samstag abend
aufpassen, aufpassen aufpassen. hingucken. hinhören und -fühlen.
vorhin klingelte das telefon und ich hatte die nummer von madame v. auf dem display. rangegangen, aber irgendwie hörte ich nichts, es knackte nur und stille. ich rief zurück und niemand ging ans telefon. und promt fing ich an zu denken, zu projizieren, interpretieren und zu überlegen, was das wohl zu bedeuten hat, ob es gegen mich gerichtet ist und so weiter. also habe ich beschlossen, dass, wenn sie heute nochmal anrufen sollte, ich nicht ans telefon gehen werde. ich muss erst mal darüber nachdenken, was da schon wieder in mir vorgegangen ist. das ist alles ihres, alles, was sie denken, ist ihres, sagt meine therapeutin immer, es kommt nur von ihnen und es hat erstmal nichts mit dem gegenüber zu tun. schauen sie auf ihre gedanken und gefühle und versuchen sie zu verstehen, was sie bedeuten, welche funktion sie haben. und genau das werde ich tun. ich werde analysieren und nicht weiter projizieren oder interpretieren, etwas, das ich nicht einschätzen kann, weil ich nicht weiß, was es war. ich werde also bei mir bleiben und nicht darüber nachdenken, was sie wohl gerade macht, denkt oder fühlt. ich werde in mich hineinhorchen und versuchen herauszufinden, warum ich diese bagatelle schon wieder gegen mich gerichtet interpretiert habe und warum es mich verunsichert, bzw. warum ich mich selbst verunsichere. das hat auch alles gar nichts mit ihr zu tun, ist nur meines, sind meine gedanken und gefühle. das will und werde ich mir klar machen.
ich habe letztens in der therapie festgestellt, dass ich, wenn es um meine gefühle geht, ganz oft sehr im vagen bleibe, mich nebulös ausdrücke. das war eine erkenntnis, die mich wie ein blitz getroffen hat und sofort war mir klar, dass so keine analyse möglich ist. ihr unterbewusstsein hört mit, meinte meine therapeutin, also drücken sie sich gefälligst klar aus, sagte sie mit einem grinsen. und es stimmt einfach. ich habe dermaßen schwierigkeiten, mir meine gefühle bewusst zu machen und klar und deutlich über sie zu sprechen. kein wunder, dass ich oftmals in einer emotionalen sackgasse lande. bei mir bleiben. so einfach ist das. und so unendlich schwer zugleich.
so. und zum schluß noch ein kurzes chemie-résumee. ich habe heute zwar nicht so wahnsinnig viel gelernt, naja, ein paar stunden waren es schon, aber dafür sehr erfolgreich und intensiv. manchmal habe ich so sternstunden. heute wieder. innerhalb einer halben stunde hatte ich 15 aminosäuren im kopf. mit strukturformel, selbstredend. und zudem, ob sie neutral oder sauer oder alkalisch sind. ich kann endlose protein in ihre einzelnen aminosäuren zerpflücken und kann von 10 ohne probleme herbeten, zu was sie decarboxyliert werden sowie mühelos isoelektrische punkte ausrechen. aber da schließt sich der kreis. meine bisherigen lieblingskapitel waren amine und carbonsäuren, da passen die aminosäuren natürlich perfekt ins raster. was mich am meisten quält sind aldehyde und ketone. aber egal. auch diese reaktionen und strukturformeln werde ich mir innerhalb der nächsten sechs tage in den kopf klopfen. ich habe riesigen gefallen am auswendig lernen gefunden. das ist dermaßen einfach und entspannt und ich muss nichts danken. die grundlagen sitzen, und auf dieser basis lernt es sich einfach wundervoll auswendig. und genau das werde ich bis einschließlich nächsten freitag abend tun. und da ich ja beschlossen habe, nicht zur physikklausur anzutreten, wegen des auswahlgesprächs, fangen direkt nach der chemieklausur meine semesterferien an!
