grenzwandel

13.02.2013 um 16:26 Uhr

johoooo...

von: grenzgaenger   Kategorie: blick zurück

 

weil mir gerade danach ist...

 

30.12.2012 um 17:02 Uhr

524.160 minutes so far

von: grenzgaenger   Kategorie: blick zurück

schluss mit lernen für heute. ich kann die worte dermatologie und chirurgie nicht mehr hören, geschweige denn, diesbezüglich inhaltliches ertragen. ende. aus. schluß. für heute zumindest. statt dessen könnte ich mir ja mal gedanken über das nun fast vergangene jahr machen.

anstrengend war es. aber unter dem strich summierten sich weitaus mehr positive aktivposten als negative. gibt es überhaupt "negative aktivposten"? müsste das nicht negative passivposten heißen? weiß das jemand? ich bin doch so schrecklich uninteressiert, was jegliches wirtschaftlich angehauchtes anbelangt. egal jetzt.

also. 2012.

anfang des jahres: marode, stinkende und längst überfällige altlast entsorgt und eine wichtige zwischenmenschlichkeit endgültig geklärt. ersteres war eine der besten entscheidungen bzw. handlungen ever, und seitdem geht es mir gut. befreit. entfesselt, im wahrsten sinne des wortes. und mein vollständiges, bis heute nicht nachlassendes desinteresse an entsprechender person tut mir einfach gut. ich genieße es geradezu. die gerade gerückte zwischenmenschlichkeit führte zwar nicht zu einem intensiveren kontakt, wie ursprünglich mal beiderseits angedacht, aber wir telefonieren gelegentlich, und das einfach völlig ungezwungen. geklärte fronten eben. sehr schön.

die uni: lief und läuft wie am schnürchen, auf allen ebenen. könnte nicht besser sein. notentechnisch, diss nr. 2, laufende projekte, assistenzarztstelle bereits mehrfach nachdrücklich angeboten und von meiner seite aus zugesagt. viel spaß, freude, wertschätzung, loyalität, ehrlichkeit, tolle kommunikation, inhaltlich und praktisch herausforderndes und interessantes. was will ich mehr. ich bin angekommen.

emotionales: das war, trotz gelegentlicher ausflüge in die niederungen meines seelenlebens, eines der stabilsten jahre seit langem. ich habe es genossen, mit viel ruhe und gelassenheit, gelegentlicher aufruhr, freude, licht und schatten, hin und her, auf und ab, traurig, tränig, schwarzweißbunt. aber alles so, dass ich ohne weiteres sagen kann: ja, ich, das gehört dazu und ist vollkommen in ordnung. ich lebe und ich genieße es.

und jetzt zu dir. wir schrieben den monat mai. den 22. um genau zu sein, 21.43 uhr, um es mit der genauigkeit auf die spitze zu treiben, im zauberkarussell. da hat alles angefangen. mit einem kommentar unter einem der so geschätzten einträge des noch sehr viel mehr geschätzten herrn z. die wollmütze. weißt du noch? seit dem ist so unendlich viel passiert. du hast mein leben komplett auf den kopf gestellt, mit deinem lachen und deiner liebevollen zuneigung, deinen tränen, deiner hartnäckigkeit und mit deiner geduld und konsequenz, die für mich nicht immer einfach auszuhalten waren. du brauchst nichts zu sagen, auch für dich selbst waren sie das nicht immer, leicht auszuhalten, ich weiß das. wer könnte das besser wissen als ich. aber bis zum heutigen tag sind wir den eingeschlagenen weg gemeinsam gegangen, und werden das bis zum absehbaren ende tun, mit allen höhen und tiefen, hand in hand, seite an seite. wir haben viel gelacht und geweint, gelitten und uns gefreut, wir haben gestritten, gezickt und gezankt, geredet, geschwiegen und uns geliebt. noch nie in meinem leben hat mich ein mensch so sehr berührt wie du, noch nie habe ich mich so geborgen und verstanden gefühlt und noch nie war ich bereit, so unüberwindbar absurd anmutende umstände hinzunehmen und zu akzeptieren, getrieben von einem einzigen, brennenden wunsch, nämlich dem, mein leben mit dir zu teilen und hand in hand mit dir in unsere zukunft zu tanzen. weil ich dich liebe.

und nun? ich habe keine vorsätze für das neue jahr. warum auch? 2012 war eines der schönsten jahre meines lebens und ich wüsste nicht, was ich anders machen wollen würde. ich habe nur einen einzigen wunsch und ich weiß, dass er mir erfüllt werden wird. weil zwei menschen an der erfüllung basteln, die nichts und niemand aufhalten kann.

31.12.2009 um 21:36 Uhr

jahresrückblick 2009

von: grenzgaenger   Kategorie: blick zurück

so. nun sitze ich also hier, am abend des letzten tages dieses jahres, 2009. ich habe noch den kommilitonen c. vom bahnhof abgeholt, wir haben kaffee getrunken und noch ein bisschen gequatscht und jetzt bin ich wieder hier, bei mir. zu hause. ich habe alles abgesagt und werde alleine bleiben. nicht aus sozialphobischen stimmungstendenzen heraus, nein, es geht mir gut, aber ich will alleine sein. ich will dieses jahr alleine beenden und das neue alleine anfangen. bei mir, mit mir, ruhig und gelassen.

es war ein aufregendes jahr, das ist mir gestern in der kbt nochmal bewusst geworden. ich habe mit symbolen dieses vergangene jahr gelegt, und eine vorschau auf das nächste gewagt. die grundstimmung und tendenzen bezüglich beiden war ganz eindeutig. 2009 war aufregend, es war ein hoch und runter, bisweilen extrem, ich war wütend, habe getreten und abgewehrt, war weich und kopflos, bisweilen auch hilflos und gefühlt alleine, und dann immer wieder wieder bei mir, überlegt, ruhig und gelassen. mein fazit war die aus lauter verschlungenen weidenzweigen erschaffene kugel. bewegt, verschlungen, aber rund. 

ich habe eine menge geschafft dieses jahr. und ich bin stolz auf mich. aber fangen wir vorne an. 

es war mein nunmehr zweites jahr im medizinstudium, 2008 begonnen, immer noch dabei. es war meine entscheidung, meine ganz alleinige entscheidung, einen schlußstrich zu ziehen um endlich das zu tun, was ich tun wollte, seit ich tun wollen kann. medizin studieren, ärztin werden. der umweg war notwendig, um letztendlich da anzukommen, wo ich immer hinwollte. auf dem weg zu mir (in diesem fall beruflich). und das bin ich. ich habe zum ersten mal in meinem leben das gefühl, angekommen zu sein, da angekommen zu sein in meinem (beruflichen) leben, wo ich irgendwann angekommen sein wollte. ich liebe dieses studium und ich genieße - trotz aller zu lernenden berge - jede minute.

angefangen hat dieses jahr mit chemielernen. war hart, seit 14 jahren kein chemie mehr gehabt, aber interessant und nach einer ersten hängepartie lief das auch, ebenso die abschlußklausur. im februar dann die wiederaufnahme als stipendiatin ins studienwerk mit abgesicherter vollförderung bis 2015. bedeutet: keinerlei finanziellen engpässe bis zum ende meines studiums, inklusive pj. highlight des ersten quartals. definitiv. weiter gings mit histologie, dann mit biologie in den ferien, erstes histotestat, histo teil 2, seminare physiologie, biochemie und molekulare medizin mit referaten und abfragerunden, sowie mit meinem wahlfach neurochirurgie und dem histotestat 2, und vor den sommersemesterferien dann noch physikklausur. abgeräumt hab ich in physik, gnadenlos, mit genau zwei tagen vorbereitung. am tag vor dieser klausur war ich sogar noch mit im op, bei einer gehirntumoroperation, die mich sehr sehr beeindruckt hat. wie dem auch sei, physik bestanden, sommersemester erfolgreich beendet.

was blieb, waren das gefühl, das richtige zu tun und die erinnerung an zwei extreme ereignisse. zum einen der psychiatrische notfall der (damals noch) befreundeten kommilitonin, anfang juli. psychose, dissoziation, notarzt, polizei, psychiatrie. und ich mitten drin, darum bemüht, das allerschlimmste zu verhindern, nämlich dass sie fixiert und angebunden und so abtransportiert werden muss. ist mir gelungen - kunststück, ich war die einzige, die sie in ihre nähe gelassen hat, ohne auszurasten. ich hatte sie gefühlte stunden im arm, habe, wie auch immer, mit ihr kommuniziert, bin im notarztwagen mit in die psychatrie 1, um dort von einer etwas überforderten assistenzärztin gefragt zu werden, was wir denn jetzt tun sollen; jetzt weiß ich wenigstens wie es sich wirklich anfühlt wenn man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. nämlich genau so. treffender lässt sich dieses gefühl nicht beschreiben. wie dem auch sei, in der psychiatrie 1 war kein bett frei, es ging also weiter in die psychiatrie 2, 25 km entfernt. es war ein act, madame in den krankentransport zu verfrachten und es hat mich einen großteil meiner restlichen kräfte gekostet, das zu vollbringen. wieder bin ich mitgefahren, mittlerweile waren dann auch ihre eltern unterwegs, die immer wieder bei mir auf dem handy anriefen und nach dem zwischenstand fragten. angekommen, madame irgendwie - und wenn ich irgendwie sage, dann meine ich das in diesem fall auch so - in die aufnahme gebracht, sie war mittlerweile hochgradigst dissoziiert, nicht mehr anwesend, konnte kaum mehr laufen. lange rede, kurzer sinn. als dann nochmal fast zwei stunden später ihre eltern kamen und mir ihre mutter erst mal weinend in den arm fiel, war ich dann endgültig am ende meiner kräfte angekommen. ich habe keine ahnung, wie ich es geschafft habe, immer noch zu funktionieren, ihre mutter zu trösten, dem gerade gekommenen nachtdienst noch ein paar nachgefragte infos zu geben, meine heimfahrt zu organisieren, auf den beinen und bei all dem vor allem bei mir zu bleiben. ist mir gelungen, sehr gut sogar. ich war zwar am nächsten tag, einem samstag, völlig erledigt, brauchte ruhe, das erstmal alles zu verarbeiten, aber trotz allem war ich relativ ruhig und gelassen und habe mich nicht aus den augen verloren. zu jeder minute war mir klar, was ich fühle, wie es mir geht und dass es unglaublich wichtig ist, genau das nicht aus den augen zu verlieren.

das zweite  erlebnis war der tag mit den hiesigen notärzten, die ich begleitet habe, ein tag, der mit einem krassen einsatz und dem tod des patienten endete. ich war die ganze zeit mit eingebunden in die lebensrettenden maßnahmen, die notärztin hat mir anweisungen gegeben und ich habe sie mit einer traumwandlerischen sicherheit ausgeführt. beatmet, gepumpt, rhythmuskontrolle, adrenalin gespritzt, all das, was man als notärztin so macht und nebenbei auch noch der ehefrau tröstend zur seite getanden, mit eingepackt und in die klinik gefahren. die abschiedsworte der notärztin werde ich wohl nicht mehr vergessen: frau grenzi, ich habe noch nie eine anfängerin so professionell arbeiten sehen. ich stand die ganze zeit zwei meter neben mir, aber mit einem messerscharf und glasklar funktionierenden verstand, als würde ich seit jahren nichts anderes machen, als menschen das leben zu retten (oder, wie in diesem fall, auch nicht). jeder handgriff saß, keine emotionale regung, funktioniert auf professionellem niveau. das war die erste richtige, professionelle bestätigung, dass ich genau das richtige tue. ich kann es, kann unter extrembedingungen klar denken und funktionieren, eben genau das, was eine angehende anästhesistin, notfall- und intensivmedizinerin können sollte, bei aller vorhandenen menschlichkeit.

zwei wochen im sommer habe ich nichts getan, war sogar mal wieder im urlaub, in dublin und habe ein bisschen freie zeit genossen. gegen ende august ging es mit dem lernen dann aber schon wieder los, das präppkurseingangstestat stand an, anfang oktober, ein berg zu lernen. außerdem die psychologieklausur, direkt eine woche danach. und nun, ja, bin ich mitten im dritten semester. auf dem stundenplan stehen physiologie, biochemie und anatomie, von allem die volle dröhnung. vor allem anatomie. insgesamt 5 testate, zwei sind rum, bestanden, aber die drei schwersten und umfangreichsten stehen noch an. ich habe noch nie in meinem leben so viel in so kurzer zeit gelernt. ich muss zugeben, bisweilen bringt mich das an den rand meiner kräfte, physisch wie psychisch, permanenter druck, die angst, es nicht zu schaffen, permanent übermüdet und an den grenzen meiner aufnahmefähigkeit. aber so anstrenged das auch ist: ich mache es gerne, und gut; und das hat schon so seinen ganz eigenen reiz, diese andauernde extremsituation. mein gott was bin ich froh, dass ich trotz allem relativ stressresistent bin. ich arbeite seit wochen durch, ohne mal einen tag pause am wochenende, teilweise 12, 13 stunden am tag und direkt vor den testaten auch länger. aber sogar daran gewöhnt man sich, denn wo ich früher nach solchen lernexzessen drei tage oder noch länger gebraucht habe, reichen mittlerweile ein paar stunden ruhe, um mich zu erholen, um weitermachen zu können. ich meine, ewig möchte ich das so nicht haben, aber das dritte semester ist das heftigste, aber auch das wird vorbei gehen. und als ärztin werde ich nun auch nicht gerade einen 9 to 5 job haben, vor allem nicht als notfall- und intensivmedizinerin, das ist arbeit am limit. aber das paast zu mir, ich bin auch ein extremer mensch, weit entfernt vom durchschnitt.

und trotz allen stresses habe ich doch meine ruhe und gelassenheit (wieder-)gefunden und ein gefühl der inneren sicherheit, ein gefühl, das ich so lange nicht hatte, nicht kannte. ich hatte viel stress, ja, aber ich habe immer wieder zu mir zurückgefunden, habe mich nie ganz aus den augen verloren, habe für mich gesorgt und auf mich aufgepasst, mal mehr, manchmal auch weniger, mal bewusster, mal weniger bewusst, aber dennoch immer irgendwie.

und neben allen lernens und der uni habe ich weiterhin an mir selber gearbeitet, dreimal in der woche auf der couch, bei meiner geliebten werten frau dr. psychoanalytikerin, und zwischen den couchsitzungen alleine mit mir. und es hat sich dieses jahr so vieles getan, so vieles. ich glaube, das war das wichtigste therapiejahr. das erste mal ist mir wirklich aufgefallen, dieses jahr, dass da eine ganz große ruhe und gelassenheit in mir ist, die ich bis dato so noch nicht wahrgenommen hatte. bei aller aufgeregtheit, bei allem stimmungsschwanken und bei allem pendeln, da ist ruhe in mir, ruhe und gelassenheit, ein teil von mir, der seinen platz haben will und mittlerweile auch bekommt. die wichtigste erkenntnis diesbezüglich war das wahrnehmen des kleinen kindes in mir, die beschäftigung mit ihm, ihm zuhören und es ernst nehmen, das zu wollen und es auch zu können. seit dem hat es seinen platz, das kind, und wenn es etwas will, dann höre ich ihm zu und kümmere mich um mich. dieses kind ist ein ganz ganz wichtiger teil von mir, ein teil, den ich lange verdrängt und verleugnet hatte. kein wunder, dass es bisweilen vehement versucht hatte, sich bemerkbar zu machen. jetzt darf es sein, hat seinen platz, und ich nehme eswahr und an. und das schönste: es steht nicht im gegensatz zu der erwachsenen frau dr. grenzi, die ich eben auch bin, und es steht auch nicht im gegensatz zu all dem, was die erwachsene frau dr. tut, manchmal tun muss, zu dem, was zum erwachsensein eben dazugehört. verantwortung zu übernehmen, allen voran für mich. das geht, es geht beides. seit ich das herausgefunden habe und es praktiziere, geht es mir so viel besser. die ganze ruhe und gelassenheit, die braucht als basis nicht nur die erwachsene, sie braucht eben auch das kind; das kind, das mit großen kinderaugen neugierig in die welt blick, träumt, im jetzt lebt, aber manchmal eben auch bockig oder traurig ist. es ist ein teil von mir. das bin ich. ich.

die zweite wichtige erkenntnis war, dass ich auf eigenen beinen stehen kann. manchmal etwas wackelig, aber manchmal, immer öfter, eben auch fest auf beiden, auf meinen beinen. da ist ein halt in mir, tief innen drin, an dem ich mich festhalten kann. manchmal nehme ich ihn nicht wahr, diesen halt, aber immer wieder ist es mir gelungen, ihn wiederzufinden. ich hatte auch meine schwankungen, und das ein oder andere mal bin ich auch abgestürzt, in das loch, die dunkelheit, die unsicher-, halt- und hilflosigkeit. ja. bin ich. aber nie bin ich so tief gefallen, dass ich nicht wieder alleine hätte aufstehen können. ok., einige wenige male war ich auch beim vertretungspsychodok, vor allem im sommer, als die werte frau dr. psychoanalytikerin in fernen gefilden weilte, und einmal auch nach dem therapieende, vor einigen wochen. aber mir war klar, dass eben dieser schritt zum doc ein teil des wiederaufstehens ist, und immer habe ich es wieder geschafft, und es hat nie lange gedauert.

ganz ganz wichtig war auch der endgültige ablösungsprozess von meinen eltern. der letzte schritt, der hatte noch gefehlt, und den habe ich im sommer - mit einer denkwürdigen aktion - vollzogen. und seit dem, seit dem fühle ich mich freier, unabhängiger - kunststück - näher und vollständiger bei mir. 

und in diesem zusammenhang auch wichtig war das überdenken einer verbindung, die mich in der form, in der sie noch bestand - nicht mehr glücklich und zufrieden machte. ich habe viel nachgedacht, habe meine grenzen neu sortiert und gezogen, meine wünsche und bedürfnisse diesbezüglich überdacht, prioritäten gesetzt und vor allem: ich habe danach gehandelt. und seit dem ist alles ok, für mich, ich fühle mich wieder wohl. ein riesen schritt. insgesamt war das letzte quartal dieses jahres geprägt vom nachdenken über meine sozialen kontakte, über die menschen, die ich an meiner seite habe, darüber, was ich innerhalb all dieser kontakte, verbindungen, beziehungen möchte, was ich für bedürfnisse und anliegen habe und inwiefern diese berücksichtigung finden, inwiefern ich berücksichtigung finde, wie ich sehe und gesehen werde. das war ein unglaublich interessanter und auch schöner prozess. ich habe dabei versucht, nicht zu bewerten, weder mich noch die anderen, und je länger ich hinschaute und -fühlte, desto mehr sah ich, was wirklich da war. es ist eine kleine handvoll menschen, die ich an meiner seite habe, die da ihren platz haben, in meinem leben, und ich einen platz in ihrem, jeder für sich, so wie er/sie ist. menschen, die ich nicht missen möchte, die da sind, jeder auf seine weise. menschen, die mich sehen und genau so akzeptieren, wie ich bin, fern ab allen leistungsdenkens, menschen, die mich genau deswegen mögen, weil ich eben so bin, wie ich bin, so, und nicht anders. ich bin nicht alleine, ganz sicher nicht. es ist noch nicht lange her, dass mir genau das bewusst geworden ist, in einem moment, in dem es mir nicht ganz so gut ging. ich war traurig und fühlte mich hilflos und alleine, habe aber den abend mit dem herrn kollegen verbracht. es war ein wundervoller abend, ganz viel freundschaftliche, ungezwungene, unkomplizierte nähe und vertrauen. das hat mir so unglaublich gut getan (und er wusste noch nicht einmal, dass es mir nicht so doll ging, aber wahrscheinlich hat er es irgendwie gefühlt). wie dem auch sei. als ich dann nachts in meinem bett lag, traf mich diese erkenntnis wie ein, ein...naja, wie eine wichtige, große erkenntnis eben. ich bin nicht alleine, nicht einsam. ich nicht. ich habe vielleicht derzeit keinen freund, aber ich bin nicht alleine. das war unglaublich schön, unglaublich erleichternd, das zum ersten mal wirklich zu fühlen. zu fühlen, dass ich nicht alleine bin, nicht auf dieser welt.

die wichtigste entscheidung, die ich dieses jahr getroffen habe war die, die analyse erstmal zu beenden. das kassenkontingent lief aus, ich hatte mehr als 200 sitzungen gehabt, und ich konnte nicht mehr, wollte nicht mehr. pause. ich war aufgewühlt, unglaublich aufgewühlt, denn auch nach der sommerpause, die ich dieses jahr sehr sehr gut überstanden habe, hat sich noch so viel getan. ich war permanent aufgewühlt und hatte immer mehr das gefühl, dass all die erkenntnisse, all die emotionen immer und immer wieder aufgewirbelt werden, keine zeit haben, sich zu setzen. wie der sandboden im meer der, sobald er sich gelegt hat, von der nächsten welle wieder aufgewühlt wird. wieder. und wieder. und immer wieder. ich war so unglaublich müde, konnte nicht und hatte keine lust mehr, habe abgewehrt, über weite strecken keinerlei erkenntnisse in den sitzungen zugelassen und viele, sehr viele deutungen, die mir die werte frau dr. so an steilvorlagen gab, habe ich herumgedreht, um sie dann ich die ecke zu knallen und keines blickes mehr zu würdigen. irgendwann war mir klar, dass ich eine pause brauche, vielleicht sogar lieber erstmal mit der kbt weitermachen würde, aber es hat noch eine weile gedauert, bis ich das auf der couch von mir geben konnte. sobald ich das allerdings getan hatte, sobald ich gesagt hatte, schluß erstmal, halt und stop, sobald das heraus war, ging es mir besser. erleichtert, leichter, und von da an ging es dann auch wieder vorwärts, in der therapie, in den sitzungen. das war, hmmm, wann war das? anfang oktober muss das gewesen sein, als klar war, dass das kontingent nicht erst im dezember, sondern schon mitte november ausläuft. es lief, und ich war glücklich. letztendlich habe ich eine punktlandung hingelegt, mit der wichtigsten erkenntnis der ganzen therapie, in meiner vorletzten sitzung. das erreichen der depressiven position nannte es madame, und ohne diesen begriff jemals gehört zu haben wusste ich, was es bedeutet. ich habe es gefühlt und fühle es noch immer, wann immer ich an eben jene erkenntnis denke. die letzte sitzung war unglaublich traurig und wunderschön zugleich. ganz nah, vertraut, liebevoll, ehrlich, authentisch. ich liebe meine therapeutin von herzen und ich bin ihr unglaublich dankbar für all die geduld, ihre ruhe, ihre art, mit mir umzugehen, ihre kongruenz und authentizität. bei aller therapeutin, es war auch immer der mensch anwesend. anders hätte es nicht funktioniert, das muss sie von der ersten sekunde an gefühlt, gewusst haben, und dennoch hat sie mich genommen, hat mich auf sich genommen. den ganzen weg ist sie mit mir gegangen, den ganzen langen weg, nachdem sie mir das leben gerettet hatte bzw. es mir ermöglich hatte, dass ich mir selber das leben rette, indem sie von der ersten sekunde an, da wir uns am telefon gehört hatten, eben so war, wie sie war. wäre sie nicht gewesen, wäre ich heute nicht mehr. sie ist den ganzen weg mit mir gegangen, mal vor, mal hinter mir, mal rechts und mal links. aber immer war sie da, immer war sie zur stelle, wenn es brannte, klemmte, wenn ich nicht konnte oder wollte oder beides. immer und immer wieder hat sie es geschafft, mal lauter, mal leiser, dass ich mich weiter bewege. ich habe ihr vertraut, tue es noch immer, auch wenn mir das nicht immer bewusst war, ich nicht immer auf mein diesbezügliches gefühlt gehört habe. es gibt auf dieser welt keinen einzigen menschen außer dieser frau, der so viel von mir weiß, der alles, fast alles von mir weiß. ich habe es immer wieder nicht geschafft, die letzten reste der maske wegzulassen, einfach ich zu sein, nur ich, ohne den letzten rest fassade. sie hat es gewusst, gefühlt, wir haben es in der letzten stunde angesprochen. bzw. ich habe es angesprochen, habe ihr genau das gesagt und es hat mir so unendlich leid getan, für mich selber, dass es eben so war.

jetzt sind es sechs wochen, dass die therapie (vorerst) zu ende ging, und es geht mir erstaunlich gut. ich hatte den ein oder anderen durchhänger, ja, aber es geht mir gut. ich bin bei mir, immer wieder ganz ruhig und ganz gelassen, gefalle mir und mag mich so. ich habe die augen offen, nach innen gerichtet und nehme mich wahr. und es gab noch keinen einzigen moment, in dem ich meine therapie, meine therapeutin abzuwerten, kaputtzumachen, zu demontieren versucht habe. ganz im gegenteil. ich bin unglaublich dankbar und froh, dass ich therapie und therapeutin hatte, habe. momentan findet sie nicht statt, zumindest nicht auf der couch, nicht in anwesenheit der werten frau dr. psychoanalytikerin. aber in mir drin, da findet sie statt, da tut sich so viel, so viel. und sie wohnt in meinem herzen, meine therapeutin, sie hat einen großen feinen platz bekommen, an dem sie sich langsam aber stetig eingerichtet hat, sich einrichten durfte und da soll sie bleiben. meine therapeutin. mein gefühl momentan ist, dass mir die pause von der analyse super gut tut, und für den moment ist die kbt völlig ok. aber es gibt dinge, das wird mir langsam klar, die möchte ich analytisch anschauen, möchte sie verstehen, sonst werde ich nicht mit ihnen umgehen können. wann das sein wird, das sagt mir mein gefühl allerdings gerade nicht. ich werde es also auf mich zukommen lassen, und wenn dann der moment gekommen ist werde ich das daran merken, dass ich den telefonhörer in der hand und ihre nummer gewählt habe. es gibt kein zu früh, und es gibt auch kein zu spät. aber es gibt richtige oder falsche momente. und ich werde den richtigen moment nicht verpassen. bis dahin werde ich leben, mein leben leben, es mir mit mir gutgehen lassen und mich hoffentlich mit all den teilen meines ich anfreunden, die ich noch so entdecken werde.

dieses jahr war verschlungen, aber es war rund. ich habe es über weite strecken genossen, auch wenn es bisweilen sehr anstrengend war. es war ein jahr, in dem ich gelebt habe, mein leben gelebt habe. ein jahr, in dem ich endlich die regie übernommen habe, ich alleine. ein jahr, das geprägt war von vielen erkenntnissen. erkenntnisse, die mich aufgewühlt, die mich verändert und mich geprägt haben und das weiterhin tun werden. ich habe es geschafft, mal mehr, mal weniger, verantwortung zu übernehmen, verantwortung für mich, für mein leben. verantwortung zu übernehmen für das, was ich tue und vor allem für das, was ich nicht tue. ich habe gelernt, meine grenzen wahrzunehmen und sie aufrecht zu erhalten und wenn keine da sind, sie zu errichten und sie zu verteidigen. ich bin holprig, aber dennoch, in mein leben gestolpert, dieses jahr, und irgendwann werde ich angekommen sein. ich habe noch einen weiten weg vor mir, aber zum ersten mal bin ich bereit, diesen weg zu gehen, mit allem, was er zu bringen vermag. ich bin neugierig, vor allem darauf, was ich noch so alles über mich lernen werde. angst ist immer noch da; ich glaube, die angst vor dem leben und auch vor den menschen werde ich wohl nie ganz loswerden, das kann auch nicht mein ziel sein. was ich aber geschafft habe ist, anzufangen, mit der angst zu leben, sie als ein teil von mir zu akzeptieren und mich von ihr nicht unterkriegen zu lassen. die beste voraussetzung, einen schritt nach dem anderen ins leben zu machen. in mein leben.

es gibt keine wiedergutmachung, es wird keine wiedergutmachung geben. das einzige - und wichtigste -  was ich tun kann ist, mit dem schmerz leben zu lernen und ihn als ein teil von mir zu akzeptieren.

31.12.2008 um 13:08 Uhr

2008

von: grenzgaenger   Kategorie: blick zurück

januar 2008: das scheinbare ende einer freundschaft

februar 2008: das ende einer freundschaft, blogstart am 21.2.

märz 2008: beginn des dissertationsendspurts, das endgültige ende einer freundschaft, haare rot

april 2008: dissertationsendspurt deluxe, abgabe am 15.4.

mai 2008: 18.5. völlig überraschendes auftauchen der in januar 2008 scheinbar beendeten freundschaft, 21.5. meine therapeutin geht für drei monate in den urlaub

juni 2008: erste anzeichen des durchhängers, vorbereitung der verteidigung

juli 2008: 3.7. verteidigung, ich darf mich frau dr. nennen lassen, fortsetzung des durchhängers, talfahrten en masse, depressionen, herumgeschnippel

august 2008: es geht kaum mehr etwas, 12.8. psychosomatik und zulassung zum medizinstudium am wunschort --> neue perspektive

september 2008: 1.9. meine therapeutin ist wieder da, endgültiger absturz in ihrem beisein und gleichzeitig beginn das aufrappelns, 2.9. entlassung aus der psychosomatik, beginn der erholung von der vorhergegangenen wochen und monaten, job organisiert, studienfinanzierung in trockene tücher gebracht

oktober: 2008: erste hälfte weitere stabilisierung, veröffentlichung der diss: ich darf mich frau dr. nennen, 17.10. beginn des medizinstudiums

november 2008: das medizinstudium nimmt fahrt auf, lernen, schlußstrich unter eine 10-jährige verbindung, therapie läuft und tut mir gut

dezember 2008: erste chemieklausur bestanden, weiterlernen, arbeiten, ausblick auf 2009

detaillierte fortsetzung folgt.

31.12.2008 um 13:08 Uhr

2008

von: grenzgaenger   Kategorie: blick zurück

januar 2008: das scheinbare ende einer freundschaft

februar 2008: das ende einer freundschaft, blogstart am 21.2.

märz 2008: beginn des dissertationsendspurts, das endgültige ende einer freundschaft, haare rot

april 2008: dissertationsendspurt deluxe, abgabe am 15.4.

mai 2008: 18.5. völlig überraschendes auftauchen der in januar 2008 scheinbar beendeten freundschaft, 21.5. meine therapeutin geht für drei monate in den urlaub

juni 2008: erste anzeichen des durchhängers, vorbereitung der verteidigung

juli 2008: 3.7. verteidigung, ich darf mich frau dr. nennen lassen, fortsetzung des durchhängers, talfahrten en masse, depressionen, herumgeschnippel

august 2008: es geht kaum mehr etwas, 12.8. psychosomatik und zulassung zum medizinstudium am wunschort --> neue perspektive

september 2008: 1.9. meine therapeutin ist wieder da, endgültiger absturz in ihrem beisein und gleichzeitig beginn das aufrappelns, 2.9. entlassung aus der psychosomatik, beginn der erholung von der vorhergegangenen wochen und monaten, job organisiert, studienfinanzierung in trockene tücher gebracht

oktober: 2008: erste hälfte weitere stabilisierung, veröffentlichung der diss: ich darf mich frau dr. nennen, 17.10. beginn des medizinstudiums

november 2008: das medizinstudium nimmt fahrt auf, lernen, schlußstrich unter eine 10-jährige verbindung, therapie läuft und tut mir gut

dezember 2008: erste chemieklausur bestanden, weiterlernen, arbeiten, ausblick auf 2009

detaillierte fortsetzung folgt.