grenzwandel

23.04.2008 um 20:16 Uhr

das lama hat leider doch einen kleinen einsamkeitsschaden davongetragen...

 

flatsch. krachte das lama durch den blätterwald und stand plötzlich grinsend vor mir. ich hatte es nicht einmal kommen hören, es ist wirklich geschickt im leiselaufen, mit seinen ballettschuhen, das tier.

ich stand schon eine weile im lindgrünen birkenwald, völlig ratlos, wo ich denn nun anfangen sollte, das lama zu suchen. ich hatte was gutzumachen, spätestens jetzt war mir das endgültig bewusst geworden. die klage wegen nächtlicher ruhestörung und spuckbelästigung, nunja. ist man die besitzerin eines kapriziösen, weißen ballett-lamas tut man gut daran, eine ordentliche rechtsschutzversicherung abgeschlossen zu haben. und ich muss gestehen, ich konnte mir das grinsen nicht verkneifen, der alte schäuble hatte es verdient. o.k., dass er nicht weglaufen konnte, über diese tatsache, so habe ich beschlossen, werde ich geflissentlich hinwegsehen und mich dem glauben hingeben, das lama hätte das nicht gewusst. wie auch. seit seiner letzten - wohlgemerkt misslungenen - bildungsreise interessiert es sich nicht mehr für politik.

wie dem auch sei, da stand es nun also vor mir und grinste mich frech an. ich nahm es erst mal in den arm, drückte es fest und zerrte es unter die nächste birke. ich wollte einfach mit ihm zusammen sein, ich hatte mich so lange nicht um das tier gekümmert. aber es wollte nicht so recht und sträubte sich zart aber bestimmt. o.k., wahrscheinlich ist es doch beleidigt, tief drinnen im lama-herzen, hoffentlich, so dachte ich, hat die zarte lama-seele keinen dauerhaften schaden genommen, ob der wochenlangen vernachlässigung, und die einseitige ernährung hat ihm bestimmt auch nicht gerade gut getan. wie konnte ich ihm das nur antun. wie höchst egoistisch von mir.

das lama tänzelte ein wenig um mich herum, drehte eine runde rechts um die junge birke, und eine runde links, hüpfte auf und hüpfte ab, und kam aus dem grinsen nicht mehr heraus. himmel, dachte ich, irgendwas hat das tier doch, irgendetwas stimmt nicht, soooo aufgekratzt hatte ich es schon lange nicht mehr gesehen. was denn nun los sei - ich setzte eine strenge miene auf, ich versuchte es zumindest - wollte ich wissen, und ob es denn schon wieder etwas ausgefressen hatte....aha.

kaum hatte ich letztetes gefragt, schon senkte das tier ein wenig verschämt den kopf und schielte mich mit seinen treuen augen von unten an. wie gesagt, aha. wie konnte es auch anders sein, ein kapriziöses, weißes ballett-lama KANN gar nicht anders als nur bödsinn im kopf haben. was, lama, bitte schön, ist also los, vielleicht rückst du einfach mal heraus mit der sprache, damit ich entscheiden kann ob ich ernsthaft sauer sein muss, oder ob ein mahnender blick genügt.

nunja, also, kicherte es, es habe ja in den letzten wochen genügend zeit gehabt, sich auf entdeckungsreisen zu begeben. ja, ok, das dachte ich mir schon, wie hätte ich es auch verhindern sollen, und nunja, da hätte es, stotterte das tier, die ein oder andere so irgendwie ganz interessante persönlichkeit kennengelernt. ok, soweit so gut, ich kann folgen, aber...naja, und eine, eine hätte es ihm irgendwie ganz besonders angetan, aber bisher hätte es sich noch nicht getraut, sie anzusprechen, und weil es doch lollis so liebt und die dame offensichtlich auch, und...und bei der dame heißt ein lolli nicht lolli sondern lollo, und...ich wurde immer ratloser ob dieses wirren gestammels...und, jaulte es auf und stampfte gleichzeitig mit dem fuß, und überhaupt würde es mit der lolli-lollo dame gerne mal einen spazierganz durch den lindgrünen birkenwald machen, weil die dame würde ja nicht nur lollos lieben, sie wär ja auch noch ganz berühmt, wär sie und wunderschön, jawoll kreischte das lama, wunderschön die frau lollo und es wolle - BITTE - ein, einen spazierganz haben...

...und so ganz langsam fing ich an zu begreifen, was das lama mir eigentlich sagen wollte, vom gleichzeitig sich breitmachenden entsetzen hier mal ganz zu schweigen...

...und weil ich ihm etwas schuldig bin, dem lama, werde ich mich jetzt - stöhnend und augenverdrehend - aufmachen und gina anrufen und sie fragen, ob sie mit dem lama spazieren gehen will.

womit habe ich das verdient?

23.04.2008 um 20:00 Uhr

neiiiiiiiiiiiiiiiiin...

 

um gottes willen...

hier

ich weiß nicht, wie ich das wieder gutmachen kann.

ich gehe es jetzt erst mal holen...

 

ach herrjeh, das wird ja immer, immer... herrgott, das tier ist nicht mehr ganz...naja, was will man von einem kapriziösen, weißen ballett lama auch anderes erwarten...

hier 

22.03.2008 um 14:12 Uhr

des lamas misslungener bildungstrip

 

scheiße. ich habe ein problem. ein fettes problem, um genau zu sein.

das lama. es dreht durch. es ist völlig außer sich, ich kriege es nicht beruhigt, es tobt und brüllt und kreischt und rollt mit den augen und sabbert und stampft mit den ballett-schuh beschuhten hufen, WAS DAS ZEUG HÄLT. es ist furchtbar. dabei ist alles doch gar nicht so schlimm, nur das will es mir nicht glauben, es glaubt mir einfach nicht, das tier. herrjeh, was mach ich bloß?

so, aber mal von vorne. was ist passiert?

ausgang hatte es, das lama, weil es, wie es mir erzählte, etwas für seine bildung tun wollte. bildung? lama? das lama will sich bilden, wie passt das denn? aber gut, es schaute mich mit schräg gelegtem kopf treuherzig an und nuschelte, ich sei doch wohl diejenige, die so viel wert auf bildung lege...naja, gaaaaanz unrecht hatte es damit nicht, aber ein gebildetes lama? noch dazu eines, das weiß ist und ballettschuhe trägt und nicht selten lutscherlutschend durch den lindgrünen birkenwald trabt? also ich weiß nicht. aber gut, mit diesem argument hatte es mich natürlich schachmatt gesetzt. es wollte sich bilden. schön.
 
wie es das anzustellen gedenke, wollte ich wissen. naja, zirpte es, es hatte sich gedacht, hatte es sich, wenn es denn ausgang bekäme, könnte es sich doch vielleicht auf die suche nach ein paar guten nachrichten- und informationsseiten im zwischennetz machen, das sei ja doch, so sagte es, das einfachste. und überhaupt, ich hätte ja wohl gerade gaaaar keine zeit, mich um seine bildung zu kümmern...ähhhhh...ja. recht hatte es, ich war beschäftigt. wirklich beschäftigt. und wenn ich das nicht wäre, würde ich darauf bestehen, mit dem lama zusammen im lindgrünen birkenwald hasen zu ärgern. aber ich würde mich definitiv NICHT um seine bildung kümmern wollen. das lama will sich bilden? bitte schön. sollesdoch. ich gewährte ihm, nach einigem hin und her, ausgang. für wenige stunden fürs erste, aber es war zufrieden und trabte mit hocherhobenem kopf davon.
 
es dauerte allerdings keine halbe stunde, da war es wieder da, das lama, völlig aufgelöst, schreiend und tobend und spuckend. was in aller welt ist denn los, lama, fragte ich das lautstark lamentierende tier, es tobte, es war unvorstellbar, und bekam kaum einen verständlichen satz heraus, dem ich entnehmen konnte, was denn so furchtbares auf seinem ersten bildungstrip passiert war. so nach und nach sprudelten jedoch vereinzelt informationen hervor. es hatte sich also tatsächlich ins zwischennetz begeben, mit dem vorsatz, die ein oder andere lamabildungstaugliche homepage zu finden, so erzählte es mir jaulend, es trieb sich also hier ein bisschen rum und stöberte nach aktuellem, und da ein bisschen, und dann, dann - brüllte es mich unvermittelt an und ich zuckte unwillkürlich zurück - dann läuft mir doch da dieser affe über den weg, dieser hampelmann, einfallsloser nachmacher, dieser dieser schlapfenwappler...ich verstand immer noch nichts, muss ich dazu sagen...auf jeden fall, kreischte das lama, dieser typ, schlappschlumpf, klaut der doch einfach, nein, das steht ihm nicht zu und er soll ihn sofort wieder hergeben er darf das nicht - ich war immer noch ratlos - diese misttöle von grinseknabe...oktavenwechsel...klaut der doch einfach meinen...lama, komm doch bitte mal zum wesentlichen (und woher kannte das tier eigentlich all diese schimpfworte)...mein einwand verhallte weitgehend ungehört, das gekreische wurde lauter, meinen, meinen, schluchz, nahamen, es hat meinen NAMEN gestohlen, dieses, diese, diese ganzkörperfrechheit...wie unerträglich unendlich und unverzeihlich peinlich, krakehlte das lama...und ließ sich nicht wieder beruhigen...
 
und langsam, ganz langsam dämmerte es mir und ich konnte nicht anders, wirklich nicht, entschuldigebitte, und lachte lauthals los.
 
das weiße ballettschuh-lama war auf einer seite mit informationen über tibet gelandet...
 
es tobt immer noch, das tier, und ich werde jetzt den dalai-lama anrufen und ihn fragen, was in aller welt ich tun soll.

 

19.03.2008 um 14:46 Uhr

des lamas neues zuhause...

 

WATSCH!

das hatte gesessen. mit einem schlag war ich wach. hellwach, um genau zu sein, nachdem etwas schweres, felliges mitten auf meinem bauch gelandet war, mit anlauf und einem gezielten plumps, im mittäglichen tiefschlaf.

das weiße ballett-lama. natürlich. was denn sonst. kaum hatte ich die augen offen, lamentierte es auch schon los, das lama, ich solle aufstehen, sofort, sabberte es.

hallo? geht's noch?

und wie, bitte schön und mit verlaub, sollte ich aufstehen, mit diesem tier auf meinem bauch, ich konnte mich keinen millimeter bewegen, aber das störte das lama nicht weiter, aufstehen, brüllte es und begann zu allem überfluß auch noch, aufgeregt hin und her zu zappeln. mehr als ein gequältes quietschen meinerseits war nicht drin, das lama wackelte und ich versuchte mich zu befreien, um überhaupt herausfinden zu können, was denn jetzt schon wieder los war. aufstehen, jaulte es unverdrossen weiter und irgendwie schaffte ich es dann doch, mich unter ihm hervorzuwinden. auf-...jajajaja jaha jadoch, ist gut. WAS IST LOS? was, lama, bitte schön, ist jetzt, in dieser meiner der erholung vom schreiben dienenden mittags-tiefschlafphase so wichtig, daß es einen derartigen überfall rechtfertigt? WAS?

nachdem ich es ein wenig beruhigt hatte, fing es an, mit schuldbewusst gesenktem kopf zu erzählen. es hatte, neugierig wie es nunmal ist, das tier, sich heimlich in meinen blog geschlichen, um von da aus auszubüchsen, weil es sich mit mit kaspar, melchior und balthazar treffen wollte. das sind katzen. die wohnen auch im wald, erklärte es mir. auf meinen einwand hin, seit wann es denn im lindgrünen birkenwald katzen gäbe schaute es noch schuldbewusster drein und hauchte mit leiser stimme, daß die katzen gar nicht im lindgrünen birkenwald wohnen, sondern in einem anderen wald. ähhh, lama, wie bitte? was wollte mir das tier sagen? hab ich das richtig verstanden? hatte es sich etwa in die blogs anderer blogger geschlichen und darin herumgeschnüffelt, und hatte dabei die drei katzen kennengelernt? wollte es mir DAS etwa erzählen? eigentlich, warf es unverschämterweise ein, ist nur melchior eine wirkliche katze...ah ja, und was sind die anderen beiden...? verächtlich schaute es mich an: kater natürlich. achsojaentschuldigebitte. kater. klar doch. wie dem auch sei, ich wollte gerade mit einer schimpftirade loslegen, da fiel es mir frech ins wort, eigentlich ginge es ja gar nicht um die katzen, die waren nur der ursprüngliche grund, warum es sich in meinen blog geschlichen hatte, um dann von da aus...jajaja, auszubüchsen, ich weiß, das hatten wir bereits, lama, komm doch bitte mal zum punkt. WAS WILLST DU?

also, setzte es erneut an, es hatte sich in den blog geschlichen (...), extra leise mit den ballett-schuhen, und dann, dann war da auf einmal gar nichts mehr, wie es mal war, brüllte es, und stand da, völlig verwirrt und verloren und dachte erst, es hätte sich verlaufen, weil irgendwie einfach alles ganz anders, gaaaanz anders war, quietschte es, und nachdem es sich dann ein paar mal im kreis gedreht hatte fing es schließlich an, sich umzugucken...und nach und nach entdeckte es lauter bekannte dinge: der birkenwald war noch da, und da, da, der flamenco-berg, und dem nervigen therapie-punk lief es auch über den weg - es konnte sich gerade noch verkneifen, ihn anzuspucken - und das unterbewusstsein tauchte ebenfalls auf, und da wusste es, dass es sich nicht verlaufen hatte, sondern dass sein zuhause neu eingerichtet worden war...

...und weißt du was, fragte es mich und legte mir seinen kopf zärtlich sabbernd auf die schulter, weißt du was? ich war schon in gaaaaaaaanz vielen anderen blogs...ähhh, LAMA, was...aber unseres, sagte das weiße ballett-lama, unser blog ist das schönste, das es gibt!

und ich?

ich kann mich dem nur anschließen. unser blog ist das schönste, das es gibt.

DANKE.

 

18.03.2008 um 21:14 Uhr

das weiße ballett-lama...

so ähnlich sieht's aus, das weiße ballett-lama.

leider hat es sich nicht mehr gezeigt, seit wir unter der birke cornflakes gegessen haben...

03.03.2008 um 20:00 Uhr

cornflake is gone

Musik: punky's dilemma - simon & garfunkel

 

"wish I was a kellogg's cornflake, floatin' in my bowl..." flötete die großartigste band der welt mir gerade ins ohr, als just in diesem moment das weiße ballett-lama auftauchte und besagtes, beziehungsweise besungenes, in einer schwarzen schüssel mit milch treibendes cornflake verspeiste, mit einem haps, schmatze es, grinste mich durchtrieben an, machte auf dem absatz kehrt und verschwand wie immer wiehernd und mit hoch erhobenem Kopf im lindgrünen birkenwald.

hallo? geht's noch?

ich hatte noch nicht einmal zeit, den mund aufzumachen, so schnell war das gegangen, und jetzt blieb mir nichts anderes übrig, als diesem tier in den wald zu folgen und ihm die lama-leviten zu lesen. sollte ich es denn finden. es ist nämlich sehr begabt wenn es darum geht, sich nach begangenen schandtaten zu verstecken. aber bei aller liebe, das geht nicht, wirklich nicht. nicht nur, dass ich es inakzeptabel fand, dieses benehmen - ok, ich geb's zu, ich konnte mir das grinsen mal wieder nur schwer verkneifen - nein, ich musste mir ob des gefressenen cornflakes auch noch die beschwerden von simon & garfunkel anhören. ich versprach zwar, für ersatz zu sorgen, dennoch waren die beiden ernsthaft verstimmt.

seufzend zog ich also los, nicht ohne mir - soviel spaß muss sein - vorher selbst eine schüssel cornflakes zu genehmigen, und machte mich daran, die fährte des lamas aufzunehmen. mittlerweile bin ich gut, im fährtenlesen, denn wenn man das weiße ballett-lama im wald sucht, muss man das können, man hört es nämlicht nicht. es hat ja ballettschuhe an. leider hat das auch das lama mittlerweile begriffen, dass ich seine fähren lesen kann, und ist nun seinerseits wiederum nicht gerade einfältig wenn es darum geht, falsche fährten zu legen. ich allerdings habe das durchschaut und weil das lama noch nicht begriffen hat, dass die unauffälligsten fährten letztendlich die auffälligsten sind, finde ich es jedes mal recht schnell.

so weit so gut. im lindgrünen birkenwald angekommen, versuchte ich herauszufinden, welche falsche-fährten-taktik sich das tier denn diesmal ausgedacht hatte. ich wanderte zwischen den birken hindurch, konnte aber nichts entdecken. gar nichts. niemanden. und das lama schon gar nicht. hmmm. das war ja mal was ganz neues. nachdem ich noch eine ganze weile erfolg- und zugegebenermaßen auch recht lustlos umhergeirrt war, im wald, fiel mir ein, dass ich ja die packung cornflakes eingesteckt hatte, in den rucksack, vorsichtshalber, sollte die suche dauern. welch weise voraussicht. dachte ich und machte mich nun meinserseits daran, mir eine geeignete cornflakes-lamafang-fährten-taktik auszudenken. und weil der lindgrüne birkenwald nicht nur lindgrün ist und aus birken besteht, sondern zudem auch noch recht beschaulich klein und rund war, dachte ich mir, es sei wohl am sinnvollsten, eine cornflakes-fährte rings um den wald herum zu legen. aus zweierlei gründen. ist das tier zu gierig, denkt nicht nach und fängt an, sich hinter mir her zu fressen, wird es, wenn ich am end-, der ja zugleich der ausgangspunkt der fährte ist, stehen bleibe, irgendwann zwangsläufig hinter mir auftauchen. ist es jedoch clever, wartet bis ich mich cornflakesfährten-legend ein wenig entfernt habe und frisst sich dann in die entgegengesetzte richtung, dann muss es, ebenfalls zwangsläufig, irgendwann vor mir auftauchen. gedacht, getan. ich begann also, ein flakes nach dem anderen im kreis um den wald herum auszulegen, blieb schließlich am anfangsendpunkt der fährte stehen und hoffte, dass meine strategie aufging.

tat sie dann auch. irgendwann stand das lama völlig verdattert vor mir, und vor lauter schreck vergaß es, davonzugaloppieren. ich sah es an, streng, aber wie es da so vor mir stand, ganz in weiß und mit seinen ballett-schuhen, überlistet, und mich mit seinen großen, treuen lama-augen anblickte, da konnte ich nicht anders als es einfach in den arm zu nehmen und ihm zu sagen, wie lieb ich es hatte.

und weil die kellogg's-packung immer noch halb voll war, legten wir uns zusammen unter die nächste birke, in die untergehende abendsonne, ließen simon simon und garfunkel garfunkel sein und leerten die tüte bis auf das letzte cornflakes. nicht ohne uns - bevor wir eben jenes verspeisten - grinsend anzuschauen und daran zu denken, dass in zukunft in punky's dilemma ein cornflakes besungen wird, das es gar nicht mehr gibt.

24.02.2008 um 00:12 Uhr

mein weißes, kapriziöses ballett-lama

Stimmung: irgendwie übermütig
Musik: forever young - alphaville

ich bin ein sehr visueller mensch. die bilder kommen und gehen, stetig, kontinuierlich, im minutentakt. und bisweilen entstehen solche, die ich nicht mehr gehen lassen möchte, so absurd sie auch sein mögen, sie sind mir ans herz gewachsen, ein teil von mir, ich liebe, hege und pflege sie, erfreue mich an ihnen und bisweilen lassen sie mich - auch in den unpassendsten momenten - laut auflachen.

eines dieser bilder, das mir seit vielen jahren ein treuer, visueller begleiter ist, ist das weiße, kapriziöse ballett-lama.

eines tages war es da, einfach so, stand etwas verloren, von oben bis unten schlammverkrustet, im jungen, lindgrünen birkenwäldchen. und weil es so hilflos dreinsah, nahm ich mich seiner an; zu diesem zeitpunkt war es allerdings noch braun, wie lamas eben so sind. weil es aber so schmutzig war, und ich gerade nichts anderes zur hand hatte, habe ich es in bleiche gebadet, ich wollte nur den schmutz abwaschen. leider hielt die fellfarbe der chemischen keule nicht stand, und so wurde es weiß. das tier ist sehr kapriziös, sehr eigen und sensibel, und weil im wald, auch im jungen lindgrünen birkenwald, steine auf dem boden liegen, die bisweilen viel zu spitz für zarte lamahufe sind, habe ich ihm ballettschuhe angezogen. ihm hat's gefallen.

wir haben viel spaß seither. rennen um junge birken herum, ärgern die hasen im wald, liegen in der sonne und genießen den frühling, spucken um die wette - bisher hatte ich noch nie eine chance, naja, ich trete immerhin gegen ein lama an, auch wenn's weiß ist und ballettschuhe trägt, spucken kann es - zählen regentropfen und nagen junge birken an (ich muss gestehen, birkenrinde gehört immernochnicht zu meiner lieblingsspeise, aber was tut man nicht alles...) und spielen sonnenstrahlenpuzzel. und noch vieles mehr, wir sind da sehr einfallsreich.

letztlich hat es sich allerdings ein bisschen zuviel freiheit genommen. alles was recht ist, aber so geht das dann doch nicht, wirklich nicht. ich hab so getan als wäre ich böse, denn auch ein weißes ballett-lama ist nicht vogelfrei, auch nicht bei mir, nicht ganz jedenfalls, aber das ging zu weit. es hat mir allerdings lediglich die zunge rausgestreckt, als ich angefangen hatte zu schimpfen - naja, so zu tun - hat sich umgedreht und ist im wald verschwunden.

das lama hat meine therapeutin angespuckt. sie stand ihm im weg. ja, ich weiß, war nicht gut, ich hätte sie warnen sollen, aber wer kommt denn auf so was. in der therapiesitzung zuvor hatte ich ihr nämlich erklärt, was ich mit ihrem namen assoziiere - einen hohen, spitzen, felsigen berg, der einen flamenco-rock trägt. kling seltsam, oder? jaha, jadoch, die bilder, ich weiß, aber weiter im text. das ballett-lama kannte sie zu diesem zeitpunkt schon, und fand es sympathisch. als es das nächste mal auftauchte, ich hatte mich wahnsinnig gefreut, weil ich es schon eine weile nicht mehr gesehen hatte, beschlossen wir, fangen zu spielen. ich brauchte bewegung. gesagt. getan. wir rannten also durch den jungen, lindgrünen birkenwald, ausgelassen und versuchten uns gegenseitig zu kriegen. gar nicht so einfach, das müsst ihr mir glauben. und plötzlich, aus heiterem himmel, stand eben dieser spitze berg mit dem flamenco-rock da, mitten im wald, dem ballett-lama im weg, und wollte nicht weichen. ich dachte noch 'scheiße, wo kommt die denn jetzt her', aber letztendlich ist sie selber schuld, was stellt sie sich auch meinem ausgelassenen, weißen ballett-lama in den weg, so was tut man doch nicht. das lama auf jeden fall fackelte nicht lange, blieb stehen, fixierte sie, legte den kopf in den nacken...ich hab es kommen sehen...und spuckte den berg an. vollkaracho. und ich konnte mir das lachen nicht verkneifen, ich habs versucht, ehrlich, aber es ging nicht. ganz echt nicht. leider stand ich dabei gerade in einer relativ gut besuchten buchhandlung. das lama ist davongaloppiert, wiehernd, kapriziös tänzelnd und mit hoch erhobenem kopf.

ich liebe dieses tier.

bei meiner therapeutin hab ich mich in der nächsten sitzung entschuldigt. sie hat ein bisschen dumm geguckt. aber nichts gesagt.

sie kennt mich.