Growing up

08.02.2010 um 22:01 Uhr

Arschloch

Musik: The Constantines: Our age, Billy Talent et al

Warum schießen sich Leute in meinem Alter eine Kugel in den Kopf? Was soll das?

Ich werde wütend, wenn ich so etwas höre, ich werde noch wütender, wenn ich das über einen Bekannten höre, zum Glück waren wir nicht befreundet, sonst wäre ich wahrscheinlich rasend vor Wut!

Ich denke an den besten Freund unserer Tochter, der gerade seinen coolen Patenonkel verloren hat. Ich denke an mindestens zwei Freunde, die einen ihrer besten Freunde verloren haben. Ich denke an die schwangere Frau, die gerade den Vater ihres Kindes verloren hat.

Funktionieren ist nicht alles, meine Freunde! Man darf auch Fehler machen, Fehler sind erwünscht! Niemand ist perfekt! Wir alle haben Angst! Zusammen geht es besser, ehrlich! Vertraut euch anderen Menschen an und ihr werdet Menschlichkeit erfahren! Und dass sich zu leben lohnt!

cuZooN.

20.10.2009 um 22:16 Uhr

Crossroads

Musik: Fish: Misplaced Childhood - live

Mich mit meiner eigenen Vergangenheit auseinander zu setzen gehört zu den härtesten Erfahrungen, die ich je gemacht habe - und noch immer mache. Dabei sind die gängigen Rituale wie Verdrängung, Beschönigung und Verherrlichung noch nicht mal beunruhigend. Eher stille Begleiter, die das Leben erträglich machen.

Manche Leben sind so gestrickt. Nichts Klares, nichts Wahres. Eine lange Liste menschlicher Abgründe und viel Verkorkstheit. Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht darum, mich selbst zu bemitleiden - über das Stadium bin ich hinaus! Der Punkt ist, dass man mir sehr lange Zeit, und zwar von Anfang an, den Rucksack so dermaßen vollgepackt hat, dass ich die schleichende Gewichtszunahme Stück für Stück kompensiert und das Gewicht selber gar nicht gespürt habe.

Menschen wie wir erfahren das als Normalität, lernen, damit zu leben, sich nicht aufzulehnen, stumm zu kämpfen, nicht für ein Ziel, sondern dafür, dass man weitergehen kann. Der Weg ist das Ziel, hihi. Auf so einem Weg wird Freiheit zur Gleichgültigkeit, Anerkennung zum Fremdwort und Emotion zur Bildstörung.

Man lernt über Dekaden, dass Gefühle wie ungebügelte Hemden sind - sie hängen im Schrank, aber man trägt sie nicht gerne. Beziehungen müssen hauptsächlich funktionieren, Störungen stören und Verletzungen begegnet man mit Amputationen, die man für Heilung hält.

Bis man irgendwann anhält, den Rucksack zu Boden legt, sich streckt und umsieht. Da ist ein Spiegel. Diese Augen, diese Seele. Wer ist das? Bin ich das? Wer bin ich?

Das ist der Anfang.

cuZooN.

08.05.2009 um 21:22 Uhr

Right between the eyes

Musik: U2: The Fly

Meine Selbstanalyse hat gerade Pause. Der kleine Selbstschutzteufel, könnte man meinen. Es geht so viel ab momentan, dass ich mit dem Listenschreiben nicht mehr nachkomme. Klar, die Jobsituation, der greifbar nahe Erfolg, die Chance - das Ding ist so groß, dass ich manchmal selber davor erstarre! All diese Möglichkeiten...

Buchstäblich gleichzeitig ist mein Erzeuger im Begriff, zu sterben. Ich habe ihn mental auf Eis gelegt.

Eine andere Geschichte, die ich hier nicht erzählen werde, raubt mir schier den Atem. Auch sie hat mit Leben und Sterben zu tun.

Ich erlebe einen Abend mit meinen alten Abi-KollegInnen, der das Raum-Zeit-Kontinuum sprengt: Vegangenheit und Gegenwart sind eins.

Too much, denke ich manchmal, hole tief Luft und zünde mir eine Zigarette an. Die Sonne geht unter. Der Vollmond strahlt mich an. Die Sonne geht wieder auf.

Versteht mich nicht falsch, ich bin drauf und dran, diesem Leben meinen Stempel aufzudrücken, ich bin tatendurstig, herrjeh, ich scharre mit den Füssen, ich bin eine Rakete bei T minus 5!

Overdosed on reality, I'd say. Woke up from a dream. Had to shake my head before I could walk on. I'm walking. There's a fresh wind coming through the valley, the leaves are softly shaking and the river's still flowing to the sea. I smile and throw a rock in the water. Now I'm part of the river.

cuZooN.

24.04.2009 um 16:49 Uhr

Blut und Wasser

Mein Erzeuger liegt im Sterben. Lungenkrebs. Dazu kommen noch Herzprobleme, Diabetis und diverse andere Kleinigkeiten. Ohne Chemo noch vier Monate, mit: unklar.

Dazu muss man wissen, dass mein Erzeuger zwar mein leiblicher Vater, aber nicht mein Papa ist.

Die Kurzfassung? Bitteschön:

Meine Mutter schmiss ihn raus, als ich 3 war; Alkohol, Gewalt, keinen Job. Mit 6 bin ich adoptiert worden. Als ich knapp 20 Jahre alt war, habe ich den Kontakt zu meinem Erzeuger gesucht, ich wollte ihn kennenlernen. Wir haben uns rund 12 Jahre regelmässig gesehen. Vor 7 Jahren brach ich den Kontakt wieder ab. Letzte Woche bekam ich die Nachricht von meiner Tante, dass er im Krankenhaus liegt.

Es ist kompliziert. Mein Erzeuger ist von schlichtem Gemüt, ein Mensch, dem die Bild-Zeitung ein hinreichendes Bild der Entwicklung und des Zustandes unserer Welt liefert. Ein Mensch, dessen Selbsteinschätzung von grober Ignoranz und Schönfärberei geprägt ist. Ein Mensch, der nicht versteht, warum ich den Kontakt wieder abgebrochen habe; weil er sich bereits als der legitime Opa meiner Kinder sah, uns alle gemeinsam am Esstisch sitzend und über das Leben schwadronierend; weil ich ihn so nah nicht an mich ran und in mein Leben lassen wollte.

Ich habe mir sehr intensiv überlegt, ob ich ihn besuche. Gestern war ich da. Ich denke, er war glücklich, und das war es wert. Natürlich hofft er jetzt, dass dies der Beginn einer neuen Phase ist. Aber da liegt er falsch. Es hat sich nichts geändert und meine Entscheidung steht. Aber das erklärt man keinem, der auf dem Sterbebett liegt.

cuZooN. 

16.02.2009 um 23:26 Uhr

Growing up - reloaded

Growing up - erwachsen werden. Klingt bescheuert, wenn man knappe 30 und ein paar Jährchen auf dem Buckel hat (...), aber das ist ein verdammter Prozeß, für mich jedenfalls, und weil hier ein paar Sachen ziemlich verstreut waren, gibt's jetzt auch noch diesen Blog.

Ich sach' ja immer: bloggen als Therapie!

Eins ist für mich klar: wir Menschen sind in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und mit verschiedenen Voraussetzungen unterwegs, und dem muss Rechnung getragen werden. Es mag diese unwahrscheinliche Koinzidenz der parallelen Gefühls- und Lebenswelten geben, aber außer im Film oder im Märchen kannst du die doch mit der Lupe suchen, also ehrlich!

Ich habe mich immer auf die ein oder andere Weise mit mir auseinandergesetzt, mal mehr, mal weniger, mal ehrlich, mal verlogen - aber sogar die weiteste Flucht von mir selbst hat mich immer nur zu mir hin geführt.

Mein Leben ist ein Chaos - innen wie außen - aber ich klage jetzt niemanden mehr an; noch nicht einmal mich selber. Ich bin im Begriff, dieses Chaos aufzudröseln und ich werde es ordnen, da könnt ihr drauf wetten!!!

In diesem therapeutischen Blog stehe ich, Zoostation, im Mittelpunkt und nur ich! Ich, ich, ich. Me, myself and I. Soviel dazu.

Selbstverständlich ist jeder und jede herzlich eingeladen, Senf und Ähnliches dazu zu geben, auf dass es eine bunte, gesunde und erfrischende Mischung werde, genannt Leben.

cuZooN.