wochenend-revue teil I
so. frisch geduscht, die falten des wochenendes mit einer gurken-joghurt-honigmaske beseitigt, mit kaffee abgefüllt, erfreut über eine kurze chef-mail, die mir versicherte, alles sei o.k. und nur die bevorstehende strukturkonferenz halte ihn von ausführlicher kontaktaufnahme ab (ich hatte schon begonnen mir sorgen zu machen, weil doch seit letzter woche die beiden gutachten geschrieben sind...) und die montagmorgendliche redaktions -konferenzverschiebungsbedingte zusatzzeit genießend könnte ich ja nun mal beginnen, die wichtigsten ereignisse des wochenendes aufzuarbeiten.
ein wochenende, wie ich es schon lange nicht mehr hatte, voller ereignisse, die ganze pallette von himmelhochjauchzend bis zutodebetrübt, voller emotionen und phantasien, und selten haben wir - die beste freundin und ich - kopfschüttelnd und uns wundernd so gelacht wie gestern abend am telefon, als wir die erscheinung des tages durchkauten und mal wieder feststellen mussten, dass es menschen gibt, denen man nicht nur jegliche emotionale und sozialkompetenz, sondern so ganz nebenbei auch noch jeglichen realitätssinn und humor sowie jegliche gelassenheit und spritzigkeit absprechen muss.
aber gut. von vorne. von den emotionen und phantasien mal abgesehen, die mir den samstag versüßt haben, ebenso abgesehen vom pendeln, von einem auf fehlende majuskeln zurückzuführenden missverständnis, von der nunmehr ernsthaft im raum stehenden frage doch karriere? und ebenfalls abgesehen von der nachricht der verschiebung der redaktionskonferenz auf einen späteren zeitpunkt, zu dem ich jedoch - zum vorletzten mal für drei monate - auf der couch liegen werde, war das völlig unerwartete erscheinen einer person weiblichen geschlechts - nennen wir sie c. - gestern nachmittag DAS ereignis des wochenendes.
nach monatelangem schweigen ihrerseits und verschiedenen versuchen der brieflichen kontaktaufnahme meinerseits, um wenigstens eine erklärung für das völlig abrupte abbrechen des kontakts zu bekommen sowie nach dem endgültigen ziehen eines schlußstrichs (für mich, ohne sie davon in kenntnis zu setzen), tauchte besagte person gestern nachmittag bei mir auf, völlig unerwartet, ohne jegliche voranmeldung und lieferte mir ein schauspiel, wie es grandioser und mich bezüglich des schlußstrichs bestätigender nicht hätte sein können. ganz großes kino.
es klingelte. hmpfff, einer der nachbarn, wenn ich glück habe, wenigstens noch mein lieblingsnachbar, die olle tunte, so dachte ich und machte in kurzer hose und vor allem im ärmellosen t-.shirt die türe auf... um augenausdemkopffallenderweise ins gesicht von c. zu glotzen, die ihr offensichtlich neues rennrad auf der schulter hatte. bevor ich etwas sagen konnte, und noch bevor sie guten tag oder hallo oder irgendwas zur begrüßung sagte, glitt ihr blick jedoch über meinen nicht bekleideten linken oberarm, den sie - wohlweislich - ebenso noch nicht zu gesicht bekommen hatte und fragte mit einem entsetzten ausdruck: WAS IST DAS DENN? tja - meine fassung wiedergewonnen - grinste ich verschlagen, borderline eben. bis dato wusste sie das nicht. und was sagt sie - nocheinmal und wohlgemerkt: nach monatelangem schweigen und noch bevor ihr ein wort des grußes über die lippen kam - "ach. letzte woche erst habe ich eine borderlinerin in die geschlossene eingewiesen". man muss dazusagen: madame ist ärztin am hiesigen universitätsklinikum.
ich bat sie rein, grinsend, und hornochsig wie ich bisweilen einfach bin, spielte ich die nachfolgende komödie mit, nicht jedoch, ohne mich immer wieder über sie lustig zu machen. mit verbaler subtilität jedoch können madame ganz offensichtlich nichts anfangen....was jedoch zu meinem vorteil geriet, konnte ich mich doch ganz unbeschwert über sie lustig machen. auf meine art halt.
zunächst erzählte sie mir ausführlich über den kauf und die ersten geh- bzw. fahrversuche mit dem rennesel, den sie für nicht gerade wenig geld gekauft hatte. zugegebenermaßen: ein nicht zu verachtendes teil. ich hätt's mir nicht gekauft, weil ich mich auf focus nicht hundertprozentig wohlfühle; die ausstattung des radls jedoch konnte sich sehen lassen. mannmannmann, staunte ich. wie viele räder und marken sie denn probegefahren habe, bevor sie bei diesem gelandet sei, wollte ich wissen. keines und keine, kam promt ihre antwort.
ich konnte sie nur anglotzen. wie bitte? WIE BITTE? madame absolutundpermanenthypervorsichtig, die zuvor noch nie (!) auf einem rennrad gesessen war, spazierte einfach beim erstbesten (!) fahrradhändler rein, sagte "sie können mich jetzt gut oder schlecht beraten, aber ich will hier nachher mit einem rennrad und kompletter ausrüstung rausgehen" und verließ das geschäft zwar nicht direkt mit dem rad, aber mit dem bestellschein in der hand. der händler hatte, so erzählte sie stolz, ihre schrittlänge vermessen, wegen der rahmengröße, sowie ihr gesicht von ohr über kinn zu ohr, damit man auch ja den bestsitzenden helm kaufen konnte...
aber er hatte ihr nicht empfohlen, räder probezufahren? hallo?? geht's noch??? schon mal was von unterschiedlichen rahmengeometrien, steifigkeit und lenkervorbauen gehört? ganz zu schweigen schlicht und einach vom gefühl, dass absolut passen muss, wenn man auf dem rennesel sitzt? HALLOHO??? madame ist 6 cm kleiner als ich, also einsvierundsechzig, und fährt nun - festhalten: die gleiche rahmengröße wie ich mit einem fast 7 cm längeren vorbau. soviel also zur guten beratung. ich kniete vor dem rad und kam aus meiner bis dato gut kompensierten verwunderung nicht mehr heraus. die kompensationsmaske begann jedoch zu bröckeln und die verwunderung wich erst einer staunenden ungläubigkeit um dann einem anflug von entsetzen platz zu machen als sie erzählte, sie habe permanent rückenschmerzen und der ellbogen täte ihr sehr weh beim fahren und überhaupt sei sie nun schon neun mal unterwegs gewesen mit dem rad, dreimal klickpedalvergessend samt esel umgefallen, aber wenn sie sich nicht bald ans rad gewöhne und die schmerzen nicht endlich aufhörten, dann müsse sie es halt zurückgeben. ähhh??? neun mal gefahren? immer noch schmerzen?? ans rad gewöhnen??? drei mal umgekippt? fahrrad zurückgeben?? in welcher welt lebt diese frau eigentlich? in welcher, bitte schön, in welcher welt lebt diese frau? ICH weiß es nicht. wie konnte ich es jemals herausfinden wollen?
es wurde allerdings noch besser. eigentlich wollte sie nur eine viertelstunde bleiben, um vor dem anstehenden regenguss trocken und heil (das waren ihre worte) nach hause zu kommen (sie wohnt fünf rennradminuten von mir entfernt. o.k. fünf grenzgänger-rennrad- minuten..., aber trotzdem). mittlerweile hatte es aber zu schütten und zu gewittern begonnen, sie saß also erstmal fest. bzw. stand, denn sie wollte sich partout nicht setzen...
...ich muss mal was essen...leidiges thema, immer noch...fortsetzung folgt später...
