telefonat mit muttern
wie schön. es gibt mal wieder ein grund, sarkastisch zu werden. nicht, dass ich zwingend gründe dafür bräuchte, nein, aber man sollte die gelegenheiten nehmen, wie sie kommen. heute aus der rubrik geschichten, wie sie nur das reale leben zu schreiben imstande ist. hauptdarsteller: der mittlerweile tote enge freund no. 1 der familie sowie der wahrscheinlich bald tote enge freund no. 2 der familie.
freund no.1 bekam vor nunmehr sieben monaten die diagnose bronchialkarzinom im endstadium, dauerhafte überlebenschance gleich null, kurzfristige bei nicht mehr als vier monaten. er ist zäh, hat sieben monate durchgehalten. die letzten zwei wochen seines siechtums fristete er - bis einschließlich letzten freitag - im hospiz.
freund no.2 ist der beste freund von freund no.1, hartgesottener raucher seit lebzeiten, ex-zungenboden-karzinom-patient, nicht aus der ruhe zu bringen und ganz offensichtlich durch nichts aus den latschen zu kippen. huch, kippen. wie passend an dieser stelle. sehr zäh also, der werte herr.
bis letzten montag. der tag, an dem besagter freund no.2 freund no.1 im hospiz besuchen durfte. mit betonung auf im hospiz. im gespräch mit eben jenem, also mit freund no. totkrank, als dieser ihm sein schicksal klagte und gestand, er habe angst, fiel freund no. ex-totkrank nichts besseres ein als den an dieser stelle als absurd zu bezeichnenden spruch das wird schon anzubringen. das muss man sich mal auf dem zungenboden zergehen lassen. ach nein, entschuldigung, wie gedankenlos von mir. woraufhin freund no.1 ausrastete - woher in aller welt hatte er diese kraft? - und freund no.2 des sterbezimmers verwies. was wiederum dazu führte, dass dieser sich derart aufregte, dass der herzinfarkt keine stunde auf sich warten ließ und nun liegt freund no. eigentlich-ex-totkrank seinerseits totkrank auf der intensivstation im koma.
gestern wurde freund no.1 begraben (warum in aller welt wusste ich eigentlich nichts davon, fällt mir so ganz nebenbei ein?). die überlebenschance von freund no.2 wurde vom diensthabenden chefarzt als relativ gering eingestuft.
ps: lieber w.,
rest in peace, mach dir den himmel zueigen, du wirst da oben freunde finden, die dich genauso lieb haben wie wir hier unten. du warst ein klasse kerl; danke für die zeit, die wir mit dir verbringen durften. und jetzt: tief ein- und wieder ausatmen. das dürfte ja jetzt kein problem mehr sein.

Ich denke an dich, Liebes.
danke. momentan ziehe ich es vor, zu schweigen.
Tief ein- und ausatmen. Ich schick dir ein paar Sonnenstrahlen rüber, die hier eben durch die Wolkendecke lugten.
Ich höre sehr häufig, wie Angehörige Sterbenden - oder aber auch Menschen, die einfach den Wunsch äußern, zu sterben, antworten: "Aber xxx!!! Sowas darfst du nicht sagen! Du MUSST doch stark sein!"
Wenn ich dann Gegenteiliges tue und mit den Betroffenen darüber spreche, wie es sein könnte, jetzt zu sterben und ihnen deutlich sage, dass ich ihren Wunsch sehr gut nachvollziehen kann, dann sind sie erleichtert, reden darüber, vertrauen mir - während die Angehörigen seltsam berührt und hilflos daneben stehen...
Urteile nicht so hart, liebe Grenzgängerin - übe ein wenig Nachsicht. Er wird genau das gewesen sein - der Mann mit dem Zungengrundkarzinom - der vermutlich vorher schon ein Problem hatte, sich der Welt und dem Leben zu stellen - denn seine Diagnose geht zu 90% mit einem extremen C2 - Abusus einher - ängstlich und hilflos - dem Sterben gegenüber...
Liebe Grüße,
S.
Liebe Frau Dr. Grenzgängerin - tief Luft holen und dann einmal lächeln (noch besser wäre ein befreiendes Lachen) - mit mir gemeinsam - komm!
;-)
; )
adieu, liebe welt!
Wie mache ich es Dir nur klar?
Also - äääh - ich - äääh - Moment! Eine Idee!
ICH schalte als erstes mal den frisch kalibrierten Monitor auf s/w und versuche, meine Kommunikation mit Dir auch darauf zu polen.
(Jetzt ist aber gut - ich muss essen und mir was anziehen - ich habe kalte Füße ;-))) )
Denn wie man sieht ist es ja schon geworden* Und bei ihm wird es scheinbar auch werden. Jedenfalls früher oder später. Stimme da Picture_it voll zu, obwohl manche Sterbende es auch nicht wissen wollen, dass es so ist. Gut, dann sollte man es wohl auch nicht sagen.
Dein letzter Absatz im Text gefällt mir, so wird es sein, er wird seine Freunde um sich haben und wieder, wenn wohl auch auf eine andere Art, atmen können.
Liebe Grüsse