grenzwandel

18.05.2008 um 15:24 Uhr

lieber herr hingucker...

 

...da haben sie wohl noch nicht genau hingeguckt.

MATHEMATIK IST DOCH NICHT SPIEßIG. ich fall gleich rückwärts vom stuhl. mathematik ist vollkommene schönheit. jawoll.

und bezüglich der sich dir nicht ganz erschließenden zusammenhänge zwischen goldenem schnitt, fünfeck und fibonacci-spirale kann ich dir auf die sprünge helfen:

der goldene schnitt, lieber hingucker, ergibt sich dann, wenn eine strecke so geteilt wird, dass sich ihre gesamtlänge zur länge des größeren teils verhält wie die länge des größeren teils der strecke zur länge des kleineren teils. das führt auf direktem wege zu der quadratischen gleichung: x2 - x - 1 = 0, von der wiederum phi eine lösung ist.

beim sogenannten oder auch goldenen rechteck verhalten sich die seitenlängen wie phi : 1. das goldene rechteck hat zudem die eigenschaft, dass nach wegnahme eines quadrates der seitenlänge phi wieder ein entsprechend kleineres goldenes rechteck übrig bleibt, theoretisch beliebig fortsetzbar. theoretisch. die diskussion über unendlich kleine strecken lassen wir mal beiseite. der einfachheit halber.

ein gleichseitiges dreieck wiederum, das doppelt so große basiswinkel hat, wie der winkel an der spitze des dreiecks, ist ein sogenanntes goldenes dreieck. ergo: es hat, wenn die basis die länge 1 hat, als schenkellänge eben phi. im fünfeck kommt das derart zustande kommende goldene dreieck auch vor, daher haben die diagonalen des regelmäßigen fünfecks die länge phi.

alles klar soweit?

so. weiter im text. fibonacci. die summe der quadrate der ersten n fibonaccizahlen ergibt dasselbe wie das produkt aus der n-ten und der (n+1)-ten fibonaccizahl. das quadrat einer fibonaccizahl ergibt zudem das gleiche, wie das produkt der jeweiligen nachbarzahlen +/-1, und die summe der ersten n fibonaccizahlen ergibt dasselbe wie die (n+1)-te fibonaccizahl -1.

fehlt noch die fibonacci-spirale: die entsteht, wenn man quadrate mit seitenlängen der fibonacci-folge so anordnet, wie auf dem letzten bild deines eintrages zu sehen ist (s.o.). zeichnet man in diese quadrate jeweils viertelkreise ein, entsteht die fibonacci-spirale. entsprechendes erhält man auch, wenn man das ganze mit einem goldenen rechteck macht, hier fortlaufend quadrate abteilt und in diese dann den besagten viertelkreis einzeichnet.


und da behaupte einer, mathematik und geometrie seien spießig.

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenHingucker schreibt am 18.05.2008 um 17:31 Uhr:Danke für die Erklärungen. Ich hatte sowas geahnt, dass das alles irgendwie zusammenhängt und total genial und schön ist. Deshalb trage ich ja auch immer den Pentagramm-Anhänger. Der hat aber nichts mit phi zu tun, weil ich gar nicht weiss, wer oder was phi ist und wieviel, sondern eher mit Leonardo da Vinci und weil er so schön aussieht. Er bedeutet auch die Verbindung des weiblichen und männlichen Elements und hat auch was von dem goldenen Schnitt, obwohl der Anhänger silbern mit blauen Steinen ist. Ach ja, das hast Du alles wirklich wunderbar erklärt. Ich verstehe vielleicht ein Fünftel davon, wenn's hochkommt. Die restlichen fünf Sechstel muss ich mir dann nochmal genauer durchlesen. Vielleicht lerne ich es mal auswendig. Muss aber vorher noch googeln, was phi ist. Ich kenne nur pi, und auch das nicht so richtig. Hat was mit Kreis, Radius oder Durchmesser zu tun, stimmt's? Also ich bewundere Dich, grüsse Dich und danke Dir.
  2. zitierengrenzgaenger schreibt am 18.05.2008 um 17:40 Uhr:phi ist eine verhältniszahl und hat den wert 1,6180339 usw. die nachkommastellen setzen sich unendlich fort und wiederholen sich dabei nicht. phi ist so ziemlich die wichtigste zahl, die die menschheit kennt, da die geometrie aller lebensweltlichen, organischen strukturen auf phi basieren. sie ist zudem die verhältniszahl des goldenen schnitts. der goldene schnitt ist zudem das einzig bekannte verhältnis, bei dem das verhältnis des ganzen zum größeren teil gleich dem verhältnis des größeren teils zum kleineren teil ist.
  3. zitierengrenzgaenger schreibt am 18.05.2008 um 17:48 Uhr:ach nochwas... tschuldigung... aber ich kanns mir nicht verkneifen: aus fünf sechstel mach' vier fünftel. dann stimmts und ist nicht so anstrengend, weil weniger, was noch zu begreifen bleibt :-)
  4. zitierenHingucker schreibt am 18.05.2008 um 18:52 Uhr:nee, is schon klar, das mit den fünf sechsteln war ein scherz unter meinem niveau, trotz allem. aber dass phi die wichtigste zahl ist, die die menschheit kennt, nur ich nicht, das ist schon oberpeinlich. und hinter dem komma kommt keine periode? hab grad mal bei google nachgesehen. tatsächlich, sowohl pi als auch phi haben unendlich viele zahlen hinter dem komma, wodurch im übrigen die quadratur des kreises unmöglich ist, stand da. naja, dass die nicht möglich ist, das war mir schon klar. aber das andere war mir neu. ich hatte zwar altgriechisch auf dem gymnasium, könnte pi und phi also auch auf griechisch schreiben, aber was nützt mir das. ich war mir ganz sicher, dass hinter dem komma von pi eine periode kommt. womit verwechsle ich das jetzt? jedenfalls finde ich das toll, was du mir erklärt hast, und bewundere alles, was unendlich ist. weil es ja - rational und philosophisch gesehen - nichts unendliches gibt. da ist die mathematik der philosophie anscheinend voraus. weil in der mathematik gibt's sachen, die gibt's gar nicht. ich sage nur imaginäre zahlen. im richtigen leben sind zahlen an sich schon imaginär. und in der mathematik gibt's imaginäre zahlen. ist doch ein widerspruch in sich. aber so ist sie eben, die mathematik. unendlich, vollkommen, imaginär, widersprüchlich in sich und trotzdem unfehlbar, absolut und absolut unmöglich zugleich. ein bisschen wie die religion. man muss halt dran glauben.
  5. zitierengrenzgaenger schreibt am 18.05.2008 um 19:46 Uhr:;-) dafür, dass du mathe spießig findest, machst du dir aber sehr schöne gedanken darüber.

    bezüglich des nicht vorhandenen unendlichen stimme ich dir nicht zu; die endlichkeit ist eine illusion, ein pragmatisches konstrukt, geschuldet der nicht-illusionären endlichkeit des menschlichen verstandes, wie ich an anderer stelle schon mal schrieb.

    die mathematik käme ohne unendlichkeit tatsächlich nicht zurande. ich mein', man nehme - aus rein pragmatischen gründen - das beispiel der imaginären zahlen. ein formvollendetes beispiel unendlicher mathematischer freiheit :-). mathematisches problem? nicht zu lösen mit der pallette der herkömmlichen "zahlen" und formeln. macht nichts. flux wird eine neue zahlenkategorie eingeführt, wie eben jene der komplexen bzw. der imaginären zahlen, dann ihre existenz bewiesen, im sinne von haste erstmal fakten, dann isses nicht mehr schwer, eine passende theorie zu basteln, und schon ist das problem gelöst. hach. wie wundervoll. und widersprüche gibts dann auch keine mehr. die werden zum mathematischen problem umdefiniert...und der rest naja, siehe oben. unendlich spannend quasi :-)

    wie dareinst der herr lyriost schon feststellte, nehme ich die naturwissenschaft(en) nicht immer ganz ernst, wie hier mal wieder unschwer zu erkennen ist. oops. hoppla. die mathematik ist natürlich keine naturwissenschaft. man verzeihe mir diesen faux pas. meta-wissenschaft meinte ich natürlich. aber auch auf der meta-ebene lässt es sich herrlich herumalbern...räusper.
  6. zitierengrenzgaenger schreibt am 18.05.2008 um 19:55 Uhr:...und über die folgende aussage muss ich auch nochmal etwas ausfürhlicher nachdenken: "weil es ja - rational und philosophisch gesehen - nichts unendliches gibt. da ist die mathematik der philosophie anscheinend voraus". in was für einem verhältnis stehen rationalität, philosophie und mathematik zueinander? falls mir dazu je etwas erwähnenswertes einfällt, komme ich darauf zurück. es sei denn, es kommt mir jemand zuvor (...).
  7. zitierenZebulon schreibt am 18.05.2008 um 22:22 Uhr:Wir sollten mal grundsätzlich zwei Sachen auseinanderhalten:
    Geometrie und Mathematik.

    Auch wenn man von Kopfrechnen über Mengenlehre bis Algebra eine absolute Null ist, kann man in Geometrie locker die beste Arbeit der ganzen Gymnasialklasse schreiben.
    Quod erat demonstrandum.

    Sic!
  8. zitierengrenzgaenger schreibt am 18.05.2008 um 23:23 Uhr:funktioniert auch mit algebra und statistik :-)...in algebra immer gegen die wand gekracht - obwohl unser mathelehrer in der kurvendiskussion durchaus anschaulichste beispiele gebracht hat, der alte chauvi - und in statistik permanent 15 punkte geschrieben...und das interesse an der statistik hat dann letztendlich zurück zum verstehen-wollen des rests geführt.

    hic(ks)
  9. zitierenZebulon schreibt am 18.05.2008 um 23:39 Uhr:Es gibt nichts abstrakteres als Kurvendiskussion ... ist das schon integrales Rechnen? ...
  10. zitierengrenzgaenger schreibt am 18.05.2008 um 23:48 Uhr:aus algebra mach analysis. sorry. dann passts wieder
  11. zitierengrenzgaenger schreibt am 18.05.2008 um 23:56 Uhr:@ zebulon: genaugenommen nein. kurvendiskussion kümmert sich um die berechnung der eigenschaften eines einer funktion zugeordneten graphen wie nullstellen, maxima, minima, wendepunkte etc. und integralrechnung kümmert sich um flächenberechnungen, wobei die sogenannte inhaltsfunktion für jedes x den inhalt der fläche unter einem graphen von null bis x angibt.
  12. zitierenZebulon schreibt am 19.05.2008 um 00:43 Uhr:Mag sein, aber WER BRAUCHT DAS?
  13. zitierengrenzgaenger schreibt am 19.05.2008 um 08:54 Uhr:öhhhhm? brauchen?? im sinne von anwenden??? heißt das etwa, es gibt einen praktischen nutzen????

    weg. fort. mit der praxis hab ich nichts zu tun!
  14. zitierenargh schreibt am 19.05.2008 um 09:26 Uhr:wer das braucht??? ICH zum beispiel *hrhr* ja, auch analysis hat ihren nutzen...wann immer etwas maximiert oder minimiert (ja besser noch - optimiert) werden soll können die feinsten dinge damit angestellt werden...betriebswirtschaft, volkswirtschaft, produktionswirtschaft UND auch die statistik nutzt selbiges gern und oft AUCH in der praxis (MLE sei ein stichwort ^^)...
  15. zitierengrenzgaenger schreibt am 19.05.2008 um 09:34 Uhr:maximum likely :-). but what about the hood? what kinda usage do you suggest?
  16. zitierenargh schreibt am 19.05.2008 um 09:38 Uhr:fu*** - 've forgotten da hood...

    wie konnte ich nur...*ascheaufmichschüttet*
  17. zitierenZebulon schreibt am 19.05.2008 um 15:06 Uhr:Glanz und Elend der BWL/VWL: Theorie, 1000 Charts und keine Ahnung vom wirklichen Leben ... ich sag nur: Homo oekonomikus!
  18. zitierenargh schreibt am 19.05.2008 um 18:00 Uhr:nun, nun herr zebulon - sie sollten nicht ZU sehr verurteilen...sicherlich ist die theorie nicht der weißheit letzter schluss (und der homo oekonimikus erst recht nicht) aber mit dem ganzen "müll" lässt sich doch ne menge anfangen...
  19. zitierenZebulon schreibt am 19.05.2008 um 18:30 Uhr:... Geld verdienen, unverdient.
  20. zitierenargh schreibt am 19.05.2008 um 18:37 Uhr:woher dieser groll?

    MfG
    frau argh (dipl.oek - fast^^)
  21. zitierenZebulon schreibt am 19.05.2008 um 23:35 Uhr:es ist angerichtet ... wer wars? BWLer im Management.
  22. zitierenargh schreibt am 19.05.2008 um 23:55 Uhr:und genau DESWEGEN bin ich ökonom geworden...
  23. zitierenZebulon schreibt am 20.05.2008 um 00:08 Uhr:... wer hats angerichtet? ... die Sportökonomin im Marketing.
  24. zitierenargh schreibt am 20.05.2008 um 01:01 Uhr:sport gern - aber nicht als ökonom ^^ und marketing...*hust* BUHHHHHH...
  25. zitierenZebulon schreibt am 20.05.2008 um 01:30 Uhr:alle reden vom marketing
    und verstehen nur bahnhof
  26. zitierenargh schreibt am 20.05.2008 um 10:48 Uhr:es gibt mehr als das...
  27. zitierensternenschein schreibt am 20.05.2008 um 23:45 Uhr:Liebe Grenzgänger/in,
    offen gesagt bewundere ich Dich um diese Kenntnisse.
    Denn ich bin mir fast sicher, um dieses hier zu schreiben, brauchtest Du nirgends mehr nachschlagen, sondern hattest es alles abrufbereit in deinem Kopf.
    Ich liebe zahlen, liebte sie schon immer, sofern man bei Zahlen von Liebe sprechen kann. Aber um diese hier beschriebenen Dinge zu verstehen, hätte ich nachschlagen und mich erst einarbeiten müssen.
    Aber wie zebulon anmerkt, in meinem praktischen Leben brauchte ich diese Art der Mathematik noch nicht. Und dennoch finde ich sie nicht spiessig, sondern aufregend.
    Liebe grüsse

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