grenzwandel

18.11.2015 um 09:33 Uhr

endlich.

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches


ich bin seit gestern abend ärztin.

...und werde mich mit diesem allerletzten eintrag hier endgültig verabschieden. es war eine wunderschöne zeit mit euch allen, mit höhen, tiefen und einem mal mehr, mal weniger gelassenen gependel um eine selbst definierte mitte. es geht mir gut. sehr gut, schon lange. im dezember werde ich in die großstadt meiner träume ziehen und anfang nächsten jahres bei meinem wunscharbeitgeber in der anästhesie meine facharztausbildung beginnen. ich habe seit einiger zeit eine wundervolle frau an meiner seite, mit der ich mir ab dezember eine gemeinsame wohnung, ein gemeinsames leben teilen werde.

neuer, sehnlichst erwarteter lebensabschnitt. beginn: heute.

eure grenzgängerin.

ps: der blog wird bestehen bleiben, ich habe mich dazu entschlossen, ihn nicht zu löschen. dazu ist er mir mit allem drum und dran zu wichtig. ich werde auch immer mal wieder vorbei schauen und gucken, wie es euch so geht. nur eben nicht mehr schreiben.

31.01.2013 um 10:19 Uhr

programm der nächsten 12 tage

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

31.1.

wh plastische-/handchirurgie

seminar infektiologie

wh thoraxchirurgie

wh allgemeine- und viszeralchirurgie

1.2.

wh herz- und gefäßchirurgie

seminar infektiologie

nachtschicht

2.2.

wh orthopädie das war nicht die wiederholung aller wiederholungen, aber ich bin zu müde, zu kaputt, zu unkonzentriert. egal. ich glaub, ich kann es mir erlauben. hoffe ich zumindest.

3.2.

wh dermatologie 

4.2.

wh dermatologie 

15 uhr dermaklausur perfekter start in den klausurenzeitraum. besser hätte es nicht laufen können.

17 uhr hno klausurkolloquium

5.2.

wh chirurgie

13.15 uhr mündliche/praktische prüfung chirurgie ein vollkommen vergeigter einstieg an der ersten station, klassischer blackout, aber nachdem mich die organisatorin völlig fertig vor dem hörsaal aufgegabelt und mich regelrecht zur zweiten station gezwungen hat, die dortige thoraxchirurgin souverän genug war, eine vollkommen durchwindige frau dr. auf den boden der medizinischen tatsachen zurückzuholen, lief es von da an wie am schnürchen und unterm strich hab ich an 4 stationen mehr punkte geholt, als andere an fünf. f... y...herzchirurgie...

6.2.

wh ophthalmologie 

7.2.

wh ophthalmologie

15 uhr: klausur ophtha zweite klausur, die nicht hätte besser laufen können. *michselbstfeier*. effektivste prüfungsvorbereitung in maximal kurzer zeit, gepaart mit der fähigkeit, improvisierend denken zu können. gestatten? dr. volle punktzahl grenzi.

abends: wh orthopädie nach diesem klausurspaziergang kein problem, obschon orthopädie ein ar...lo...ist und bleibt. 

8.2.

wh orthopädie

12 uhr klausur orthopädie 1/3 gewusst, 1/3 mit gefährlichem halbwissen gut geraten, 1/3 fröhliches rätselraten...

9.2.

frühschicht

nachmittags: wh chirurgie

10.2.

wh chirurgie

11.2.

wh chirurgie

9.30 uhr klausur chirurgie

du hast es fast geschafft. nochmal daumendrücken für den endspurt :-)

danach: wh hno

12.2.

wh hno

17.15 klausur hno

danach: *halbtotumfall*

und das sahnehäubchen muss hlw machen, toll *kicher*

 

21.01.2013 um 09:27 Uhr

medizin studieren macht gaga teil 2

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

gerade entdeckt, die aufschriebe vom wochenende...

 

 

auweia...

18.01.2013 um 16:14 Uhr

unrettbar

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

medizin studieren macht gaga. ich lese spiegel online...und mache aus hinrundentore hirntumore und aus einer helikopterattacke wird eine helicobacterattacke...ich fürchte, mir ist nicht mehr zu helfen...

 

17.01.2013 um 13:30 Uhr

ansteckend

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

als wäre das medizinstudium nicht schon hart genug, nein, man wird dabei auch noch zum hypochonder. zwangsläufig. man hat quasi keine chance, nicht zum eingebildeten kranken zu werden.

während und nach jedem einzelnen blockkurs habe ich das gefühl, mir was fachspezifisches eingefangen zu haben. im augenblockpraktium fürchtete ich fast zwei wochen um mein augenlicht; ok, nicht ganz unberechtigt, wir hatten die keratokonjunktivitis epidemica grassieren und eine infizierte kommilitonin hatte mir bei der praktischen prüfung im auge herumhantiert (da hatte sie noch keine symptome, war aber schon ansteckend). letztendlich war nichts. gar nichts. ich hatte zwar zwei wochen nahezu jede freizeitminute vor dem spiegel verbracht, mit heruntergezogenen unterlidern, um aber auch ja jeden quadratfemtometer meiner bindehaut beurteilen zu können, aber es war nichts.

während des hno-blocks wiederum hatte ich die ganze zeit das gefühl, nicht gut zu hören, nichts zu riechen und auch der pricktest (allergie-hauttest) fiel gefühlt extrem viel schlimmer aus als sonst. und überhaupt, meine bisweilen leicht kratzige stimme kam zwei wochen lang ganz unbedingt von den (nie diagnostizierten) knötchen auf meinen stimmlippen.

die letzten beiden wochen haben wir in der dermatologie verbracht, und leider juckt seit tagen alles. jeder rote fleck wird zur gefahr für leib und leben, ganz zu schweigen von den sonnenstrahlen, die sich heute gottseidank noch nicht haben blicken lassen und das auch nicht mehr tun werden. aber was ist mit den nächsten tagen, da ist wieder sonnenschein angesagt? ich werde einfach nachts einkaufen gehen und tasgüber im keller bleiben. man weiß ja nie, die malignen melanome und so, nä?

leider gottes haben wir ab nächster woche infektiologie...

es ist schlimm. ganz schlimm.

kurzer themenwechsel. hatte ich schon erwähnt, dass ich duplo liebe? die längste praline der welt? wenn ihr je das bedürfnis habt, mich zwecks kostenloser narkosen oder ähnlichem bestechen zu wollen, lasst euer bankkonto bankkonto sein und geht ne industriepackung duplo einkaufen. ich werde nicht nein sagen können. 

 

01.12.2012 um 08:35 Uhr

prioritäres sortieren

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

in den letzten zwei, drei wochen ein bisschen ins schlingern geraten. neu sortieren, die prioritäten. nein, nicht neu sortieren, sie nur wieder in die entsprechende rangfolge bringen und aufhören, so viel wert auf freizeit zwischendurch und erholung legen. es funktioniert nicht. entweder ich studiere und wirdme mich meiner diss und dem zweiten projekt oder eben nicht. ich liebe dieses fach, medizin, aber ich kann es nicht gescheit studieren, wenn ich nebenher zuviel wert auf freie zeit und zeit für mich lege. es geht nicht. wie die letzten wochen wieder mal gezeigt haben.

und genau jetzt fange ich wieder damit an. uni - diss - projekt nummer 2. ich bin nur zufrieden, mit mir und der welt, wenn das läuft. alles andere kann warten.

definieren der eigenen persönlichkeit über leistung? ja, genau.

so what?

28.10.2012 um 14:58 Uhr

fassungslos

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

ich verstehe es nicht. ich verstehe nicht, wie so mancher es geschafft hat, arzt zu werden, bzw arzt zu bleiben. mit so wenig durchblick, so wenig weitsicht und integrativem denken, mit so wenig verantwortungsbewusstsein. aber wahrscheinlich kann man so wirklich nur chirurg werden. ich weiß schon, warum ich von denen nichts halte.

zwei beispiele aus einer einzigen nacht.

schon in der nacht auf samstag war von intensiv eine psychiatrische patientin angekündigt und schon da war nicht ganz klar, was überhaupt sache ist. letztendlich kam sie in der nacht auf samstag nicht mehr, dafür war sie gestern nacht dann da. chronisch schizophren, hochgradig suizidal und ganz offensichtlich medikamentös nicht adäquat eingestellt, hatte diese frau es geschafft, sich in der nahegelegenen psychiatrischen klinik anzuzünden. mit verbrennungen zweiten und dritten grades und schon ziemlich unruhig habe ich sie abends übernommen. im verlaufe der nacht ist sie komplett ausgetickt, ich habe sie mehr als ein dutzend mal daran gehindert, aus dem fenster zu springen, unter einsatz aller kräfte die ich habe und habe versucht, irgendwie, ihr steigendes aggressionspotential, das aber einem zunehmendem wahnhaften geschehen geschuldet war, im zaum zu halten. auf nachfrage bzw. auf nachlesen in der akte stelle sich heraus - und hier hätte ich fast eine reanimation benötigt - dass sie, seit sie bei uns war, und das waren mindestens drei tage, ohne ihre neuroleptika liegengelaasen worden war. weil alle zuständigen ärzte einfach zu blöd, oder ignorant, oder was auch immer waren, diese anzuordnen. die liste aus der psychiatrischen klinik war vorhanden, es hätte lediglich einer unterschrift bedurft. ich war echt fassungslos. ich meine, man kann jemandem, der schmerzen hat auch mal drei tage paracetamol statt novalgin geben, ok. aber eine chronisch schizophrene, hochgradig suizidale ohne leponex liegen zu lassen und in der not zu versuchen, dem mit ein bisschen valium beizukommen, ist schon sehr hart an der grenze. ich hab letztendlich die diensthabende zu fassen bekommen, ne assistenzärztin, hab der gesagt, was sie machen soll und innerhalb einer halben stunde hatten wir das zeug aus der eigenen psychiatrischen abteilung da, womit sich die dame dann auch relativ zügig ruhistellen ließ und sich in ihrer symptomatik deutlich besserte.

und nebenbei habe ich noch folgendes mitbekommen, weil mich die schwester der nachbarstation angesprochen hatte. patientin, vor vier tagen mit verdacht auf lumboischialgie aufgenommen. röntgen, ct und mrt waren allesamt ohne befund, seitdem von den chirurgen einfach liegengelassen. nun klagte die patientin aber seit aufnahme - und fasste sich dabei immer wieder an den rücken - über kolikartige schmerzen (schon da MUSS es klingeln), opioid-analgetika zeigten entweder kaum wirkung oder verschlechterten die symptomatik und zudem trank sie von sich aus unmengen an wasser. hier stellte sich auf nachfrage heraus, dass es noch keiner geschafft hatte, aus ignoranz, unwissen, motivationslosigkeit oder wie auch immer, mal ein ultraschall anzuordnen. ich würde wetten, mehr hätte es, nach adäquater schmerzanamnese, nicht gebraucht. auch hier konnte ich wieder nur den kopf schütteln und mich ernsthaft fragen, wie in aller welt seid ihr ärzte geworden und geblieben? wie?

wie kann sowas passieren? ich verstehe es wirklich nicht. wo auf dem weg ins und durchs berufsleben eines arztes verliert man sein fähigkeit, ein guter arzt zu sein, wo auf diesem weg verliert man seine motivation, ein guter arzt zu sein und wo auf diesem weg verliert man den anspruch an sich und das pflichtbewusstsein gegenüber den patienten, ein guter arzt zu sein? wo? ich will das wissen, damit ich an genau dieser stelle meines weges aufpasse, damit mir genau das nicht passiert.

 

25.10.2012 um 16:34 Uhr

vorsicht: kragen am platzen

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

so. bevor mir jetzt hier und heute noch der kragen platzt, muss ich echt mal maulen. ich weiß, ich maule wahrscheinlich auf recht hohem niveau, oder obwohl nee, ich maule einfach auf meinem niveau.

thema: die lieben kommilitonen.

warum bin ich eingentlich IMMER von denjenigen meiner kommilitonen umgeben, die ne menge von mir profitieren, sowohl theoretisch als auch praktisch? und warum sind weit und breit keine in sicht, von denen ICH mal profitieren könnte?

in den klausuren sitzen immer diejenigen neben mir und um mich herum, die von mir abschreiben wollen (und das in der regel auch dürfen); ich kann mich an keine klausur erinnern, in der mal ich neben jemandem sitzen konnte, von dem ich hätte abschreiben können. nicht, dass sie mich nicht lassen würden, aber ich setze doch nicht meine noten aufs spiel, indem ich bei meinen nebensitzern abschreibe. sobald die hörsaaleinteilungen für die klausuren raus sind dauert es keine stunde und ich hab die ersten anfragen in fb, ob man den oder jenen platz neben mir reservieren könnte. angefangen hat das in der vorklinik, als ich das halbe semester durch die anatomieklausur gebracht habe. das verfolgt mich bis heute. in form von gerade genanntem effekt.

oder ebenso: derzeit im chirurgieblockpraktikum. da sind wir in relativ kleinen gruppen fest zusammen, 22 an der zahl, wobei diese gruppe meist nochmal in einmal 10 und 12 studenten aufgeteilt wird, nach einem festen schema, nämlich dem alphabet. ergo: immer die selben gesichter um mich rum. und leider - wie könnte es auch anders sein - wieder diejenigen, die sich wie die fliegen an mich dranhängen und sich von mir doppelt und dreifach erklären und zeigen lassen, was dozent oder dozentin allerdings auch gerade schon erläutert hatte. gestern und in der folge dann heute wäre mir allerdings fast der kragen geplatzt. gestern: patient. zwei studenten, ein patient. anamnese, diagnostik, therapieplanung. (zukünftiger) alltag. wir hatten einen dankbaren patienten, 16 jahre, ein bisschen einfach gestrickt aber relativ leicht zu handhaben. fand ich. die kommilitonin, die mir am kittelzipfel hing, was sie seit anfang letzter woche tut, ist nur unwesentlich jünger als ich, studierte pharmazeutin (man könnte also ein gewisses maß an selbstbewusstsein erwarten, rein theoretisch natürlich nur, ebenso wie die fähigkeit, sich auch komplexere inhalte eigenständig aneignen zu können) trabte mir hinterher, bekam keine struktur in ihren teil des anamnesegesprächs und machte mich schon da halb wahnsinnig. wahnsinnig vor unverständnis bezüglich ihrer art, zu werke zu gehen. nachbesprechung mit der uns betreuenden ärztin mit dem job, für morgen einen patientenbericht zu schreiben, um ihn der gruppe vorstellen zu können sowie die theorie seiner verletzung - einer beckenfraktur - aufzuarbeiten, um sie ebenfalls der gruppe kurz präsentieren zu können. ob es ok sei, so die kommilitonin, dass sie den patienten vorstellt (die anamnese war recht kurz, weil er jetzt nicht der allergesprächigste war, aber die wesentlichen fakten waren vorhanden) und ich die beckenfrakturen mache. war ja klar. in weiser voraussicht allerdings bejahte ich, ist ok, kein thema.

dass es die kommilitonin heute in der patientenbesprechung allerdings NICHT schaffte, diesen patienten klar und strukturiert vorzustellen und bei den wenigen infos, die sie hätte rüberbringen sollen, derart ins schleudern kam, so dass die ärztin (die selbe wie gestern) immer größere augen bekam und mich einigermaßen hilflos anguckte, ließ mir echt die spucke wegbleiben. bei jedem satz kam: da sagt dann grenzi gleich noch was dazu, und hier, ja, also hier waren die informationen nicht so eindeutig (doch, madame, waren sie gewesen), und hier, das CT kann ich jetzt auch nicht so gut erklären (haben wir gestern besprochen, MÜSSTEST du aber können), und die therapie, ach das macht grenzi dann in der theorie (das war so NICHT abgemacht). herrgottnochmal. die ärztin meinte dann nach diesen qualvollen minuten auch nur: grenzi, willst du hier einhaken oder soll ich? und um der kommilitonin diese peinlichkeit zu ersparen hakte ich ein, brachte die anamnese in ordnung, verknüpfte diagnose und therapie elegant mit der theorie (aus dem stehgreif, wohlgemerkt) und holte - mal wieder - den karren aus dem tiefen matsch. kommentar der ärztin (gleich alt wie ich): danke. ich hab nix hinzuzufügen. perfekt.

da haut es mich echt weg. ich meine, wir gehen so langsam auf das ende unseres studiums zu, da MUSS man doch verdammt nochmal in der lage sein, mit fester stimme ein paar patienteninfos klar strukturiert und verständlich an den mann zu bringen. das ist doch, verdammt nochmal (entschuldigt, wenn ich mich wiederhole), unser job. herrgottnochmal. und immer und immer wieder diese fragen, schon im vorfeld, hmmm, so stand das aber nicht im buch (DOCH, stand es), oder: so habe ich das aber nicht verstanden (was gab es da NICHT oder ANDERS zu verstehen, wir haben chirurgie und nicht hermeneutische philosophie) oder: im buch war das aber nicht so gut erklärt, kannst du mir das vielleicht nochmal erklären/zeigen etc. (und es stand sehr wohl EINDEUTIG im buch). herr-gott-noch-mal. 

und von solchen leuten bin ich ständig umgeben. versteht mich nicht falsch. ich bin ein von grund auf hilfsbereiter mensch, ich erkläre gut und gerne und vor allem lerne ich dabei ja selber auch etwas. aber warum in aller welt schalten meine kommilitonen ihre hirne aus, wenn sie mich in der nähe wissen? hallo? ich steh später auch nicht neben euch und mach die souffleuse, also bewegt verdammt nochmal eure ärsche, oder nee, besser eure grauen zellen und seht zu, dass ihr das alleine hinbekommt. sonst wird das nichts mit dem arzt werden, herrschaften. so nicht.

echt nicht. 

erwähnte ich es schon? herrgottnochmal. 

 

23.10.2012 um 19:45 Uhr

geschmeidig

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

irgendwie mache ich wohl gerade alles richtig. was ganz offensichtlich meinen marktwert in der hiesigen unklinik steigert.

gestern morgen saß ich um 7 uhr in der bibliothek der anästhesie, um daten für diss no. 2 zu erheben. irgendwann schneite der chef herein, mit dem ich das vergnügen bisher noch nicht hatte. aber man kennt ihn. kaum war er chef, gabs ne runderneuerung der abteilung. wie relativ junge chefs in solchen positionen ja oft zu werke gehen. man drückt der abteilung seinen stempel auf und klärt die fronten. was zur folge hatte, dass alle nicht-promovierten vor die wahl gestellt wurden, entweder das bisher nicht gemachte nachzuholen, sprich zu promovieren, und zwar in absehbarer zeit, oder eben zu gehen. wie dem auch sei, ich saß am rechner, er kam rein, zeitgleich mit einem anderen kollegen, den ich gut kenne und mag, beide wollte die piepser holen. chef guckt mich von der seite an, schaut auf den rechner und noch bevor ich aufstehen und einen vorstellungs-pies sagen konnte, wie man das gemeinhin aus höflichkeitsgründen tut, fragte er von oben herab, wer ich denn wohl sei (o-ton) und was ich hier machen dürfte. wie gut, dass ich in diesem moment alles außer meinem namen vergaß. ich stellte mich brav vor, vorname nachname, doktorandin von prof. xy (leitender oberarzt). mhm. kaum merkliches zucken des kopfes. mein thema? auch das konnte ich ihm grad noch sagen, und schon war er wieder weg, ohne ein weiteres wort, aber dafür mit einem an arroganz kaum zu überbietenden blick im gesicht. ahhhh, ja. genau. angenehm. oder auch nicht. eher letzteres. heute mittag saß ich an der selben stelle, die selbe geistesmechanische arbeit ausführend. und wieder kommt er rein, sieht mich, bleibt stehen, lächelt mich an, ein freundliches hallo frau grenzi, schön, sie hier zu sehen. und weg war er. er MUSS mit meinem dv gesprochen haben und der MUSS ihm das entsprechende erzählt haben. anders kaum zu erklären, dieser sinneswandel der herrn hochdotierten chefarztes. und da mein dv nur noch grinsend in der gegend rumrennt, wenn er mich sieht, mir ein zweites, richtig richtig geiles projekt an die hand gegeben hat (mir wachsen noch flügel, wenn das so weiter geht), von der angebotenen assistenzarztstelle in der anästhesie mal ganz zu schweigen und seinen andeutungen in richtung habil ebenfalls, kann ich mir schon denken, was der chef zu hören bekommen hat. *kicher*.was soll man dazu sagen?

gott bin ich geil.

 

30.09.2012 um 13:44 Uhr

aufgeschlagen. hart.

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

am liebsten würde ich gerade einfach alles hinschmeißen, mir ein flugticket kaufen, irgendwohin, hauptsache weit weg. sonne, meer und strand. und einsamkeit. vier wochen, mindestens. ach was. zwei monate, drei. statt dessen sitze ich - mal wieder - an meinem schreibtisch, müsste dringend chirurgie lernen und es geht - ebenfalls mal wieder - gar nichts. kein wunder, ja, nach den letzten wochen und monaten. mein kopf ist nicht entspannt, er will einfach nicht.

hinzukommt die nachtschicht der letzten nacht. zwei patienten, eine davon hat die nacht nicht überlebt. gestorben an einer fulminant verlaufenden sepsis, tot innerhalb von stunden, wie im lehrbuch, mit 38. händeringend und heulend wünscht man sich, etwas tun zu können, irgend etwas, man will es nicht wahrhaben, der verstand verweigert die erkenntnis, sowas gibts nur im lehrbuch, höchstens noch auf bildern in der vorlesung. die realität ist umso gnadenloser. man schaut dem verfall zu, sieht, wie das system in die knie geht, ein organ nach dem anderen die grätsche macht, ist macht- und hilflos und weiß, dass der ehemann im wartebereich der intensivstation sitzt.

es war klar, dass solche situationen irgendwann auch für mich realität werden, als angehende anästhesistin, notfall- und intensivmedizinerin beschäftigt man sich damit. in der theorie. bis es dann soweit ist und man daneben steht und nichts mehr tun kann. das ist das schlimmste. die grenzen der modernen medizin zu erfahren und die hilflosigkeit, die damit einhergeht, einem menschen beim sterben zuzugucken und völlig irrational dann auch das zu sehende in die schemata einordnet, die man eben aus den büchern kennt. ich weiß nicht, wann ich mich das letzte mal innerlich so zerrissen gefühlt habe, hin und her gerissen zwischen dem wissen, das wird alltag sein, du musst damit umgehen können, dann wieder funktioniert man nur noch, wenn es die situation erfordert, zu reagieren, wohl wissend, dass es letztendlich nichts mehr helfen wird, man dem unausweichlichen tod lediglich minuten abringt, vielleicht eine halbe stunde, nicht mehr, und den emotionen, die sich in einer solchen situation unweigerlich ihren weg suchen in form von hilflosigkeit, aggression und verzweiflung. als es vorbei war, nach wenigen stunden, war nur noch leere da. einfach leere. von jetzt auf nachher nur noch leere. und eine unendliche müdigkeit. ich hätte im stehen einschlafen können.

der zweite patient war ein 25jähriger, dem ein zug beide unterschenkel abgefahren hatte. ihr leben ist zu ende, seins jetzt kürzer. im wahrsten sinne des wortes. und das, genau das, war die zweite bittere erkenntnis der nacht. man wird sarkastisch und wenn das nicht mehr reicht, zynisch. und zwar ganz schnell. noch bevor man es letztendlich wirklich bewusst wahrgenommen hat, sitzt genau solch ein gedanke in den hirnwindungen fest und hilft - leider gottes - in diesem moment, mit solchen situationen umzugehen. weil es distanz schafft. distanz zu den eigenen emotionen und distanz zu dem menschen, der da vor einem liegt. 

um 6 uhr heute morgen war ich restlos bedient. von vorne bis hinten, von oben bis unten. und doch hat mich die klinik nicht gleich losgelassen, ich konnte nicht anders, als noch 20 minuten vor der chirurgie zu sitzen und eine nach der anderen zu rauchen. ich hatte sie schon am abend zuvor gedreht, wahrscheinlich in weiser voraussicht. die vier stunden schlaf im anschluß waren unruhig, oberflächlich und alles andere als erholsam.

willkommen in der realität, frau dr. willkommen.

es war eine harte landung.

 

18.09.2012 um 23:10 Uhr

danke!

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

nachtdienst. der grausame vierte. aber gottseidank total ruhig. in erwartung genau dessen hatte ich den rechner eingesteckt, damit ich nebenher ein bisschen dissertieren kann. gerade kommt der kollege vorbei und legt wortlos ein ethernetkabel auf den tisch. ... ich gucke ihn groß an, dann die buchse neben meinem kopf, nehme es genauso wortlos, allerdings mittlerweile grinsend, stecke es ein und... bumm, da bin ich.

wie geil ist das denn?

 

31.08.2012 um 18:03 Uhr

freitagsfrust

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

heute war ein weniger guter tag in der anästhesie. irgendwie lief nichts wirklich rund, es ging zu viel schief, mein kopf funktionierte überhaupt nicht, hektik allenorten. und so schlichen sich kleine nachlässigkeiten und fehler ein, geschuldet einer nicht vorhandenen routine und einer permanenten angespanntheit, die proportional zur länge des arbeitstages größer wurde. letztendlich ein teufelskreis. und so schlich ich vorhin völlig gefrustet, unzufrieden und mit mir hadernd aus der klinik und versuche nun, diese negativen gefühle abzubauen. vor mir das erste wirklich freie wochenende seit monaten, ohne lernen, arbeiten oder gesellschaftliche "verpflichtungen" und ich sitze hier und gucke traurig und unzufrieden in die weltgeschichte. tolle aussichten.

warum habe ich so hohe ansprüche an mich? völlig unverhältnismäßig. was erwarte ich eigentlich von mir? dass ich nach der zweiten woche famulatur das selbe kann und die gleiche routine habe wie ein facharzt für anästhesie? ja geht`s noch? das leuchtet sogar mir ein, dass diese erwartungen an mich dann doch ein klein wenig überzogen sind. das macht das gefühl, das ich aufgrund der heutigen fehler und des nichtwissens diverser dinge habe, leider nicht besser. sollte es aber. tut es aber nicht.

blöd. 

jetzt komm mal runter grenzi, auf den boden der klinischen tatsachen. du tust, was du kannst, mit leidenschaft und hast einen riesen spaß an der sache. aber: du bist auch noch mitten in der ausbildung. es gehört dazu, fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. es ist normal, dass man nicht alles weiß oder das, was man vielleicht wissen könnte, nicht immer abrufen kann. alles normal, alles im grünen bereich. entspann dich. hör auf, so übermäßig streng mit dir zu sein. lass mal locker und nimm die dinge (und vor allem dich), wie sie sind.

alles ist gut. glaub dem teil in dir, der das weiß und fühlt. alles ist gut, hm?

 

14.08.2012 um 15:11 Uhr

kleines erstes fazit

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 
so langsam kehrt ruhe ein. die nachtdienste sind rum und ich habe sage und schreibe drei tage semesterferien. es ist wundervoll.  ich sitze mit einem kaffee vor der tür, genieße den heraufziehenden herbst - ich liebe diese jahreszeit, die lichtverhältnissse, die kühlen nächte und die angenehm warmen tage - und bin rundrum zufrieden. ich bin zwar müde, aber das ist eine gesunde müdigkeit, völlig normal nach dem programm der letzten wochen und monate. die totale erschöpfung ist ausgeblieben. ich merke jetzt schon wie ich anfange, mich zu erholen, trotz nachtdienste, trotz nur drei freier tage, denn am freitag geht es weiter, oder besser gesagt: wieder los. vier wochen anästhesie. aber ich freue mich darauf. endlich wieder praktisch arbeiten, umsetzen, was ich gelernt habe und das verbessern bzw. perfektionieren, was ich schon kann. und das ist - beides - eine menge. zumal ich für diese vier wochen nicht hier sein werde, sondern woanders. alleine das gefühl, packen zu können und wegzufahren, mal raus aus dieser umgebung, alleine das tut mir gut. und so sitze ich nun hier, erledige alles, was in den letzten wochen liegen geblieben ist, mache mir gedanken über dies und das und genieße es, keinerlei druck und daher keinerlei eile zu haben, bzw. haben zu müssen. einzig das loch in meinem magen nervt gerade ein bisschen, aber ich muss gestehen, ich bin zu faul, mich drum zu kümmern.
 
ich liebe mein leben und ich bin stolz auf mich.
 

11.08.2012 um 16:36 Uhr

warum kann man hier eigentlich keine einträge ohne überschrift veröffentlichen? mir fällt einfach nicht immer eine passende ein.

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

es ist vorbei. das semester. es war mit abstand das anstrengendste, seit anbeginn dieses studiums. ich bin es gewöhnt, viel zu arbeiten, viel zu lernen, auf den punkt abrufbar topfit zu sein, das maximale zu leisten und die grenzen immer noch ein bisschen weiter nach außern zu verschieben. das mache ich seit jahren. die messlatte: mein eigener anspruch an mich. leistung. hochleistung, am laufenden band. nur dann bin ich zufrieden, wenn ich alles gegeben, das maximale herausgeholt habe. in dieser art, oder fast schon zwang, dinge zu tun, steckt allerdings auch eine riesiges frustrations- und erschöpfungspotential. das merke ich jetzt. kein frust, beileibe nicht, denn es war nicht nur das anstrengendste, sondern auch das erfolgreichste semester bisher. ich habe das maximale rausgeholt, perfekte organisation, perfektes timing, perfektes alles. auf den punkt, ein volltreffer nach dem anderen. und ich gebe zu, ich bin stolz auf mich, ziemlich sogar, und das wird auch anhalten. erfolge, von denen ich zehren werde, noch eine ganze weile.

die andere seite der medaille? ich bin total erschöpft und wieder mal musste ich feststellen, dass mein leben in den letzten monaten nahezu komplett auf der strecke geblieben ist. wann war ich das letzte mal entspannt unterwegs? in der stadt? abends weg? wann war ich das letzte mal am wochenende einfach draußen? wann? ich weiß es nicht. ich war viel beim sport, ok, aber das war der ausgleich zum lernen, sonst wäre ich wahnsinnig geworden. in den letzten monaten war der sport eher mittel zum zweck, nach einem langen lerntag den kopf zu resetten, um anschließend, oder spätestens am nächsten morgen weitermachen zu können. eigentlich nicht sinn und zweck der sache. und jetzt sitze ich hier, am tag nach der klausur und merke, wie das system langsam aber zielsicher runterfährt. ich kann kaum geradeaus gucken, geschweige denn bin ich in der lage IRGENDETWAS produktives zu machen. denken? auch fehlanzeige. das problem bei der sache: ab heute drei nachtschichten am stück und ab nächsten freitag vier wochen anästhesie. und in dieser zeit zwei wochenenden mit diensten.

ganz. großes. kino. ich hasse mein leben :-). nein, natürlich nicht, aber im moment könnte man auf die idee kommen, es sei alles ein bisschen viel. vielleicht ein bisschen zu viel.

uuups, da guckt mein galgenhumor um die ecke. schön. der hat mir bisher noch jedes mal den arsch gerettet. herzlich willkommen.

 

10.08.2012 um 17:45 Uhr

over and out. and platt.

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

 

25.07.2012 um 08:20 Uhr

nur so nebenbei

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

hahahaha...was haben wir wieder gelacht...

psychosomatikklausur letztes semester - ich HASSE diese theoretisch richtigen und wichtigen fragen, die aber leider KEINERLEI bezug zur praxis haben...

 

1. die aktuelle befindlichkeit? wen zur hölle interessiert die, wenn ich ordner und bücher an wissen und informationen in mein hirn prügeln muss?

2. emotionsregulierung? ja welche emotionen denn? die sind doch schön längst abgeschaltet, die behindern nämlich nur beim lernen. ok...ja... ich gebe es zu... die gelegentlichen wut-, frust- und heulanfälle sowie latente aggressionen bekomt mein nächstes umfeld ab, allerdings OHNE dass diese emotionen zuvor reguliert wurden. das wäre ja noch schöner. an dieser stelle: danke an alle, die verständnis haben...

3. sachorientierung? ja herrgottnochmal, was MACH ich denn hier die ganze zeit außer sachorientierung? pharmakologische-, psychosomatische-, palliativmedizinische- und pathologische sachorientierung rauf und runter. hallo? halloho?

4. die grenzen der eigenen belastbarkeit kennen? das ist zynisch. es hilf nämlich nichts, wenn man sie kennt, weil man sie nämlich permanent weiter nach außen verschieben oder ganz ausblenden muss, diese grenzen der belastbarkeit, und nicht selten einfach nur weit drüber ist, und trotzdem zu funktionieren hat.

5. konfliklösungsstrategien? sehen derzeit so aus: ich lerne was nur geht, bestehe die klausuren und dann sind alle meine konflikte gelöst...zumindest für eine kurze zeit...

 

21.07.2012 um 17:26 Uhr

nur für den fall...

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

...dass es jemanden von denen, die in den letzten tagen immer mal wieder angefragt haben, wo ich denn stecke (was ich übrigens sehr sehr süß finde), interessiert...

 

19.07.2012 um 07:32 Uhr

wie wahr...

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

ein weiser mann, dieser voltaire...

und es hat sich bis heute nicht viel daran geändert...

 

18.07.2012 um 13:55 Uhr

land unter am semesterende...

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches

 

ohne worte...

...und trotz allem...

...meine motivation und meine freude an dem ganzen sind NICHT totzukriegen...

...muss ich mir sorgen machen?

 

16.07.2012 um 06:48 Uhr

impressionen einer nachtschicht

von: grenzgaenger   Kategorie: medizinisches