Helden und Schurken

03.05.2012 um 17:05 Uhr

Lachen um nicht...

Es gibt so Menschen, die man seinem schlimmsten Feind nicht an den Hals wünschen mag. Einer der Sorte saß heute Morgen in meinem Büro. Wir reden über seine "Untergebenen" und die sind auch der Grund, warum ich ausgesprochene Freundlichkeit und ein stetes Lächeln an den Tag lege. Würde ich sagen, was ich denke, wären es nämlich genau die, die unter der schlechten Laune ihres fachlich höchst Kompetenten, aber menschlichen Vollaussetzers zu leiden hätten. Also versuch ich jeden noch so kleinen guten Grundansatz, den er von sich gibt, aufzugreifen und lächel vor mich hin, während ich mir ausmale ihm mit einem direkten Hechtsprung quer über den Schreibtisch am Hals zu packen und gemütlich zu schütteln, bis alle Hirnwindungen wieder ordentlich laufen.Sonstige

Ich lächel auch die Pause durch, während ich das staubtrockene Geburtstags-Bio-Kuchen-Stück einer Kollegin runter würge und versuche, den Geschmack von Sägemehl, mit einem halben Liter Cola light zu vertreiben.Beschäftigt

Auch am Mittag in der Besprechung muss ich schmunzeln. Beeindruckend, wenn Theoretiker wochenlang Verhaltensregeln und Pläne erstellen, die jeder, der diese Aufgaben auch nur einen Tag praktisch geleistet hat, binnen Sekunden als völlig unsinnig und nicht umsetzbar enttarnen könnte. Und während ich den Ausführungen lausche, rechne aus Spaß an der Freude mal aus, was der Arbeitseinsatz der Theoretiker gekostet hat- und was man alles hätte machen können, würde man die Kohle sinnvoll einsetzen. Und weil mir resignieren nicht liegt, lächel ich halt.

Beim Abschlusskaffee macht sich mein Handy bemerkbar, und als ich den Absender ausmache, muss ich zum ersten Mal wirklich lächeln. Aber, wie gewonnen so zerronnen, vergeht mir das umgehend, als ich den Inhalt der SMS lese. Da ich es aber für wenig angemessen halte vor der halben Belegschaft in Tränen und hysterisches Geschrei auszubrechen, lächele ich souverän weiter. Ich schaffe es sogar eine freundlich-fröhliche SMS zurückzuschicken, und dabei das Bedürfnis mich zu übergeben zu unterdrücken.Sonstige

„Naaaaaaaaaa, endlich Feierabend?“, fragt Tom, der mich von der Arbeit abholt, eine Stunde später. Ich nicke und lächele. „Oho……sie hat das Zähnefletschen Lächeln …“,stellt er fest und erspart mir jede Nachfrage, bis wir bei ihm sind, ich mit einer riesen Tasse heißem Kakao versorgt bin und dieses Dauergrinsen endlich abstellen kann. Schon erstaunlich wie sehr einem an richtigen miesen Tage die Wangen vom vielen Lachen schmerzen können.FröhlichFröhlichFröhlich

28.02.2012 um 16:56 Uhr

Entweder – Oder

Entweder – Oder finde ich eine ganz, ganz blöde Wortkombi. Bei Sätzen die mit "Entweder" beginnen läufts mir umgehend kalt den Rücken runter. Erfahrungsgemäß kommt da nämlich nichts Gutes bei raus. Zumindest mich fragt selten jemand ob ich entweder einen kostenlosen 14-tägigen Luxusurlaub -, oder 1 Jahr kostenlos Schuhe shoppen möchte. Beschäftigt 

Meist kommt diese Fragestellung eher im:“Entweder erledigen Sie das heute noch oder kommen morgen früher zur Arbeit“, Mantel daher. Heute kommt das "Entweder – Oder" Spiel in Form einer Kopfgeist SMS daher.

„So geht’s nicht weiter. Entweder bekomm ich bis morgen eine ausführliche Mail, du rufst mich an, oder nennst mir Datum und Uhrzeit, wann wir uns sehen können oder ich campiere ab Donnerstag vor deiner Tür, bis du mit mir redest.“

Zja, ENTWEDER bekomm ich bis morgen eine Eingebung wie ich erkläre was nicht zu erklären ist ODER er sollte sich schon mal nen Zelt und ne Thermoskanne besorgen - und ich auf unbestimmte Zeit ausziehen.Fröhlich

09.02.2012 um 20:23 Uhr

Hau weg die Scheiße.

Ich weiß nicht, wer irgendwann mal die Einrichtung unserer Büroräume übernommen hat, aber es wurde versucht eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich halbwegs wohlfühlen kann. An sich keine schlechte Idee aber ob jetzt diese kleinen Getränkeflaschen, ich glaube 0,33 Liter, mit Kronkorken der sachliche dienlicher sind als schnöde 1 Liter Flaschen und einige Gläser sei dahingestellt. Und wenn schon die kleine Ausgabe, dann hätte man sich auch eine sinnige Lösung zum Öffnen der Flaschen einfallen lassen müssen. So rennen diverse Kollegen mehrfach täglich von einem Raum zu anderen, um irgendwo einen der 2 noch vorhandenen Flaschenöffner aufzutreiben. Wütend

Es ist nicht nur nervig mitten in einem Gespräch den Raum verlassen zu müssen, um einen Öffner zu suchen sondern für einen guten Gesprächsverlauf auch völlig kontraproduktiv. Seit Tagen nehm ich mir vor einfach mal einen von Daheim mitzunehmen und mit einem Band an den Getränketisch zu binden, um dieses Problem ein für alle Mal los zu sein. Motiviert durch das anstehende Gespräch mit einem Vorgesetzten hab ich heute sogar endlich dran gedacht.Fröhlich

Ich bin noch nicht lange da und er ist der, der zwar über die höchste "Befehlsgewalt" verfügt, denn jemand wie ich aber eigentlich nur zu Gesicht bekommt, wenn man richtig Scheiße gebaut hat. Heute ist der Anlass allerdings weniger heikel, Cheffe legt einfach Wert drauf, neue Mitarbeiter persönlich zu begrüßen.

Ich bin gespannt aber auch ziemlich nervös. Von den Kollegen hab ich gehört, dass er "ganz nett" sein soll und "distanziert und förmlich". Als er dann sich dann gegen Mittag an meinem Schreibtisch niederlässt, stell ich erfreut fest, dass er auf den ersten Blick recht symphytisch wirkt. Auch das Gespräch verläuft gut. FröhlichFörmlich aber nicht holprig steif und ich fange langsam an, mich etwas zu entspannen. Irgendwann greift er sich dann eine der kleinen Colaflaschen, und während wir über meine ersten Eindrücke des Berufsfelds sprechen, öffnet er seine Flasche und von dem Flaschenöffner ertönt ein fröhliches "Zwischen Leber und Milz passt immer noch nen Pils". Cheffe stockt in der Bewegung, mit verschlägt es die Sprache, und wenn ich so gelenkig wäre, hätte ich mir umgehend selbst in den Hintern gebissene. Wütend

 Beim "mal eben in die Tasche stecken" hatte ich natürlich nicht drauf geachtet, ob es einer von diesen sprechenden Dingern ist, die ich mal geschenkt bekommen habe.

Wahlweiße besitz ich noch "Dann saufen wir uns eben das Spiel schön" und "Zeig doch mal die Möpse".

„Ups……tschuldigung“, murmel ich. Cheffe wirkt noch immer etwas überrascht, fängt dann aber an zu grinsen:"Ich hab einen der – Hau weg die Scheiße - sagt", teil er mir mit, und während ich diese Info noch verdaue, verschwindet das Lächeln wieder von seinem Gesicht und er knüpft nahtlos am letzten Stand der Unterhaltung an. Den Öffner habe ich entsorgt und den Chef - den find ich richtig gut.FröhlichFröhlich

03.02.2012 um 16:29 Uhr

Romantik ist…..

An kalten Tagen macht Gemütlichkeit besonders viel Spaß. Den gestrigen Abend habe ich also unter Deckenberge auf dem Sofa verbracht und "Remember me" geschaut. Der Film war eine Empfehlung meiner Freundinnen. Er sei: totaaaaaaaaaaaal schön und sooooooooo romantisch. Ich hab vorab noch einen kurzen Blick auf die Amazon-Bewertungen geworfen und auch da hat er gute Bewertungen, also hab ich es riskiert. Böser Fehler. Ich fand ihn grottenschlecht. Ich hätte es allerdings auch wirklich besser wissen müssen. Meine Freundinnen finden auch "Titanic", "Nur mit Dir" und "P.S. ich liebe dich" hochgradig romantisch.Sonstige

Ich kann dem nichts Romantisches und auch nichts Schönes abgewinnen.

Spätestens bei Liebesfilmen zeigt sich wohl das wahre Wesen der Frauen – grausam und mordlüstern. Warum kommt die Damenwelt wohl sonst bei den Filmen ins Schwärmen, in denen mindestens ein Teil des Liebespaares (vorzugsweiße der Männliche Fröhlich) stirbt?

Gut, vielleicht schwingt da auch eine ordentliche Portion Sarkasmus mit. Getreu dem Motto –besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Immerhin enden diese Filme dank des frühen Todes, der oder des Liebsten bevor der Alltag Einzug hält. Also bevor er und seine Freunde mit Bierdosen bewaffnet das heimische Sofa belagern oder sie feststellt, dass bei seinem "Schätzchen" nicht von ihr, sondert von seinem Auto die Rede ist.

Und auch für manchen Mann dürfte es ernüchternd sein, wenn die bislang verständnisvolle und bodenständige Liebste die erste gemeinsame Wohnung mit unzähligen "Dekoelementen" zumüllt, ihm großzügig 1/8 des Kleiderschranks überlässt und er sich beim ersten gemeinsamen Hausputz in seine Bundeswehrzeiten zurückversetzt fühlt.

Bei Filmen scheint zu gelten: Romantik ist, wenn er am Ende tot ist – oder sie wenigstens Prostituierte.

01.02.2012 um 21:59 Uhr

Kälte

Das Außenthermometer der gegenüberliegenden Apotheke zeigt bereits -7 Grad an und es ist erst 19 Uhr. Meine Beine prickeln trotz Thermoleggings und dicker Hose vor Kälte und mein Gesicht spür ich gar nicht mehr. Mit steifen Fingern verteile ich Decken, Handschuh und Jacken an die Menschenschlange vor mir. Sie werden die Kälte die ganze Nacht nicht aus den Gliedern vertreiben können, während ich gedanklich schon unter der heimischen Dusche steh.

Eigentlich hat die Hilfseinrichtung für Obdachlose nur 2-mal die Woche geöffnet aber wegen des Kälteeinbruchs wird vorübergehend jeden Abend Suppe, heiße Getränke und Kleidung verteilt. Ich helf selten, eigentlich nur bei großen Aktionen und bei der Besorgung von Spenden, und ich hab das Gefühl, dass deutlich mehr Menschen in der Reihe stehen, als bei meinem letzten Besuch.

Die Räumlichkeiten der Einrichtung sind klein. Ein Lager, ein kleines Büro und eine kleine Kaffeeküche, in der kaum mehr als 10 Leute Platz haben. Darum werden Essen und Getränke aus den Fenstern der Küche gereicht, und die Kleidung durch das weit geöffnete Rolltor des Lagers.

„Mensch Mädchen, du wirst ja schon ganz blau, geh mal rein dich aufwärmen“, sagt ein älterer Mann, den ich bereits kenne, zu mir. Ich fühl mich bei seinen Worten seltsam und unwohl. Ich werd gleich in meine warme Wohnung gehen, Essen, wonach mir der Sinn steht und meine einzige Sorge wird darin bestehen, etwas Interessantes im TV zu finden. Er und die Anderen haben kein Zuhause, wissen vielleicht, noch nicht einmal wo sie die Nacht verbringen sollen. Sie werden mit Kälte und Hunger kämpfen, während ich ins warme Bett krabbel. Mich erwartet Lachen und eine Umarmung und sie Einsamkeit. Es fühlt sich mies an, dass der Mann sich um meine Kälte Befindlichkeiten Gedanken macht.

Irgendwie erstaunlich, dass genau diesen Menschen so viele mit Überheblichkeit begegnen und sie mit Worten wie „schwach und labil“ belegt werden. Zumindest ich für meinen Teil bin sicher weder die körperliche noch die psychische Stärke zu besitzen, über Wochen, Monate oder Jahre so zu leben und trotzdem immer irgendwie weitermachen, mich um Andere zu sorgen und das Ganze noch mit einem Lächeln zu ertragen.