grenzwandel

17.10.2009 um 20:21 Uhr

nahender abschied

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

scheiße fühle ich mich gerade einsam und alleine. seit dienstag weiß ich, wann die therapie zu ende sein wird. in dreieinhalb wochen. das kontingent läuft aus, mitte november und nicht erst im dezember. die werte frau dr. psychoanalytikerin hat sich verschätzt. am dienstag rückte sie damit heraus, dass am 12.11. die letzte sitzung ansteht und bot mit, quasi als entschuldigung, ausgleich dafür, dass sie sich verhauen hatte, an, den dienstagstermin bis weihnachten zu behalten. wir haben darüber geredet, ich habe das für und das wider abgewogen und habe letztendlich die entscheidung getroffen, am 12.11. zu gehen und nicht wiederzukommen. im gleichen atemzug erbrachte sie mir den größten vertrauenbeweis der letzten zweieinhalb jahre, nämlich die zusage - auf meine nachfrage hin - der kasse kein therapieende zu melden sondern es offenzulassen, so dass ich, wenn ich denn will, irgendwann wiederkommen kann.

ich stehe hinter meiner entscheidung, habe das gefühl, dass es meine allein ist und es geht mir gut damit, auch wenn mir der gedanke an den abschied unendlich weh tut. so ganz ganz langsam beginnt diese tatsache in mein bewusstsein vorzudringen und sich da breit zu machen. die tatsache, dass ich nach zweieinhalbjahren meine therapeutin, die frau, die ich von herzen liebe, in drei wochen zum letzten mal sehen werde. ich werde zum letzten ihre stimme hören, ihr zum letzten mal die hand geben, in ihre augen schauen, den so typischen geruch des treppenhauses und ihrer praxis wahrnehmen, zum letzten mal auf der couch liegen und sie zum letzten mal links hinter mir sitzen haben.

in der donnerstagssitzung diese woche habe ich meine entscheidung bestätigt und erzählt, dass der druck weg ist und meine energie und kraft langsam, langsam zurück kommen. und promt war es eine wundervoll analytische sitzung, in der mir so einiges klar geworden ist.

ich glaube, die letzten wochen und monate, vor allem seit anfang september, haben mich viel viel mehr mitgenommen, als ich geahnt, gemerkt hatte. seit gestern bin ich krank, und das war ich, trotz übelstem stress, schon verdammt lange nicht mehr. mit mühe und not habe ich heute morgen psychologieklausur geschrieben, und seit dem liege ich im bett, eingedeckt mit medikamenten aus der apotheke, so dass ich wenigstens morgen meinen pflichten als medizinstudentin nachgehen und anatomie lernen und den präpkurs für nächste woche vorbereiten kann. 

aber jetzt liege bzw. sitze ich hier, vorhin liefen die ersten tränen, und höre - mal wieder - death of a clown in der endlosschleife. ich bin traurig und fühle mich einsam und alleine. und ich werde nicht dagegen unternehmen.


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