich nichts mehr im weg. nungut, die klippe zvs muss umschifft werden, aber das erledigt ja wohl die medizinische fakultät für mich, insofern sie von meinen wissenschaftlichen gründen überzeugt ist. wir werden sehen.
jetzt stellt sich mir die frage, ob ich den sportartikel, der am montag fällig ist, noch aus der hinterhand zu schütteln vermag, oder ob ich das auf morgen verschiebe. da wiederum drängt sich mir dann sofort jene frage auf, was ich denn dann jetzt machen soll? der rennesel hat schon gequietscht, er hätte heute keine lust auf ausreiten, und meine beine schreien ebenfalls unisono nein. gestern die fünfte höllentour in folge, und das nach monatelanger abstinenz, vielleicht sollte ich ja mal aufhören, schon wieder zu übertreiben. man könnte glatt auf die idee kommen, ich sei ein mensch, der zwischen extremen pendelt.
ich könnte sortieren. verworrene stränge entflechten, ordnung ins emotionale chaos bringen. ähhh, welches emotionale chaos denn? ach so ja, nee. ist ja zur abwechslung mal alles völlig in ordnung. und ruhig, eine angenehme gelassenheit hat sich breitgemacht, kein toben oder ziehen oder zerren, ein leichtes grinsen auf den lippen. o.k., o.k., die ironie lässt sich nicht ganz kleinkriegen, nicht-begreifendes unterbewusstsein hin oder her, aber die gehört dazu. solange der destruktive zynismus die klappe hält, ist alles völlig im grünen bereich.
stadt? wird komplett überfüllt sein. zu anstrengend. kochen? keine lust weil keinen hunger. lesen? buchstaaaaaaaaaaaben...schon wieder? nee. da bleibt jetzt nicht mehr viel. schlafen? träumen? ausruhen? gutgehen lassen?
na das klingt doch mal verlockend, nä?
you just walked right into my heart, then.
only a dream, now.
looking. into. your. eyes.
lost.
again.
thought of you quite often these days.
a debris of thoughts, pieces of memories.
thanks for all the moments, full of joy and love.
unforgotten.
kept.
ich habe es gefühlt. und verstanden.
die guten momente sind es, die es festzuhalten gilt, die ruhe und die gelassenheit, die freude am jetzt und am hier. unendlich viel wert sind sie, diese momente, das gefühl da zu sein und bei sich, beide füße fest auf dem boden, ruhe im kopf und im herzen, kein toben, kein ziehen und zerren, kein pendeln keine kurven, geradeaus, mit offenen augen und einem lachen auf den lippen.
gut fühlt es sich an, richtig und leicht.
das ist es doch. genau das ist doch das problem, der ursprung aller unsicherheiten, aller verzweiflung und allen pendelns. immer und immer wieder die suche nach dem halt im außen, das innen ist leer und haltlos, nichts zum anlehnen, keine stütze, es ich brüchig, zerbrechlich, fragmentiert, wie treibsand, es windet sich, und biegt sich, weicht aus und pendelt, und es bietet keinen halt. selbstbewusstsein und selbstsicherheit aber brauchen genau das, gründen in innerer stabilität, dann bedarf es keines außen als halt, das ICH ist genug, als fundament, als basis.
klein fühlt sie sich an, hilflos und traurig, die suche nach halt im außen, wird man sich ihrer bewusst, unnötig, weiß man und fragt doch warum, warum ich und wo ist das innen, wo ist das, das ein ich zu einem ICH macht, zu etwas stabilem, haltbaren, zu etwas, auf das man verweisen, auf das man stolz sein kann, zu etwas, das in momenten der einsamkeit und der trauer, in zeiten des gefühls des verlassenseins verlässlich da ist und hält und nicht genau dann zersplittert, unter der last der emotionen, wenn man es am dringendsten bräuchte? wo ist das ICH, das sich nicht selbst ständig zu vernichten sucht und was mache ich mit jenem, das sich selbst kaum ertragen kann und nur durch permanentes emotionsmassaker zu sein imstande ist? wo ist der innere halt, den ich so verzweifelt suche, wo ist er?
ich will es nicht brauchen, das außen.
alles was ich will ist ein innen, das mich zu tragen imstande ist.
mein hirn weigert sich kategorisch, das nachdenken auch nur im ansatz in betracht zu ziehen. keine chance. ich habe heute zwar am antrag gebastelt - morgen sollte er fertig sein - aber das lief völlig automatisiert ab. man frage mich, was drin steht. ich habe keine ahnung. egal. gottseidank ist unsereins ja in der lage, auch mit einem auf sparflamme arbeitenden hirn noch zumindest einigermaßen sinnvolles zu produzieren. eeeegck, nein, keine selbstoketterie, und es ist auch weit und breit kein konjunktiv zu sehen...
den rennesesl habe ich ausgeführt bzw. -gefahren. hat uns gut getan. ansonsten war es ein ruhiger tag, ohne toben, ohne nachwehen von gestern. hab ich mal wieder gut gemacht. vielleicht sollte ich stolz auf mich sein. kann mir jemand sagen, wie das geht?