Herp de Graaf

28.02.2005 um 01:57 Uhr

Mojave Plan IV

Musik: Alexandroid - Energy

Unachtsamkeit will bestraft sein, und so spüre ich plötzlich einen heftigen Stich an der Wade. Beim Blick nach unten bestätigt sich die Befürchtung: Am festen Lederstiefel hat sich ein Skorpion emporgehangelt und angesichts des leicht zu durchdringenden Baumwollstoffs meiner Hose seine Chance genutzt. Ich kann ihm keinen Vorwurf machen, schließlich habe ich seinen Weg und sein Territorium gekreuzt. Später werde ich ihn als Leiurus quinquestriatus klassifizieren, aber vorerst schlage ich ihn mit der Phototasche vom Bein, stolpere ein paar Schritte vorwärts und knicke mit einem Höllenschmerz am Bein sehr unelegant ein, während ein solider Blackout einsetzt.



Elaine hätte meine Frau sein können. Als wir uns in einem Sommer in einem südfranzösischen Dorf kennenlernten, schien alles so, als sei ein Stück Jugendromantik in mein - und wie sie mir später sagte: auch in ihr - Leben zurückgekehrt. Ich habe sie nicht kennenlernen wollen, ein guter Freund von mir, Franzose, heiratete damals ausgesprochen stilvoll, sie war einer der Gäste, und wir sind eher zufällig aneinandergeraten, ein Umstand, der meiner derzeitig schon im Vergehen liegenden Beziehung den emotionalen Gnadenstoß versetzte. Ich wußte nicht, ob ich glücklich oder traurig sein sollte; je nach Ort und Zeitpunkt war ich einmal das eine, dann das andere oder beides gleichzeitig. Ich war gut Mitte dreißig und hatte meinen Blick auf eine eventuell zu gründende Familie soweit geändert, daß es mir nicht mehr ausgeschlossen schien, eine zu gründen, ja, daß ich sogar meinen Blick auf Frauen veränderte, indem ich mir vorstellte, wie es wäre, sie mit einem gemeinsamen Kind im Arm zu sehen; ein Gedankengang von - für mich - nahezu unvorstellbarer Sprengkraft. Mein Leben ist von Veränderungen bestimmt; nicht immer sind es die Reisen, die mein Beruf mit sich bringt, viel häufiger muß ich mich neuen Themen, Personen widmen, jedoch immer unter hohem Zeitdruck. Das läßt kaum Raum für Muße und spielerisch friedfertige Familienplanung und zwingt das ganze Leben in eine technokratische und durchorganisierte Weltsicht.

Es überraschte mich daher ungeheuer, daß sich meine Gefühle für Elaine nicht in meine Lebensmaschinerie einordneten, sondern einen eigenen Bereich zu beanspruchen schienen. Elaine war meine Frau, sie war es in meinen Gedanken sofort, und sie hätte es vielleicht auch in realiter sein können, aber es stand für mich fest, daß ich Kinder wollte. Und sie war Mitte vierzig. Ich hätte gehen können, vielleicht sollen, aber meine Liebe war zu stark. Wir haben uns oft besucht, uns Briefe und Postkarten geschrieben, uns unsinniges und bezauberndes am Telephon ins Ohr geflüstert. Ich wollte geben und mich hingeben, diesem wunderbaren Körper, dieser Frau mit so einem unfaßbar reichen Herzen und klarem Verstand. Noch auf dem Pariser Flughafen habe ich daran gedacht, zu ihr zu ziehen, den Gedanken jedoch sofort verworfen, Flughäfen sind nicht der Ort für Zweifel; in der Maschine nach New York habe ich still geweint. Die Stewardess fragte mich, ob ich eine Allergie besäße. Ich bestellte einen schottischen Whiskey und klappte meine Rückenlehne nach hinten.

[...]

17.02.2005 um 01:55 Uhr

Mojave Plan III

Musik: Stille, Wind

Wie es weitergeht - wer weiß das schon. Es steckt eine gewisse Absicht dahinter, sich ausgerechnet in eine Wüste zu begeben. Ich habe mich oft gefragt, warum es eine Wüste im geographischen Sinn sein mußte. Als Wüste hätte ein Neubauviertel von Paris mir ebenso dienen können, wie der Karst nördlich des europäischen Polarkreises; kurz: es mußte eine Wüste sein, im ursprünglichen Sinn, wozu für mich gehört: Hitze, Abwesenheit von trinkbarem Wasser, Pflanzen und Tiere, die der eigenen Verweichlichung zum Hohn, sich nirgendwo wohler fühlen, als in jenen unwirtlichen Gegenden. Ich habe Wasser im Gepäck. Kurz nachsehen - ok. Der New Yorker Tagtraum hat mich eine Stunde gekostet, es war wie ein Umschalten von einem Sender zum nächsten - ich habe nicht viel geschlafen in den letzten Tagen, und die Anspannung vor und während des Fluges war sicher etwas zuviel.

So denke ich während ich gehe, einen Fuß vor den anderen setze, wohl darauf achtend, keinen Zweig mit einer Schlange zu verwechseln und keinen Stein mit meinem Fuß unnötigerweise umzudrehen. Es wird langsam warm und mir klar, daß ich mitnichten das einzige Lebewesen hier bin. Mit fast jedem Schritt von mir verlaufen sich Geräusche von meiner Fährte fort, zwischen Geröll, Gebüsch und Kakteen. Man will nicht mit mir sprechen, man fürchtet mich, man flieht - wer? Ich weiß es nicht, und sie wissen nicht, daß ich in wenigen Stunden, wenn  die Sonne im Zenit stehen wird, von einem kläglichen Kanister Wasser abhängig sein werde. Wie einen Schild gegen den Verlust des Lebens trage ich den Behälter, ein Trugbild gegen das Vergehen. Jedes Insekt ist widerstandsfähiger als ich denke ich - sieh da: eine Spinne im Schatten eines Steins, offensichtlich bei der Arbeit ein unachtsames Insekt, das den Fehler begangen hat, sich in die Nähe des phantastisch unauffälligen Netzes zu begeben, in ein handliches Paket zu verschnüren. Ich halte inne und richte meine Kamera auf diesen Akt der Grausameit und vollendeter Grazie. Perfektion richtet. Ich frage mich, wieso soviele Menschen, sich der Ästhetik dessen im eigenen Leben entziehen wollen. Schon nach dem nächsten Schritt kann ich der nächste sein, dessen Unvollkommenheit ihn zur Nahrung für andere macht. Es ist Recht und Pflicht, sich dessen bewußt zu sein - auf dieser Erde gibt es keine Überlebenden. Ich gehe weiter, das Gelände steigt etwas an und führt mich auf die Ausläufer kleiner Hügel. Nach wie vor werde ich nicht gegessen, und als Ermutigung nehme ich einen kleinen Schluck Wasser.

[...]

18.01.2005 um 01:56 Uhr

Mojave Plan II

Musik: Tangerine Dream - Catwalk

Sitzend: Ich stelle mir vor: gigantische Stahlblöcke und -scheiben prallen aufeinander, zerbersten und zerreiben sich. Keile aus Lärm verschränken sich endlos im Raum und spalten sich gegenseitig. Irgendwo im Hintergrund höre ich Schreie; es kann auch eine Melodie sein. Ja, es klingt etwas melodisch, wird aber vom permanent sich steigerndem Lärm fast vollständig verdeckt. Hier und dort dringen Wortfetzen hindurch, und je länger ich hinhöre, desto mehr verschwimmt der Lärm zu einem Grau, in dessen Stoff filigrane Linien geschrieener Melodien gewebt sind. Das Lärmen und Schreien dringt in mich ein, ich bewege mich nicht. Ich bin in New York.



Ich habe mich in irgendeinen verdammten Heavy-Metal Club schleifen lassen, es stinkt. Irgendjemand erzählt mir halb schreiend wie er in Kalifornien mit seinem Flugzeug verunglückt ist. Der Lärm ist unerträglich, wir könnten nach draußen gehen, aber es ist Januar und klirrend kalt. Ich stelle mir vor, daß wir dennoch den Club verlassen. Auf dem Weg zur nächsten Straßenecke, wo wir ein Taxi anhalten werden, um zum Hotel zu fahren, gehen wir mit geöffneten Jacken, so als sei es Frühling. Das Herz friert ein.

Wärme kommt mit den Sonnenstrahlen. Ich merke wie ich mich in meiner Vorstellung zusammengezogen habe, das Eisige ist auch in Gedanken authentisch. Ich nehme meine Kamera, mache ein paar Aufnahmen von der Landschaft und von seltenen Kakteen, dann setze ich mich in Bewegung: nord-nordwest.

[...]

04.01.2005 um 03:55 Uhr

Mojave Plan I

Musik: SheepShyfter - Another Day in the Clouds

4 Uhr morgens, ich fliege seit Stunden über der Landstraße. Das Flugzeug, eine alte Mooney, habe ich mir letzte Woche in xxxfield geliehen. Am Horizont zeigt sich ein schwaches Glühen und kündet den nahenden Morgen an. Es ist kalt. Ich fliege auf 200 Fuß, das ist nicht nur niedrig, sondern auch verboten. Auf der Karte habe ich eine Stelle in der Wüste markiert, auf der ich landen will. An der Schnittstelle zwischen Nacht und Morgengrauen werfen die Pflanzen bizarre Schatten. Funkverkehr knattert durch den Kopfhörer, ich lege ihn ab und ziehe die kleine Maschine noch einmal hoch, um besser sehen zu können. Auf etwa 2000 m  Höhe sehe ich etwas nördlich, noch weit entfernt den Streifen in der Landschaft, der die Landung gestattet. Es ist ein Stück von einem Sandfeld, es kann auch Salz sein, das die verdorrte Vegetation auf einer Länge von etwa einem Kilometer zerteilt. Ich bin allein. Ich drossele die Geschwindigkeit und lasse mich langsam sinken. Die Straße ist nirgendwo mehr zu sehen, ich fühle mich wie eines der unzähligen Insekten, winzig in der wahnwitzigen Flucht der Ebene. Meine Augen verlieren sich an der unendlichen Linie des Horizonts, ein wenig Besorgnis ergreift mich, während ich weiter an Höhe verliere.


Die Landung verlief einfacher als erwartet, eine harte Piste, muß also Salz sein. Ich greife meinen Rucksack und die Photoausrüstung und klettere aus dem Flugzeug. Im Westen sehe ich eine Bergkette, ich gehe los. Meine Schritte knirschen, und schon bald habe ich das Salzfeld verlassen und stehe nach zwei Stunden der Wanderung in der vertrockneten Pflanzenlandschaft. Nur Kakteen in absurden Maßen stehen wie Wegweiser im endlosen Karst. In diesem Moment erlebe ich eines der phantastischsten Bilder, als die Sonne über den Horizont steigt, das Zwielicht auflöst und die Nacht auf einen Schlag ausschaltet. Im Licht fühle ich mich entdeckt. Ich bin in der Nacht gekommen und habe mich in die Wüste geschlichen, jetzt ist es anders – obwohl ich weiß, daß im Umkreis einer Tagesreise niemand anderes außer mir an diesem Ort ist, habe ich das Gefühl, unwillkommen zu sein. Es ist still. Ich setze mich.

[...]

25.12.2004 um 21:19 Uhr

urbi et orbi

Musik: Schostakowitsch - Violinkonzert

Schostakowitsch im Radio, schon wieder eine junge russische Geigerin, die unter hörbaren Anstrengungen ein Violinkonzert zelebriert. Aber immerhin, wir schreiben den ersten Weihnachtsfeiertag im Jahr, und die meisten Sender spielen wächsern-selige Choralmusik, als ob es das jährliche Kulturdefizit der Sender an einem Tag auszugleichen gälte. Ein Schelm, wer vermutete, auch die Programmacher würden ihr Fähnchen in den Wind volksbleierner Sentimentalität zum Feste hängen. Ich muß zugeben, daß aus der Weihnachtsperspektive sogar der Musik Schostakowitschs ein progressiver Zug zuzugestehen ist; unterjährig natürlich keinesfalls – aber aus Sicht des heiligen Festes wirkt eigentlich fast alles avantgardistisch, kann man sich doch wenigstens einmal im Jahr darauf verlassen, daß sich nichts ändert, die Gewohnheiten nicht hinterfragt werden, sondern in Stadt und Erdkreis schön alles so bleibt wie es schon immer war.

Warum auch nicht? Ich möchte die Eisblumen am Fenster nicht missen, genieße die Stille der Straßen und Plätze, wenn die Massen kaufwütiger Menschen der Vorwochen sich zu kleinen Grüppchen am heimatlichen Tisch zusammengezogen haben. Der Mond, der sich am klaren Himmel zeigt und sich mit seinem Schein in der noch ungefrorenen Mitte des Sees spiegelt, ist zwar auch sonst am gleichen Platz, zur Weihnachtszeit jedoch tritt die Klarheit der Erscheinung gegen das Schwiemelige der aufgesetzten Feierlichkeit kathartisch hervor. Wer sich als Reisender versteht, der reise. Es ist gewiß weder besser noch schlechter zu reisen, als zu bleiben; wer reist, sieht notwendigerweise nach vorn und kann Vergangenheit bemessen – der Bleibende sieht sich und seine Welt,  die ihn umgibt.  Die Sicherheit des Statischen wird der Reisende nie erreichen, wie der Bleibende die Dynamik der Bewegung kaum erlebt.

Weihnachten ist das Fest des Statischen, die Behauptung der Begründung.

10.12.2004 um 02:43 Uhr

rude economy

Musik: Guesch Patti

Abends und morgens immer die gleichen absurden Gestalten in den Flugzeugen und -häfen, in den Lounges: eckig frisierte Schädel, eckig-randlose oder eckig-schwarz gerahmte Brillen, schlecht sitzende pseudo-modische Anzüge mit einem deutlichen Anteil synthetischer Stoffe, klobig-eckige Schuhe mit blechernen Spangen und -ganz wichtig- Hemden mit bläulich kleinkariertem Stoff. Warum soll man auch nicht das Innerste nach außen kehren? Gebürstete Scheinwelt der Blockheads. Man fragt sich, ob Mutti denen nicht auf die Klamotten schaut, wenn die morgens zur Schule gehen. Gibts eigentlich ein Kleidungs-Pisa? Ich sehe uns schon knietief in der Statistik abgesackt, neidisch bewundernd nach Italien oder England blicken. Kein Geschenk. Und dann: die Schenkelzucker, überall sind sie, jene Gestalten, die meinen, Nervosität in Coolness zu verwandeln, indem in jedweder Situation, am Cafétisch, in der Besprechung, ja sogar im Zwiegespräch mit der Partnerin in sitzendem Zustande mit den Beinen auf- und abgewippt wird, weil bar jeder motorischen Kontrolle, um so mehr zu der Frage verleitend, warum wesentliche Körperfunktionen sich vom Bewußtsein abkoppeln.

Wir sind die Guten...

14.10.2004 um 02:55 Uhr

mimöö 1

Musik: Yule - Mulp

So wir an uns geglaubt haben
So wir miteinander umgegangen sind

Ein bißchen fragt der geneigte Exbeziehungist sich ja schon,
ob 's denn immer wieder gerne mal an permanentem Optimierungsstreben scheitern soll. In der Zweierbeziehung darfs bekanntlich durchaus etwas mehr sein, vor allem von jenem, das zwar gewünscht, aber nicht kommuniziert wird.

'Erwachsene Menschen - im Gegensatz zu allen Erwartungen darüber wie erwachsene Menschen sich benehmen - benehmen sich nicht so', fand bereits Douglas Adams heraus. Da gibts auch nichts widerzureden; ergo haltend die Klappe: ich, schreibend.

Hat mir doch neulich jemand gesagt, so wie ich schreibe, ist's "krümelig". Ja, die Mühe, ihm abzunehmen, selbständig Subjekt, Prädikat und's Objekt zu sortieren, nehm' ich nicht auf mich - nicht ich. "Richtig so", hör ich sie alle rufen, jene Apologeten der adornitischen Strickübungen, die sich selbst mindestens genauso gerne reden hören wie ich mich nicht lesen will, denn über die Schlafenszeit ist es längst hinaus, und der morgige Tag fragt nicht nach dem Gewesenen.

11.10.2004 um 02:39 Uhr

Lilienblüten

Wenn Du Dich nicht um jene bemühst,
von denen Du Dir gewiß bist,
daß Du sie vermissen wirst,
wenn sie unwiederbringlich gegangen sind,
werden sie unwiederbringlich gehen,
und Du wirst sie vermissen.

Leere.

Duft riesiger Lilienblüten, weiß.

letzte Umarmung.

27.07.2004 um 03:33 Uhr

ähm, Herr Schrödinger...?

ok, der Vollständigkeit halber und weil ich mir vorstellen kann,
daß so ein Experiment begeisterte Nachahmer finden wird:


http://de.wikipedia.org/wiki/Schr%F6dingers_Katze
http://www.quanten.de/pdf/schroedingers_katze.pdf

u.v.m.

27.07.2004 um 01:28 Uhr

Was meinen Sie, Herr Schrödinger?

so daß ich eigentlich davon ausgehen kann,
gut vorbereitet zu sein, wenn es demächst wieder einmal heißt,
Herp, Herp, warum wollen ausgerechnet Sie ausgerechnet hier
und ausgerechnet bei uns
und ausgerechnet Geld und verdienen und nicht zu knapp?
aber schließlich kenne ich die Situation von beiden Seiten -
und ich meine nicht oben und unten...
und ebenfalls nicht zu knapp
aber spannend ist's eben doch.

kann falsch sein, vorher schon zu "lapidarisieren",
aber wer weiß das schon, was tatsächlich geschehen wird,
Schrödingers Katze vielleicht...

26.07.2004 um 00:34 Uhr

Kurzer Dialog 3

„Ende.“

 „Ja, Ende, Terminus, sozusagen“, lacht, holt aus und schlägt zu.

24.07.2004 um 00:00 Uhr

Gute Nacht-o-Mat für ?

Aus dem Luxomat, etwas durchnäßt, denn es fällt ein feiner Regen durch schwüle Nachtluft, schicke ich Dir einen Nachtgruß -
bekomme langsam Bewegungsüberdruck; seit 2 Wochen klebe ich vor dem Schreibtisch, fahre Bahn, Bus, Taxi und kein Fahrrad, denn die Gangschaltung hat seit dem letzten Ausflug Sand in der Kehle und verleidet die Freude am Fahren. Also habe ich heute auch noch flugs das Rad repariert. Natürlich war das mordsfisselig und mußte deswegen nicht am sonnigen Tag geschehen, sondern am Abend, damit ich noch kurz irgendwo einen Cocktail trinken fahren kann. Sagte ich schon, daß es jetzt regnet? Macht ja nichts..., auch ein Spaziergang ist Bewegung, da kann ich dann auch einen Regenschirm mitnehmen. Zu allem Überfluß hat offenbar auch der Barmixer einen schlechten Tag, denn der Whisky Sour schmeckt wie aus der Dose. Sobald ich Kanzler bin, gibt's Cocktailmixen als Pflichtfach in jedem Studium. Genug nun davon - ich wünsche Dir eine wunderschöne Nacht.

Herp (de Graaf)

22.07.2004 um 19:43 Uhr

Kurzer Dialog 1

A., den Fahrdamm überquerend wendet sich um zu B.,
der ihm schon seit einer halben Stunde unauffällig zu folgen
versucht: "Bitt-scheen, lossens des Gerenne noach."

B.: "Sehr wohl.", wendet sich nach links,
schlägt drei Kreuze aufs Kopfsteinpflaster
und verschwindet in der Menge.
A. hingegen erreicht den anderen Gehsteig
und wird wider Erwarten unsichtbar
als er die nächste Straßenecke passiert.

22.07.2004 um 01:49 Uhr

Tag 3

...und ehe ich mich versehe, ist hinterrücks schon wieder die 24 Stundenstrecke klamm und heimlich vorbeigeschlichen; nun und heute ausgefüllt jedoch mit sprühendem Ideenfeuerwerk, und mit dem Versuch, auf wenige Dinge mich zu konzentrieren und jene profund und souverän zu erledigen.

Es ist das eigene Geschäft, in dem man sich selbst und anderen Herr und Knecht ist. Es ist der endlose Versuch, der Ziele eines zu erreichen, um schon im darauffolgenden Moment ein neues mir, ein ferneres zu stecken.

...-

22.07.2004 um 01:12 Uhr

Ur-ban Absurdium

"Was wäre, wenn es U-Bahn Züge gäbe, die so lang sind, daß sie von Station zu Station zu Station reichen...man könnte in ihnen entlanglaufen, ohne daß sie je fahren müßten?"

"Das wäre nicht praktisch."

"Nein, das wäre es wirklich nicht."

21.07.2004 um 14:14 Uhr

Deprimisten und Obtessive I

"Ein Deprimist und ein Obtessiver gehen auf dem Trottoir einer Großstadt spazieren. Sie sehen die gleichen Dinge. Während aber die Haltung des Deprimisten immer aufrechter wird, die Nase erst nach vorn, dann etwas empor weist, ist der Obtessive schon nach einer kurzen Zeit, vom Schönen befreit, in sich gesunken."

21.07.2004 um 00:30 Uhr

Tag 2

und ich merke schon, wie leicht sich ein Tag hinter den anderen mogeln läßt, nur dadurch, daß ich ihm eine Nummer zuweise. Außerdem werde ich in der feuchten Hitze hier (N 52° 31' 12'', O 13° 22' 48'') komplett lethargisch, sehe zwei verschiedene Filme, wenn ich mit dem linken Auge den Monitor und mit dem rechten das Geschehen unten auf der Straße betrachte.

'Kein Grund, einzuschlafen,' denke ich mir, denn ein wichtiger Termin in einer Woche will vorbereitet sein;- dennoch: ein kurzer Gang zum Bäcker, um etwas hochkalorische Nahrung nachzuschieben und ein starker Café nebst einem Glas eiskalten Wassers müssen sein.

Und?

Hat geholfen - klar.

20.07.2004 um 02:19 Uhr

Dünndruck, der erste

Lausbubenhaft umsehen  - keiner da.

Wie auch, ein Eintrag - Dünndruck, der erste. Auf dem Weg zur Entäußerung. Nur kurze Sätze schreiben, nicht verzetteln. Vorsichtig die Maschen des Netzes gedehnt. Und ausruhen. Die Kraft zum Sprung sammelt sich spontan.

eot