ein jahr später
Es gab sich zu einer wundervollen Hochzeit. Ich verlor das erste Mal in meinem Leben mein Herz. Ich verlor es an einen großen schlanken Mann mit melancholischem Gesicht, der zum Zeitpunkt des warmen und weichen Höhepunkts der Party, die vor Liebe nur so summte, ein Ständchen gab.
Zu diesem Zeitpunkt waren schon eine Menge Blicke zwischen mir und diesem Mann hin und hergegangen. Die Intensität meiner Augen fesselte ihn, die Melancholie in seinem Blick wiederum mich. Als er begann zu singen, stand ich ca. 15 m von ihm entfernt und sah ihn nicht. Ich hörte ihn nur. Und vergaß zu atmen. Er sang 'Father and Son', 'Staring at the Sun" und ich glaube "You Are So Beautiful'.
Es ist aber auch nicht so wichtig. Während ich ihm zuhörte und er sich mitten in mein Herz sang, dachte ich nur das eine: "Schnell weg hier. Nimm dir ein Taxi. Hau ab. Egal wie. Sieh zu, dass du hier wegkommst."
Natürlich ging ich nicht. Ich schenkte ihm weiterhin meine intensiven Blicke. Und er verfolgte mich mit warmer Melancholie, bis er mich am Ende des Abends in seine Arme riss und leidenschaftlich küsste.
Es folgten weitere Küsse im Oktober, erste Nächte im November, die sich im Dezember mit Konflikten füllten.
Romantik umwirbelte mich. Leidenschaft. Leichtigkeit. Wärme und Magie.
Wir hatten ein Spiel. Wir suchten ein schöneres, ein größeres Wort für 'Danke'. Seiner Überzeugung, dass es keines gibt, stand meine gegenüber, dass es einer Wortekünstlerin gelingen muss, eines zu finden.
Es gab etliche Abende, an denen er sich mit einem seufzenden Danke von mir verabschiedete. Und ich sah ihn an, küsste seine Wange und wir grinsten wissend, dass mein Danke warten wird.
Heute bin ich einen Schritt weiter. Ich suche nicht mehr. Ich kann es jetzt sagen.
"Danke."
Ich bedanke mich herzlich für die Erweiterung meines Gefühlspektrums. Ich bedanke mich für die Schmetterlinge, die erstmals in meinem Herzen tanzten. Ich bedanke mich für die Tränen voller Liebe. Ich bedanke mich für die Leidenschaft. Ich bedanke mich für den Glauben an das Glück. Ich bedanke mich für die Momente der Geborgenheit. Ich bedanke mich für das ungewohnte Gefühl des Vertrauens.
Vor allem aber bedanke ich mich dafür, dass all das jetzt wieder vorbei ist.
Danke für den Kleinmut. Danke für die Ausflüchte. Danke für die Unachtsamkeit. Danke für die Angst. Danke für die Augenwischerei. Danke für den Narzissmus. Danke für das wieder gewonnene Misstrauen. Danke für den Schmerz.
Meine Welt gehört wieder mir allein.
Leb wohl kleiner Wolkenprinz. It's never easy this way...
