hilfe...
draußen liegt schnee. auf meinem balkon. heißt das, dass es dieses jahr zum ersten mal geschneit hat???
draußen liegt schnee. auf meinem balkon. heißt das, dass es dieses jahr zum ersten mal geschneit hat???
werte frau dr. psychoanalytikerin,
ich habe zwar so viel zu tun, wie ich im leben noch nicht zu tun hatte - der ganze nachmittag ging für chemie drauf - aber es ist immer noch genügend zeit, sie zu vermissen. was müssen sie auch schon wieder urlaub machen? o.k., o.k., ich gönne es ihnen von herzen und es ist ja auch nur eine woche, aber es gefällt mir trotzdem nicht.
gestern abend stand mal wieder disszoiativ-kochen auf dem programm. hat spaß gemacht und wir haben viel gelacht. was wir gekocht haben, weiß ich nicht mehr, aber das spielt ja auch keine rolle. sie haben jedenfalls mehr gemacht als ich, wobei ich allerdings sagen muss, dass ich für die musikalische untermalung gesorgt habe, was ja auch nicht ganz unwichtig ist.
ich werde jetzt wohl hundeelendsmüde ins bett fallen, aber ich werde sie mitnehmen. bin mal gespannt, was heute auf dem programm steht.
es grüßt und vermisst sie,
ihre lieblingspatientin
ich hab mit ihm telefoniert. er hatte angerufen, als ich an der uni war und mich hat diese nummer auf meinem telefon dermaßen gestört, dass ich zurückgerufen habe, weil ich klarstellen wollte, dass ich nicht mehr zur verfügung stehe. wie erwartet hat er gestöhnt und die augen verdreht, als ich ihm seine frage beantwortete, was ich mache, reines unverständnis und ob ich nichts besseres zu tun hätte, als mich vor dem arbeitsmarkt zu drücken, er habe so viel in mich investiert (wer's glaubt) und hätte nichts zurückbekommen, das sei die ganzen jahre über schon recht strange gewesen und ich würde seit je her eh immer alles so hindrehen, wie es mir gerade ins konzept passt.
meine therapeutin liebt mich auch. hach...schmelz...war ganz deutlich. vorhin.
ich bewege mich am rande einer manischen phase, soviel vielleicht noch nebenbei.
da am donnerstag ja der erste einführungstag an der uni war, musste ich notgedrungen und höchst zähneknirschend die therapie ausfallen lassen. bedeutet: ich habe meine therapeutin des letzte mal am dienstag nachmittag gesehen, der nächste termin ist montag abend. und, ja, was soll ich sagen? ich vermisse diese frau schrecklich. ich hätte diese woche unglaublich gerne mit ihr geteilt, die ankunft in meinem leben, einfach alles. statt dessen sitze ich hier und habe etwas, das sich gewissermaßen nach liebeskummer anfühlt. sie fehlt mir auf schritt und tritt, ich muss ständig an sie denken und bei allem, was ich tue überlege ich gleichzeitig, was sie dazu sagen würde. ich stecke bis zum hals in der - gewollten - therapeutischen abhängigkeit. positiv gemeint, denn ohne eben jene ist die beste psychoanalyse nichts wert. und zudem - wie sie mir nun schon des öfteren versichert hat - ist es ein teil ihres jobs darauf zu achten, dass eben diese abhängigkeit in der sogenannten ablösephase abnimmt und letztendlich verschwindet. ablösephase, wie grausam. ich will mich nicht von dieser frau ablösen. ich will, dass sie mich adoptiert und wir den rest unseres lebens zusammen verbringen. jawoll. nun gut, das ende der therapie ist ja nicht abzusehen, aber trotzdem, alleine der gedanke ist ein schreckensszenario. ich bin mir durchaus voll und ganz bewusst, was ich denke und fühle, bezüglich dieser abhängigkeit, aber auf absehbare zeit wird sich nichts daran ändern. auf eine sehr spezielle art und weise liebe ich diese frau, und es gibt keinen menschen auf dieser welt, der mehr von mir weiß und die geheimnisse, abgründe, wunden und narben meiner seele so gut kennt und versteht. und genau deswegen wird es in dieser zeit - wie lange auch immer die therapie letztendlich sein wird - keinen weiteren menschen, weder männlich noch weiblich, als freund oder freundin an meiner seite geben.
liebe frau dr. psychoanalytikerin, der platz in meinem herzen ist bis auf weiteres für sie allein reserviert.
ich bin angekommen. in meiner gegenwart und zukunft. und es fühlt sich großartig an. zudem hat sich die werte frau xy vom verlag noch einmal gemeldet, sie können sich vorstellen, meine diss als monographie herauszugeben. für mich kostenfrei, mit 12%-igem honorar aus dem verkauf über den buchhandel, die urheberrechte bleiben bei mir. klingt das gut oder klingt das gut? ich werde mir über das wochenende mal die ganzen information für autoren durchlesen, die ich bekommen habe und am montag noch die werte frau psychoanalytikerin fragen, was sie davon hält, da eben jene lange in der forschung tätig war und sich mit sowas auskennt. und wenn dem dann nichts mehr im wege steht, werde ich denen anfang nächster woche die komplette datei zur prüfung schicken.
es läuft, flutscht, alles klappt und funktioniert. so also fühlt sich das an, wenn ich komplett auf mich alleine gestellt mein leben in die hand nehme. ohne damoklesschwerter, die irgendwann zur altlast werden und entsorgt werden müssen. hah! wann ging es mir das letzte mal SO! gut? ich weiß es gar nicht. egal, hauptsache im jetzt und hier ist alles geregelt, mit dem dazu passenden gefühl der freiheit.
mein leben, mein verdammtes, liebes leben.
...am abend. gerade flattert eine mail in meinen postkasten von einer frau xy vom süddeutschen verlag für hochschulschriften. meine diss hätte ihr interesse geweckt, ob ich interesse an einer für mich kostenfreien buchpublikation meiner arbeit hätte und sie prüfen könne, ob meine diss in ihr verlagsprogramm passe.
aber klar, frau xy. prüfen und publizieren sie meine diss, was besseres könnte mir nicht passieren. triumph auf der ganzen linie, jetzt schon. die blöde visage einer gewissen altlast möchte ich sehen.
strike.
wie geil ist das denn? alles erledigt und bevor ich jetzt zum gemütlichen teil des tages übergehe jage ich gerade noch durch die bude und verpasse ihr den letzten schliff. putz-munter...und nebenbei läuft das lied, das ich mit drei jahren als erstes lied überhaupt bewusst gehört und es geliebt habe: großartig und äußerst beflügelnd. was ein genialer tag. mir geht es gut.
all das kam gerade an, im kopf, im herzen, im bewusstsein. gefühlt, latent, hatte ich es schon länger, bis gestern allerdings hätte ich mich hinter dem studium versteckt, hätte es genutzt um nicht erwachsen werden zu müssen. jetzt fühlt es sich anders an, eben erwachsener und bewusster. ich werde diesen weg gehen, bewusst und ich werde etwas daraus machen. ob ich letztendlich - auch wenn ich in diesem bereich während des studiums einiges leisten kann, mit meinen bisherigen kenntnissen - wirklich umweltmedizinerin werde, das steht immer noch in den sternen. mich fasziniert einfach die klassische (intensiv- und unfall-) medizin zu sehr. aber auch hier vermag ich mit sicherheit einiges zu leisten, ich werde nur den richtigen zeitpunkt erkennen müssen, um dann umzuschwenken und das lebenskonzept neu zu entwerfen. ich werde auf jedenfall hingucken, hinhören, auf mich hören und meinem gefühl folgen. ein gefühl, das seit gestern, seit gerade eben sehr viel mehr freiheit hat, die freiheit, innerhalb derer ich es wahrzunehmen und danach zu handeln im stande bin, sein werde.
jetzt ist es amtlich, verbrieft und besiegelt:
ich. bin. promoviert.
nun denn. auf in den tag, mit der zweiten tasse kaffee.
das innen ist in aufruhr. es dreht und wendet sich, zieht und zerrt und findet keine ruhe. und mir bleibt nichts weiter als draufzugucken und es auszuhalten. ich weiß warum, ja, ich weiß warum es tobt, ich weiß. will ich es wissen? spielt das eine rolle? ja, tut es. es nicht zu wissen und nur zu fühlen, rat- und hilflos zu sein, ist schlimm. sich dabei zuschauen zu können jedoch grenzt an folter. und dennoch. es ist wichtig. aushalten. dableiben, grenzie, bleib da, das ist der einzige weg.
bleib. da.
schau. hin.
nacht für nacht für nacht träume ich von männern, die mir zu nahe kommen, viel zu nahe, und ich muss die nähe aushalten, aushalten, wie sich schauen, riechen und sich anfühlen. es gibt nichts, was ich mehr hasse als diese träume und dennoch sind es eben jene, die ein schlüssel zum unterbewusstsein sind, die mir etwas über die wunden meiner seele erzählen.
zudem kämpfe ich mit der altlast. so paradox es klingt, so sehr er mir wehgetan hat, wieder und wieder und mich in entscheidenden momenten im stich gelassen hat, so sehr vermisse ich ihn. ich dürfte ihn nicht vermissen, müsste froh sein über das ende und doch bin ich immer und immer wieder am überlegen, wo und wie ich den faden wieder aufnehmen könnte. es würde im selben chaos enden wie immer; jedes einzelne mal ein dolchstoß. nicht tödlich, nein, nicht ganz. immer blieb ich am leben und litt. eine wunde mehr. eine narbe mehr. kein herankommen von außen, die emotionale oberfläche hart wie granit. und doch gingen dem meist momente voran, die ich nicht missen wollte und konnte, nicht missen will und kann. zwei puzzleteile, die zusammenpassen aber nicht zusammengehören. nicht zusammengehören dürfen. die dynamik ist mir klar, glasklar, ich weiß um den mechanismus, um meinen und seinen; und doch. trotz all des wissens um eben jene, um all dies, besteht ein band das stark ist und mich quält, an mir zieht und zerrt.
noch. dieses eine wort kommt der rettung einer erstickenden gleich, es hält mich, meist, hält mich davon ab, meine gedanken in die tat umzusetzen, hält mich davon ab, kontakt aufzunehmen und mich ein weiteres mal auf das spiel einzulassen. gefährlich ist es, dieses spiel, gefährlich für mich, meinen seelenfrieden. ich weiß das. und dennoch kostet mich das diesbezügliche untätig sein kraft, so viel kraft, es zieht und zerrt, mein herz, meine seele. das unterbewusstsein hält kräftig dagegen, vor allem nachts, in meinen träumen. ich weiß, was sie bedeuten und doch möchte ich meine augen verschließen, vor den bildern und deren bedeutungen. will versinken in jene nebulösen zustände, der körper wie betäubt, verlangsamt. die kontrollinstanz gibt ab, zieht sich zurück. verschwinden, einfach verschwinden, den körper zurücklassen, geist und seele, sie machen sich auf die reise. dahin, wo es nicht wehtut, dahin, wo keiner der schmerzen hinzukommen imstande ist. draußen. sie alle müssen draußen bleiben. ich, nur das ich, das wesentliche, unterwegs. ein zustand, der ambivalenter nicht sein könnte. manchmal, manchmal kann ich mir dabei zusehen, bin weg und doch da. ich nehme wahr, verstehe und doch ist es, als käme alles aus einer sphäre, die außerhalb meines ichs liegt, eine, die mich nichts angeht, nichts angehen muss. schön und erschreckend zugleich, einfacher und doch schwerer.
...
es wird besser. das toben, ziehen und zerren lassen nach, jetzt, da ich meine gedanken ein stückweit geordnet habe. das chaos, das das innen in meinem kopf auslöst, ist das problem. gedanken über gedanken, wild hin und her geworfen, gedreht und doch ergeben sie keinen sinn, türmen sich - gefühlt - zu einer unüberwindbaren hürde auf. jetzt ist das dickicht ein wenig gelichtet. ein wenig angeguckt und gelichtet. und so erscheint es nicht mehr ganz so bedrohlich wie noch zuvor.
Stimmung: verstimmt
Musik: amy macdonald
in die praxis umgesetzt erweist sich eine theoretisch hochintelligente idee bisweilen als saudoof.
...
die küche ist rosa geworden.
scheiße...
ein perfekter tag, um die bude auf vordermann zu bringen. bad, küche, wohnzimmer, unter dem bett, hinter dem regal, auf dem schrank, badewanne, klo und zu guter letzt: balkon. flaschen wegbringen, gelben sack vollmachen, blumen umtopfen, waschen. groß-ar-tig. und bei all dem scheint die sonne, ein schöner herbsttag lacht durch fenster - apropos fenster: fenster putzen - und die anlage spielt die neu erworbene, wundervolle cd von amy macdonald.
ich liebe diese jahreszeit. die welt wird ruhiger, gelassener und aufmerksamer. wie sehr man sich doch über einen unerwartet freien tag freuen und ihn bestens gebrauchen kann. nachdem ich heute morgen wieder zuhause aufgeschlagen war, hab ich doch promt noch zwei stunden geschlafen, was - mit unterbrechung - vierzehn stunden schlaf ergibt. und jetzt bin ich ausgeschlafen und voller tatendrang. der ausrutscher von gestern abend: vorbei, verblasst und verweht. meiner seele geht es gut. ich werde sie pflegen, das ganze wochenende und auch nächste woche, beim start in mein mehr oder weniger ausgemistetes und schlußstrichhinterlassenes leben ohne altlast!, auch wenn die mich bisweilen im traum 'belästigt'. interessant, wie eben jene/r auch in meinen träumen irgendwann sein wahres gesicht zeigt.
und obwohl ich diese dosenfertikprodukte eigentlich so gar nicht mag, werde ich jetzt die nudeln mit flattermann essen, und dann kann es weitergehen.