ruhe
der schlaf wollte nicht kommen. er war da, keine frage, lauerte, aber noch zu weit weg, um ihn herbeilocken zu können. sie lag im bett, nicht ruhelos, aber wach. die gedanken irrten umher und tief drinnen, in einer runden, schwarzen höhle kauerte ein kleiner junge in der ecke. teilnahmslos wirke er, apathisch und abwesend, aber das täuschte. alles bekam er mit, alles. es kam an bei ihm, ungefiltert, und es verwirrte ihn, prasselte auf ihn ein und ließ ihm nicht den hauch einer chance, es zu sortieren. gedanken, konstrukte, emotionen, bewertungen, interpretationen, projektionen. zu viel. einfach zu viel.
der rückzug war die einzige möglichkeit, am leben zu bleiben. rückzug und vergessen. er war gut darin. den rückzug hatte er tausendfach geübt, und das vergessen war ein kinderspiel. meistens. es gab jedoch momente, in denen war er zu schwach, es war zuviel, und zu schnell kam es an, als dass es ihm möglich gewesen wäre, den rückzug rechtzeitig anzutreten, oder aber gänzlich zu vergessen. auch seine kapazitäten waren begrenzt. also saß er in der dunklen ecke und hoffte, wie so oft, dass es irgendwann vorbeiginge. er zitterte und fühlte sich verlassen und alleine. einsam, hilf- und haltlos.
und doch. irgend etwas war anders. dieses mal. er WAR schwach, keine frage, müde und ausgelaugt, an einer grenze angelangt, mal wieder, aber das war es nicht. DAS war es NICHT, was ihn davon abhielt, den rückzug anzutreten, ihn zwang, sich dem hagel der emotionen auszusetzen, ihn zu ertragen, ihm standzuhalten. es quälte ihn, tat weh, zog und zerrte und jagt ihm kalte schauer über den rücken; er war es nicht gewöhnt.
als ihn ein besonders dicker emotionsbrocken traf, direkt am kopf, machte es klick. sie war es. sie hinderte ihn daran, den rückzug anzutreten, zu flüchten und zu vergessen. sie war es.
in diesem moment hörte es auf, das gewitter, das prasseln, schlagartig war es vorbei, ruhe. er erhob ich langsam, ein wenig unsicher noch, schwankend und pendelnd.
und machte sich auf den weg zu ihr.
