treffen sich...
...zwei schneeräumfahrzeuge...
...zwei schneeräumfahrzeuge...
einen großteil des nachmittags habe ich versucht mir einzureden, dass mich momentan nichts mehr interessiert als der renale plasmafluß und die glomeruläre filtrationsrate. hat nicht funktioniert. jetzt bin ich am überlegen, ob ich dem ganzen nochmal eine chance gebe oder es gleich sein lasse und beschließe, morgen zur abwechslung (...) mal die vorlesungen sausen zu lassen um mich stattdessen mit der physiologie der niere zu beschäftigen. genaugenommen habe ich gar keine chance, dem ganzen zu entkommen, denn ich habe morgen nachmittag das großartige, didaktisch äußerst wertvolle physiologie-praktkium mit an grundschulmethodik angelehnter abfragerei. nicht bestandene abfrage = fünf seiten strafarbeit zum nicht ordentlich vorbereiteten thema. und nur wenn diese dem werten herrn professor behagt, wird das notierte minus folgenlos gestrichen. eigentlich sollte ich schon aus prinzip unvorbereitet hingehen. so rein aus protest.
anyway. nachdem ich die letzten beiden tage überwiegend schlafend verbracht habe, geht es mir wieder etwas besser, das zahnfleisch heilt ab, zurück bleibt eine erste, dünne schicht hornhaut. nun denn. ich werde sie brauchen. ich hatte ein wenig zeit, in mich zu gehen, mich um mich zu kümmern und mir und meinen bedürfnissen ein bisschen zuzuhören. das war schön. es hat mir gefehlt. und so ein kleines bisschen habe ich sogar die trauer um und das vermissen meiner therapeutin wahrgenommen. ich denke viel an sie, an die therapie, was ich erkannt, erfahren und analysiert habe, wie ich mich verändert habe, in den letzten zweieinhalb jahren. und doch kratzen all diese gedanken momentan nur an der oberfläche, so richtig komme ich nicht an sie heran. aber ich werde nicht ziehen und zerren und vor allem werde ich mich dafür nicht bewerten oder geschweige denn mich dafür fertig machen. um es mit den lieblingsworten meiner therapeutin zu sagen: es ist, wie es ist. ich kann gerade nichts daran ändern, und das einzige, das wirklich sinn macht, ist dem zeit zu geben. mir zeit zu geben, ruhig und gelassen meinen weg gehen und dabei rechts und links schauen. klingt banal, ist es aber nicht. bei mir bleiben, ganz ganz wichtig.
so. ein teil meines gehirns hat gerade beschlossen, der niere jetzt doch nochmal eine chance zu geben. mal gucken, was das wird.
ach, wie schön. ich bin zwar völlig fertig, habe jetzt zwei tage fast nur geschlafen, aber ich habe mal wieder zeit für mich. nach einem endspurt, der seinesgleichen sucht, habe ich das testat am donnerstag nachmittag bestanden - und wie - und habe jetzt ein klitzekleines bisschen ruhe. wir haben nämlich beschlossen, das dritte testat nicht auf den 23.12. zu verlegen, sondern es wie geplant am 13.1. durchzuführen. so habe ich vor weihnachten keine prüfungen mehr. ich muss zwar jetzt den testatstoff für drei testate über die weihnachtsferien vorbereiten, zudem biochemie lernen, aber wenigstens kann ich das nun im meinem rhythmus und tempo machen. schön. sehr sehr schön, und mein zahnfleisch, auf dem ich die letzten wochen gekrochen bin, kann sich auch endlich erholen. eigentlich wollte ich heute schon wieder loslegen, untere extremität und retrositus, aber es ging nicht. ich habe schon gestern den ganzen tag nur geschlafen, und heute war ich so unendlich müde und hatte kopfschmerzen, dass einfach gar nichts ging. ich werde mir morgen vom kommilitonen c. nochmal eine cranio-behandlung angedeihen lassen, und dann geht es hoffentlich wieder.
so lag ich heute den ganzen tag im bett, habe die wundervolle anna ternheim gehört und habe mich gehen lassen. keinen finger habe ich gerührt, und zudem habe ich es sehr genossen, endlich mal wieder zeit für mich zu haben. ich war ruhig und gelassen und bei mir, habe gefühlt und war weich. das zeigt mir, und das ist schön, dass meine ruhe mir gar nicht abhanden gekommen ist, und auch nicht meine gelassenheit, sondern dass es momentan wirklich nur die äußeren umstände sind, die mich davon abhalten, mich mit mir zu beschäftigen und ruhig und gelassen zu sein.
und jetzt? jetzt wird sich die frau dr. grenzgängerin mit einem schönen buch zurück ins bett verziehen und den abend genießen. so soll es sein. jawoll.
irgendwie ist das gerade eine komische zeit. was ist das überhaupt für ein wort: zeit. zeit zeit zeit. vier buchstaben, eine reihenfolge, unendlich viele bedeutungen. vor allem, wenn man sie nicht hat, die zeit. komisch. natürlich habe ich zeit. ich habe den ganzen tag zeit, anatomie zu lernen. warum habe ich dann keine zeit, zu schlafen oder wegzugehen? warum kann man zeit immer nur für eins haben, und nicht für mehrere dinge gleichzeitig? wer hat das denn festgelegt? ist das auch nur wieder so, weil igendwann mal irgend jemand festgelegt hat, dass es eben so ist?
wie dem auch sei. eine komische zeit derzeit. grenzwertig, im wahrsten sinne des wortes, denn meine grenzen sind nicht mehr allzuweit entfernt. die grenzen meiner aufnahmefähigkeit, die grenzen meiner körperlichen und psychischen kraft, und die grenzen meiner geduld. ganz zu schweigen von den grenzen meiner ruhe und gelassenheit, denn die sind längst überschritten. hin und wieder kommen sie zurück, eben jene, ruhe und gelassenheit, aber ich schaffe es so selten, diese momente festzuhalten. und ich merke, dass ich gerade ebenfalls unglaublich anfällig für die stimmungen und befindlichkeiten anderer bin. vor allem die meiner kommilitonen. ich kann morgens nach dem aufstehen noch so ruhig oder gutgelaunt oder was weiß ich positives sein, kaum bin ich an der uni erfasst mich die allgemeine gereizt- und angespanntheit der masse, die nerven liegen kollektiv blank, und ich kann mich demgegenüber nicht abgrenzen. daran will und werde ich arbeiten, denn so geht das nicht. ich will und brauche unbedingt meinen eigenen rhythmus, sonst funktioniert gar nichts. und gar nicht mehr an die uni gehen geht ja auch irgendwie nicht. was würde die werte frau dr. psychoanalytikerin dazu sagen? elefanten sortieren. die roten in die eine, die rosanen in die andere ecke, zaun drum, fertig.
und apropos. sie fehlt mir, die werte frau dr., sie fehlt mir. nicht unbedingt die therapiesitzungen als solche, aber letztendlich waren sie doch immer mit meiner heißgeliebten therapeutin verknüpft, untrennbar - notwendigerweise - von daher kriege ich das gar nicht so auseinandergefusselt. ich vermisse sie und ich hätte so unendlich gerne mal zeit, wenigstens einen tag, um um sie zu trauern und mich dem abschiedsschmerz hinzugeben. dem schmerz, der dumpf in mir wühlt aber nicht heraus kann, weil das unterbewusstsein oder was auch immer den deckel draufhält ... eieiei. meine analytischen qualitäten nehmen rapide ab...
so. der plan für heute abend ist der folgende:
1. duschen.
2. bücher in die ecke verbannen.
3. glas wein.
4. kerzen.
5. beethovens klavierkonzert.
5. bettkuscheln.
und morgen, morgen kommt mein ex-chef zum kaffeetrinken vorbei. sehr schön. ein mensch in meinem tristen alltag.
...
ich habe mir ein stillkissen bestellt. nein, ich bin nicht schwanger, und auch nicht gaga (oder vielleicht doch?); ich war heute bei meinem frauenarzt, geschlagene zwei stunden mit infusion im arm wegen extremer regelschmerzen und den damit verbundenen kreislaufkollapskapriolen, und da lag ich eben auf/in diesem stillkissen. und ich muss sagen, ich bin noch nie in meinem leben so gemütlich gelegen. meine erste amtshandlung zu hause war: internet, stillkissen bestellen. farbe: blau mit bunten fischen. das passt. anfang nächster woche sollte es da sein.
zwei tränen habe ich heute geweint. und genau diese beiden tränen waren es, kamen von so tief drinnen, dass sie gereicht haben, mir ein bisschen innere ruhe und frieden zurückzubringen; ruhe und frieden und ein bisschen gelassenheit nach all den letzten tagen, aufgewühlt und dicht, herumirrend und suchend, verwirrt, verirrt, hilflos und alleine (an lernen dabei natürlich nicht zu denken, 6 tage vor dem nächsten großen anatomietestat). therapieende. nachwirkungen. es wird noch eine weile dauern.
oje. jetzt ist gerade nicht so gut. abwärtstrend. hat sich schon in den letzten tagen angedeutet; dennoch geht es mir trotz therapieende erstaunlich gut. vielleicht etwas dicht, aber ich habe noch keinerlei anstalten gemacht, den gegenbeweis anzutreten. es geht, ich stehe auf eigenen beinen. was jetzt gerade los ist, werde ich herausfinden.
insgesamt ist mein leben gerade etwas einseitig, anatomie von morgens bis abends, ein brachliegendes soziales leben, kontakte auf ein minimum reduziert, nächste woche schon wieder testat. innere organe, alle, incl. embryologie. meine aufnahmekapazität hat grenzen, das merke ich gerade. der neue stoff passt zwar rein, dafür muss bisher gelerntes irgendwie dran glauben, ist nicht abrufbar. ein scheiß-zustand. man lernt und lernt und lernt und nur damit noch mehr reinpasst verschwindet das bereits reingepresste wieder. nicht gerade sinn und zweck der sache, aber anders gerade nicht handhabbar. das wetter ist ebefalls beschissen, alles nass, und ich würde so gerne mal wieder was schönes machen, ohne schlechtes gewissen, ohne zeitdruck.
scheiß leben gerade. gefällt mir nicht, ganz und gar nicht.
lieber mond,
mir fällt im moment überhaupt nichts anderes ein, als zu schreiben, ihnen zu schreiben, in der hoffnung, dass sich mein akuter zustand ein wenig bessert. ich erwarte weder eine antwort noch sonst eine reaktion, ich möchte nur versuchen, mich zu sortieren. und momentan schaffe ich das nicht im inneren, ich brauche ein wenig halt im außen. und außer ihnen fällt mir niemand anderes ein.
diese woche hätte meine letzte therapiewoche sein sollen, leider wurde die werte frau dr. psychoanalytikerin ziemlich krank. montag abend stand ich vor verschlossener tür, nur ein zettel, montag und dienstag fällt aufgrund krankheit aus. der erste schock, in einer zeit, in der ich bezgl. des therapieendes eh unglaublich emotional aufgewühlt war, und zudem riesigen stress an der uni habe, außer lernen derzeit nichts anderes, nächste woche anatomietestat. ich schrieb ihr also eine mail, dass ich dann davon ausgehe, dass donnerstag nicht meine letzte therapiestunde sein wird, sondern wir die beiden ausgefallenen stunden hinten dran hängen. am mittwoch dann die mail von ihr, es ist, wie es ist, ich müsse mich mit der realtität abfinden, es bleibe bei der letzten stunde am donnerstag. der nächste schock. ich rief sie an, völlig außer mir, das ginge nicht, ich hätte mir mein therapieende anders vorgestellt und sie könne mir nicht einfach zwei stunden klauen. sie wollte nicht reden, verschob die besprechung des zustandes auf donnerstag. ich hab mich so verarscht, getreten, verletzt gefühlt, war traurig, enttäuscht, wütend, wie gelähmt und bin da schon in mich zusammengefallen, völlig unfähig zu denken und angemessen zu handeln. irgendwie habe ich es geschafft, mich mühsam wieder ein bisschen aufzurichten, irgendwie, ich weiß nicht wie. donnerstag nachmittag dann, nach meinem präpkurs die nächste mail und der nächste aufreger, sie sei immer noch krank, keine therapie, aber damit ich ein anständiges therapieende bekomme, böte sie mir an, die beiden noch ausstehenden kassenkontingentstunden am kommenden montag und donnerstag wahrzunehmen. jetzt doch wieder zwei stunden, meine bezahlstunde jedoch unter den tisch fallen gelassen. ich schrieb ihr, das sei ok und ungefähr die zeit die ich bräuchte, meine therapie abzuschließen. aber nichts ist ok, gar nichts. ich habe keine ahnung, was das soll, ich verstehe es einfach nicht. nach zweieinhalb jahren, zum ende meiner therapie, so ein chaos, so ein scheißdurcheinander, so viel unsicherheit und enttäuschung.
heute morgen hab ich ziemlich produktiv gelernt, aber heute mittag, als ich in der bibliothek und dann in der mensa war, bin ich wieder eingebrochen. wie gelähmt, verlangsamt, unendlich traurig. drei stunden geschlafen, danach ging es wieder besser, ich konnte anschließend sogar noch lernen. aber jetzt sitze ich wieder hier und habe fast eine stunde zum thema suizid im internet recherchiert. keine sorge, das hat nur ventilfunktion. aber trotzdem. ich will diese gedanken nicht, will mich nicht mehr mit diesem thema beschäftigen. aber ganz aktuell, nach robert enkes selbstmord, ist es doch ziemlich präsent. aber ich will leben, ohne darüber nachzudenken, warum ich lebe, wer ich bin, warum ich bin. einfach leben. ich habe gerade erst damit angefangen. aber es ist manchmal so unglaublich schwer, dieses auf und ab, immer wieder enttäuschungen, verletzungen, gefühlte angriffe (sogar von meiner therapeutin), vertrauensbrüche. grau, schwarzweiß, auf und ab, hin und her. ich sehne mich so sehr nach ruhe und frieden, gelassenheit und freude. wo ich die momentan hernehmen soll, weiß ich nicht, keine idee. ich fühle mich klein, verletzlich und verletzt, alleine, ruhelos, wie in einem schwebezustand, unsicher, traurig. so schlecht ging es mir schon lange nicht mehr.
was soll ich tun, haben sie eine idee?
intervall-lernen ist angesagt. das heutige intervall war 12 stunden lang, mit wenigen kurzen und einer etwas längeren pause am nachmittag. aber jetzt ist schluß für heute, zum einen weil mir der schädel dröhnt, zum anderen weil ich schlecht 10 tage vor dem anatomie-testat schon die maximale zeit pro tag lernen kann, ich brauche spielraum für kurz vor dem testat. morgen steht physiologie auf dem programm, und auch das wird minimum einen dreiviertel tag in anspruch nehmen.
es geht mir eigentlich ganz gut, ich bin größtenteils ruhig und gelassen, auch wenn mir der gedanke an das bevorstehende therapieende immer und immer wieder die tränen in die augen treibt. aber es ist mein fester wille, nicht ins wanken zu kommen und auch nach dem ende am donnerstag mit beiden beinen auf dem boden stehen zu bleiben. kein toben, kein beweis des gegenteils, einfach was neues. ein neuer anfang, nach vorne gehen, nicht stehen bleiben und schon gar nicht zurückfallen. so ist der plan. ich bin gespannt.
und jetzt? es ist schon frustrierend, nach all der lernerei nicht zu wissen, was ich machen soll bzw. dass ich zu allem zu müde bin. die einzige beschäftigung, die mir einfällt, ist lernen. aber das geht heute abend weiß gott nicht mehr.
ich fühle mich gerade etwas alleine und verloren. der tag war schön, ausgeschlafen, biochemie gelernt, mein neues regal aufgebaut und eingeräumt - jetzt sieht es hier deutlich ordentlicher aus, als vorher, weil meine ganzen bücher nicht mehr neben dem bett auf dem boden stehen - und das schöne wetter genossen. trotz allem holt mich gerade der anstehende therapieabschied ein; die anlage spielt die playlist mit all den liedern, die mich während der zweieinhalb jahre - nicht selten in der dauerschleife - begleitet haben. und jetzt sitze ich hier und fühle mich einsam und alleine und habe keine ahnung, was ich machen soll. ich habe noch nicht einmal lust, etwas gegen diesen zustand zu unternehmen und mir fällt auch niemand ein, den ich gerade anrufen oder sehen möchte. alleine sein und bleiben, zumindest für heute abend. da gibt es wohl keine alternative dazu.
oh mei. die rückenmuskeln quälen mich. zur abwechslung nicht meine, sondern die unserer leiche. es gibt so verdammt viele davon, und vor allem die tiefen lassen sich kaum auseinanderhalten, erst recht nicht, wenn der ursprung unter anderen versteckt liegt. die präpperei ist so anstrengend, ich kann nach den vier stunden am tisch kaum mehr geradeaus denken. jetzt sitze ich hier, habe alle bücher in der uni gelassen und weiß nicht so genau, was ich machen soll. irgendwie runterkommen wäre angesagt, aber wie? ich bin gleichzeitig so müde, so müde, mein körper würde glatt 12 stunden am stück schlafen, wenn der geist mitmachen würde. aber der ist noch zu aufgedreht. ich könnte meinen schrank aufräumen, in dem sieht es aus wie in berlin nach dem 2. weltkrieg. das ist eigentlich eine gute idee. dann weiß ich morgen auch gleich, was ich anziehen soll, ohne lange suchen zu müssen.
ansonsten geht es mir gut, erst recht, nachdem ich gestern die roten und die rosa elefanten sortiert und sie dahin verbannt habe, wo sie hingehören. getrennt müssen sie sein, die elefanten, nach farben. rot und rosa, mit einem zaun dazwischen. seitdem ist auch die grenzthematik geregelt und ich bin gelassen und bei mir. keine identifizierung mehr mit dingen, die nicht die meinen sind.
sehr schön. ich mag mich. ziemlich gerne sogar.
und zuletzt noch der satz des tages: gewalt ist keine lösung, solange man sie nicht anwendet.
hey, bei mir tut sich gerade noch eine ganze menge. so auf den letzten therapiedrücker quasi. die sitzung heute war super, ich habe analysiert was das zeug hält und hatte eine ganz fundamentale erkenntnis, bedürfnisse bezüglich beziehungen/freundschaften wahrnehmen betreffend.
und heute nachmittag rief mich dann völlig unerwartet die frau dr. des. n. kunsthistorikerin aus berlin an. ein super telefonat, ganz ganz toll. fragen, erzählen, zuhören, lachen, staunen. unberschwert und leicht. die gute zieht am wochenende nach frankfurt und ist damit endlich in (spontan-)besuchsreichweite. geil. mit berlin hat das ja über die ganzen jahre nie geklappt, und frankfurt dagegen ist von hier aus ein katzensprung. naja, zumindest mit dem ice auf der schnellen trasse. geil geil geil. wir sind quasi schon verabredet. wenn sie denn mal angekommen ist, ihren neuen job angetreten und sich eingerichtet hat, dann gibt es in absehbarer zeit ein telefonat, bevorzugt an einem freitag abend, an dem wir uns dann geplant-spontan zum brunch für samstag verabreden. so ist es beschlossen, so wird es sein. super.
genau so wie im moment will ich es haben. ruhig und gelassen mein leben leben und das tun, was ich immer tun wollte: medizin studieren, lernen, es genießen. mit einer handvoll leute um mich herum, die ich als freunde bezeichne; freundschaften, in denen ich nicht zu kurz komme, meine bedürfnisse kommunizieren will und kann, wahrgenommen und gesehen werde. freundschaften, die auf geben und nehmen, auf gegenseitigkeit und augenhöhe - emotionaler und intellektueller - beruhen.
das bisschen freizeit das ich habe, aktiv gestalten und genießen, entspannen, seele baumeln lassen, ausgleich.
einfach ich sein.
emotionen sortiert und verstanden.
bedürfnisse erkannt.
beziehungen überdacht.
klarheit im kopf und in der seele ist etwas wundervolles.
ist das geil.
meine kraft, meine geduld, ruhe und gelassenheit, meine lebendigkeit und meine kreativität sind gerade dabei, zurückzukommen.
mein ganzes ich. welcome back!
die therapie läuft. jetzt, jetzt wo das ende in sicht ist, jetzt läuft sie, verstehe ich, erkenne dinge, für deren erkenntnis ich über ein jahr zeit gehabt hätte, jetzt rede ich auf einmal auf augenhöhe mit meiner therapeutin, kann annehmen, was sie sagt und vor allem: auf einmal nehme ich wahr, dass sie mitbekommt, wie es mir geht. sie war immer präsent, hat jede kleinste regung während der sitzungen von mir wahrgenommen, klar, das war/ist ihr job, aber dass sie mitbekommt wie es mir GEHT, das kam bei mir bisher nicht so wirklich an. wahrscheinlich wollte ich es nicht sehen. wahrscheinlich war es genau das, was gefehlt hat, um den letzten rest vertrauen aufzubringen um ohne angst analysieren zu können. denn eben jene angst war mein ständiger begleiter, ich habe es nie geschafft, sie draußen zu lassen. angst - abwehr. gehören zusammen. zumindest bei mir. noch. ich werde daran arbeiten, das will ich und das werde ich.
aber trotz allem: ich habe - for now - die richtige entscheidung getroffen. erstmal analyseende. alles diesbezüglich andere wird sich weisen. das ende bleibt offen, zumindest für die kasse, ich kann wiederkommen, wenn ich will.
ich bin gespannt. ich habe so die ein oder andere idee, was ich machen möchte, wenn die analyse zu ende ist. ich habe gedanken im kopf, wünsche und vorstellungen, denn immerhin beginnt am 12.11. ja ein neuer abschnitt meines lebens, dem ich (momentan) ruhig und gelassen entgegen schaue.
scheiße fühle ich mich gerade einsam und alleine. seit dienstag weiß ich, wann die therapie zu ende sein wird. in dreieinhalb wochen. das kontingent läuft aus, mitte november und nicht erst im dezember. die werte frau dr. psychoanalytikerin hat sich verschätzt. am dienstag rückte sie damit heraus, dass am 12.11. die letzte sitzung ansteht und bot mit, quasi als entschuldigung, ausgleich dafür, dass sie sich verhauen hatte, an, den dienstagstermin bis weihnachten zu behalten. wir haben darüber geredet, ich habe das für und das wider abgewogen und habe letztendlich die entscheidung getroffen, am 12.11. zu gehen und nicht wiederzukommen. im gleichen atemzug erbrachte sie mir den größten vertrauenbeweis der letzten zweieinhalb jahre, nämlich die zusage - auf meine nachfrage hin - der kasse kein therapieende zu melden sondern es offenzulassen, so dass ich, wenn ich denn will, irgendwann wiederkommen kann.
ich stehe hinter meiner entscheidung, habe das gefühl, dass es meine allein ist und es geht mir gut damit, auch wenn mir der gedanke an den abschied unendlich weh tut. so ganz ganz langsam beginnt diese tatsache in mein bewusstsein vorzudringen und sich da breit zu machen. die tatsache, dass ich nach zweieinhalbjahren meine therapeutin, die frau, die ich von herzen liebe, in drei wochen zum letzten mal sehen werde. ich werde zum letzten ihre stimme hören, ihr zum letzten mal die hand geben, in ihre augen schauen, den so typischen geruch des treppenhauses und ihrer praxis wahrnehmen, zum letzten mal auf der couch liegen und sie zum letzten mal links hinter mir sitzen haben.
in der donnerstagssitzung diese woche habe ich meine entscheidung bestätigt und erzählt, dass der druck weg ist und meine energie und kraft langsam, langsam zurück kommen. und promt war es eine wundervoll analytische sitzung, in der mir so einiges klar geworden ist.
ich glaube, die letzten wochen und monate, vor allem seit anfang september, haben mich viel viel mehr mitgenommen, als ich geahnt, gemerkt hatte. seit gestern bin ich krank, und das war ich, trotz übelstem stress, schon verdammt lange nicht mehr. mit mühe und not habe ich heute morgen psychologieklausur geschrieben, und seit dem liege ich im bett, eingedeckt mit medikamenten aus der apotheke, so dass ich wenigstens morgen meinen pflichten als medizinstudentin nachgehen und anatomie lernen und den präpkurs für nächste woche vorbereiten kann.
aber jetzt liege bzw. sitze ich hier, vorhin liefen die ersten tränen, und höre - mal wieder - death of a clown in der endlosschleife. ich bin traurig und fühle mich einsam und alleine. und ich werde nicht dagegen unternehmen.
warum riecht es morgens um 6 uhr vor meiner balkontür nach erbseneintopf???
aber was anderes: therapie gestern abend. ich habe es tatsächlich fertig gebracht meiner therapeutin zu sagen, ach, was sage ich, ihr entgegenzuschleudern, dass sie mir derzeit zu massiv ist, den ein oder anderen unpassenden kommentar hat fallen lassen und vor allem dass ich nicht mehr kann und auch nicht mehr will. analyse meine ich. es geht nicht momentan. mein kopf ist zu, völlig verwirrt, ich kann mich weder beobachten geschweige denn analysieren und aus der abwehr ist widerstand geworden. sie wollen in die kbt, stimmts?, so ihre frage. ja, meine einfache antwort. na das ist doch klar und ok, wenn sie das wollen, wenn es da besser klappt, dann müssen sie dahingehen (aha, sie verwendet das wort müssen also auch bisweilen...). ich sehe schon auch, dass keine analyse mehr möglich ist. irgendwas ist passiert in der kbt, meinte sie. ja, ist es. ich habe ein bisschen versucht, es ihr zu erklären, dass es mir so gut getan hat, nicht nur mit meinem kopf, sondern auch mit meinem körper zu arbeiten, dass ich zwischen eben jenen ebenen wechseln konnte, etc., dass es mir so viel leichter gefallen ist und ich gemerkt habe, dass arbeit an sich selber keine qual sein muss. sie hat es verstanden und wir sind so verblieben, dass ich die analyse zuende mache, bis dezember, dann ist das erste kontingent leer, sie aber keinen abschlußbericht schreibt und die therapie somit nicht als beendet der krankenkasse meldet sondern es offen und mir somit die möglichkeit lässt, wiederzukommen. und das ist insgesamt genau das, was ich wollte. und auf dieser basis ist es mir ja vielleicht doch möglich, die noch verbleibenden stunden der schlußphase zu nützen und mir noch ein paar sachen anzuschauen. ich bin glücklich, erleichtert und freue mich auf alles weitere, was da kommen mag.
ansonsten war der gestrige semesterbeginn eher mau, nur herumgerenne, ansteherei und generve. und zwei vorlesungen - physiologie und biochemie - die ein heftiges programm erahnen lassen. nunja. ich habe beschlossen, mich nicht stressen zu lassen und es mit ruhe und gelassenheit anzugehen. so will ich das.
liebe frau dr. psychoanalytikerin,
am liebsten würde ich sie anrufen, nach
einem notfalltermin fragen, um wenigstens für einen moment zu wissen,
wo ich hinkann, hingehöre, um ein kleines bisschen halt und
orientierung zu finden. ich drehe mich, habe das gefühl zu fallen und
habe es nur mit einer riesigen kraftanstrengung heute morgen aus dem
bett geschafft. am liebsten wäre ich liegengeblieben und hätte die
decke angestarrt.
ich frage mich die ganze zeit, warum ich will, dass es mir nicht gut geht, aber ich finde und finde keine antwort. gestern abend habe ich angefangen zu weinen und habe es bis jetzt kaum geschafft, wieder damit aufzuhören, vom schlaf heute nacht mal abgesehen, der aber nicht wirklich erholsam war, weil ich seit langem mal wieder albträume hatte.
aber es ist anders als sonst. ich bin nicht so dicht und gefühllos, wie so oft bisher, sondern ganz im gegenteil, ich fühle mich völlig überrollt von emotionen, die ich aber überhaupt nicht einordnen kann. außer, dass ich mich klein und völlig überfordert fühle und überhaupt keine ahnung habe, was ich eigentlich will.
das einzige was ich weiß ist, dass ich nicht das ganze wochenende so verbringen möchte und im moment fällt mir nichts anderes ein, als ihnen zu schreiben. das hat etwas vertrautes und vielleicht gelingt es mir ja doch, ein bisschen ordnung in meine gedanken und gefühle zu bringen.
ich merke, dass es in mir unglaublich unruhig ist, oder nein, dass ich in mir unglaublich unruhig bin - nicht in form der altbekannten aggressionen - vielmehr glaube ich, dass der teil in mir, der sich gegen die analyse so sehr sperrt mit demjenigen, der hingucken und verstehen will, im widerstreit liegt, dass sie ringen und jeder der anteile versucht, die oberhand zu gewinnen. ich bin zerrissen, fühle mich so unendlich kraftlos und weiß nicht, ob ich auch nur einen schritt weitergehen kann/will. alles in mir schreit nach ruhe, nach frieden, gleichgewicht und stabilität und dennoch habe ich das gefühl, schon lange nicht mehr so weit davon entfernt gewesen zu sein, wie gerade eben. aber wenigstens ist keine leere da, ich habe weder das bedürfnis, mich zu schneiden noch zu spucken.
leere ist keine da, ganz im gegenteil, es sind so viele emotionen in mir drin und ich kann nichts mit ihnen anfangen. das ist wohl eines meiner größten probleme, dass mich meine emotionen überfordern, wenn sie denn mal da sind, ich sie zulasse/nicht die kraft habe, sie zu verdrängen. ich kann sie nicht benennen, weiß nicht, was sie bedeuten und genau deshalb fange ich dann immer an zu denken, zu reden, sie zu zerdenken und -reden, im verzweifelten versuch, sie irgendwie zu begreifen oder zu kontrollieren. dass das aber nicht funktioniert, habe ich begriffen, nicht zuletzt in/nach der stunde gestern abend.
ich will meine emotionen anschauen, ich will sie verstehen und ich will, dass sie ein teil von mir werden, den ich mag, mit dem ich umgehen kann, ganz natürlich. ich habe so viele emotionen, irgendwo in mir drin, die sind ja nicht nicht da, aber bisher habe ich ihnen ja kaum eine chance gegeben. ich will wissen und fühlen, wie ich mich fühle, in den unterschiedlichsten situationen, alleine und zusammen mit menschen. und ich will wissen, warum ich so viel angst davor habe zu fühlen. ich glaube, dass ist auch ein teil dessen, warum ich so viel angst habe, mich anzuschauen. ich habe angst vor den emotionen. weil ich nicht mit ihnen umgehen kann, weil sie mich völlig überfordern, wie eben jetzt, und weil ich, wenn ich denn fühle, so oft will, dass es mir damit nicht gut geht.
aber wenigstens geht es mir jetzt ein kleines bisschen besser, geordneter. ich glaube, ich habe gerade genau das getan, was ich brauchte.
Musik: lady gaga - wie passend
endlich. dienstag, der 6.10.
ich habe es ja tatsächlich geschafft, gestern gar nichts mehr zu lernen, und heute morgen auch nicht. ausgeschlafen habe ich, und jetzt bin ich gerade noch dabei, es mir gemütlich zu machen. und das tut gut. mein kopf konnte sich entspannen, das wissen sich setzen. ich hab ja wahrlich genug gelernt. wenn ich die klausur nicht bestehe, dann, weil ich das falsche gelernt habe.
themawechsel.
therapie gestern abend. ich habe geklingelt, die tür ging auf, ich trat in den flur und...dann kommt mir eine andere patientin entgegen. ... .eine frau, in meinem alter, kurze haare, recht gutaussehend. wir haben kurz gezögert, uns angeschaut, sie hat zuerst gelächelt, dann ich. dass ich da eine andere patientin zu gesicht bekomme, das hat mich völlig aus dem konzept gebracht. aber sowas von. ich bin um eine illusion ärmer. ich bin NICHT die einzige patientin meiner therapeutin. erst bin ich ins therapiezimmer gelaufen, habe meine sachen abgelegt. die jacke hatte ich vergessen auszuziehen, musste also wieder raus, dann wieder rein. und die ganze zeit hatte ich das gefühl, keinen gedanken sortiert zu bekommen, gestottert habe ich, mich umgeschaut, als wäre ich noch nie dagewesen, um mich dann umständlich auf die couch zu setzen. im schneidersitz. so blieb ich kurz, bevor ich in der lage war, mich hinzulegen. und mein erster satz war dann auch 'ich könnte platzen vor eifersucht'. wir haben darüber geredet, und es wurde eine richtig gute sitzung, mit anknüpfen an die thematik der letzten. fremd- und eigenwahrnehmung klafften zwar weit auseinander - meine war, dass ich völlig unsortiert und verplant war, meine therapeutin hingegen meinte, ich sei ziemlich gut beieinander und sortiert. hmmm. was auffällig war: ich hatte werde kraft noch lust, zu kontrollieren, und daher war ich bei mir und konnte eine ganze menge analysierend anschauen, ohne auch nur den ansatz eines tobens. sehr schön.
so. und nun werde ich auf dem balkon noch eine rauchen, und mich dann ganz langsam fertig machen.
manchmal weiß ich nicht, woher ich die kraft nehme, mein leben so zu leben, wie ich es (gerade) tue. ich muss eine nahezu unerschöpfliche kraftquelle irgendwo tief in mir drin haben. seit zweieinhalb jahren psychoanalyse, drei mal die woche, dazwischen psychosomatik, medizinstudium. ich lebe so intensiv, emotional und körperlich, es ist erstaunlich. und das nicht nur mal über einen kurzen zeitraum hinweg, nein, eigentlich schon immer. seit einiger zeit ist aus der überwiegend negativen intensität eine positive geworden, veränderung zum guten hin, stabilität. und dennoch: es ist unglaublich anstrengend. alleine die letzten tage, seit donnerstag. mehrere wichtige, existenzielle erkenntnisse, die arbeiten, verarbeitet und integriert werden wollen. dann: studium. um 8 uhr saß ich gestern am schreibtisch, um 23 bin ich wieder aufgestanden. und das war und ist nicht der einzige tag, der so abläuft. natürlich mit pausen dazwischen, auch längeren, zudem ein emotionaler durchhänger, den ich aber gut in den griff bekommen habe. mein kopf ist ununterbrochen beschäftigt, ebenso meine psyche. welch wunder, dass ich so gut wie nie wirklich krank bin, auch wenn ich das ein oder andere mal an meine körperlichen (und psychischen) grenzen stoße. aber nie wurde etwas ernsthaftes krankes daraus, noch nicht einmal eine ausgewachsene erkältung. was muss ich für ein immunsystem haben. halleluja.
so. der plan des tages sieht folgendermaßen aus: das knöcherne skelett. wiederholung und indenkopfklopfung der letzten details der unteren extremität. dann nochmal schädel. und dann das ganze von vorne, 217 knochen, mit dem schwerpunkt auf den gelenken: namen und arten der gelenke, gelenkflächen, bewegungsachsen und -richtungen, freiheitsgrade. timeline: heute abend 22 uhr. die erfahrung von gestern zeigt, dass ich dann doch noch eine stunde mindestens für mich brauche um abzuschalten. ich bin gestern mehr oder weniger direkt ins bett gefallen, völlig fertig, aber ich konnte nicht einschlafen. bis um halb zwei lag ich wach, dann gingen die lichter aus. eigentlich wollte ich wenigstens ein bisschen ausschlafen, aber pfeifendeckel. um sieben stand ich im bett. naja. bis dienstag halte ich das noch durch, das passt schon. und irgendwie haben diese extremsituationen vor großen prüfungen ja auch ihren ganz eigenen reiz.
grenzerfahrungen.
grenzgängerin.