grenzwandel

31.07.2009 um 08:06 Uhr

auf nach irland

von: grenzgaenger   Kategorie: irland

 

...adios...

30.07.2009 um 07:16 Uhr

harte schule

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

erste notarzterfahrung. gestern mit einer notärztin gefahren. der tag endete damit, dass der diensthabende kardiologe in der uniklinik die notfallbehandlung einstellte, nachdem der patient, der beim gymnastik machen röcheln umgefallen war, über eine stunde lang reanimiert worden und in die uniklinik verbracht worden war, um einen herzkatheter gelegt zu bekommen; nachdem aber beim zugang legen schon teilweise geronnenes blut aus seiner vene lief, sagte der kardiologe aus, ende, einstellen, das hat keinen sinn mehr. der patient war 67 jahre alt, kerngesund, nichtraucher und nichttrinker, sportler, gerade in rente gegangen. ich war die ganze zeit mit dabei, die notärztin hatte die tatsache, dass ich erst im dritten semester bin, gekonnt ignoriert und mich voll in die notfallbehandlung mit einbezogen, und zudem hat sie mich zeitweise abgestellt, um der ehefrau psychologisch beizustehen und sie am dekompensieren zu hindern. ein harter einstieg in die notfallmedizin, hart aber lehrreich. und zumindest weiß ich jetzt auch hier, dass ich alle voraussetzungen mitbringe, selbst irgendwann notarzteinsätze zu fahren. drittes semester, das soll man mir erstmal nachmachen. 

ach, und so ganz nebenbei hat mir der leitende notarzt eine dissertation angeboten.

28.07.2009 um 18:14 Uhr

was bleibt

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

in zwei wochen ist sie wieder hier, in vier wochen geht es weiter. zeit, darüber nachzudenken, wie die zeit verging, was ich gemacht und gelassen habe, wie es mir dabei ging und was bleibt.

am 19. mai habe ich sie zum letzten mal gesehen. sie gab mir die hand, schaute mich unendlich liebevoll an und sagte tschüs. ich habe mich nicht umgedreht, lief die treppe herunter und stand auf der straße. mit einem leisen klick fiel die tür hinter mir ins schloß; vor mir lagen drei monate und 12 tage ohne sie.

die ersten drei wochen wandelte ich weitgehend taub und gefühllos durch die welt, fühlte weder mich noch das leben, funktionierte. ich funktionierte und bekam alles erledigt, was anstand, uni, ersatztherepie und ich pflegte sogar den ein oder anderen sozialen kontakt, war unter leuten, nicht immer, aber ich zog mich nicht völlig zurück. ich der ersten sitzung der vertretungstherapie erzählte ich der therapeutin, dass meine werte frau psychoanalytikerin mir vor nicht allzulanger zeit mal den satz sie sind ihr körper mit auf den weg gegeben hatte, ich aber nichts damit anfangen könne. dieser satz sollte mich - uns - noch lange beschäftigen, bis heute. kbt. konzentrative bewegungstherapie. psychoanalytische ferienersatztherapie bei einer therapeutin, die ich aus der psychosomatik kenne und die ich sehr schätze. eine therapieform, die mit dem körper arbeitet, in der es um das sich wahrnehmen und sich fühlen geht, um authentizität, um körperbezogene emotionalität, um das sein. halleluja. und das mit mir, die das körpergefühl eines querschnittgelähmten ochsen hat. oder viel mehr hatte; ich schreibe aus heutiger sicht, nicht aus damaliger. wie dem auch sei. die zeit verging, ich lernte, ging zur kbt, ging aus, dachte an meine werte frau psychoanalytikerin und versuchte, mich mit ihrer abwesenheit zu arrangieren und langsam, ganz langsam wich diese taubheit. ich begann mich wahrzunehmen, zu fühlen, zu leben. meine therapeutin war zwar nicht anwesend, aber sie war auch nicht ganz weg, sie sollte wieder kommen und ich begriff. jemanden gehen lassen können ist etwas essentiell wichtiges, lebenswichtig. jemanden, den man liebt, ziehen zu lassen tut weh, aber es ist genauso wichtig, diese trauer, diesen schmerz wahrzunehmen, zu fühlen. er gehört zum leben, dieser schmerz ist ein teil von mir und er will seinen raum. je mehr ich diesen schmerz zuließ, desto mehr fühlte ich mich und desto mehr kam ich zu mir. und es stellten sich ruhe und gelassenheit ein, ich begann, mich ich sein zu lassen.

damit machten sich die ersten fortschritte in der kbt bemerkbar, immer öfter fand ich momente, positionen, gelegenheiten, in denen ich die arbeit meiner therapeutin annehmen, mitmachen und ihr nachspüren konnte. mein körper wurde wichtiger und langsam stellte sich ein freundlicher blick auf ihn ein. bisweilen unterbrochen von akuten ablehn- oder unlustanfällen, aber keiner dieser riss mich hinab in das schwarze loch, in dem ich schon so oft gesessen hatte. die ersatztherapeutin war geduldig, liebevoll und sanft und brachte mir nach und nach bei, zu vertrauen und berührungen zuzulassen. oft brach ich dabei in tränen aus, aber nicht ein einziges mal fühlten sich diese fehl am platz an; ganz im gegenteil, sie taten unendlich gut.

gleichzeitig lernte ich histologie, auf das zweite große testat, 14 themen, 100 präparate. ich genoß das lernen, das erarbeiten des stoffes anhand der präparate und lehrbücher, genau meine art, zu lernen. bilder und text, die sich miteinander verknüpfen lassen, struktur und funktion, hand in hand. ungefähr mitte juni stellte sich eine neue gefühlsqualität ein. meistens morgens, nachdem ich schon einige zeit am schreibtisch gesessen und gelernt hatte, überfiel mich diese völlige hilflosigkeit, das gefühl unendlicher einsamkeit, es machte mich denk- und handlungsunfähig und ließ mich verstummen. ich saß am schreibtisch und starrte aus dem fenster und die zeit verstrich, ohne dass ich in der lage gewesen wäre, irgendetwas zu tun. es machte mir angst, angst, dass sich unbemerkt die depressionen und die letharie wieder eingeschlichen hatten, obwohl irgendetwas anders war als sonst. nach dem vierten mal wollte ich nicht mehr, wollte nicht mehr warten und möglicherweise hilflos in die katastrophe schlittern und rief meinen vertretungspsychodoc an. wie immer in solchen fällen fackelte er nicht lange und bestellte mich zum notfalltermin ein. da saß ich dann, völlig in mich zurückgezogen, hilf- und haltlos und er schaute mich an, wie er das immer tat und stellte seine obligatorische frage 'was ist mit ihnen'? ich versuchte, es ihm zu erklären, fand aber kaum die richtigen worte. und doch verstand er und fragte nur, wie alt ich mich denn in diesen momenten, jetzt, fühle. wie schuppen fiel es mir da von den augen, klein fühlte ich mich, winzig, und jung, ganz jung, wie ein kleines kind. und was macht man mit kleinen kindern, wenn sie sich so fühlen, wollte er wissen? in den arm nehmen, man nimmt sie in den arm. dann machen sie das, nehmen sie sich in den arm, oder ein stofftier, kümmern sie sich um das kleine kind in ihnen, hören sie ihm zu, sorgen sie für es. es ist ein teil von ihnen und es braucht aufmerksamkeit. und damit brachte er eine emotionale lawine ins rollen, denn ich tat, was er sagte, was ich schon lange gefühlt aber ignoriert hatte. ich begann, dem kind zuzuhören und kümmerte mich um es, gab ihm seinen raum, ließ es sein und versuchte nicht länger, es mit der erwachsenen frau zu kompensieren, die in diesen momenten sowieso nicht vorhanden war. und seit dem fühle ich noch mehr, fühle mich, fühle mich vollständig, als hätte ich einen lange lange vermissten teil meiner endlich wiedergefunden. das kind war zurück, und mir ging es auf einmal gut. wann immer sich das kind nun bemerkbar macht, höre ich ihm zu, lasse alles stehen und liegen und versuche, ihm gerecht zu werden. das hat zur folge, dass ich momentan ohne meinen stoffeisbär hannes nicht einschlafen kann, er muss in meinem arm liegen, nur dann kann ich beruhigt die augen zumachen, fühle mich beschützt und kann schlafen. ganz oft träume ich kinderträume, letzte nacht habe ich eine legoburg gebaut, und es fühlt sich richtig an. und auch hier wieder: je mehr ich zu mir finde, desto ruhiger und gelassener bin ich, das bin ich, bin von natur aus ein ruhiger und gelassener mensch, der eben diese eigenschaften viel zu lange kompensiert und durch antrainierte stereotype untergraben hatte.

es gibt immer wieder momente, in denen von ruhe und gelassenheit keine spur ist, aber all diese momente dauern nicht mehr so lange, gehen vorbei, wie sie gekommen sind, wenn ich auf mich höre, versuche, meine gefühle und bedürfnisse wahrzunehmen und danach zu handeln. 

...t.b.c.

22.07.2009 um 21:30 Uhr

kbt vs. psychoanalyse

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

ich habe eine großartige ersatztherapeutin. hinzu kommt, dass ich mit der von ihr praktizierten therapieform - der konzentrativen bewegungstherapie (kbt) - besser zurecht komme, als mit der analyse. am meisten schwierigkeiten macht mir die klassische analysesituation und die tatsache, dass ich liege und meine therapeutin hinter mir sitzt; das hatte bisher oftmals zur folge, dass ich mich klein und ihr unterlegen fühlte und mich quasi in konkurrenz zu ihr betrachtete. so stand ich mir nicht selten selber im weg und verhinderte jeglichen analytischen gedankengang. in der kbt ist das anders, wir bewegen uns im ganzen raum, barfuß, sitzen, liegen, stehen, wie es mir gerade passt, oder ihr, oder beiden. momentan arbeiten wir vor allem liegend, oder vielmehr, ich liege, sie sitzt, und zwar auf dem boden. ich habe den selben großen respekt vor ihr wie vor meiner heißgeliebten frau dr. psychoanalytikerin, aber irgend etwas ist dennoch anders. vielleicht die tatsache, dass sehr viel mehr körperkontakt stattfindet. letztens nahm sie mich einfach in den arm, als ich mich weinend klein und verloren und einsam fühlte und ließ mich weinen und hielt mich fest. heute bin ich ihr spontan in den arm gefallen, als ich reinkam, sie mitten im zimmer stand und ich so glücklich darüber war, dass das semester erfolgreich zu ende gegangen ist. und sie? hat mich wieder einfach festgehalten, hatte mich im arm und es war deutlich, dass es von herzen kam. das ist bei madame psychoanalytikerin völlig anders. sie ist und bleibt - notwendigerweise - auf distanz, mehr als hand geben ist nicht. die frau ist ein wandelndes geheimnis - naja, mittlerweile nicht mehr ganz - aber sie ist unnahbar, auch wenn ich merke, dass ihr das bisweilen schwer fällt. naja, auf jeden fall schrieb ich der kbt-therapeutin vorhin eine mail, in der ich dieses thema aufgriff und meinte, ich würde da gerne mal im rahmen der therapie draufschauen, quasi aus kbt-perspektive. keine 30 sekunden später hatte ich ne antwort, klar, machen wir. und nun bin ich gespannt, was das gibt. aus kbt-perspektive auf die psychoanalytische situation schauen. ich bin gespannt.

21.07.2009 um 16:55 Uhr

...

oh. my. god.

ich habe mich gerade unsterblich verliebt. in diesen song:

20.07.2009 um 09:40 Uhr

medizinstudenten am wochenende

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

man sollte uns festbinden. auf jeden fall unter aufsicht stellen, an den wochenenden. medizinstudenten unter sich, auf dem balkon der studentenwohnsiedlung, beim herrn kollegen. eigentlich waren wir nur auf einen kaffee verabredet, hatten uns quasi das ganze semester über kaum gesehen, weil völlig unterschiedliches programm. ich vor allem in der anatomie, physiologie und biochemie zugange, der kollege beim materialkurs. gestern haben wir uns dann wiedergesehen, auf seinem balkon, in der kult mediziner-studi-wg. wie gesagt, wir wollten nur kaffee trinken, herausgekommen ist ein 8-stündiger, zum kugeln witziger und forschungsintensiver mediziner-selbsterfahrungs-praxis-nachmittag. wir sitzen auf dem balkon, updaten uns gegenseitig über die neusten gerüchte, verpaarungen, durchfaller, etc. irgendwann meint der kollege, man könne ja mal wieder blutabnehmen üben. großartige idee. material? fehlanzeige. das internet spuckte sogleich die diensthabende apotheke aus, die glücklicherweise um die ecke lag. anruf, nachfrage, ob 0,6er butterflies und 2ml -pritzen vorhanden sind. auf ein etwas verwundertes ja, aber sicher seitens des apothekers also ab in die latschen und aus dem haus, apotheke überfallen gehen. durch die notdienstluke also sammelbestellung aufgegeben, butterflies und spritzen, den fragenden blick der apothekenhelferin gekonnt ignorierend. das macht also 8,90 euro. ääähhh, grenzi, gib mir bitte noch 3,90, ich hab nicht genügend kohle. ähhh, kollege m., ich hab nur noch 2 euro klein. im chor...ähhh...kriegen wir das zeug auch für 7 euro...???...kurze nachfrage beim apotheker, ok, und wir konnten mit einem haufen kanülen und spritzen für 7 euro statt für 8,90 beglückt wieder gen studi-balkon abziehen. auf dem balkon angekommen, desinfektionsmittel und pads auf dem weg dahin noch aus dem bad geschnappt, auf dem tisch deponiert...m. ich muss erstmal eine rauchen (die erste schachtel hatten wir zu diesem zeitpunkt schon gekillt). und dann gings auch schon los. gscheite gefäße suchen, was bei kollege m. als durchtrainiertem sportler weniger das problem war, meine waren gestern irgendwie nicht in blutabnehmlaune. egal. gesucht, gestochen, abgezapft. und nochmal. anderes gefäß. diesmal an der hand, beim kollege am anderen arm, dann bei mir am fuß, bei ihm an der hand. und so ging das dann. rauchenderweise saßen wir irgendwann da und begutachteten unsere ausbeute, eine handvoll spritzen, gefüllt mit wunderschönem venösen blut. sachmal, weißte was, wir machen hier jetzt mal angewandte immunologische forschung, meinte ich irgendwann, gib mir mal eine spritze mit deinem und eine mit meinem blut. wir mischen das jetzt und schauen, ob das wirklich verklumpt. gesagt, getan, und fasziniert saßen wir eine ganze weile über dem in einer spritze gemischten blut und versuchten, die pathologie dieses gemischs zu analysieren. es tat sich nichts und wir freuten uns schon auf den nobelpreis für die entdeckung, dass man blut unterschiedlicher blutgruppen eben doch problemlos mischen kann, von wegen verklumpung. alles easy. über die nächsten kaffees und zigarretten vergaßen wir die spritze mit unserer nobelpreisverdächtigen entdeckung, bis der kollege irgendwann meinte, lass nochmal schauen. und...tjahmmm...was soll man sagen. mit dem gemisch, das sich in der spritze befand, hätte man spätestens jetzt risse in der wand flicken können. eine einzige zähe pampe, viskosität gleich null, farbe pathologisch ungesund. scheiße. das mit dem nobelpreis wird so schnell wohl nichts. naja. inzwischen war es abend, die zweite runde abzapfen stand an, weil umsonst wollte man die kanülen und spritzen ja auch nicht - verbilligt - gekauft haben. nachdem die zweite runde etwas weniger erfolgreich verlief, weil unsere gefäße überhaupt kein bock mehr hatten und eines nach dem anderen zu gemacht hatte, ließen wir es dann auch dabei bewenden, spazierten erneut zur tankstelle, deckten uns mit allem möglichen ein, kochten dann nudeln mit pesto und ließen es uns bis mitternacht auf dem balkon im kerzenschein gutgehen.

ich sags ja. man sollte uns anbinden. meine venen haben sich bedankt und den ein oder anderen blauen fleck produziert, der mich noch eine weile an diesen denkwürdigen nachmittag erinnern wird. 

18.07.2009 um 21:30 Uhr

2. semester - fazit

oh mann. so langsam setzt sich bei mir die erkenntnis, dass das zweite semester auch rum ist. schön war's, wenn auch anstrengend. ich habe nachgezählt, es waren ganze 9 leistungsnachweise, neun. das ist ne menge.

im gegensatz zum ersten semester, das definitiv ein sprung ins kalte wasser war, war das zweite deutlich medizinischer und hat daher auch viel mehr spaß gemacht. und zudem hatte ich kaum mehr zweifel, irgendetwas nicht zu bestehen - ok, von der relativ unvorbereitet geschriebenen physikklausur heute mal abgesehen. ich kann es noch gar nicht glauben: fehler- und fehlerrechnung, mechanik, struktur der materie, wärmelehre, e-lehre, optik, schwingungen und wellen und radioaktivität...das war schon eine glanzleistung. minimaler aufwand, unterm strich habe ich ganze zweieinhalb tage gerechnet, maximaler erfolg. ein teil war gekonnt gerechnet, ein teil unkonventionell-logisch erschlossen, ein teil mit gefährlichem halbwissen ab- und hergeleitet und ein klein bisschen richtig gut geraten. aber das ist der vorteil vom multiple choice. sobald man eine antwort definitiv als richtig oder falsch erkennt, kann man oft so gut nach dem ausschlußprinzip arbeiten, dass nur noch eine antwort übrig bleibt. und das ist dann auch in aller regel die richtige. aber das scheinen viele meiner kommilitonen noch nicht begriffen zu haben. die haben teilweise wochenlang theorie gelernt und gerechnet und sind gnadenlos durchgeflogen. naja, ich muss aber sagen, ich hatte schon auch einfach glück und ganz offensichtlich mut zur richtigen lücke. und zudem haben wir während der klausur auch recht ungeniert kommuniziert und ergebnisse abgeglichen. das war schon insgesamt ein erlebnis für sich. 

der histologiekurs - zwei tage à jeweils knapp drei stunden pro woche, 20 themen und 150 präparate, war unglaublich anstrengend, vor allem das mikroskopieren, aber absolut interessant und hat die medizinische perspektive enorm erweitert. es ist ein riesiger unterschied, ob man weiß, dass es ein organ gibt und wie es makroskopisch aussieht und seine lage kennt, oder ob man es in all seinen einzelnen zellen benennen, beschreiben und in (s)einen größeren kontext einordnen kann. damit geht ein völlig anderes verständnis des menschlichen körpers/systems einher, ein erfahrung, bzw. wissen, die bzw. das - notwendigerweise natürlich - absolut erforderlich ist, das ich aber auch in all seinen einzelheiten definitiv nicht missen möchte. alleine die erfahrung, sich dieses wissen anhand der präparate und der lehrbücher zu erarbeiten, sucht ihresgleichen.

das seminar molekulare medizin war ganz interessant (mein parkinsonreferat laut kommilitonen und seminarleiter sensationell), physiologie eher mäßig, was aber eher an der art der stoffvermittlung lag als am stoff selber, und biochemie war auch ok. insgesamt ist der einstieg in die beiden großen fächer biochemie und physiologie gelungen und lässt raum zur hoffnung, dass es vielleicht hoffentlich eventuell doch nicht ganz so knüppelhart wird, wie es immer heißt. das wird sich zeigen.

der blockkurs psychologie, in dem es vor allem um die arzt-patienten-beziehung in theorie und praxis ging, war große klasse. der dozent, ein knapp 40-jähriger, extrem smarter medizinpsychologe hat sich selbst übertroffen und unserer gruppe ein tolles, lustiges, lernintensives, informatives und weiterbringendes seminar beschert, und auch die arzt-patientengespräche mit theaterschauspielern waren absolut gelungen.

das wahlfach neurochirurgie war ebenfalls ein volltreffer, meine intuition ende letzten semesters, dieses wahlfach, und nur dieses haben zu wollen, war goldrichtig. ich bin ihr gefolgt, habe priorität 1 für neurochirurgie angegeben, es bekommen, und damit möglicherweise auch eine zukunftsweisende entscheidung getroffen. das seminar hat spaß gemacht, einziger, naja, ich will nicht ungerecht sein, wehrmutstropfen kann man nicht sagen, aber irgendwie doch, aber egal, waren meine mit-wahlfachkommilitonen. nicht, weil sie desinteressiert gewesen wären, nein, überhaupt nicht, aber sie waren einfach durch die bank weg saujung, teilweise gerade mal 19 oder 20 jahre alt und hatten dementsprchend keine bis kaum erfahrung mit referaten, etc. aber das kann man ihnen kaum vorwerfen. egal. ich habe, wie so oft, einen besseren draht zu den beiden dozentinnen gehabt, einer neurologin und der bereits ausführlich erwähnten geschäftsführenden oberärztin der neurochirurgie, als zu meinen kommilitonen, was, zumindest bezüglich der oberärztin absolut auf sympathischster gegenseitigkeit beruht hat. das wahlfach ist die einzige note der vorklinik, die mit in die physikumsnote eingeht - es wird bis zum physikum ja auch weiter nichts benotet, alles was zählt ist bestanden oder eben nicht - und ich denke, ich kann mehr als zufrieden sein. ein sehr gut, kontakte, die gold wert sind, eine kurzfamulatur in der neuroradiologie übernächste woche bei der chefin der neuroradiologie und eine oberärztin, die mich jederzeit wieder in den op mitnimmt (hallo, halloho, ich bin zweitsemester...aber das scheint die herrschaften durch die bank weg nicht zu interessieren. ich muss talent haben, anders kann ich mir das nicht erklären).

ich bin mehr als glücklich und zufrieden mit diesem semester und werde jetzt erstmal - ganz beruhigt, stolz auf mich und gelassen - 24 stunden am stück schlafen. 

18.07.2009 um 13:54 Uhr

vorbei

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

aaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh.

ich hab gerade physik bestanden!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! mit 26 von 30 punkten!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

die ergebnisse wurden direkt nach der klausur ausgehängt........................

17.07.2009 um 20:25 Uhr

einschneidendes erlebnis

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

liebe frau dr. psychoanalytikerin,

ich habe das bedürfnis, ein für mich ganz ein'schneidendes' erlebnis mit ihnen zu teilen.

heute hat meine 'op-karriere' begonnen. die geschäftsführende oberärztin der neurochirurgie hatte mich zu einer hirnmetastasen-op mitgenommen, ich war von anfang bis ende dabei, fünf stunden. vom sterilen abdecken, über haare rasieren, schnitt setzen, schädel aufsägen, metastasen entfernen, zunähen. ich stand die meiste zeit hinter ihr und konnte ihr über die schulter gucken, während sie operierte und mir gleichzeitig erklärte und meine fragen beantwortete. und, ja, was soll ich sagen?

ich hatte bisher keinerlei zweifel an meiner entscheidung, medizin zu studieren, nicht im geringsten, aber seit heute weiß ich, dass ich endgültig angekommen bin. ich habe mich in der op-kleidung, im op, zu hause gefühlt und mich dort bewegt, als hätte ich noch nie etwas anderes gemacht. es hat sich völlig natürlich angefühlt, wie eine umgebung, die ich kenne und liebe, zu der ich gehöre und die zu mir gehört.

eine op in büchern oder im fernsehen zu sehen, ist das eine. live bei einer dabeizusein, das andere. ich war gespannt, ob ich es tatsächlich aushalte, das alles aus nächster nähe zu sehen, beim schnitt zuzusehen, beim gang durchs gehirn, beim herausschneiden der metastasen. ich hatte die patientin gesehen, bei der einleitung der narkose, wusste also, wie sie aussieht, kannte ihre patientendaten. aber sobald sie komplett abgedeckt und nur noch das zu eröffnende op-feld frei war, war die gesamte situation auf eben dieses op-feld reduziert. ich hatte ein system - den noch geschlossenen schädel mit dem gehirn - vor mir, ein system mit einem fehler, den es zu beheben galt. alles weitere, die patientin, ihre geschichte, waren ausgeblendet. und daher waren weder der riesige schnitt von ohr zu ohr, kurz hinter der haarlinie, noch das abziehen der haut bis kurz vor die augen und das umklappen eben jener über das abgedeckte gesicht, geschweige denn das eröffnen des schädels, ein problem.

danach wurde die harte hirnhaut - die dura mater - aufgeschnitten und ebenfalls zurückgeklappt, und dann konnte man auch schon auf die freigelegte oberfläche des gehirns, genauer der frontallappen, blicken.

der anblick eines menschlichen gehirns ist etwas unglaublich eindrückliches. es pulsiert mit dem herzschlag und strahlt eine ruhe und eine schönheit aus, wie ich sie bisher noch nicht gesehen habe.

ganz anders die erste metastase. ein melanom, das relativ oberflächlich lag und, da es schwarz war, sich deutlich vom umgebenden gehirngewebe abhob. ich habe heute meine definition von 'abgrundtief hässlich' gefunden; abgrundtief hässlich und bedrohlich wie kaum etwas.

das herausschneiden war feinstarbeit. die zwei anderen lagen tiefer im hirn, und die beiden operateure brauchten eine knappe halbe stunde, bis sie sich entlang der falx cerebri, also der bindegewebig bedeckten furche zwischen beiden hirnhälften, bis zu ihnen vorgearbeitet hatten. das herauslösen der beiden metastasen dauerte dann auch relativ lange, da sie, im gegensatz zur durch die bestrahlung nekrotisch gewordenen ersten, gut vaskularisiert, gefäßversorgt, waren und daher stark geblutet haben.

die beiden operierenden saßen, ich stand die ganze zeit hinter ihr, bzw. ihnen, fast fünf stunden lang, in höchster konzentration. ich habe das op-feld selber im blick gehabt, den monitor, auf den der ganze vorgang übertragen wurde, es wurde ja mit op-mikroskop operiert, habe den erklärungen der oberärztin gelauscht und hatte ununterbrochen fragen, die sie mir alle ausführlich beantwortet hat. eine art der konzentration, die eine ganz andere ist als zum beispiel beim lernen. aber die fünf stunden waren nicht eine minute lang ein problem; ich habe es noch nie geschafft, fünf stunden am stück zu lernen.  auch eine erfahrung, mit der ich so nicht gerechnet hätte aber glücklich darüber bin, sie gemacht zu haben.

das angebot, jederzeit wieder mit dabei sein zu dürfen, habe ich dankend angenommen und es könnte passieren, dass mich die neurochirurgie nicht mehr loslässt. ich war 13, als ich das erste mal gesagt habe, dass ich ärztin werden will. und was genau wollte ich werden? neurochirurgin. heute hat sich also ein kreis geschlossen und ich fühle mich so vollständig und so im reinen mit mir wie noch nie zuvor.

17.07.2009 um 17:09 Uhr

ein denkwürdiger tag

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

heute hat meine op-karriere begonnen. zusammen mit der geschäftsführenden oberärztin der neurochirurgie und ihrem assistenten war ich im op, bei einer hirnmetastasenoperation mit dabei. was soll ich sagen? ich habe blut geleckt. und ich weiß, dass ich genau das richtige tue, die beste entscheidung meines bisherigen lebens getroffen habe als ich beschloss, einen schlußstrich zu ziehen und doch noch medizin zu studieren. ich habe zwar schon viel gemacht, aber ich kann mir nichts anderes vorstellen, als als ärztin zu arbeiten. in welchem bereich, das wird sich zeigen, herauskristalliesieren aus einer kleinen aber feinen auswahl. neurofächer stehen mit auf der liste. ich bin gespannt und freue mich darauf zu sehen, wie sich meine medizinische laufbahn weiter entwickelt.

jetzt sind erstmal semesterferien. naja, noch nicht ganz. aber so gut wie. bezüglich der klausur morgen schwanke ich, ob ich überhaupt hingehen soll. ich hatte so gut wie keine zeit, darauf zu lernen und werde sie - als erste klausur meines lebens - wohl nicht bestehen. aber ich habe beschlossen, dass das nicht schlimm ist. nächster termin ist der 28. september, genügend zeit also, in ruhe zu lernen. aber jetzt muss ich noch ein bisschen in mich gehen, nachdenken.

10.07.2009 um 20:04 Uhr

ausklang

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

so langsam kehrt ruhe ein. im kopf, im magen, in den intraperitonealen eingeweihden. histo ist bestanden, ich habe die zellen besiegt. es war eine schöne, entspannte und ruhige prüfung und ich wusste dinge, die mein prüfer nicht wusste. einen großteil des stoffes habe ich durchs kurzzeitgedächtnis hindurch ins langzeitgedächtnis geschleust, so schnell werde ich vieles also nicht wieder vergessen. und das ist gut so, so wollte ich das. dafür hat sich der marathon gelohnt.

und auch sonst wird es ruhiger. der bisher wichtigste test meines lebens war negativ, gottseidank. letztendlich wäre ich nicht bereit gewesen, muss ich doch erst einmal mit mir selber klarkommen, für mich sorgen, verantwortung für mich und das kleine kind in mir übernehmen. alles andere hat zeit. eine wichtige grenze habe ich gezogen, ich habe distanz geschaffen, und das tut mir ebenfalls gut.

heute habe ich pause gemacht, nachdem ich heute morgen am schreibtisch saß und feststellen musste, dass mein kopf nicht bereit ist, schon wieder denkarbeit zu leisten. viel geschlafen und nachgedacht, und heute mittag war ich shoppen. lauter dinge, die kein mensch braucht, die mich aber alle berührt haben, als ich sie sah: ein schutzengel-armband mit glöckchen, ein holzkreisel, eine badewannen-quietscheente und eine wunderschöne kleine, filigrane keramikschale. die bekommt meine ersatztherapeutin, denn als ich diese schale sah, musste ich sofort an sie denken. der kühlschrank ist voll mit milchreis und pepsi light, der abend und das wochenende können kommen. und so ganz nebenbei nehmen meine urlaubsplanungen form an. ich brauche ganz dringend stadtkarten von dublin und belfast, die werde ich nächste woche besorgen, und natürlich den entsprechenden lonley planet. ich freue mich so sehr auf diese 8 tage in der ferne. ich werde im hafen von dublin sitzen und aufs meer schauen, werde in den straßen belfasts auf den spuren der ira wandeln, und ich werde shoppen gehen. außerdem wollte ich noch eine mail ans management von u2 schreiben, ob die jungs nicht lust haben, mit mir einen kaffee trinken zu gehen, wenn ich schon mal da bin.

dem kleinen kind in mir habe ich heute viel zeit gewidmet, und es hat sich darüber gefreut. es fängt langsam an, vertrauen zu fassen und ich habe immer weniger angst, seine gefühle zuzulassen und zu spüren. ich fühle mich vollständiger denn je und weich. so weich wie noch nie in meinem leben, aber ich fühle, das bin ich. und es geht mir so gut damit. 

08.07.2009 um 11:20 Uhr

sieg...

von: grenzgaenger   Kategorie: anatomisches

 

...über tonsilla palatina und auge. 2:0 für mich.