grenzwandel

27.05.2011 um 16:00 Uhr

abschied

es ist vorbei. die trauerfeier ist vorbei, seit ziemlich genau 24 stunden. es war grauenhaft, einerseits, und auf der anderen seite für mich so unglaublich wichtig, dort gewesen zu sein. ich musste auf meine ganz eigene weise abschied nehmen. ich saß ganz alleine in einer der reihen; die reihen vor mir waren voll, ich hatte mich in die nächst freie gesetzt, nachdem ich eine kerze angezündet und neben der sarg gestellt hatte. die nach mir kommenden menschen setzten sich allesamt in die reihen hinter mir, kein einziger setzte sich in die reihe, in der ich saß. ich habe mich in meinem leben noch nie so einsam und alleine gefühlt, wie in dieser einen stunde. er saß links vorne, in der ersten reihe, neben ihm seine schwester. ich hatte ihn die ganze zeit im blick. er hatte seine sonnenbrille auf, war immer wieder damit beschäftigt, nach dem kleinen zu gucken, der durchs bild hüpfte. und er hat keine einzige träne vergossen. keine. zweimal hat er den kopf gesenkt und dann an die decke geschaut, aber er hat nicht geweint. der pfarrer hat erzählt, sie wäre der hafen gewesen, in dem er nach langer zeit angekommen ist, und dass sie glücklich war. und ich saß alleine in dieser reihe, ihn im blick und habe gelitten, wie noch nie in meinem leben. obwohl ich soviel wusste, was der pfarrer nicht wusste, trotz all diesem wissen, trotz all der treffen mit ihm - das letzte vor drei wochen - trotz all der nähe, vertrautheit und der zärtlichkeiten, die wir immer und immer wieder geteilt haben, habe ich unsagbar gelitten in dieser einen stunde. und mir wurde auf eine furchtbar schmerzende weise bewusst, wie sehr ich diesen mann liebe, immer noch, trotz allem.

aber es war so wichtig, dort gewesen zu sein. ich musste abschied nehmen, mir bewusst machen, dass die frau, die immer einen verdacht gehabt hatte, die immer angst hatte, er könnte sie mit mir betrügen - was er getan hat - bzw. ich werde ihr irgendwann ihren mann wegnehmen, dass diese frau tot ist. auf tragischste weise mitten aus dem leben gerissen. tot. einfach tot. weg, nicht mehr da.

und es war so wichtig für mich, ihn zu sehen. vorne in der ersten reihe saß er, ein mann, der zeitweise furchtbar mitgenommen und müde und auch verständnislos aussah, aber da saß kein gebrochener mann. es war so wichtig, das zu sehen und zu sehen und zu spüren, dass er es schaffen wird. er wird diesen schlag verkraften, schultern und nach vorne schauen und gehen. und zwar mit den beiden kindern. und das schon bald. er wird es schaffen, wird sein leben mit den kindern gestalten, und sich in die arbeit stürzen. und er wird meine nähe und meine schulter suchen.

und er wird sie bekommen. ich werde für ihn da sein. ich werde für ihn da sein, einfach da sein, mit all der kraft und sicherheit und stabilität, die ich durchaus habe und geben kann. und was am allerwichtigsten war bzw. ist, ist zu merken: ich kann und werde dabei bei mir bleiben, werde mich nicht aus den augen verlieren., werde versuchen, im hier und im jetzt zu bleiben. was wird, steht in den sternen, aber was wir beide definitv brauchen werden, ist zeit. keine erwartungen, kein druck, gar nichts. ich werde es auf mich zukommen lassen, trotz aller ängste, unsicherheiten, trotz aller überforderung und kraft, die mich diese situation kostet. 

13.05.2011 um 20:55 Uhr

nur so

 

mäh.