grenzwandel

31.07.2013 um 14:30 Uhr

unsichtbar

von: grenzgaenger   Kategorie: alltägliches

 

ich bekomme ganz viele liebe anfragen, wie es mir gerade geht und warum ich schweige, bzw. abgetaucht bin.

---> ich schreibe nächste woche mittwoch pädiatrie...

- 18 große themen...

- 35 vorlesungen mit zwischen 50 und 130 folien...

- ein standardlehrbuch mit 900 seiten...

- eine der anspruchsvollsten klausuren im klinischen abschnitt, zumindest an dieser uniklinik...

- bestehen müssen, da sonst kein pädiatrie-block im nächsten semester...

- keine nachklausur...

- und dazu bereits 8 geschriebene klausuren in den letzten drei wochen, ergo einen nicht mehr ganz so schnellen kopf...

 

ich komme wieder. versprochen

 

24.07.2013 um 10:48 Uhr

gefühlschaos

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

 

ich sitze hier und mir laufen ununterbrochen die tränen übers gesicht. eigentlich sollte ich dringend radiologie lernen, alpha-strahlung, beta-strahlung, photonen, positronenemmissionstomographie, strahlentherapie bei mamma-ca., alles mit dem potential, mich abzulenken, weil ich es spannend finde. und doch sitze ich hier, weine bittere tränen der trauer und kann noch immer nich begreifen, dass martine nicht mehr existiert. es ist ein paradoxes und zwiespältiges gefühl. einerseits hat martine real nie existiert, nicht als die frau, in die ich so sehr verliebt war und trozdem fühlt es sich an, als hätte sie existiert und wäre gestorben. diese frau hatte ein gesicht, ein leben. ein leben, das ich gerne mit ihr geteilt hätte. und jetzt sitze ich hier und versuche verzweifelt, wieder ordnung in meinen gefühlshaushalt zu bringen, mich an meinen alltäglichen strukturen und freunden festzuhalten, um den kopf über wasser zu halten, um nicht unterzugehen.

 

23.07.2013 um 19:19 Uhr

noch ein ende

 

ich werde die geschichte mit martine hier nicht weiter aufarbeiten. es macht keinen sinn, da beißt sich die katze in den schwanz, um mal einen meiner lieblingssprüche zu bemühen. ich finde keine ruhe, aber genau das ist es, was ich momentan am aller notwendigsten brauche.

ich werde nicht aufhören hier zu bloggen, nein, sicher nicht, aber ich werde martine beerdigen. ich habe 13 monate lang eine frau geliebt, die es nie gab, und ich werde sie beerdigen müssen, um ruhe zu finden. ich weiß nicht, wann es mir das letzte mal so schlecht ging, wann ich das letzte mal so oft so verzweifelt und bitterlich geweint habe, wann ich zum letzten mal so unendlich erschüttert und verletzt war. ich weiß es nicht.

ich werde martine beerdigen, und dann anfangen, nach vorne zu schauen.

 

22.07.2013 um 16:45 Uhr

ich werde...

 

...mich nicht unterkriegen lassen. ich werde mich - verdammt nochmal - nicht unterkriegen lassen. es geht mir nicht gut, aber irgendwann wird es das wieder, und vor allem: ich habe die kontrolle darüber, ICH kann das lenken und steuern und aktiv sein, ich. ICH, und sonst niemand.

 

22.07.2013 um 11:05 Uhr

tag 3 nach 13 monaten lebenslüge

 

ich werde die geschichte aufschreiben. ich kann nicht anders und ich glaube auch nicht, dass ich sie anders verarbeitet bekomme. ich werde sie aufschreiben, und zwar hier. hier hat alles begonnen, unsere blogs waren bis auf die letzten wochen mit ein zentraler punkt in unserer kommunikation und nachdem jetzt alls aus und vorbei und zersplittert und in sich zusammengefallen ist, werde ich versuchen, die ganze geschichte hier aufzuarbeiten. ich brauche das, ich kann nicht anders. ob es mir alleine, nur mit schreiben, gelingen wird, weiß ich nicht. aber ich bezweifle es.

unten meinen füßen hat sich am freitag ein loch aufgetan, wie es größer und dunkler und tiefer nicht hätte sein können. es geht mir beschissen, so richtig, ich bin unendlich erschüttert und verletzt, ich begreife es nicht. ich schwanke zwischen massiven heulkrämpfen,  latenten panikattacken und momenten, in denen ich gar nichts fühle, in denen ich wie tot bin. und vor allem: ich muss derzeit funktionieren, weil ich klausuren schreibe, eine nach der anderen, bis zum 7.8., die ich bestehen muss. und will.

ich verstehe nicht, wie das passieren konnte, wie man eine menschliche existenx auf allen erdenklichen ebenen so detailreich und so widerspruchsfrei konstruieren, ja fast schon leben kann. letzteres wird der punkt sein, der das alles möglich machte. rein kognitiv ist das nicht so und nicht so lange aufzubauen und durchzuhalten. das geht nur, wenn in der konstruierten person ein großteil seiner selbst drinsteckt und zudem seiten ausgelebt werden, die vielleicht im realen leben nicht auslebbar sind. und diese gesamte konstruierte person und persönlichkeit, martine, die 13 monate lang intensiv ein teil meines lebens war, all diese ebenen, tausende von einzelnen details, die ich in form unserer schriftlichen kommunikation schwarz auf weiß habe, all das, was da um mich herum konstruiert und vernetzt wurde, all das muss ich jetzt wieder auflösen und auseinanderklamüsern, um martine beerdingen und vergessen zu können. gestorben ist sie schon, am freitag, als der mensch, der mir das alles angetan hat, mir nach zwei wochen massiven mißtrauens eine email schrieb und die bombe platzen ließ. ich war mißtrauisch geworden, weil er gewollt hatte, dass ich mißtrauisch werde, weil er nicht mehr konnte. und so bekam ich am freitag um 10 uhr eine mail, das ende eine 13-monatigen lebenslüge, die hier bei blogigo im mai letzten jahres begonnen hatte...

 

21.07.2013 um 21:47 Uhr

warum?

warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum?
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum?
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum? 
warum? waruum? warum? warum? warum? warum? warum? warum?
 
mein gott womit habe ich das verdient?

21.07.2013 um 10:26 Uhr

emotionales chaos

 

ich hatte keine chance. jedes kleine bischen aufkeimende unsicherheit oder frühes misstrauen wurde im keim erstickt, und zwar durch das hinzufügen neuer details zu dieser konstruierten existenz von martine, noch so winzige, die alle ins bild passten. und das auch noch widerspruchsfrei. wir haben uns nie getroffen, nie telefoniert, weil martine panische angst hatte ihr "lesbisch sein" auszuleben, ihre kinder zu verlieren, weil diese mit dem outing der mutter und dem zusammenleben wollen mit einer frau möglicherweise nicht klarkommen würden. so ging es immer darum, die kinder an diese situation heranzuführen, bei ihnen akzeptanz der homosexualität der mutter wachsen zu lassen und letztlich ging es auch um die ängste und schwierigkeiten von martine, das erkennen der homosexualität mit 37 und die unendliche angst davor, dem in der realität - mit mir - ins auge zu sehen. und so blieb es über 13 monate bei emails - unendlichen vielen mails - und vor allem bei den sogenannten quatschdokumenten. teamviewer und dann quatschen in einem word-dokument entweder bei ihr oder bei mir im rechner. meistens bei mir. im rahmen dieser kommunikation in den letzten 13 monaten habe ich dieser frau über 8000 mails geschrieben und auch bekommen und wir haben über 500 seiten, schriftgröße 11, einfacher zeilenabstand, zusammengequatscht. und im rahmen dieser fast schon uferlosen kommunikation entstand eine konstruierte existenz, wie sich echter kaum hätte sein können, mit allen details, widerspruchsfrei, auf allen nur erdenklichen ebenen eines menschlichen lebens. für mich existierte martine, ich hatte keinen zweifen, ich kam, angesichts dieses teilweise zwar unglaublich klingenden, aber dennoch widerspruchsfreien detailreichtums noch nichtmal auf die idee, das alles könnte ein fake sein. das überstieg schlicht mein vorstellungsvermögen. also existiete martine als frau, in die ich mich verliebt hatte, obwol ich sie noch nie gesehen oder gehört hatte, die ich im rahmen ihres langsamen outings begleitete, die mir sagte, wie sehr sie mich liebte und wie sehr sie sich dessen bewusst sei, was sie mir an geduld und energie abverlangte, zu "warten", bis sie endlich so weit sei. aber, so meinte sie erst vor wenigen wochen, kurz bevor bei mir manifestes und berechtigtes mißtrauen sich einstellten, sie hätte ihre ängste in den etzten 17 jahren immer in den griff bekommen und würde es auch dieses mal schaffen. und so blieb ich in meiner unendlichen geduld weiter am ball, weiter und immer weiter...

ich kann es nicht glauben. ich begreife es nicht, ich verstehe es einfach nicht, wie das alles möglich sein, wie das alles passieren konnte. ich bin unglaublich erschüttert, mein mißtrauen frisst mich auf. ich merke das sich einstellen eines gefühls, das ich niemals wieder haben wollte, das ich in jahrelanger therapiearbeit erfolgreich bekämpft geglaubt hatte, nämlich eine leere gepaart mit einem dichtmachen. ich fühle mich mißbraucht, ausgezogen bis auf die seele, bloßgestellt, hintergangen, ich habe angstvor dem auf- und verarbeiten dieser geschichte und ich bin so unendlich verletzt, wie ich es noch niemals in meinem leben war.

und ich schäme mich. ich schäme mich dafür, dass mir das passieren konnte. ich habe nie verstanden was es bedeutet, wenn ein opfer einer gewalttat, sei es jetzt körperlich oder seelisch, von scham über die tat berichtete, von scham darüber, dass einem das passiert ist.

jetzt weiß ich es. weil ich hier sitze und es fühle. 

 

20.07.2013 um 16:25 Uhr

warum?

 

ich habe mich in meinem leben noch nie so hilflos gefühlt, noch nie so mißbraucht, ausgezogen bis auf die seele, bloßgestellt, benutzt und beschmutzt.

ich begreife es nicht, ich begreife nicht, dass es die existenz dieser frau, mit der ich über ein jahr kommuniziert habe, immer in der hoffnung, dass sie ihre ängste endlich überwindet, damit wir uns treffen können, dass es diese existenz in all ihren details nicht gibt, nie gab. als wäre sie gestorben. sie hätte real existieren und beim motorrad fahren ums leben kommen können, es wäre ein ähnliches gefühl gewesen. sie ist tot, und das, obwohl sie nie gelebt hat.

ich mache mir keine vorwürfe, nein, aber das ist das schlimme daran, dass ich das nicht machen kann. umfassender kann ein gefühl des kontrollverlusts nicht sein.

ich fühle mich so hilflos, so unendlich hilflos. ich habe nichts getan und muss jetzt zusehen, wie ich damit fertig werde.

wie kann man jemandem so etwas antun, wie?

 

19.07.2013 um 14:15 Uhr

ende

 

ich habe über ein jahr mit einem menschen kommuniziert, den es nicht gibt als diejenige, als die sie sich ausgab. 

ich war über ein jahr lang in eine frau verliebt, die nicht existiert.

ein jahr meines lebens - eine einzige lüge.

heute morgen ist mir mein leben auf den kopf gekracht und noch niemals war ich so erschüttert in meinem ganzen sein, in meinen gefühlen, in meinem selbstbewusstsein, meiner menschenkenntnis und in meinem urvertrauen. noch niemals im leben hat mir jemand so dermaßen weh getan. 

wie konnte das passieren? wie konnte es so weit kommen? wie konnte man mir so etwas antun?

es tut so unendlich weh...