grenzwandel

07.07.2008 um 15:18 Uhr

entscheidungen

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

 

es scheint eine zeit der entscheidungen zu sein, eine zeit, in der prioritäten gesetzt und weichen gestellt werden. eine zeit der abschlüsse und der richtungs- und zukunftsweisenden schritte. schritte nach vorne, den blick gerade aus, wohlwissend, dass ich unglaublich viel geleistet habe, psychisch und physisch und der grund immer stabiler wird. und genau deshalb galt es, entscheidungen zu treffen, entscheidungen, die eben diesen grund zementieren und festigen, entscheidungen, die einem schlingern und gefühlten unsicherheiten zuvorkommen bzw. diese gar nicht erst zulassen.

es war mir noch nie so klar wie gestern, und heute, dass meine gesamte stabilität momentanan an diesem fleckchen erde konzentriert ist und zu einem nicht gerade geringen anteil von dem therapeutischen wir, von mir und meiner therapeutin abhängt und dass ich mir selber den boden unter den füßen wegziehen würde, würde ich gehen. dies gefühlt, war alles weitere klar, so klar wie nie zuvor; und es fühlt sich richtig und gut an, durch und durch und alles weitere ergibt sich von selbst. so wie sich die mail von selbst ergab, mit der ich das vorstellungsgespräche zum traumjob in münchen abgesagt habe; ich will und werde hier bleiben. ich könnte hingehen, zum gespräch, könnte in den angesetzten 5 stunden zeigen, dass ich mich in einer redaktion wie zu hause fühle, dass ich mein fachgebiet im schlaf beherrsche, dass ich texte sowohl schreiben als als auch korrigieren und lektorieren kann, all das könnte ich zeigen. aber ich will es nicht zeigen, will mich nicht in die situation bringen, den job angeboten zu bekommen und dann eine entscheidung treffen zu müssen, traumjob oder therapeutin und ich. ich will diesen zielkonflikt nicht;  ich könnte den traumjob annehmen. und mir damit den boden unter den füßen wegziehen. ich will es nicht und ich werde es nicht. heute morgen ging die mail raus, ich werde nicht kommen, meine bewerbung kann jedoch archiviert werden, man darf zu gegebener zeit auf mich zurückkommen. aber nicht jetzt. und selten habe ich so deutlich gefühlt, eine richtige entscheidung getroffen zu haben, selten war ich so bei mir. die entscheidung zu treffen, war leicht; aber es war keine leichte entscheidung. ich verzichte auf die vorstellung zum traumjob, entscheide zugunsten meiner seele, zugunsten meiner therapeutin, zugunsten des ich. und es geht mir so gut damit, es geht mir so gut. ich habe keinerlei bedürfnis, diese entscheidung meiner therapeutin per mail mitzuteilen, auf eine bestätigung hoffend, es ist allein meine entscheidung, und es ist gut.

die zweite entscheidung diesbezüglich ist, den medizinstudienplatz für dieses wintersemester nicht anzunehmen, sollte ich ihn bekommen. es wäre ein finanzielles harakiri, da ich ab oktober eine terapiestunde pro woche selber übernehmen werde, damit das krankenkassenkontingent nicht so schnell erschöpft ist. die stunden, die ich diesbezüglich noch habe, werden nicht ausreichen. also werden ab oktober nur noch zwei pro woche über die kk abgerechnet, eine übernehme ich. und meine therapeutin ist nicht gerade billig. aber ich werde noch nie für etwas so gerne bezahlt haben werden, wie für meinen seelenfrieden. und dann nebenher noch für 70% des lebensunterhalts aufkommen UND dann noch medizin studieren, geht schlicht nicht. das ist ein weiterer abstrich, ein harter, den ich zugunsten meiner seele machen werde. lächelnd und mit einem leichten herzen. auch mit dieser entscheidung geht es mir gut, könnte es mir besser nicht gehen.

es wird ruhig. ich werde ruhig, habe einen klaren blick. auf das, was ich kann und vor allem, was ich will und auf das, was ich nicht zu leisten imstande bin, momentan, und nicht leisten will. dieses gefühl ist neu. ich habe das emotionale spektrum erweitert, es sind neue emotionale qualitäten, die ich bisher nicht kannte, oder sie nicht wahrgenommen habe. ich bin stolz, auf mich und auf das, was ich leiste und vor allem auf das wie.

die leere ist kleiner geworden.


Diesen Eintrag kommentieren