es war im februar, als ich auf meine alten tage nochmal so richtig liebeskummer hatte. und wie alles in meinem erwachsenen leben, erledigte ich diese sache bewusster, professioneller, mit all der erfahrung, die ich in den gut 35 jahren angesammelt hatte.
mein mann sagte mir im grauenden frühling das folgende: ich liebe dich nicht mehr. ich werde gehen.
und ich? mir tropften tränen aus den augen, tränen, die ich nicht aufhalten, nicht beschleunigen, nicht beeinflussen konnte. sie tropften auf mein weißes t-shirt und hinterließen flecken. das wasser, was aus meiner nase tropfte, wischte ich mit dem handrücken weg, mein körper zitterte, ein alb lag auf meiner brust, das atmen fiel mir schwer, ich konnte nur mit weit aufgerissenen augen da sitzen und mit diesen wässrigen spiegeln meiner seele nach der wahrheit fragen: ist das wahr? ist das wirklich wahr? sag mir, dass das nicht wahr ist. bitte, mach, dass es nicht gesagt wurde, sag, dass alles ein traum ist.
es war weder wahr, noch war es ein traum. es war einer der streiche, die uns das leben wieder und wieder spielt. zwei gegensätzliche gedanken haben mir damals geholfen. zum einen: 'auch das wird vergehen.' zum anderen: 'es ist, wie es ist.'
und da es war, wie es war, machte ich mich auf die suche nach einem angemessenen song. ein song, der meine fassungslosigkeit, meine angst, meine trauer und meine verletzlichkeit ausdrückt. ich zappte mich durch youtube, suchte nach all meinen alten songs, von denen keiner so richtig passen schien, waren sie doch für andere männer, andere situationen verbraucht und zernudelt.
in einer playlist tauchte der titel ne me quitte pas auf, und wie so oft fand ich nicht einen song, sondern ein song fand mich. verlass mich nicht. genau das, was ich fühlte. es gab ihn auf englisch: if you go away... genau das, was ich fühlte. und auf deutsch: bitte geh nicht fort. genau das, was ich fühlte.
ich hörte all diese versionen auf französisch, englisch, deutsch, von verschiedenen interpreten. ich sah mir die texte an, fand mich in jeder zeile wieder, ließ meine tränen tropfen, ach scheiß doch auf die tastatur, scheiß doch auf die zigarettenasche auf dem teppich, ist doch alles egal, wenn du mcih verlässt, stürzt der himmel ein, if you go away, as I know you must, there is nothing left, in this world to trust, just an empty room, full of empty space, like the empty look, I see on your face...
auch das wird vergehen.Â
wir begannen uns briefe zu schreiben. ich schrieb ihm bei dieser musik. schrieb von meinem schmerz, meinem entsetzen, von seiner grausamkeit, die mich bis ins mark getroffen hatte. er schrieb von seinem unvermögen mich glücklich zu machen, seiner liebe, die im eisernen tresor um sein herz für mich verglühte, und seiner angst, diese tür zu öffnen. ich schrieb von den gemeinsamen jahren, seinem humor, seiner souveränität und der gelassenheit, ohne die ich nicht leben will, er schrieb von meiner wundersamen seele, die er liebt und nicht begreift, und meinem feuer, das ihn anzieht und abstößt zugleich. with or without you, einer seiner all time favourites...
es am, wie es kommen musste, wie es immer kommt, wie es vielleicht immer wieder sein wird: eines abends saßen wir auf dem sofa und lachten uns kaputt. wir hielten uns die bäuche, der hals, der ganze körper schmerzte, es schüttelte uns im angesicht des wahnsinns, den das leben für uns bereit hält.
wir nahmen unsere hände und unsere blicke versanken in einem meer von vertrautheit.Â
ich liebe dich. ich werde bleiben.Â
unsere wundervolle tochter hat mich letzte woche unwissentlich an diese zeit erinnert. sie saß auf dem sofa und sang: mei haat biet lei dschan-gel tram, guguguuuu, du gung-gu-dugung-gu!!!
"von wem ist das lied?" fragte sie. ich hatte natürlich keine ahnung, aber ich meinte das wort 'jungle' rausgehört zu haben, und es dauerte nicht lange, da saßen wir vergnügt vor dem notebook und klopften wie wild den rhythmus des herzen der sängerin mit.
etwas an dem namen machte mich stutzig. auch, dass eine alternative nummer so erfolgreich sein konnte. auch dass es mich an eine zeit erinnerte, die ich als schmerzvoll abgespeichert hatte, brachte mich ins grübeln. emiliana torrini. sie hat wahnsinn in der stimme. und er hat zwei seiten:
My heart is beating like a jungle drum...