grenzwandel

31.08.2012 um 18:03 Uhr

freitagsfrust

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

heute war ein weniger guter tag in der anästhesie. irgendwie lief nichts wirklich rund, es ging zu viel schief, mein kopf funktionierte überhaupt nicht, hektik allenorten. und so schlichen sich kleine nachlässigkeiten und fehler ein, geschuldet einer nicht vorhandenen routine und einer permanenten angespanntheit, die proportional zur länge des arbeitstages größer wurde. letztendlich ein teufelskreis. und so schlich ich vorhin völlig gefrustet, unzufrieden und mit mir hadernd aus der klinik und versuche nun, diese negativen gefühle abzubauen. vor mir das erste wirklich freie wochenende seit monaten, ohne lernen, arbeiten oder gesellschaftliche "verpflichtungen" und ich sitze hier und gucke traurig und unzufrieden in die weltgeschichte. tolle aussichten.

warum habe ich so hohe ansprüche an mich? völlig unverhältnismäßig. was erwarte ich eigentlich von mir? dass ich nach der zweiten woche famulatur das selbe kann und die gleiche routine habe wie ein facharzt für anästhesie? ja geht`s noch? das leuchtet sogar mir ein, dass diese erwartungen an mich dann doch ein klein wenig überzogen sind. das macht das gefühl, das ich aufgrund der heutigen fehler und des nichtwissens diverser dinge habe, leider nicht besser. sollte es aber. tut es aber nicht.

blöd. 

jetzt komm mal runter grenzi, auf den boden der klinischen tatsachen. du tust, was du kannst, mit leidenschaft und hast einen riesen spaß an der sache. aber: du bist auch noch mitten in der ausbildung. es gehört dazu, fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. es ist normal, dass man nicht alles weiß oder das, was man vielleicht wissen könnte, nicht immer abrufen kann. alles normal, alles im grünen bereich. entspann dich. hör auf, so übermäßig streng mit dir zu sein. lass mal locker und nimm die dinge (und vor allem dich), wie sie sind.

alles ist gut. glaub dem teil in dir, der das weiß und fühlt. alles ist gut, hm?

 

24.08.2012 um 16:29 Uhr

tränen am nachmittag

 

ich sitze hier und bin traurig. viel gefühlt habe ich in letzter zeit nicht. ich habe versucht, die emotionen im zaum zu halten, über die runden zu kommen, habe kompensiert und verdrängt. das hatte folgen. ich war unausgegelichen, zickig, ich habe gezogen und gezerrt, und das vor allem an meinem gegenüber; an einem menschen, den ich von herzen liebe und der nichts dafür kann, dass mir nach ziehen und zerren war. das war und ist alleine meines. es ist meins, wenn ich gefühle unterdrücke. es ist meins, wenn ich diese unterdrückten gefühle kompensiere und das nicht gleich selber merke. es ist meins, wenn ich unausgeglichen und zickig und nervig und ziehig und zerrig bin. es ist nicht deins. du hast es abbekommen, und das tut mir unendlich leid, jetzt, wo ich fühle, wo sich diese ganzen aufgestauten emotionen bahn gebrochen haben.

ich habe verdrängt weil es mir zu weh getan hätte zu wissen, dass ich alles, was derzeit in meinem leben passiert - und das ist eine menge, eine menge wichtiger dinge - nicht mit dir teilen kann. war es das wert? war es das wert, meine gefühle zu verdrängen, um nicht traurig zu sein? war es das wirklich wert? nein, es war es nicht wert. traurig sein ist ehrlicher und authentischer, als gefühle zu verdrängen, die einen traurig machen, um sie nicht fühlen zu müssen. aber das bin ich. das passiert mir immer wieder, dass ich in genau dieses alte muster reinrutsche, erst unmerklich und dann irgendwann diese diffusen spannungen und die damit einhergehende unausgegelichenheit wahrnehme. an diesem punkt habe ich meistens schon angefangen, um mich zu schlagen und meistens bekommen es diejenigen ab, die in meiner nähe, in meiner emotionalen nähe, sind. 

seit heute mittag fühle ich wieder. wie schuppen ist es mir von den augen gefallen, wie ein riesiger kalter brocken von der seele. seit dem weine ich nahezu ununterbrochen. 

es tut mir leid. unendlich leid.

verzeihst du mir?

 

22.08.2012 um 16:24 Uhr

nur um es mal erwähnt zu haben

 
meistens ist es das richtige maß, das über ein ja oder ein nein entscheidet.
 

19.08.2012 um 15:14 Uhr

achterbahn

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

 

der abwärtstrend hatte sich schon einige tage angedeutet, aber ich wollte ihn nicht wahrhaben. dazu ging es mir zu gut. das semester war beendet, sehr erfolgreich, und ich ehrlich gesagt sau stolz auf mich. die nachtschichten haben mich zwar genervt, also nein, nicht die schichten selbst, die waren völlig ok, lediglich die tatsache, dass. ich hätte dringend ruhe gebraucht, erholung, zeit zum regenerieren, zumal ich ja seit freitag in der anästhesie im kreiskrankenhaus meines vertrauens, mitten im schwabenländle, famuliere.

wo war ich stehen geblieben. abwärtstrend, genau. er hatte sich angedeutet, schon nach der letzten klausur hätte ich rein theoretisch die ersten anzeichen wahrnehmen können, hätte ich aufmerksamer sein gewollt. aber ich wollte nicht. und so erwischte es mich am donnerstag mittag mit der breitseite. morgens noch alles ok, oberflächlich zumindest, der rest des tages war geschichte. aus dem kalender gestrichen. es ging alles schief, was schief gehen konnte, von hinten bis vorne, von oben bis unten und ich mittendrin, mit einem inneren, das bereits angefangen hatte, wild zu rebellieren.

es waren meine drei kinder. völlig vernachlässigt. das weiß ich aber auch erst jetzt, nachdem ich anfange, zur ruhe zu kommen. das wusste ich - leider - am donnerstag, freitag und samstag nicht. es wäre besser gewesen. so krachte mir drei tage lang permanent die decke auf den kopf, kein land in sicht, ein inneres in heller aufruhr und die frau dr. in angst, es könnte nicht aufhören, bergab zu gehen. hinzu kam die bittere erkenntnis, dass es einen ziemlich konkreten bereich im leben der frau dr. gibt, der länger sträflich vernachlässigt wurde, nur um jetzt zum bumerang zu werden. man hat mich brutal mit der nase drauf gestoßen und mir gleichzeitig einen harten arschtritt gegeben. und ich ohne jegliche kapazitäten, zu kompensieren. ganz großes kino.

und so grenzwandelte ich drei tage lang zwischen kopf-, innerem und äußerem chaos, habe um mich geschlagen und dabei nahezu alle erwischt, die mir nahe stehen und lieb und teuer sind. ich habe mich unverstanden, ungesehen und alleine gelassen gefühlt, wobei die betonung hier auf GEFÜHLT liegt, denn fakt ist: niemand hatte mich alleine gelassen, ganz im gegenteil.

gestern war es ganz schlimm. und trotzdem habe ich es zwischen litern von tränen, aggressionen und gefühlter leere geschafft, mich hinzusetzen und anzufangen mit sortieren, mir einen überblick zu verschaffen, planen, etc., um den gefühlten kontrollverlust zumindest im ansatz in den griff zu bekommen. ich habe es in teilen geschafft, und ich bin ganz zufrieden mit mir. mehr wäre nicht möglich gewesen, aber ich habe etwas getan, und das war sogar durchaus von erfolg gekrönt. gottseidank funktioniert das kreative ideenzentrum meines großhirns unabhängig von meiner gefühlslage. dem herrn sei dafür gedankt; nicht auszudenken, wären diese beiden "systeme" gekoppelt... und mit diesem wurschteln, mit dem in-die-hand-nehmen, dem selber lenken, steuern und kontrollieren stellten sich die ersten anzeichen beginnender ruhe nach dem sturm ein. die nachtschicht war dann erfreulicher weise sehr ruhig, so dass ich die halbe nacht gelesen, und die andere hälfte nachgedacht habe. und das hat gut getan. je weiter die nacht fortschritt, desto ruhiger wurde ich, desto mehr stellte sich die von mir so geliebte gelassenheit wieder ein. die anschließende anderthalbstündige autofahrt in den sonnenaufgang hinein habe ich sehr genossen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich lieber geritten wäre.

jetzt sitze ich hier, mehr oder weniger ausgeschlafen - zugegeben, eher weniger - aber ruhig und zufrieden. ich habe ideen im kopf, was ich in den nächsten tagen tun will und werde, vor allem in der klinik, und außenrum, organisatorisch. und ich stelle fest, alleine diese ideen geben mir halt, weil sie struktur und handlungsspielraum bedeuten.

das fazit der letzten drei tage lässt sich vor allem auf folgendes reduzieren: es war der gefühlte verlust, bzw. die abgabe jeglichen handlungsspielraums, der bzw. die mich mal wieder wieder den kopf, meine innere stabilität, meine ruhe und gelassenheit gekostet haben. gefühlter kontrollverlust gepaart mit handlungsunfähigkeit. opfer meines lebens, der umstände, ein uraltes muster, das sich bisweilen bahn bricht und sich zunächst unkontrollierbar anfühlt. eine furchtbare kombination. aber mittlerweile kenne ich mich so gut, mein inneres und die drei kinder, dass ich es doch immer wieder schaffe - wobei ich an dieser stelle ehrlicherweise noch ein irgendwie einfügen will - diese phasen in den griff zu bekommen. noch weiß ich nicht wie, daher das irgendwie, aber auch das in den griff bekommen werde ich lernen, zu kontrollieren. das ist die nächste stufe.

meine therapeutin hatte so recht. die eigentliche erkenntnis, und damit die arbeit, beginnt nach therapieende.

16.08.2012 um 07:29 Uhr

reistetag

 

ich liebe diese tage. ich habe ein anstrengendes semester hinter mir, alle klausuren erfolgreich geschrieben und bestanden, alles erledigt, was ich erledigen musste und wollte und heute fahre ich weg. ebenfalls in die heimat. die liegt zwar nicht jenseits eines ozeans, aber dennoch. ich muss packen und die üblichen vorbereitungen treffen, die man gemeinhin trifft, wenn man ein paar wochen wegfährt. es wird zwar kein urlaub in dem sinne, weil ich ab morgen vier wochen im dortigen krankenhaus famulieren werde, aber immerhin weg. raus hier, weg. kilometer zwischen mich und meinen wohnort bringen, eine andere umgebung, andere menschen, anderes alles. das hatte ich schon lange nicht mehr, immer nur für ein wochenende, höchstens. jetzt sind es vier wochen,

und ich freue mich darauf.

so. und nun könnte ich ja mal anfangen, zu wutschteln. ich muss mein zeug zusammensuchen, entscheiden, was ich mitnehme und was hierbleibt (oh my god...), meinen schrank durchforsten, das bücher- und das schuhregal ...wie gut, dass ich keine 150 paar schuhe habe... und so weiter. aber zu allererst will ich nochmal kurz bei der hautärztin meines vertrauens vorbeischauen. weil so geht das nicht.  ja, ich weiß... sie wird das selbe sagen wie immer, wie alle hautärzte ...sie haben da was rotes rundes entzündetes. wir probieren es mal mit einem antibiotikum, und wenn das nicht hilft nehmen wir cortison... ja. ich weiß. ich gehe da auch nur hin in der hoffnung, dass heute der tag ist, an dem sie was anderes sagen wird. nein, ich tue ihr unrecht. sie ist eine hervorragende hautärztin. sie kann nichts dafür, es ist das wesen der dermatologie, aus roten, runden und entzündeten entitäten zu bestehen, die sich jeglicher genauerer diagnostik und vor allem zielgerichteter therapie kategorisch entziehen. sie kann wirklich nichts dafür, ehrlich. und genau deswegen gehe ich nochmal hin. sie wird heute nacht die erleuchtung gehabt haben und etwas anderes sagen als sonst. ganz bestimmt.

15.08.2012 um 18:01 Uhr

ein etwas längeres fazit oder: wie glücklich bin ich momentan?

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

 

erwähnte ich schon, dass ich mein leben genieße? nein? ups... dann tue ich das hiermit. ich genieße mein leben. alles ist ruhig, innen wie außen, gelassen und friedlich. einzig die sms von mister r., der regelrecht um ein treffen bettelt, störte diese idylle vorhin kurzfristig. aber wirklich nur kurz. ich war einen moment lang alarmiert, habe dann aber meine handlungsalternativen durchdacht und besprochen, was dazu führte, dass das thema schon fast wieder aus meinem kopf verschwunden ist. es dümpelt irgendwo leblos noch im hinterstübchen, aber derart, dass es demnächst wieder versunken sein wird. versunken in den tiefen der abgehakten und auf dem gedanklichen schrottplatz abgelegten, mein leben nicht mehr tangierenden themen. hinfort diffundiert, einfach wieder weg. ich werde die sms ignorieren. sollte mir dann irgendwann doch danach sein, kurz und knapp darauf zu reagieren, wie ich das vorhin kurzfristig vorhatte, dann werde ich das tun, ein letztes mal. aber bis dahin möge (und wird) es auf dem schrottplatz weiterhin vor sich hin rosten und nach und nach in seine einzelteile zefallen. einzelteile, die einst ein ganzes ergaben, wenn auch eines mit großen macken. von diesem ganzen wird bald nicht mehr viel übrig sein, und das ist gut so. dieses einst ganze zerfällt, weil ich will, dass es zerfällt. ich brauche es nicht mehr.

gestern wurde ich gefragt, wie glücklich ich heute und im moment bin. meine erste antwort war ein bisschen durcheinander. mit dem nötigen abstand zu dieser frage, mit langem nachdenken - nicht am stück, sondern immer mal wieder, kurz, zwischendurch, oder länger - stellte sich ein gefühl ein, das diese frage beantwortet.

ich war noch nie glücklicher in meinem leben, als ich es heute bin:

das innen lebt in frieden mit dem außen, sie haben sich angefreundet und harmonieren mittlerweile dergestalt, dass in der summe ruhe herrscht. natürlich ringen sie nach wie vor bisweilen miteinander, und das werden sie wohl auch bis an mein lebensende tun, aber ich sehe und fühle das und kann mittlerweile bestens damit umgehen. jeder einzelne teil meiner seele hat seinen platz, wird wahrgenommen, akzeptiert und respektiert. das bin ich. auf einer stabilen inneren basis bin ich ruhig und gelassen, und das liebe, genieße und lebe ich.

hinzu kommt, dass ich das tue, was ich einen großteil meines lebens tun wollte. medizin studieren, ärztin werden. wenn ich mein bisheriges leben angucke, dann war es eine logische konsequenz meines seins, dass ich dieses studium nicht direkt nach dem abitur angefangen habe. ich wäre niemals zu der ärztin geworden, die ich sein werde. all die jahre des mit mir beschäftigt seins, die jahre der therapie, mein ganzer langer und steiniger weg, all das war notwendig um zu dem zu werden, was ich heute bin. und nur auf dieser basis macht es sinn, diesen weg zu gehen, dieses studium zu absolvieren, ärztin zu werden. und genau das macht mich glücklich und stolz.

ich habe eine handvoll wahrer freunde, die mich schon lange oder länger begleiten, die ich begleite, unabhängig davon, was war oder wie es mir oder ihnen ging. sie sind einfach da (auch wenn ich manchmal wochenlang telefonisch nicht zu erreichen bin und dann noch nicht mal zurückrufe, ich eumel ... sry in richtung nordwesten..).

zudem gibt es seit einiger zeit einen menschen in meinem leben, den ich über alles liebe. zum ersten mal ist da jemand, der mich einfach so nimmt, wie ich bin. der noch nicht mal im ansatz anstalten macht, an mir herumzuziehen und zu zerren, auch wenn ich sicherlich des öfteren durchaus dazu einlade. so ganz einfach bin ich nämlich nicht, weißgott nicht. aber nein. sie ist einfach da, bewegt sich keinen millimeter, egal was ich sage, egal was ich tue. sie ist einfach da und hört nicht auf, mich zu lieben. von der anderen seite betrachtet: zum ersten mal ist da ein mensch, den ich einfach so nehme, wie er ist. ich habe nicht im geringsten das bedürfnis, an ihr herumzuziehen und zu zerren, und egal was sie sagt oder tut, ich bin da und höre nicht auf, sie zu lieben. zum ersten mal ist da ein mensch, mit dem ich bereit bin, mein ich und mein leben zu teilen und dies auch tue. ruhig und gelassen und ohne angst.

erwähnte ich schon, dass ich glücklich bin und mein leben genieße? 

 

14.08.2012 um 15:11 Uhr

kleines erstes fazit

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 
so langsam kehrt ruhe ein. die nachtdienste sind rum und ich habe sage und schreibe drei tage semesterferien. es ist wundervoll.  ich sitze mit einem kaffee vor der tür, genieße den heraufziehenden herbst - ich liebe diese jahreszeit, die lichtverhältnissse, die kühlen nächte und die angenehm warmen tage - und bin rundrum zufrieden. ich bin zwar müde, aber das ist eine gesunde müdigkeit, völlig normal nach dem programm der letzten wochen und monate. die totale erschöpfung ist ausgeblieben. ich merke jetzt schon wie ich anfange, mich zu erholen, trotz nachtdienste, trotz nur drei freier tage, denn am freitag geht es weiter, oder besser gesagt: wieder los. vier wochen anästhesie. aber ich freue mich darauf. endlich wieder praktisch arbeiten, umsetzen, was ich gelernt habe und das verbessern bzw. perfektionieren, was ich schon kann. und das ist - beides - eine menge. zumal ich für diese vier wochen nicht hier sein werde, sondern woanders. alleine das gefühl, packen zu können und wegzufahren, mal raus aus dieser umgebung, alleine das tut mir gut. und so sitze ich nun hier, erledige alles, was in den letzten wochen liegen geblieben ist, mache mir gedanken über dies und das und genieße es, keinerlei druck und daher keinerlei eile zu haben, bzw. haben zu müssen. einzig das loch in meinem magen nervt gerade ein bisschen, aber ich muss gestehen, ich bin zu faul, mich drum zu kümmern.
 
ich liebe mein leben und ich bin stolz auf mich.
 

11.08.2012 um 16:36 Uhr

warum kann man hier eigentlich keine einträge ohne überschrift veröffentlichen? mir fällt einfach nicht immer eine passende ein.

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

es ist vorbei. das semester. es war mit abstand das anstrengendste, seit anbeginn dieses studiums. ich bin es gewöhnt, viel zu arbeiten, viel zu lernen, auf den punkt abrufbar topfit zu sein, das maximale zu leisten und die grenzen immer noch ein bisschen weiter nach außern zu verschieben. das mache ich seit jahren. die messlatte: mein eigener anspruch an mich. leistung. hochleistung, am laufenden band. nur dann bin ich zufrieden, wenn ich alles gegeben, das maximale herausgeholt habe. in dieser art, oder fast schon zwang, dinge zu tun, steckt allerdings auch eine riesiges frustrations- und erschöpfungspotential. das merke ich jetzt. kein frust, beileibe nicht, denn es war nicht nur das anstrengendste, sondern auch das erfolgreichste semester bisher. ich habe das maximale rausgeholt, perfekte organisation, perfektes timing, perfektes alles. auf den punkt, ein volltreffer nach dem anderen. und ich gebe zu, ich bin stolz auf mich, ziemlich sogar, und das wird auch anhalten. erfolge, von denen ich zehren werde, noch eine ganze weile.

die andere seite der medaille? ich bin total erschöpft und wieder mal musste ich feststellen, dass mein leben in den letzten monaten nahezu komplett auf der strecke geblieben ist. wann war ich das letzte mal entspannt unterwegs? in der stadt? abends weg? wann war ich das letzte mal am wochenende einfach draußen? wann? ich weiß es nicht. ich war viel beim sport, ok, aber das war der ausgleich zum lernen, sonst wäre ich wahnsinnig geworden. in den letzten monaten war der sport eher mittel zum zweck, nach einem langen lerntag den kopf zu resetten, um anschließend, oder spätestens am nächsten morgen weitermachen zu können. eigentlich nicht sinn und zweck der sache. und jetzt sitze ich hier, am tag nach der klausur und merke, wie das system langsam aber zielsicher runterfährt. ich kann kaum geradeaus gucken, geschweige denn bin ich in der lage IRGENDETWAS produktives zu machen. denken? auch fehlanzeige. das problem bei der sache: ab heute drei nachtschichten am stück und ab nächsten freitag vier wochen anästhesie. und in dieser zeit zwei wochenenden mit diensten.

ganz. großes. kino. ich hasse mein leben :-). nein, natürlich nicht, aber im moment könnte man auf die idee kommen, es sei alles ein bisschen viel. vielleicht ein bisschen zu viel.

uuups, da guckt mein galgenhumor um die ecke. schön. der hat mir bisher noch jedes mal den arsch gerettet. herzlich willkommen.

 

10.08.2012 um 17:45 Uhr

over and out. and platt.

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches