grenzwandel

27.06.2013 um 05:40 Uhr

wie buchstabiert man "eigene bedürfnisse"?

von: grenzgaenger   Kategorie: alltägliches

 

die zweite nacht, die ich nicht bzw. nicht besonders gut geschlafen habe. wenigstens kein albtraum wie gestern nacht - jeder der saw-filme (die ich NICHT gesehen habe) hätte locker mithalten können - aber trotzdem lag ich nach nur wenigen stunden schlaf wach und grübelnd im bett. und dieser tatsache ist auch das frühe aufstehen geschuldet; lieber früh raus und was machen als untätig grübelnd im bett zu liegen.

irgendwie bin ich gerade mit allem (latent?) überfordert. dass ich mit meinem derzeit nur auf sparflamme funktionierenden hirn meinem (absolut minimalsten (ja, ich weiß, einen superlativ kann man nicht mehr steigern...)) lernpensum hinterherjage und es aber leider schneller rennt, damit habe ich mich fast schon abgefunden. es wird halt jetzt mit noch 8 anstehenden klausuren im nacken ziemlich eng. was aber schlimmer ist: jeder zieht nur an mir, will dies oder jenes, immer schön auf seinen eigenen vorteil oder sein eigenes wohlergehen bzw. die eigenen bedürfnisse bedacht. die frau dr. grenzi hat bedürfnisse? NEIN!, sagen sie bloß! und nach mir guckt dabei niemand.

und ich leider auch nicht. irgendwie schaffe ich das mal wieder nicht; und infolge dessen stellt sich dann eben irgendwann dieses gefühl ein, einfach nur meine ruhe haben zu wollen um irgendwie die chance zu haben, mal wieder nach mir zu gucken, mal drauf zu horchen, was ich eigentlich will, was ich derzeit zu leisten imstande bin und wo meine prioritäten sind. ich merke, und das macht mir arg zu schaffen, dass meine lange praktizierte geradlienigkeit seit monaten flöten geht, sukkzessive, ein ganz ungutes gefühl des kontrollverlusts stellt sich ein und ich bin derzeit nur dabei, mir selbst hinterherzurennen, um meine fehler, die ich leider unweigerlich mache, auszubügeln. und immer wieder kommt irgend jemand dazwischen: ich will dies, ich brauche das, kannst du mal hier oder da, ich hab das entschieden was ist deine meinung dazu (ja danke, interessante reihenfolge), meine befindlichkeit a braucht behandlung b und bedürfnis c hat d beschlossen, find dich damit ab. ja danke. und ich stehe da, fast schon hilflos, weil ich in mir irgendwie keinen handlungsspielraum finde, mich zu bewegen, nein sagen kann ich eh nicht besonders gut und verständnis und geduld gibts von mir auch im übermaß. was erwarte ich eigentlich also? jeder nimmt, was er kriegen kann und ich schaffe es nicht, nach mir zu gucken. diesen vorwurf kann ich leider niemandem machen, außer mir selber. wo verdammt ist diese geradlienigkeit und mit ihr die ruhe, gelassenheit und ein entsprechendes selbstbewusstsein hin, die sich seit anfang letzten jahres langsam eingestellt hatten? wo? was läuft gerade schief? und wohin läuft es gerade schief? und wohin mit der begleitenden, immer vorhandenen latenten angst, alles falsch zu machen, nicht schnell und gut genug zu sein, anhand dessen beurteilt und noch schlimmer: bewertet, nein, abgewertet zu werden (oh scheiße, ich merke gerade, dass sich hier der wunde punkt auftut...), nicht zu genügen. nicht existent in den eigenen bedürfnissen...

aber wie soll mein umfeld meine bedürfnisse wahrnehmen, wenn ich das selbst nicht tue...?

 

10.06.2013 um 03:16 Uhr

des nächtens

von: grenzgaenger   Kategorie: briefe an den mond

Stimmung: nachdenklich

 

eine meiner vielen nachtschichten. ruhig. oder vielmehr: ruhig gestellt. medikamentös, weil alles andere unverantwortlich gewesen wäre. ich habe den laptop mitgebracht, um lernen zu können. dem kamen und kommen jedoch zwei dinge in die quere. zum einen das offene wlan, das ich hier zufällig erwischt habe, und zudem mein kopf, der keine ruhe geben will. und im ohr habe ich linda ronstads unendlich schöne stimme. passend zur stimmung.

nachdenklich. gedanklich umherirrend. irgendwie ziellos. richtungen, ruhe und halt suchend. melancholisch. traurig. nein, nicht unglücklich, aber eben traurig. abwägend. ordnen wollend. ruhig und gelassen. ich habe das gefühl, dass irgendein teil von mir gerade erwachsen wird. ich weiß nicht, wie ich das anders ausdrücken soll. das trifft es nicht hundertprozentig, aber noch am aller ehesten von allen beschreibungen oder besser gesagt umschreibungen. irgendwie macht sich gerade irgendwo ein gefühl breit, das sich eben erwachsen anfühlt.

nüchtern. ja, das passt. nüchtern. oder zumindest nüchterner als vorher, von heute auf morgen.

warum assoziiere ich mit nüchtern erwachsen? wann wird/ist man nüchtern? wenn man erwachsen ist eben. wenn man schon so viel erlebt hat, dass die emotionalen ausschläge nach oben und nach unten abnehmen, wenn man sie nicht mehr als ausschläge, sondern viel eher als fluktuationen um einen mittelwert bezeichnen kann. wenn nicht jede enttäuschung einem weltuntergang gleichkommt. wenn man mit distanzen umgehen kann. wenn man in emotionalen situationen rational denkt und handelt. wenn man entscheidungen treffen und die konsequenzen zu tragen bereit und in der lage ist. wenn man dinge ohne emotionale beteiligung zu betrachten gelernt hat. und ja, ich sage bewusst: gelernt. man kommt nicht nüchtern auf die welt. man wird es, auf der basis seines charakters und in abhängigkeit dessen, was man erlebt und wie man das erlebte wahrnimmt.

probably you've only really grown up when you can bear not being understood. viele jahre hing dieser ausspruch des leadsängers einer meiner damaligen lieblingsbands in meinem zimmer. in riesen lettern geschrieben, einer pro blatt, dann ausgedruckt, fein säuberlich ausgeschnitten und in mühevoller kleinstarbeit an die wand über meinem bett geklebt. ich war ein teenager, auf der suche nach mir selbst und ich konnte stundenlang der musik alphavilles lauschen und über diese aussage nachdenken. ich hatte eine ahnung, nicht mehr als eine leise ahnung, was diese worte bedeuten konnten, bedeuten würden. was sie bedeuten werden wenn man eben weiß, was sie bedeuten. wenn man so alt geworden ist, so erwachsen, so erfahren und nüchtern, um es nicht nur wissen, sondern fühlen zu können. 

ich eier herum. um ein gefühl, das ich (noch) nicht zu fassen bekomme und das ich momentan nur vage beschreiben kann. aber ich werde es mir angucken, auch wenn ich den leisen verdacht habe, dass es wehtun könnte...

...dachte sie, während ihr die tränen über das gesicht liefen.

 

05.06.2013 um 18:27 Uhr

schneckenwetter

von: grenzgaenger   Kategorie: baby-schnecke & co.   Stichwörter: 100km

 

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