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danke, lieber gott, danke für diesen tag.
ich hab dich gemocht, onkel k., irgendwie. auf eine ganz eigene art und weise, auch wenn wir nie wirklich gelegenheit hatten, zu quatschen. immer war irgendetwas, im zweifelsfall die arbeit, und auf familienfesten warst du immer von den verwandten absorbiert, die von weiters her kamen. nun bist du gegangen, gestern. in ruhe und frieden kann man kaum sagen, du hättest noch eine weile gehabt, hätten die halbgötter in weiß dich nicht geschlagene zwei jahre falsch behandelt. letztendlich war es zu spät, dem professor, dem neuen, waren aufgrund der größe des tumors die hände gebunden, obwohl seine methode wahrscheinlich erfolgt gehabt hätte, hätte dich das andere team früher zu ihm geschickt. das leben ist ungerecht. der einzige trost ist wohl, dass es im tod keine ungerechtigkeit mehr gibt. wo auch immer du jetzt bist, ich bin überzeugt davon, dass es dir dort gut geht und dass wir irgendwann gelegenheit haben werden, zusammen auf einer wolke zu sitzen, die beine baumeln zu lassen und all das nachzuholen, was wir zu lebzeiten verpasst haben.
ich werde dich nicht vergessen. rest in peace.
was ist der sinn des lebens, fragte mich heute meine therapeutin. ich konnte ihr keine antwort geben. glücklich sein, sage sie, sich akzeptieren, wie man ist, achtsam mit sich umzugehen. nichts desto trotz ist glücklich sein etwas sehr individuelles, meinte sie weiter. es geht um das wie, um das, was man will, womit man sich wohlfühlt, ohne dabei nach außen, nach anderen zu schauen. bei sich sein, sich genießen, und alles was man tut, für sich tun. sie hat mich sehr nachdenklich gemacht, meine therapeutin, sehr nachdenklich.
es gibt nichts, was ich mehr will, als mich zu finden. mich und damit ruhe. ruhe in mir selbst, aus mir heraus, ein gleichgewicht, zu dem ich immer wieder zurückkehren kann, eine stabile basis, ein ruhiges und ausgeglichenes inneres. mich. einfach ich.
ich trage viel. verdammt viel, und vieles davon ist eine last. die größte last ist der umgang mit mir selbst, das permanente in frage stellen meines innen, meiner person, der zweifel an mir und dem was ich bin.
es gibt kein 'wie ich sein sollte'. ich bin. ich. einfach so.
ich habe mich in den letzten wochen wieder einmal weitgehend aus den augen verloren, das lernen als kompensation, angst, unruhe. heute fühle ich das alles, fühle den druck, den ich mir selbst auferlege, fühle mich. es ist noch ein stück weg, ein langer weg hin zu mir selbst. ich habe begonnen, ihn zu gehen und ich werde nicht umdrehen. schritt für schritt für schritt. manchmal sind sie größer, die schritte, manchmal kleiner. aber ich komme voran, selbst wenn ich bisweilen stehenbleibe, verharre, mich umschaue, zurückblicke. ein solcher weg lässt sich nicht gehen, ohne zurückzublicken. das heute definiert sich aus dem gestern, baut auf ihm auf und ist dennoch ein neubeginn. wieder und wieder, die zeit bleibt nicht stehen. kohärenz. morgen ist ein neuer tag, gleiches ich und doch einen schritt weiter. die summe ist es, die summe der kleinen schritte, jeder schritt ein erfolg. nicht ein ziel in weiter ferne, der weg ist es, der weg ist das ziel. schritt. für schritt. für schritt. ich. mit mir. ruhig und gelassen.
effektives zeitmanagement ist das a und o eines medizinstudiums. soviel ist sicher. und genau daher habe ich heute morgen spontan beschlossen, die physikvorlesung sausen zu lassen und mich statt dessen selber über den anstehenden stoff herzumachen. das geht einerseits schneller und zweitens ist es weitaus effektiver. ich brauche niemanden der mir in anderthalb stunden zwei formeln für potentielle und kinetishe energie herleitet und es dann nicht schafft, den praktischen nutzen klar und verständlich zu erläutern, das kann ich in einem drittel der zeit auch alleine. und es macht mehr spaß, da ich mir nebenher sinnvolle und weniger sinnvolle, jedoch anschauliche anwendungen ausdenken kann: wie groß ist die lageenergie einer 50 kg schweren leiche, die ich 70 cm hochgehoben habe, um mir den präparierten und damit herunterhängenden musculus latissimus anzusehen? ok, man könnte sie auch einfach umdrehen, aber dabei vernachlässigt man eindeutig den physikalischen nutzen (im sinne von lerneffekt). und daher werde ich mich jetzt noch eine dreiviertelstunde in meiner eigenen physikwelt vergaben, und dann das weite suchen und mich in anatomie begeben.
so long.
scheiße. mein weißer kittel stinkt immer noch nach formalin. wo soll ich den denn hintun, der verleiht meiner bude in kürzsester zeit präpsaalflair?! bis gerade eben war er in einer tüte. ich fürchte, ich muss ihn dahinein wieder verschwinden lassen, auch auf die gefahr hin, dass sich meine werten mitkommilitonen im chemiepraktikum kommende woche bei mir bedanken werden. der kittel - ein echter arztkittel aus dem zentrallager der universitären kliniklogistik - steht mir übrigens ausgenommen gut, fast fühlt es sich an, als wäre ich in diesem kittel auf die welt gekommen. nein, ich habe mich nicht voreilig in den besitz dieses arztkittels gebracht, er war schlicht pflicht fürs chemiepraktium und für die präpperei (die leider im ersten semester nur selten auf dem programm steht).
gerade eben habe ich meine bücher beiseite gelegt. schluss für heute. genug gekreuzt und antworten zusammengefasst. außerdem hab ich noch kurz einen blick ins physikbuch geworfen, was denn morgen so dransein wird und habe es auf der stelle wieder zugeschlagen. so groß meine faszination für die quantenmechanik ist, so gering ist sie für energie und arbeit & co., zumal ich mir lebhaft vorstellen kann, wie das morgen wieder abläuft. um es mal deutlich zu sagen: physik ist gräßlich. man könnte das so gut, und vor allem die versuche so interessant gestalten, aber nein, statt dessen lässt man einen verquasten professor die vorlesung machen - der sich permanent in unwichtigen herleitungen von formeln ergeht - und wenig motivierte physikhiwis die praktika betreuen, die dementsprechend an qualität vermissen lassen. die vorlesung ist reines stundeplanabhaken und die versuche sind eine einzige quälerei montags von 14-17 uhr. wenigstens habe ich einen praktikumspartner der physik-lk hatte und die versuche gerade so aus dem ärmel schüttelt, was heißt, dass wir bisher immer mindestens eine stunde früher fertig waren als die anderen und während des praktikums sogar die pflichtprotokolle geschrieben und die testate (unterschriften) dafür eingesammelt hatten. und als entschädigung gibts ja morgen abend wieder die couch.
und jetzt werde ich den restlichen feldsalat waschen und mir ein gutes abendessen machen.
ich habe sage und schreibe zwölf stunden geschlafen und bin jetzt fit wie ein turnschuh. schön. gerade eben stand ich mit einem kaffee auf dem balkon und habe den friedlichen sonntag morgen genossen. ich weiß nicht, wann ich das zum letzten mal getan habe. umso intensiver habe ich es empfungen, die morgenstimmung, das rauschen der letzten verbliebenen blätter auf den bäumen, die kühle luft. einfach ruhe und frieden. jetzt werde ich noch einen kaffee trinken, mich noch ein bisschen an dem schönen bild von vorgestern erfreuen und dann werde ich meinen schreibtisch bevölkern und chemie lesen und kreuzen. das ist mein tag. gut geschlafen, früh aufgestanden, einiges zu erledigen, neben lernen noch waschen, bude aufräumen und den traum der nacht verarbeiten, der mir mal wieder einiges deutlich gemacht hat.
ach ja, hier noch das bild
ein wunderschöner tag. ausgeschlafen, chemie gelernt, geschlafen, einkaufen gewesen und einen leckeren feldsalat gegessen. ganz friedlich habe ich diesen tag verbracht, habe viel an meine therapeutin gedacht, liebevoll. wir haben momentan eine nähe, wir wir sie seit beginn der therapie noch nicht hatten. und es fühlt sich so gut an, ich fühle mich gut, weich und gelassen und genieße mich. ich kann mich nicht daran erinnern, dass es jemals so war. ich bin erstaunt darüber, wie gut ich damit umgehen kann, mit mir, in dieser situation. kein suchen nach gegengedanken, keine ambivalenz, kein schwarzweiß, kein ziehen und zerren. keine agressionen, nicht nach innen, nicht nach außen. ich wusste nicht, dass sich ein autoaggressionsfreies dasein so wundervoll anfühlt.
ich mache fortschritte, ich sehe und fühle sie und ich freue mich unsagbar darüber.
der tag ist so gut wie zu ende und ich bin immer noch weich und gelassen. uni lief heute wie am schnürchen, anatomie im präpsaal am präparat - wir haben zwei stunden muskeln auf- und wieder zugeklappt, arterien, venen und nerven nachgespürt und nach sehnen gesucht, unterhaut- und bauchfettgewebe begutachtet sowie einen leistenbruch und noch vieles mehr. super. endlich. nur der formalingeruch ist höchst gewöhnungsbedürftig. und zu guter letzt war die chemievorlesung von vorne bis hinten verständlich. zwei stunden geschlafen, zweieinhalb chemie gelernt bzw. praktiumsprotokoll geschrieben und ein wunderschönes bild gemalt. zum ersten mal habe ich wirklich gerne, aus dem bauch und dem herzen heraus, mit farben gemalt, nicht nur in schwarzweiß und rot, welches für mich in dieser kombination immer mit blut assoziiert ist. nein, es ist ein ruhiges, gelassenes und wunderschönes, farbiges bild geworden, das meine stimmung des heutigen tages so richtig schön einfängt.
ps: liebe frau dr. psychoanalytikerin: ein danke aus den tiefen meines herzens dafür, dass sie da sind, mich verstehen und mich zu nehmen wissen, mich bisweilen an die hand nehmen wenn ich stehenbleibe oder nicht weiter weiß, für ihre geduld, wenn ich ungeduldig bin oder gleich mehrere stufen auf einmal erklimmen will und dafür, dass sie mich liebevoll anstupsen, wenn ich zu langsam werde oder gar stehenbleibe. danke, einfach nur danke an einen wundervollen menschen, den ich als teil meines lebens betrachten darf.
gerade aus der uni gekommen. chemie-tutorat. und da wir den zugehörigen praktikumsteil erst morgen absolvieren, hat es mich eher durcheinandergebracht und mein ich-verstehe-chemie-gefühl von heute mittag (hoffentlich nicht nachhaltig) untergraben. außerdem wäre ich jetzt gerne bei meiner therapeutin, nach der sternstunde von gestern, mit einem wunderschönen gefühl bin ich nach hause und habe richtig gut und tief und fest geschlafen. da hat sich was großes getan. an meinem rückzug hat es nichts geändert, mir ist immer noch nach ruhe und alleinesein, aber ich fühle mich leicht und weich. tonnenweise trauer gilt es noch herauszulassen, gestern der anfang. ich rede wirr, aber genauso denke ich gerade, keine allzu gerade linie, viel verworrenes, stränge zu verfolgen, noch keinen roten faden, das wird noch dauern. und trotzdem fühlt es sich gut an. freier. morgen muss ich mal meinen hausarzt beehren und mich fürs wochenende krankschreiben lassen, sonst liegen die herrschaften senioren nächste woche mit einer ausgewachsenen bronchitis im bett. ich stehe und gehe nur weil vollgepumpt mit aspirin complex, paracetamol und wahlweise vick medinight oder daymed, potenziert mit espresso. herrjeh, jeder andere würde mit einen herzkasper kriegen bei dieser kombination und ich merke erst nach der doppelten dosis was. muss ich mir gedanken machen? nein, ich verdränge das jetzt mal verantwortungsvoll ob all der dinge, die einfach gerade anstehen und wichtiger sind. alles der reihe nach. und apropos der reihe nach:
ich muss ins bett.