grenzwandel

31.12.2009 um 21:36 Uhr

jahresrückblick 2009

von: grenzgaenger   Kategorie: blick zurück

so. nun sitze ich also hier, am abend des letzten tages dieses jahres, 2009. ich habe noch den kommilitonen c. vom bahnhof abgeholt, wir haben kaffee getrunken und noch ein bisschen gequatscht und jetzt bin ich wieder hier, bei mir. zu hause. ich habe alles abgesagt und werde alleine bleiben. nicht aus sozialphobischen stimmungstendenzen heraus, nein, es geht mir gut, aber ich will alleine sein. ich will dieses jahr alleine beenden und das neue alleine anfangen. bei mir, mit mir, ruhig und gelassen.

es war ein aufregendes jahr, das ist mir gestern in der kbt nochmal bewusst geworden. ich habe mit symbolen dieses vergangene jahr gelegt, und eine vorschau auf das nächste gewagt. die grundstimmung und tendenzen bezüglich beiden war ganz eindeutig. 2009 war aufregend, es war ein hoch und runter, bisweilen extrem, ich war wütend, habe getreten und abgewehrt, war weich und kopflos, bisweilen auch hilflos und gefühlt alleine, und dann immer wieder wieder bei mir, überlegt, ruhig und gelassen. mein fazit war die aus lauter verschlungenen weidenzweigen erschaffene kugel. bewegt, verschlungen, aber rund. 

ich habe eine menge geschafft dieses jahr. und ich bin stolz auf mich. aber fangen wir vorne an. 

es war mein nunmehr zweites jahr im medizinstudium, 2008 begonnen, immer noch dabei. es war meine entscheidung, meine ganz alleinige entscheidung, einen schlußstrich zu ziehen um endlich das zu tun, was ich tun wollte, seit ich tun wollen kann. medizin studieren, ärztin werden. der umweg war notwendig, um letztendlich da anzukommen, wo ich immer hinwollte. auf dem weg zu mir (in diesem fall beruflich). und das bin ich. ich habe zum ersten mal in meinem leben das gefühl, angekommen zu sein, da angekommen zu sein in meinem (beruflichen) leben, wo ich irgendwann angekommen sein wollte. ich liebe dieses studium und ich genieße - trotz aller zu lernenden berge - jede minute.

angefangen hat dieses jahr mit chemielernen. war hart, seit 14 jahren kein chemie mehr gehabt, aber interessant und nach einer ersten hängepartie lief das auch, ebenso die abschlußklausur. im februar dann die wiederaufnahme als stipendiatin ins studienwerk mit abgesicherter vollförderung bis 2015. bedeutet: keinerlei finanziellen engpässe bis zum ende meines studiums, inklusive pj. highlight des ersten quartals. definitiv. weiter gings mit histologie, dann mit biologie in den ferien, erstes histotestat, histo teil 2, seminare physiologie, biochemie und molekulare medizin mit referaten und abfragerunden, sowie mit meinem wahlfach neurochirurgie und dem histotestat 2, und vor den sommersemesterferien dann noch physikklausur. abgeräumt hab ich in physik, gnadenlos, mit genau zwei tagen vorbereitung. am tag vor dieser klausur war ich sogar noch mit im op, bei einer gehirntumoroperation, die mich sehr sehr beeindruckt hat. wie dem auch sei, physik bestanden, sommersemester erfolgreich beendet.

was blieb, waren das gefühl, das richtige zu tun und die erinnerung an zwei extreme ereignisse. zum einen der psychiatrische notfall der (damals noch) befreundeten kommilitonin, anfang juli. psychose, dissoziation, notarzt, polizei, psychiatrie. und ich mitten drin, darum bemüht, das allerschlimmste zu verhindern, nämlich dass sie fixiert und angebunden und so abtransportiert werden muss. ist mir gelungen - kunststück, ich war die einzige, die sie in ihre nähe gelassen hat, ohne auszurasten. ich hatte sie gefühlte stunden im arm, habe, wie auch immer, mit ihr kommuniziert, bin im notarztwagen mit in die psychatrie 1, um dort von einer etwas überforderten assistenzärztin gefragt zu werden, was wir denn jetzt tun sollen; jetzt weiß ich wenigstens wie es sich wirklich anfühlt wenn man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. nämlich genau so. treffender lässt sich dieses gefühl nicht beschreiben. wie dem auch sei, in der psychiatrie 1 war kein bett frei, es ging also weiter in die psychiatrie 2, 25 km entfernt. es war ein act, madame in den krankentransport zu verfrachten und es hat mich einen großteil meiner restlichen kräfte gekostet, das zu vollbringen. wieder bin ich mitgefahren, mittlerweile waren dann auch ihre eltern unterwegs, die immer wieder bei mir auf dem handy anriefen und nach dem zwischenstand fragten. angekommen, madame irgendwie - und wenn ich irgendwie sage, dann meine ich das in diesem fall auch so - in die aufnahme gebracht, sie war mittlerweile hochgradigst dissoziiert, nicht mehr anwesend, konnte kaum mehr laufen. lange rede, kurzer sinn. als dann nochmal fast zwei stunden später ihre eltern kamen und mir ihre mutter erst mal weinend in den arm fiel, war ich dann endgültig am ende meiner kräfte angekommen. ich habe keine ahnung, wie ich es geschafft habe, immer noch zu funktionieren, ihre mutter zu trösten, dem gerade gekommenen nachtdienst noch ein paar nachgefragte infos zu geben, meine heimfahrt zu organisieren, auf den beinen und bei all dem vor allem bei mir zu bleiben. ist mir gelungen, sehr gut sogar. ich war zwar am nächsten tag, einem samstag, völlig erledigt, brauchte ruhe, das erstmal alles zu verarbeiten, aber trotz allem war ich relativ ruhig und gelassen und habe mich nicht aus den augen verloren. zu jeder minute war mir klar, was ich fühle, wie es mir geht und dass es unglaublich wichtig ist, genau das nicht aus den augen zu verlieren.

das zweite  erlebnis war der tag mit den hiesigen notärzten, die ich begleitet habe, ein tag, der mit einem krassen einsatz und dem tod des patienten endete. ich war die ganze zeit mit eingebunden in die lebensrettenden maßnahmen, die notärztin hat mir anweisungen gegeben und ich habe sie mit einer traumwandlerischen sicherheit ausgeführt. beatmet, gepumpt, rhythmuskontrolle, adrenalin gespritzt, all das, was man als notärztin so macht und nebenbei auch noch der ehefrau tröstend zur seite getanden, mit eingepackt und in die klinik gefahren. die abschiedsworte der notärztin werde ich wohl nicht mehr vergessen: frau grenzi, ich habe noch nie eine anfängerin so professionell arbeiten sehen. ich stand die ganze zeit zwei meter neben mir, aber mit einem messerscharf und glasklar funktionierenden verstand, als würde ich seit jahren nichts anderes machen, als menschen das leben zu retten (oder, wie in diesem fall, auch nicht). jeder handgriff saß, keine emotionale regung, funktioniert auf professionellem niveau. das war die erste richtige, professionelle bestätigung, dass ich genau das richtige tue. ich kann es, kann unter extrembedingungen klar denken und funktionieren, eben genau das, was eine angehende anästhesistin, notfall- und intensivmedizinerin können sollte, bei aller vorhandenen menschlichkeit.

zwei wochen im sommer habe ich nichts getan, war sogar mal wieder im urlaub, in dublin und habe ein bisschen freie zeit genossen. gegen ende august ging es mit dem lernen dann aber schon wieder los, das präppkurseingangstestat stand an, anfang oktober, ein berg zu lernen. außerdem die psychologieklausur, direkt eine woche danach. und nun, ja, bin ich mitten im dritten semester. auf dem stundenplan stehen physiologie, biochemie und anatomie, von allem die volle dröhnung. vor allem anatomie. insgesamt 5 testate, zwei sind rum, bestanden, aber die drei schwersten und umfangreichsten stehen noch an. ich habe noch nie in meinem leben so viel in so kurzer zeit gelernt. ich muss zugeben, bisweilen bringt mich das an den rand meiner kräfte, physisch wie psychisch, permanenter druck, die angst, es nicht zu schaffen, permanent übermüdet und an den grenzen meiner aufnahmefähigkeit. aber so anstrenged das auch ist: ich mache es gerne, und gut; und das hat schon so seinen ganz eigenen reiz, diese andauernde extremsituation. mein gott was bin ich froh, dass ich trotz allem relativ stressresistent bin. ich arbeite seit wochen durch, ohne mal einen tag pause am wochenende, teilweise 12, 13 stunden am tag und direkt vor den testaten auch länger. aber sogar daran gewöhnt man sich, denn wo ich früher nach solchen lernexzessen drei tage oder noch länger gebraucht habe, reichen mittlerweile ein paar stunden ruhe, um mich zu erholen, um weitermachen zu können. ich meine, ewig möchte ich das so nicht haben, aber das dritte semester ist das heftigste, aber auch das wird vorbei gehen. und als ärztin werde ich nun auch nicht gerade einen 9 to 5 job haben, vor allem nicht als notfall- und intensivmedizinerin, das ist arbeit am limit. aber das paast zu mir, ich bin auch ein extremer mensch, weit entfernt vom durchschnitt.

und trotz allen stresses habe ich doch meine ruhe und gelassenheit (wieder-)gefunden und ein gefühl der inneren sicherheit, ein gefühl, das ich so lange nicht hatte, nicht kannte. ich hatte viel stress, ja, aber ich habe immer wieder zu mir zurückgefunden, habe mich nie ganz aus den augen verloren, habe für mich gesorgt und auf mich aufgepasst, mal mehr, manchmal auch weniger, mal bewusster, mal weniger bewusst, aber dennoch immer irgendwie.

und neben allen lernens und der uni habe ich weiterhin an mir selber gearbeitet, dreimal in der woche auf der couch, bei meiner geliebten werten frau dr. psychoanalytikerin, und zwischen den couchsitzungen alleine mit mir. und es hat sich dieses jahr so vieles getan, so vieles. ich glaube, das war das wichtigste therapiejahr. das erste mal ist mir wirklich aufgefallen, dieses jahr, dass da eine ganz große ruhe und gelassenheit in mir ist, die ich bis dato so noch nicht wahrgenommen hatte. bei aller aufgeregtheit, bei allem stimmungsschwanken und bei allem pendeln, da ist ruhe in mir, ruhe und gelassenheit, ein teil von mir, der seinen platz haben will und mittlerweile auch bekommt. die wichtigste erkenntnis diesbezüglich war das wahrnehmen des kleinen kindes in mir, die beschäftigung mit ihm, ihm zuhören und es ernst nehmen, das zu wollen und es auch zu können. seit dem hat es seinen platz, das kind, und wenn es etwas will, dann höre ich ihm zu und kümmere mich um mich. dieses kind ist ein ganz ganz wichtiger teil von mir, ein teil, den ich lange verdrängt und verleugnet hatte. kein wunder, dass es bisweilen vehement versucht hatte, sich bemerkbar zu machen. jetzt darf es sein, hat seinen platz, und ich nehme eswahr und an. und das schönste: es steht nicht im gegensatz zu der erwachsenen frau dr. grenzi, die ich eben auch bin, und es steht auch nicht im gegensatz zu all dem, was die erwachsene frau dr. tut, manchmal tun muss, zu dem, was zum erwachsensein eben dazugehört. verantwortung zu übernehmen, allen voran für mich. das geht, es geht beides. seit ich das herausgefunden habe und es praktiziere, geht es mir so viel besser. die ganze ruhe und gelassenheit, die braucht als basis nicht nur die erwachsene, sie braucht eben auch das kind; das kind, das mit großen kinderaugen neugierig in die welt blick, träumt, im jetzt lebt, aber manchmal eben auch bockig oder traurig ist. es ist ein teil von mir. das bin ich. ich.

die zweite wichtige erkenntnis war, dass ich auf eigenen beinen stehen kann. manchmal etwas wackelig, aber manchmal, immer öfter, eben auch fest auf beiden, auf meinen beinen. da ist ein halt in mir, tief innen drin, an dem ich mich festhalten kann. manchmal nehme ich ihn nicht wahr, diesen halt, aber immer wieder ist es mir gelungen, ihn wiederzufinden. ich hatte auch meine schwankungen, und das ein oder andere mal bin ich auch abgestürzt, in das loch, die dunkelheit, die unsicher-, halt- und hilflosigkeit. ja. bin ich. aber nie bin ich so tief gefallen, dass ich nicht wieder alleine hätte aufstehen können. ok., einige wenige male war ich auch beim vertretungspsychodok, vor allem im sommer, als die werte frau dr. psychoanalytikerin in fernen gefilden weilte, und einmal auch nach dem therapieende, vor einigen wochen. aber mir war klar, dass eben dieser schritt zum doc ein teil des wiederaufstehens ist, und immer habe ich es wieder geschafft, und es hat nie lange gedauert.

ganz ganz wichtig war auch der endgültige ablösungsprozess von meinen eltern. der letzte schritt, der hatte noch gefehlt, und den habe ich im sommer - mit einer denkwürdigen aktion - vollzogen. und seit dem, seit dem fühle ich mich freier, unabhängiger - kunststück - näher und vollständiger bei mir. 

und in diesem zusammenhang auch wichtig war das überdenken einer verbindung, die mich in der form, in der sie noch bestand - nicht mehr glücklich und zufrieden machte. ich habe viel nachgedacht, habe meine grenzen neu sortiert und gezogen, meine wünsche und bedürfnisse diesbezüglich überdacht, prioritäten gesetzt und vor allem: ich habe danach gehandelt. und seit dem ist alles ok, für mich, ich fühle mich wieder wohl. ein riesen schritt. insgesamt war das letzte quartal dieses jahres geprägt vom nachdenken über meine sozialen kontakte, über die menschen, die ich an meiner seite habe, darüber, was ich innerhalb all dieser kontakte, verbindungen, beziehungen möchte, was ich für bedürfnisse und anliegen habe und inwiefern diese berücksichtigung finden, inwiefern ich berücksichtigung finde, wie ich sehe und gesehen werde. das war ein unglaublich interessanter und auch schöner prozess. ich habe dabei versucht, nicht zu bewerten, weder mich noch die anderen, und je länger ich hinschaute und -fühlte, desto mehr sah ich, was wirklich da war. es ist eine kleine handvoll menschen, die ich an meiner seite habe, die da ihren platz haben, in meinem leben, und ich einen platz in ihrem, jeder für sich, so wie er/sie ist. menschen, die ich nicht missen möchte, die da sind, jeder auf seine weise. menschen, die mich sehen und genau so akzeptieren, wie ich bin, fern ab allen leistungsdenkens, menschen, die mich genau deswegen mögen, weil ich eben so bin, wie ich bin, so, und nicht anders. ich bin nicht alleine, ganz sicher nicht. es ist noch nicht lange her, dass mir genau das bewusst geworden ist, in einem moment, in dem es mir nicht ganz so gut ging. ich war traurig und fühlte mich hilflos und alleine, habe aber den abend mit dem herrn kollegen verbracht. es war ein wundervoller abend, ganz viel freundschaftliche, ungezwungene, unkomplizierte nähe und vertrauen. das hat mir so unglaublich gut getan (und er wusste noch nicht einmal, dass es mir nicht so doll ging, aber wahrscheinlich hat er es irgendwie gefühlt). wie dem auch sei. als ich dann nachts in meinem bett lag, traf mich diese erkenntnis wie ein, ein...naja, wie eine wichtige, große erkenntnis eben. ich bin nicht alleine, nicht einsam. ich nicht. ich habe vielleicht derzeit keinen freund, aber ich bin nicht alleine. das war unglaublich schön, unglaublich erleichternd, das zum ersten mal wirklich zu fühlen. zu fühlen, dass ich nicht alleine bin, nicht auf dieser welt.

die wichtigste entscheidung, die ich dieses jahr getroffen habe war die, die analyse erstmal zu beenden. das kassenkontingent lief aus, ich hatte mehr als 200 sitzungen gehabt, und ich konnte nicht mehr, wollte nicht mehr. pause. ich war aufgewühlt, unglaublich aufgewühlt, denn auch nach der sommerpause, die ich dieses jahr sehr sehr gut überstanden habe, hat sich noch so viel getan. ich war permanent aufgewühlt und hatte immer mehr das gefühl, dass all die erkenntnisse, all die emotionen immer und immer wieder aufgewirbelt werden, keine zeit haben, sich zu setzen. wie der sandboden im meer der, sobald er sich gelegt hat, von der nächsten welle wieder aufgewühlt wird. wieder. und wieder. und immer wieder. ich war so unglaublich müde, konnte nicht und hatte keine lust mehr, habe abgewehrt, über weite strecken keinerlei erkenntnisse in den sitzungen zugelassen und viele, sehr viele deutungen, die mir die werte frau dr. so an steilvorlagen gab, habe ich herumgedreht, um sie dann ich die ecke zu knallen und keines blickes mehr zu würdigen. irgendwann war mir klar, dass ich eine pause brauche, vielleicht sogar lieber erstmal mit der kbt weitermachen würde, aber es hat noch eine weile gedauert, bis ich das auf der couch von mir geben konnte. sobald ich das allerdings getan hatte, sobald ich gesagt hatte, schluß erstmal, halt und stop, sobald das heraus war, ging es mir besser. erleichtert, leichter, und von da an ging es dann auch wieder vorwärts, in der therapie, in den sitzungen. das war, hmmm, wann war das? anfang oktober muss das gewesen sein, als klar war, dass das kontingent nicht erst im dezember, sondern schon mitte november ausläuft. es lief, und ich war glücklich. letztendlich habe ich eine punktlandung hingelegt, mit der wichtigsten erkenntnis der ganzen therapie, in meiner vorletzten sitzung. das erreichen der depressiven position nannte es madame, und ohne diesen begriff jemals gehört zu haben wusste ich, was es bedeutet. ich habe es gefühlt und fühle es noch immer, wann immer ich an eben jene erkenntnis denke. die letzte sitzung war unglaublich traurig und wunderschön zugleich. ganz nah, vertraut, liebevoll, ehrlich, authentisch. ich liebe meine therapeutin von herzen und ich bin ihr unglaublich dankbar für all die geduld, ihre ruhe, ihre art, mit mir umzugehen, ihre kongruenz und authentizität. bei aller therapeutin, es war auch immer der mensch anwesend. anders hätte es nicht funktioniert, das muss sie von der ersten sekunde an gefühlt, gewusst haben, und dennoch hat sie mich genommen, hat mich auf sich genommen. den ganzen weg ist sie mit mir gegangen, den ganzen langen weg, nachdem sie mir das leben gerettet hatte bzw. es mir ermöglich hatte, dass ich mir selber das leben rette, indem sie von der ersten sekunde an, da wir uns am telefon gehört hatten, eben so war, wie sie war. wäre sie nicht gewesen, wäre ich heute nicht mehr. sie ist den ganzen weg mit mir gegangen, mal vor, mal hinter mir, mal rechts und mal links. aber immer war sie da, immer war sie zur stelle, wenn es brannte, klemmte, wenn ich nicht konnte oder wollte oder beides. immer und immer wieder hat sie es geschafft, mal lauter, mal leiser, dass ich mich weiter bewege. ich habe ihr vertraut, tue es noch immer, auch wenn mir das nicht immer bewusst war, ich nicht immer auf mein diesbezügliches gefühlt gehört habe. es gibt auf dieser welt keinen einzigen menschen außer dieser frau, der so viel von mir weiß, der alles, fast alles von mir weiß. ich habe es immer wieder nicht geschafft, die letzten reste der maske wegzulassen, einfach ich zu sein, nur ich, ohne den letzten rest fassade. sie hat es gewusst, gefühlt, wir haben es in der letzten stunde angesprochen. bzw. ich habe es angesprochen, habe ihr genau das gesagt und es hat mir so unendlich leid getan, für mich selber, dass es eben so war.

jetzt sind es sechs wochen, dass die therapie (vorerst) zu ende ging, und es geht mir erstaunlich gut. ich hatte den ein oder anderen durchhänger, ja, aber es geht mir gut. ich bin bei mir, immer wieder ganz ruhig und ganz gelassen, gefalle mir und mag mich so. ich habe die augen offen, nach innen gerichtet und nehme mich wahr. und es gab noch keinen einzigen moment, in dem ich meine therapie, meine therapeutin abzuwerten, kaputtzumachen, zu demontieren versucht habe. ganz im gegenteil. ich bin unglaublich dankbar und froh, dass ich therapie und therapeutin hatte, habe. momentan findet sie nicht statt, zumindest nicht auf der couch, nicht in anwesenheit der werten frau dr. psychoanalytikerin. aber in mir drin, da findet sie statt, da tut sich so viel, so viel. und sie wohnt in meinem herzen, meine therapeutin, sie hat einen großen feinen platz bekommen, an dem sie sich langsam aber stetig eingerichtet hat, sich einrichten durfte und da soll sie bleiben. meine therapeutin. mein gefühl momentan ist, dass mir die pause von der analyse super gut tut, und für den moment ist die kbt völlig ok. aber es gibt dinge, das wird mir langsam klar, die möchte ich analytisch anschauen, möchte sie verstehen, sonst werde ich nicht mit ihnen umgehen können. wann das sein wird, das sagt mir mein gefühl allerdings gerade nicht. ich werde es also auf mich zukommen lassen, und wenn dann der moment gekommen ist werde ich das daran merken, dass ich den telefonhörer in der hand und ihre nummer gewählt habe. es gibt kein zu früh, und es gibt auch kein zu spät. aber es gibt richtige oder falsche momente. und ich werde den richtigen moment nicht verpassen. bis dahin werde ich leben, mein leben leben, es mir mit mir gutgehen lassen und mich hoffentlich mit all den teilen meines ich anfreunden, die ich noch so entdecken werde.

dieses jahr war verschlungen, aber es war rund. ich habe es über weite strecken genossen, auch wenn es bisweilen sehr anstrengend war. es war ein jahr, in dem ich gelebt habe, mein leben gelebt habe. ein jahr, in dem ich endlich die regie übernommen habe, ich alleine. ein jahr, das geprägt war von vielen erkenntnissen. erkenntnisse, die mich aufgewühlt, die mich verändert und mich geprägt haben und das weiterhin tun werden. ich habe es geschafft, mal mehr, mal weniger, verantwortung zu übernehmen, verantwortung für mich, für mein leben. verantwortung zu übernehmen für das, was ich tue und vor allem für das, was ich nicht tue. ich habe gelernt, meine grenzen wahrzunehmen und sie aufrecht zu erhalten und wenn keine da sind, sie zu errichten und sie zu verteidigen. ich bin holprig, aber dennoch, in mein leben gestolpert, dieses jahr, und irgendwann werde ich angekommen sein. ich habe noch einen weiten weg vor mir, aber zum ersten mal bin ich bereit, diesen weg zu gehen, mit allem, was er zu bringen vermag. ich bin neugierig, vor allem darauf, was ich noch so alles über mich lernen werde. angst ist immer noch da; ich glaube, die angst vor dem leben und auch vor den menschen werde ich wohl nie ganz loswerden, das kann auch nicht mein ziel sein. was ich aber geschafft habe ist, anzufangen, mit der angst zu leben, sie als ein teil von mir zu akzeptieren und mich von ihr nicht unterkriegen zu lassen. die beste voraussetzung, einen schritt nach dem anderen ins leben zu machen. in mein leben.

es gibt keine wiedergutmachung, es wird keine wiedergutmachung geben. das einzige - und wichtigste -  was ich tun kann ist, mit dem schmerz leben zu lernen und ihn als ein teil von mir zu akzeptieren.

30.12.2009 um 13:10 Uhr

überfordert

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

oh hilfe. innerhalb kürzester zeit zwei anrufe bzw. sms bezüglich meiner sylvesterplanungen. die annahme des angebots des anrufers - der herr kollege - bedeutete eine etwas größere aktion inclusive zugreise nach b. bzw. nach k. und einiges an vorausplanung. action eben. gleichzeitig fiel mir ein, dass die frau dr. traumfrau auf dem weg nach b. wohnt, und ich da ja auf der rückfahrt aus dem zug springen könnte. natürlich habe ich sie telefonisch nicht erreicht, handy ist aus. scheiße. und gleichzeitig fangen meine gedanken an, zu galloppieren, wahrscheinlich hat sie das handy nur aus, weil ich ihr gestern eine sms geschrieben habe und sie nicht von mir erreicht werden will. manchmal geht mir mein kopf dermaßen auf die nerven. die andere anfrage fragte nach der bestätigung der bereits ausgesprochenen einladung. und nun sitze ich hier, völlig unfähig einen sinnvollen gedanken zu fassen, bin innerlich total unruhig und überfordert von soviel lieben wir-mögen-dich-und-wollen-dich-dabei-haben-bekundungen und habe keine ahnung, was ich machen soll. hil-fe. müsste ich in dieser sekunde eine entscheidung treffen, würde ich mich für völliges alleinesein und rückzug entscheiden. aber diese entscheidung wäre meiner überforderung geschuldet. vielleicht sollte ich ein bisschen hinhören, was mein inneres wirklich sagt und will, ohne jegliche gedanken ans außen. ich schätze, das ist die sinnvollste idee, die ich in den letzten 60 minuten hatte.

29.12.2009 um 12:07 Uhr

grinsekatze

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

es regnet. und ich sitze grinsend an meinem schreibtisch und könnte die wände hochgehen. seit vorhin hat sich nichts geändert, außer, dass meine gedanken sich mittlerweile weigern, aus f. zurückzukehren. am liebsten würde ich den körper hinterherschicken. ich bin ganz kurz davor, mir ein zugticket zu kaufen und die frau dr. des. traumfrau zu überraschen. bei der arbeit. ...

29.12.2009 um 09:26 Uhr

ohgottohgottohgott...

oh himmel. wo soll das denn wieder hinführen? da sitze ich über biochemie, genauer gesagt über o- und n-glykosidischen bindungen von polysacchariden und wo sind meine gedanken? in f. ja, genau. bei der traumfrau n. es geht mir durch den kopf, was 2006 zwischen uns war, ich träume vor und zurück, freue mich darüber, was jetzt ist, höre meinem klopfenden herzen zu und genieße das gefühl. es ist, als wären nie drei jahre dazwischen, als wäre das alles gestern gewesen. ich meine, es gab schon die ein oder andere frau, die mir verdammt gut gefallen hat und die eine zeitlang - länger oder kürzer, je nachdem - an meiner seite geweilt hat. aber es gibt nur eine erklärte traumfrau. n.s. und das eben seit 2006. bald ist 2010, das wäre dann das fünfte jahr, länger als ich mit jeder einzelnen bisher zusammen war. pfff. ok. das muss bei mir erstmal ankommen, dass eben jene frau sich zurück in mein leben katapultiert hat. wir werden sehen. entweder, wir sind auf dieser welt, um irgendwann zusammenzukommen, oder eben nicht. eines von beiden. null oder eins. schwarz oder weiß. alles oder nichts. die kugel rollt, neues spiel. ich bin gespannt.

27.12.2009 um 16:40 Uhr

weihnachtsfazit

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

das war zur abwechslung mal ein sehr sehr schönes und entspanntes weihnachten. klassentreffen am 23.12., ein sehr ruhiger 24.12. mit onkel und tante (dieses jahr ohne oma, die wollte nicht, weil es ihr nicht so gut ging), gutem essen und schönen geschenken. den 25. habe ich weitgehend im bett verbracht weil unglaublich müde und am 26. waren wir im weltweihnachtszirkus. großartige show.

am abend des 26. rief mich dann völlig überraschend die frau dr. des. n.s. aus b., bzw. jetzt aus f., an. eigentlich wollten wir nur kurz telefonieren, weil sie bei ihrer familie und ich auch, aber dann wurde es ein wunderschönes und vor allem relativ langes telefonat. irgendwie vertraut. wie ganz am anfang mal. sie ist nicht mehr mit ihrer damaligen freundin zusammen, und ich auch nicht mehr mit meiner...wer weiß, was 2006 passiert wäre, wenn wir nicht in unserer jeweiligen beziehung eingebunden gewesen wären. wir haben uns damals gesehen und uns bis über beide ohren ineinander verknallt. aber die beziehungstatsache sowie jene der fast unüberwindbaren entfernung zwischen f. und b. hat uns einen strich durch die rechnung gemacht; wir hatten beide überlegt, jeder für sich, ob das mit uns was werden könnte. es wurde nichts, und eine längere zeit war es dann auch ein ziemlich schwieriger kontakt, teilweise auch gar keiner. jetzt ist sie solo - ich auch - und in f., mit dem ice quasi ein katzensprung von hier. es hat irgendwie geknistert am telefon, das alte gefühl von damals lugte um die ecke und ich muss gestehen, als sie mich am ende des telefonats einmal schnecke (das hat sie schon damals immer gemacht, und ich habe es geliebt) und einmal süße nannte, hatte ich einen leicht beschleunigten herzschlag. es hat uns beiden leid getan, das telefonat beenden zu müssen und wir haben unseren entschluß vom oktober, uns zu treffen, sobald unser stress etwas abgeebbt ist, nochmal bekräftigt. ... die frau ist eine traumfrau. unwahrscheinlich schön und intelligent, sanft, tough und sie weiß ganz genau, was sie will und wie sie es erreicht. außerdem tiefsinnig, reflektiert, mit einer unglaublich schönen stimme ausgestattet (und das weiß sie...), geradlinig, ehrlich und überhaupt. ... heieiei. wenn ich mir so zuhöre, bzw. mir zulese könnte ich glatt auf die idee kommen...nein-nein-nein. alles viel zu früh. basta. wir werden sehen. aber ich freu mich drauf...

anyway. ich bin wieder bei mir zu hause und habe es tatsächlich fertig gebracht, mein anatomiebuch zur hand zu nehmen. und es fluppt. naja, mein hürn hatte ja auch ein paar tage zum entspannen. so soll das sein. es geht mir gut, ich bin gelassen, ruhig und entspannt (endlich wieder) und fühle mich wohl. vor allem mit mir selber.

23.12.2009 um 17:01 Uhr

adios

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

so. das ende des semesters für dieses jahr ist gekommen. ferien. und so ganz, ganz langsam beginnt der stress der letzten tage und wochen abzufallen. jetzt noch ein termin bei madame kbt, und dann ab zur familie.

22.12.2009 um 20:25 Uhr

nur kurz

so. die letzten weihnachtseinkäufe und -verpackungen sind erledigt, ich habe gelernt, und zwar nicht zu knapp und jetzt kommt gleich der kommilitone c. für einen letzten anatomiedurchgang vor seinem testat morgen.

es geht mir gut. ich hatte ein paar ganz wichtige erkenntnisse in den letzten tagen mit den entsprechenden emotionen dazu und ich habe einige wichtige entscheidungen getroffen. und ich freue mich jetzt schon auf den jahresrückblick am 31.12. das war ein ganz ganz wichtiges jahr; eines der besten jahre seit langer langer zeit. emotional, privat, beruflich. und zum jahresende werde ich noch ein bisschen mehr ausmisten.

20.12.2009 um 21:05 Uhr

alles gut

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

was für ein tag. die stunde der wahrheit am frühen abend und ein anschließendes wundervolles gespräch mit dem gemeinsamen entschluß, eine wg zusammen zu gründen. der herr kollege f. und ich. ein super gespann, auf allen ebenen. und jetzt bin ich platt. duschen verschoben, ich muss ins bett. gute nacht, tag.

20.12.2009 um 14:50 Uhr

wachsen? er-wachsen?

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

der stadtmarathon gestern war ein schöner. ich habe alles bekommen, was ich wollte, und noch viel mehr. außerdem haben wir uns im asia-shop mit sushi-utensilien eingedeckt, weil der werte herr s. aus b. die idee hatte, für die komplette wg des herrn kollegen f. eben sushi zu machen. gesagt, getan. nachdem wir das weihnachtsgeschäft erledigt hatten und selber relativ erledigt waren, gings direkt ab zum herrn kollegen. ein kilo reis gekocht, ein halbes kilo rohen fisch geschnitten sowie avocados, surimi-stäbchen, algenblätter mit klebereis beschmiert, gefüllt, gerollt. und das zu dritt, eine stunde wie am fließband, dann war sushi für 10 personen fertig. und geschmeckt hat das einfach nur großartig. sushi, ingwer, wasabi und sojasoße. hmmm. von dem zeug bekomme ich einfach nicht genug.

und heute? heute habe ich meine ruhe, bin ruhig und gelassen und zufrieden. die sonne scheint vom blauen himmel bei immer noch -16 grad und ich wurschtel so vor mich hin. ich habe meine steinsammlung geputzt, die bude auf hochglanz gebracht, gewaschen, die wassersteine endlich mal wieder abgekocht, das bad geschrubbt, und noch so einiges vergnügliches mehr.

gerade, da mein reis auf dem herd vor sich hingart fiel mir auf, dass ich mich erwachsenen menschen gegenüber ganz selten als gleichwertiger erwachsener fühle, sondern vielmehr wie ein kind. ein kind das zum erwachsenen aufschaut, übermäßigen respekt vor dessen erfahrung und wissen hat, sich dumm und klein vorkommt und ständig beweisen will, wie toll und wie gut und clever es doch ist. riesen diskrepanz zwischen innen und außen, denn kein mensch der mich nicht wirklich kennt würde je auf die idee kommen dass da in wahrheit ein kind vor ihm steht, das völlig verunsichert ist und kaum weiß, wie es sich verhalten soll. meine kompensation diesbezüglich ist nahezu perfekt. aber jetzt, da mir das mal so bewusst geworden ist kann ich - liebe frau dr. psychoanalytikerin, ich habe die ehre - mal genau beobachten und sammeln. aber ich sehe schon, ich werde irgendwann in nicht allzu ferner zeit meinen weg zurück zur frau dr. finden. es gibt dinge, die möchte ich analysieren, sonst kann ich auch nichts ändern. aber bis es so weit ist werde ich versuchen, ein kleines bisschen erwachsener zu werden. 

19.12.2009 um 09:20 Uhr

treffen sich...

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

...zwei schneeräumfahrzeuge...

 

die zauberworte der woche heißen emdr und bifokale stimulation. dem herrn vertretungspsychodok ein dickes dankeschön, denn es geht mir besser. deutlich besser. vorgestern und gestern noch wusste ich mal wieder nicht, was ich auf dieser welt soll, warum ich hier bin. ich fühlte mich ganz klein, schutz- und haltlos und war völlig überfordert vom leben. nach dem besuch bei besagtem dok mit zwei runden bifokal stimulierenden klopfens jedoch wich dieses gefühl der schutzlosigkeit einer gewissen inneren ruhe; es folgte eine albtraumlose nacht, und jetzt sitze ich zufrieden und gelassen hier, schaue den schneeflocken vor meinem fenster zu und lerne die embryologie des urogenitaltraktes. und heute nachmittag geht es in die stadt, mit dem besten freund des herrn kollegen, s. aus b., weihnachtsgeschenke vervollständigen. schön. sehr schön.
 

13.12.2009 um 19:01 Uhr

rbf, rpf, ff, gfr, etc.

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

einen großteil des nachmittags habe ich versucht mir einzureden, dass mich momentan nichts mehr interessiert als der renale plasmafluß und die glomeruläre filtrationsrate. hat nicht funktioniert. jetzt bin ich am überlegen, ob ich dem ganzen nochmal eine chance gebe oder es gleich sein lasse und beschließe, morgen zur abwechslung (...) mal die vorlesungen sausen zu lassen um mich stattdessen mit der physiologie der niere zu beschäftigen. genaugenommen habe ich gar keine chance, dem ganzen zu entkommen, denn ich habe morgen nachmittag das großartige, didaktisch äußerst wertvolle physiologie-praktkium mit an grundschulmethodik angelehnter abfragerei. nicht bestandene abfrage = fünf seiten strafarbeit zum nicht ordentlich vorbereiteten thema. und nur wenn diese dem werten herrn professor behagt, wird das notierte minus folgenlos gestrichen. eigentlich sollte ich schon aus prinzip unvorbereitet hingehen. so rein aus protest.

anyway. nachdem ich die letzten beiden tage überwiegend schlafend verbracht habe, geht es mir wieder etwas besser, das zahnfleisch heilt ab, zurück bleibt eine erste, dünne schicht hornhaut. nun denn. ich werde sie brauchen. ich hatte ein wenig zeit, in mich zu gehen, mich um mich zu kümmern und mir und meinen bedürfnissen ein bisschen zuzuhören. das war schön. es hat mir gefehlt. und so ein kleines bisschen habe ich sogar die trauer um und das vermissen meiner therapeutin wahrgenommen. ich denke viel an sie, an die therapie, was ich erkannt, erfahren und analysiert habe, wie ich mich verändert habe, in den letzten zweieinhalb jahren. und doch kratzen all diese gedanken momentan nur an der oberfläche, so richtig komme ich nicht an sie heran. aber ich werde nicht ziehen und zerren und vor allem werde ich mich dafür nicht bewerten oder geschweige denn mich dafür fertig machen. um es mit den lieblingsworten meiner therapeutin zu sagen: es ist, wie es ist. ich kann gerade nichts daran ändern, und das einzige, das wirklich sinn macht, ist dem zeit zu geben. mir zeit zu geben, ruhig und gelassen meinen weg gehen und dabei rechts und links schauen. klingt banal, ist es aber nicht. bei mir bleiben, ganz ganz wichtig. 

so. ein teil meines gehirns hat gerade beschlossen, der niere jetzt doch nochmal eine chance zu geben. mal gucken, was das wird. 

12.12.2009 um 18:16 Uhr

schön

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

ach, wie schön. ich bin zwar völlig fertig, habe jetzt zwei tage fast nur geschlafen, aber ich habe mal wieder zeit für mich. nach einem endspurt, der seinesgleichen sucht, habe ich das testat am donnerstag nachmittag bestanden - und wie - und habe jetzt ein klitzekleines bisschen ruhe. wir haben nämlich beschlossen, das dritte testat nicht auf den 23.12. zu verlegen, sondern es wie geplant am 13.1. durchzuführen. so habe ich vor weihnachten keine prüfungen mehr. ich muss zwar jetzt den testatstoff für drei testate über die weihnachtsferien vorbereiten, zudem biochemie lernen, aber wenigstens kann ich das nun im meinem rhythmus und tempo machen. schön. sehr sehr schön, und mein zahnfleisch, auf dem ich die letzten wochen gekrochen bin, kann sich auch endlich erholen. eigentlich wollte ich heute schon wieder loslegen, untere extremität und retrositus, aber es ging nicht. ich habe schon gestern den ganzen tag nur geschlafen, und heute war ich so unendlich müde und hatte kopfschmerzen, dass einfach gar nichts ging. ich werde mir morgen vom kommilitonen c. nochmal eine cranio-behandlung angedeihen lassen, und dann geht es hoffentlich wieder.

so lag ich heute den ganzen tag im bett, habe die wundervolle anna ternheim gehört und habe mich gehen lassen. keinen finger habe ich gerührt, und zudem habe ich es sehr genossen, endlich mal wieder zeit für mich zu haben. ich war ruhig und gelassen und bei mir, habe gefühlt und war weich. das zeigt mir, und das ist schön, dass meine ruhe mir gar nicht abhanden gekommen ist, und auch nicht meine gelassenheit, sondern dass es momentan wirklich nur die äußeren umstände sind, die mich davon abhalten, mich mit mir zu beschäftigen und ruhig und gelassen zu sein. 

und jetzt? jetzt wird sich die frau dr. grenzgängerin mit einem schönen buch zurück ins bett verziehen und den abend genießen. so soll es sein. jawoll.

07.12.2009 um 16:18 Uhr

hey...fledertier...

 

...sieht diese pflanze etwa krank aus??? du hast mir mit der notblüte echt einen riesen schreck eingejagt. muss ich angst haben um meine pflanze???

07.12.2009 um 12:03 Uhr

überraschung des jahrzehnts

 

ICH FASS ES NICHT.

diese..., diese... meine pflanze da, die pflanze eben, die jeder hat, die genügsam ist und die aber keiner so richtig gerne hat, außer mir, ich liebe diese pflanze und habe sie seit 12 jahren und hege und pflege sie, und sie wächst und sprosst und fühlt sich hier tierisch wohl, und jetzt, ich meine, sie hat da also schon wieder zwei neue triebe, seit einiger zeit, und sie steht ja jetzt auf meinem neuen bücherregal, und ich sitz so am schreibtisch und guck so in der gegend rum und schaue meine pflanze liebvoll an und denk noch so, ja mei, der eine trieb sieht aber komisch aus und geh so hin und schau genauer...

und jetzt ist dieser eine trieb EINE BLÜTE! 

eine verdammt große sogar, nach 12 jahren liebevoller behandlung fängt meine pflanze an zu BLÜHEN. ich fasse es nicht. ich habe noch NIE! eine solche pflanze blühen sehen und ich bin überzeugt davon dass noch niemad jemals eine solche pflanze hat blühen sehen. denn normalerweise tun die das nicht, weil keiner sie mag und jeder hat sie halt nur so rumstehen. aber meine. hah. sie blüht. und sobald ich die batterien in meiner digicam ausgewechselt habe werde ich ein beweisfoto nachliefern, jawoll. sonst glaubt mir das ja keiner.

sowas aber auch. sie blüht.

 

06.12.2009 um 19:59 Uhr

ach ja...seufz

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

irgendwie ist das gerade eine komische zeit. was ist das überhaupt für ein wort: zeit. zeit zeit zeit. vier buchstaben, eine reihenfolge, unendlich viele bedeutungen. vor allem, wenn man sie nicht hat, die zeit. komisch. natürlich habe ich zeit. ich habe den ganzen tag zeit, anatomie zu lernen. warum habe ich dann keine zeit, zu schlafen oder wegzugehen? warum kann man zeit immer nur für eins haben, und nicht für mehrere dinge gleichzeitig? wer hat das denn festgelegt? ist das auch nur wieder so, weil igendwann mal irgend jemand festgelegt hat, dass es eben so ist?

wie dem auch sei. eine komische zeit derzeit. grenzwertig, im wahrsten sinne des wortes, denn meine grenzen sind nicht mehr allzuweit entfernt. die grenzen meiner aufnahmefähigkeit, die grenzen meiner körperlichen und psychischen kraft, und die grenzen meiner geduld. ganz zu schweigen von den grenzen meiner ruhe und gelassenheit, denn die sind längst überschritten. hin und wieder kommen sie zurück, eben jene, ruhe und gelassenheit, aber ich schaffe es so selten, diese momente festzuhalten. und ich merke, dass ich gerade ebenfalls unglaublich anfällig für die stimmungen und befindlichkeiten anderer bin. vor allem die meiner kommilitonen. ich kann morgens nach dem aufstehen noch so ruhig oder gutgelaunt oder was weiß ich positives sein, kaum bin ich an der uni erfasst mich die allgemeine gereizt- und angespanntheit der masse, die nerven liegen kollektiv blank, und ich kann mich demgegenüber nicht abgrenzen. daran will und werde ich arbeiten, denn so geht das nicht. ich will und brauche unbedingt meinen eigenen rhythmus, sonst funktioniert gar nichts. und gar nicht mehr an die uni gehen geht ja auch irgendwie nicht. was würde die werte frau dr. psychoanalytikerin dazu sagen? elefanten sortieren. die roten in die eine, die rosanen in die andere ecke, zaun drum, fertig.

und apropos. sie fehlt mir, die werte frau dr., sie fehlt mir. nicht unbedingt die therapiesitzungen als solche, aber letztendlich waren sie doch immer mit meiner heißgeliebten therapeutin verknüpft, untrennbar - notwendigerweise - von daher kriege ich das gar nicht so auseinandergefusselt. ich vermisse sie und ich hätte so unendlich gerne mal zeit, wenigstens einen tag, um um sie zu trauern und mich dem abschiedsschmerz hinzugeben. dem schmerz, der dumpf in mir wühlt aber nicht heraus kann, weil das unterbewusstsein oder was auch immer den deckel draufhält ... eieiei. meine analytischen qualitäten nehmen rapide ab...

so. der plan für heute abend ist der folgende:

1. duschen.

2. bücher in die ecke verbannen.

3. glas wein.

4. kerzen.

5. beethovens klavierkonzert.

5. bettkuscheln.

und morgen, morgen kommt mein ex-chef zum kaffeetrinken vorbei. sehr schön. ein mensch in meinem tristen alltag. 

...

05.12.2009 um 19:09 Uhr

knick in der optik

von: grenzgaenger   Kategorie: anatomisches

...jetzt bin ich völlig übergeschnappt. vor lauter anatomiegelerne - heute im angebot: das herz - kann ich schon nicht mehr geradeaus lesen. ganz aktuell, der verleser des tages, thema herzfehler und deren korrekturen: im text steht ballonkatheter, grenzie liest balkontheater. lachanfall inclusive. herrlich.

leider bin ich weit davon entfert, fertig zu sein, und so wird auch dies ein langer abend. 

04.12.2009 um 18:14 Uhr

still. kissen. tränen.

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

ich habe mir ein stillkissen bestellt. nein, ich bin nicht schwanger, und auch nicht gaga (oder vielleicht doch?); ich war heute bei meinem frauenarzt, geschlagene zwei stunden mit infusion im arm wegen extremer regelschmerzen und den damit verbundenen kreislaufkollapskapriolen, und da lag ich eben auf/in diesem stillkissen. und ich muss sagen, ich bin noch nie in meinem leben so gemütlich gelegen. meine erste amtshandlung zu hause war: internet, stillkissen bestellen. farbe: blau mit bunten fischen. das passt. anfang nächster woche sollte es da sein.

zwei tränen habe ich heute geweint. und genau diese beiden tränen waren es, kamen von so tief drinnen, dass sie gereicht haben, mir ein bisschen innere ruhe und frieden zurückzubringen; ruhe und frieden und ein bisschen gelassenheit nach all den letzten tagen, aufgewühlt und dicht, herumirrend und suchend, verwirrt, verirrt, hilflos und alleine (an lernen dabei natürlich nicht zu denken, 6 tage vor dem nächsten großen anatomietestat). therapieende. nachwirkungen. es wird noch eine weile dauern.

01.12.2009 um 10:32 Uhr

blöd

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

oje. jetzt ist gerade nicht so gut. abwärtstrend. hat sich schon in den letzten tagen angedeutet; dennoch geht es mir trotz therapieende erstaunlich gut. vielleicht etwas dicht, aber ich habe noch keinerlei anstalten gemacht, den gegenbeweis anzutreten. es geht, ich stehe auf eigenen beinen. was jetzt gerade los ist, werde ich herausfinden.

insgesamt ist mein leben gerade etwas einseitig, anatomie von morgens bis abends, ein brachliegendes soziales leben, kontakte auf ein minimum reduziert, nächste woche schon wieder testat. innere organe, alle, incl. embryologie. meine aufnahmekapazität hat grenzen, das merke ich gerade. der neue stoff passt zwar rein, dafür muss bisher gelerntes irgendwie dran glauben, ist nicht abrufbar. ein scheiß-zustand. man lernt und lernt und lernt und nur damit noch mehr reinpasst verschwindet das bereits reingepresste wieder. nicht gerade sinn und zweck der sache, aber anders gerade nicht handhabbar. das wetter ist ebefalls beschissen, alles nass, und ich würde so gerne mal wieder was schönes machen, ohne schlechtes gewissen, ohne zeitdruck.

scheiß leben gerade. gefällt mir nicht, ganz und gar nicht.