ich bin ein sehr
visueller mensch, ich glaube, das hatte ich bereits erwähnt. die bilder
kommen und gehen, sie sind ein zugang zum unterbewusstsein, und
dementsprechend therapierelevant sind sie. wir haben uns angewöhnt,
meine therapeutin und ich, viel mit diesen bildern zu arbeiten. mit den
bildern, die während oder nach den couch-sitzungen entstehen - meistens
sind sie einfach irgenwann da, wie aus dem nichts heraus aufgetaucht,
und auch mit denen, die meinen träumen entspringen. und manchmal
entstehen solche, die ein fester bestandteil der therapie werden, sie
kehren immer wieder, in allen nur denkbar sinnvollen, traurigen,
absurden und wahn-witzigen ausprägungen und situationen. sie sind unberechenbar. und genau das ist das schöne an all diesen bildern.
zwei dieser therapeutischen 'running-pics' sind der therapie-punk und das unterbewußtsein.
der therapie-punk
entstammt einem traum. irgendwann im letzten herbst, in einer phase, in
der mich die therapie einfach nur wahnsinnig genervt hat, tauchte er
auf, der punk. ich lag auf einer wiese in einem park, blauer himmel,
sonnenschein, die vögel pfiffen und ich habe gelesen. und wie aus dem
nichts heraus saß plötzlich dieser punk schräg links hinter mir,
gestunken hat er, irokesenschnitt in grün, karohose und völlig verratzte
jacke, mit einer bierflasche in der hand, saß er da, rutsche immer
näher und fragte permanent, ob ich lust hätte, mit ihm riesenrad fahren
zu gehen. hallo? gehts noch? das kann ja wohl echt nicht sein, also,
also, nee, also, NEE. ich hab versucht, ihn zu ignorieren, hab keine
antwort gegeben und eine ganze weile so getan, als wäre er gar nicht
da. er wiederum wurde immer aufdringlicher, ich immer nervöser und
irgendwann hab ich mich umgedreht und ihn angefahren, er solle sich
doch bitte und mit verlaub verpissen. hat er aber nicht, er hat weiter
genervt.
diesen traum hab ich
also in der nächsten sitzung meiner therapeutin erzählt, und sie hat
nur gelacht und gesagt, klasse analyse-traum, direkter bezug zum hier,
denn wer sitzt denn in der realität schräg links hinter ihnen und geht
ihnen - gefühlt zumindest - bisweilen ordentlich auf die nerven und
kommt ihnen - ebenfalls gefühlt - nicht selten zu nahe...oh mann, wie
schuppen isses mir von den augen gefallen: meine therapeutin
natürlich...ein lachkrampf meinerseits folgte, weil ich sie in diesem
moment als den therapie-punk visualisiert habe und das auch sofort
raushauen musste, was sie nicht minder erheitert hat. so entstand also
der therapie-punk.
das bild meines
unterbewusstseins kam mir nach einer der vielen sitzungen, in denen
meine therapeutin versucht hat mir nahezubringen, ich dürfe an meine
emotionen weder ironisch noch sarkastisch, geschweige denn zynisch
herangehen, das verstünde das unterbewusstsein nicht und dann isses
verwirrt - DAS ARME! also wieder mal eine DIESER sitzungen, ich
schrottgenervt raus und anschließend in die stadt, mit dem vorsatz, die
therapie um den aspekt therapeutisches shoppen zu erweitern. ich steh
also vor meinem lieblingsladen und plötzlich fällt mich dieses bild an,
und ich wusste sofort, daß ich gerade mein unterbewusstsein gesehen
hatte, und weil es so dermaßen absurd war, dieses bild, hab ich mich
auch hier weggeschmissen vor lachen, mitten in der gut gefüllten
fußgängerzone. weil, sorry, aber abwegiger kann ein unterbewusstsein
nicht aussehen, wirklich nicht. und was das ganze noch abrundet ist
schlicht die tatsache, daß diese bilder nicht bewusst entstehen,
sondern eben aus dem unterbewussten heraus kommen, von daher muß ich
wohl echt davon ausgehen, dass mein unterbewusstsein genau so aussieht,
wie es sich mir gezeigt hat: es ist quadratisch, steht hochkant und hat
wellige ränder, fließt nach unten hin auseinander, mal mehr, mal
weniger, je nach zustand, hat riesige, sehr ausdrucksstarke augen und
vor allem ist es rosa. yep. es ist rosa, mein unterbewusstsein. jedes
mal, wenn es erscheint vor meinem geistigen auge, muss ich grinsen.
diese beiden bilder
kommen immer und immer wieder, mittlerweile sogar in kombination. der
therapie-punk und das unterbewusstsein. großartig.
monate lang hatte ich
meine therapeutin vollgejault, wie blöde es doch wäre, daß ich nicht
zeichnen könne, bei all den bildern und szenen in meinem kopf, eine
verschwendung, jawoll, und ebenso lange sagte sie jedes mal lediglich,
ich solle es doch bitte endlich mal ausprobieren, das mit dem zeichen,
mehr als schief gehen könne es ja wohl nicht und dann...so what.
weitere wochen zogen ins land, wochen, die geprägt waren von einer
nicht abreißen wollenden bilder-flut und logischerweise auch vom
besagten jaulen über das nicht vorhandene zeichentalent (ja, is blöd,
nä, weil ich konnte es ja eigentlich gar nicht wissen, daß ich nicht
zeichnen konnte, weil ich es nämlich noch nie in meinem leben wirklich
ernsthaft ausprobiert hatte), ich hab die therapie-bilder also immer nur kurz in
worten festgehalten, was ich aber auch irgendwie doof fand, weil es
einfach nur einzelne szenen waren und keine bildgeschichten, und
irgendwann dachte ich dann, ja, is gut jetzt, genug gejault, die bilder
sind ja da, in meinem kopf, eigentlich müsste ich sie nur irgendwie
abzeichnen. jawoll. ich also los, entsprechende utensilien besorgt -
hundeelendteure faber-castell ecco pigment stifte, daheim hingesetzt
und angefangen, die ganzen bilder und szenen zu zeichnen...
mittlerweile ist der
therapie-punk als cartoon eine feste und meistens extrem erheiternde
größe der therapie, denn es gibt immer und immer wieder situationen und
emotionen, die ich mit tausend worten nicht treffender beschreiben
könnte. darüber, daß das hypersensibelchen probleme mit den
therapie-pausen hat - jajajajajaja jadoch, seit gestern ist
osterpause... - habe ich mich bereits ausführlich ausgelassen - eintrag
'pausengeplänkel' vom februar - und daher an dieser stelle nun, aus
gegebenem anlass...
# 5, wie gesagt, seeeehr aktuell gerade...therapeutin im urlaub, unterbewusstsein tobt.
to be continued...