Hartz III / der 2. Versuch

06.08.2010 um 10:15 Uhr

Jeschafft!!!

Das ist ein ganz ehrwürdiger Moment für mich.

10 Monate 15 Tage. Und endlich, endlich, endlich ist es vorbei!!!!! Ich hab´nen Job!!!! Jippiehhh.

Jetzt stellt sich bei aller Freude die Frage: Wird die Resozialisierung glücken? Kann man mich wieder eingliedern? Für´s erste bin ich schon mal froh, wenn ich nicht sofort nach der Arbeit einschlafe. Man verweichlicht ja doch extrem. Und das nach so kurzer Zeit.

Aber erst mal: Freu ich mich!!!! Fröhlich

15.06.2010 um 11:04 Uhr

Kopfjäger

Endlich weiß ich, wie ein Löwe oder anderes Großwild sich fühlen muss, wenn es gejagt wird. Adrenalin pumpt durch den Körper, der Jäger ist einem mit List und Tücke, vor allem aber mit einer Großkaliberwaffe auf den Fersen. Der Löwe schlägt Haken, rennt und wetzt; immer aber die Gewissheit im Kopf, dass er gejagt wird, dass da einer hinter ihm her ist, der ihn haben will. Zwar lieber tot als lebendig, aber immerhin.

Woher ich das weiß? Ganz einfach, weil ich mich wie das genaue Gegenteil fühlen durfte. Ein kleines Häschen, dass -sozusagen als besonderen Service- schon das eigene abgezogene Fell zu Markte trägt. Das froh sein muss, wenn jemand sowas haben mag. Kein Adrenalin, keine Jagd. Bittebitte machen.

Das Einzige, was die beiden Szenarien gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass es ein Jäger ist, der Löwe und Häschen zu dem macht, was sie sind. Ein Headhunter. Witzig nur, dass ein und dasselbe Wort so gegenteilige Bedeutungen haben kann. Der Löwenjäger will den Löwenkopf für die Kaminwand in der Bibliothek, der Headhunter- oder seriöser- Personalberater will Deinen Kopf meist gar nicht, Du fühlst Dich nur kopflos, wenn er mit Dir fertig ist.

Eines Vorweg: Ich werde gleich versuchen nicht bitterlich verallgemeinern! Aber ich bin verdammt wütend. Ich weiß aber auch, dass bei weitem nicht alle Headhunter oder Personalberater unseriöse, menschenverachtende, unehrliche Schleimer sind. Natürlich nicht! Ich habe selber Menschen dieses Berufsstandes im Freundeskreis und komme blendend mit ihnen aus. Was ich sagen will: Es gibt wohl in keinem anderen Beruf so viele so schwarze Schafe. Eine Kostprobe davon hatte ich wieder mal vor zwei Wochen.

Da hat mich ein Headhunter angeschrieben, nein ich muss schon fast sagen angemacht, um mir zu sagen wie ausgezeichnet er mein Profil findet, das wäre genau das, was sein Kunde suche, nein, welch Glücksfall, dass ein Professional wie ich verfügbar sei. Um im Szenario zu bleiben: Da hab ich mich noch gefühlt wie Großwild, mindestens Big 5. Ich war sehr geschmeichelt und hab meine Mähne geschüttelt. Gemeldet habe ich mich aber erstmal nicht, denn das kam mir doch sehr übertrieben und damit etwas unseriös vor. Denn das Anforderungsprofil für den Job war - da muss man ehrlich sein- doch eine Nummer zu groß für mich. Dann ging die Jagd los. Mails, mindestens zwei am Tag. Anrufe auf dem Handy, sogar am Wochenende. Irgendwann bin ich dann mal ans Telefon gegangen, um mir die Sache doch anzuhören.

Ohne, dass es jemand verlangt hätte, hat dieser Mensch angefangen mir in den schönsten Farben auszumalen, dass er ja drauf wetten würde, dass genau ich die Richtige für die offene Stelle sei, dass wir das bei den Verhandlungen mal mindestens 10 % mehr rausschlagen könnten, bei meinem Fell, äh Verzeihung, meiner Berufserfahrung. Schließlich suche man bereits seit über einem halben Jahr nach dem passenden Mitarbeiter. Er kläre jetzt mal alles ab, dann würden wir einen Termin für ein Vorstellungsgespräch ausmachen -alles natürlich nicht wirklich erforderlich, denn der Kunde kann ja nur mich nehmen. Er melde sich zwei Tage später. 

Eine Woche später habe ich dann mal nachgefragt, wie es denn nun aussieht. Ich wollte einfach wissen, ob der Verantwortliche denn auch meine Herrlichkeit erkannt hat. Haha. Da hat sich die Situation gedreht. Auf meine Nachricht auf der Mailbox habe ich nie eine Antwort erhalten. Auf meine E-Mail (zwei Tage später), die auch gelesen wurde, auch nicht. Gestern kam dann eine Mail von der Assistentin der Assistentin dieses Jägers. Der Kunde habe das Anforderungsprofil so drastisch verändert, dass man nun doch gezwungen sei, in einem ganz anderen Pool nach dem geeigneten Kandidaten zu suchen. Aha. Nach einem halben Jahr fällt denen das so einfach ein.

Ich habe ihm eine sehr höfliche E-Mail geschrieben und ihn um weiteres Feedback gebeten bzw. gefragt, wie es denn zu so einem Missverständnis kommen konnte. Außerdem musste ich loswerden, dass ich mich über den erbetenen Rückruf oder die kurzfristige Beantwortung meiner E-Mail doch sehr gefreut hätte. Ich habe tatsächlich eine Antwort erhalten. Telefonisch wurde mir höflich mitgeteilt, es täte ihm sehr leid, dass ich nicht in den Kandidatenpool passe (ach, jetzt auf einmal doch nicht?). Es wäre nur leider gängige Praxis in den Personalabteilungen renomierter Firmen nur auf Kandidaten zurückzugreifen, die noch nicht lange arbeitslos sind. Bitter aber wahr, ich sei nun mal mittlerweile "beschädigte" Ware. Er könne meine Verzweiflung ja verstehen. Wenn er mir nur einen Rat geben dürfe: Das sei übrigens ein ganz schlechtes Parfum.

Nochmal: Er ist auf mich zugekommen, nicht umgekehrt. Ich habe nur um ein Feedback und eine Wasserstandsmeldung gebeten, die er nicht wie zugesagt von sich aus gegeben hat. 

Nicht, dass ich nicht mit sowas gerechnet hätte. Aber diese Art ist nicht nur unprofessionell. Das ist grob unhöflich und menschenverachtend.

Was war ich kleines Häschen gestern froh, dass ich keine Schrotflinte zur Hand hatte.

HATARI! 

 

01.06.2010 um 13:39 Uhr

Hotte ade

Horst Köhler will nicht mehr. Gut, das Gefühl kennt sicher jeder, dass man einfach nicht mehr mag. Jedes Grundschulkind kennt Tage, an denen man morgens mit Phantom-Bauchschmerzen aufwacht und sich irgendwie so gar nicht vorstellen kann, auch nur noch einen Tag zur Schule zu gehen. Meist ist bei akutem "Ich-geh-da-nicht-mehr-hin" vorher irgendwas schief gegangen. Entweder hat einem die dicke Elke aus der 3b Kaugummi in die Haare geschmiert, die Kollegen aus der Marketingabteilung sind alle bösartig und nehmen absichtlich immer den letzten Kaffee oder aber die Presse wischt sich an Menschen aus Politik und Gesellschaft das Maul ab.

In den meisten Fällen kommt aber meist jemand, der einen unter die Dusche schleppt und zur Schule oder zur Arbeit schickt. Zur dicken Elke und den mobbenden Kollegen. Da hilft es nicht zu sagen, dass Elke nicht nur in der Lage scheint, einem noch ganz anderes anzutun, sondern auch noch zwei ältere Brüder mit ähnlichem Gewaltpotential hat oder dass Herr Schubert die Heizung mit Absicht immer hochdreht, obwohl es draußen 30 ° Grad hat und das nur, weil er einen nicht leiden kann. Kinder müssen Mütter überwinden, Erwachsene den inneren Schweinehund. Einziger Unterschied: Mütter sind oft härter, fahren einen aber dann auch hin und wieder zur Schule. Jedenfalls enden Tage, die mit "Ich-will-und-kann-nicht" anfangen, dennoch meist im Büro, in der Schule oder am Fließband. 

Horst Köhler hat es da besser. Seine Frau hat ihn sogar beim "Ich-will-nicht-mehr" unterstützt. Was seine Mutter dazu gesagt hätte, kann ich nicht beurteilen. Er muss jetzt jedenfalls nicht mehr Bundespräsident sein, wo das doch gar nicht geht, wenn manche Leute von der Presse so fiese Sachen über ihn gesagt haben. Wo das doch gar nicht wahr ist was die sagen!  

Ob das jetzt konsequent und integer war oder ob er sich das alles ein wenig zu einfach gemacht hat, darüber kann man trefflich diskutieren.

Ich weiß nur: Kinder müssen sich den dicken (oder dünnen) Elkes und Erwachsene den Herrn Schubert, Müllers oder Meiers (mit "ei", "ai" oder "Y") dieser Welt stellen.

Ein Erwachsener, der aus solchen Gründen sein Arbeitsverhältnis kündigt, ohne etwas Neues zu haben, der bekommt von der Agentur für Arbeit sogar sehr wahrscheinlich eine 12-wöchige Sperrzeit. 

Ich glaube, ich möchte Bundespräsidentin werden.

21.05.2010 um 09:59 Uhr

Ich will Feuerwehrmann werden!!!

Kennt noch jemand Grisu, den kleinen Drachen? Was für eine Frage! Wer könnte ihn vergessen? Das war ein Drache mit Prinzipien! Zielstrebig hat er sein Berufsziel gegen alle Widrigkeiten verfolgt. Sogar gegen seinen pyromanen Vater hat sich der kleine intellektuelle Keks immer wieder durchgesetzt. Und wofür? Für etwas, das eigentlich so gar nicht zu ihm und dem gängigen Drachenklischee passt.

Das System einer Web-Jobbörse, das mir eigentlich dabei helfen soll, die genau auf mein Profil passenden Jobausschreibungen zu finden, scheint mich für eine Art Grisu zu halten. Ich war schon ein wenig verwundert, als Stellenanzeigen für plastische Chirurgen oder Kieferorthopäden in meinem Postkorb gelandet sind. Wieso? Ich bin keine Ärztin, ich kann ja nicht mal Blut sehen! Will mir das System etwas damit sagen? War meine Webcam aktiviert und ich erfülle nicht die ästhetischen Ansprüche dieser Jobbörse? Woher weiß das System, dass ich mal wieder zur Kontrolle beim Zahnarzt antreten sollte? Das wurde mir wirklich langsam unheimlich. Als schon lange nicht mehr mit wirklich nützlichen Stellenanzeigen zu rechnen war, war längst ein bei meinen Freunden sehr beliebtes Spiel daraus geworden, zu wetten, was für eine berufliche Laufbahn mir das System als nächstes vorschlagen würde. (Achtung: Teilnahme erst ab 18, Gewinnchancen: gar nicht so schlecht, Spielen kann süchtig machen).

Für dieses Phänomen fallen mir nur zwei Erklärungen ein: Entweder das ist alles ein spiritueller Wegweiser für mich, mit dem mir eine göttliche Macht zeigen will, welche Chance auf persönliche Weiterentwicklung in dieser Sch#+*~€ - Situation steckt oder aber da hat ein offensichtlich unfähiger und unbegabter Programierer ein völlig untaugliches System entwickelt, das ganz einfach nicht funktioniert.

Naja, ich geh´das mal auspendeln...

Achja... das System meint heute, ich soll mich unbedingt als Bürgermeisterin von Helgoland bewerben... Frau Bürgermeisterin.... klingt gar nicht so schlecht! Vielleicht taugt das Ding ja doch was!

17.05.2010 um 14:01 Uhr

Jubiläum

Heute kam die 25. Absage seit Jahresanfang. Herzlichen Glückwunsch. "Bitte nehmen Sie das nicht persönlich (wie auch? Sie kennen mich ja gar nicht. Darauf wollten Sie ja verzichten!) und ziehen Sie bitte hieraus keine Rückschlüsse auf Ihre fachliche Qualifikation (Nein!!! Wohin denken Sie?)."

Was bin ich denn jetzt? Eine Silber-Versagerin? Naja, manchmal fügt sich ja alles prima. Ich bin diese Woche mal wieder zu meiner höllisch begabten Arbeitsvermittlerin meines Vetrtrauens bei der Agentur für Arbeit eingeladen. Wenigstens hab ich was zu erzählen. Ich werde die Absagen wohl als Festschrift binden lassen und ein Fläschchen Sekt mitbringen. Dem Anlass entsprechend.

Ich will ja nicht undankbar sein (hatte tolles Wochenende, sogar mit etwas Sonne), aber irgendwie schockt es nicht gerade, wenn man am Montag schon mittags sagen muss: Das ist wohl nicht meine Woche.