Man hört nur mit dem Herzen gut.

09.05.2008 um 00:27 Uhr

Fools in Love

Wenn man in Musik stöbert, kann es passieren, dass man irgendwann mit offenem Mund und Tränen in den Augen dasitzt und einfach nur dankbar ist.

So auch hier:

 

Danke, du unbekannter grauhaariger Mann mit Sonnenbrille.

Danke!

 

09.05.2008 um 00:08 Uhr

Joe I

von: sunnysightup   Kategorie: Studentenjahre

Auch mit einem anderen unübertrefflichen Musiker namens Joe Jackson verbindet mich eine außergewöhnliche Konzerterfahrung. Das heißt, eigentlich sind es mehrere, aber beginnen wir mit der ersten. Joe stellte irgendwann im Herbst oder Winter 1994 seine neue Platte Night Music vor, eine etwas gewöhnungsbedürftige, Streichinstrumentlastige CD mit viel Assonanzen und intellektueller Eleganz - ich mochte es, aber die Joe Jackson Fans wohl eher nicht. Das Konzert war bestuhlt, alle saßen brav und klatschten zwischendurch auch mal mit (Es ist zum Mäusemelken: Bei It's Different for Girls tun sie es immer wieder - der Spott in seinen Augen ist kaum zu ertragen). Jedenfalls war ich mal wieder in meinem Konzerteparadoxon. Zu viele Menschen, zu viele Eindrücke, zu viel Raum und Akustik. Fallen lassen? Fehlanzeige. Joe kündigte irgendwann nach viel Huhuhu (der Sopran nervte tatsächlich etwas) und viel Gejammer auf der Geige auf diesem Konzert das letzte Lied dieser CD an und einer der Zuschauer machte den Fehler zustimmend und freudig 'YEAH!" zu rufen. Es wurde still. Warum auch immer ein Saal von 5000-8000 Zuschauern verstummen kann, es war so. Und ich glaube, es lag daran, dass Joe Jackson ernsthaft verstimmt war. Niemals wieder habe ich einen Menschen auf der Bühne so viel charismatische Macht ausstrahlen sehen. Joe ging an den Rand der Bühne, sah in die Richtung des Rufers, kniff die Augen zusammen, als könne er ihn tatsächlich ausmachen. Nach etwas einer halben Minute, hob er seinen Mittelfinger und sagte laut und vernehmlich in die mulmige Stille hinein: "Fuck you, pal! This is not a heavy metal concert!"

Das ist es, was ich an Joe Jackson liebe, bei aller intellektueller Eleganz ist er doch absolut rotzig, seine Texte sind oft so gemein, dass sie beim lange ausbleibenden und dann überrumpelnden Aha-Effekt regelrecht weh tun.

Dass er seinen Heavy-Metal-Spruch höchstselbst ad absurdum geführt hat und sich auf einer mit zwei Seiten bespannte Gitarre auf den Knien einen abgeschrammelt ha, dass wir alle von den Stühlen sprangen und vorne völlig ausgeflippt sind, dass alle Musiker auf der Bühne zum Schluss ausgelassen gelacht haben, sogar die olle Sopranistin, das ließ meine Konzertambivalenz vollends dahinschmelzen. Was hatte ich ihn lieb den Joe.

Wie ich schon erwähnte, hatte damals in meiner Heiße-Studentin-Phase der Morrissey-Mann gewonnen. Er gewann gegen den Joe Jackson-Mann. Und das, weil der Morrissey-Mann auch ein bisschen wie Morrissey war. Ein androgyner Spötter, Feingeist, sehr niveauvoll, hübsch anzusehen und Oscar Wilde-Fan war er auch. Das Bild hier hing an Erics Wand, womit eigentlich schon viel gesagt ist:

 

 

morrissey

 

Der Morrissey-Mann und ich haben einfach nicht zusammen gepasst. Zu sauber, zu fein, zu konzeptionell. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass es Eric mit einem Mann besser ergangen wäre und gefallen hätte. Die Beziehung dauerte ein Jahr und war voll von witzigen Unterhaltungen, Textstudien und guten Gedichten. Offensichtlich war ich noch nicht reif für Joe Jackson und so wurde Jörg, der Joe Jackson-Mann, zu meinem 'besten Freund'.

Und wie undankbar, ständig musste er sich von mir Geschichten über mangelnde Leidenschaft in meinem Leben anhören, schwierig schwierig, und er versuchte dem Ganzen mit einem Morrissey bei Weitem übertreffenden Zyniker beizukommen. Immer wieder bekam ich über Joe subtile Hints auf den liebevoll zusammengestellten Knuddelmixen, es gab Knuddelmix 1, da war Real Men drauf, Knuddelmix 2 mit Fools in Love , Knuddelmix 3: Is She Really Going Out With Him , Knuddelmix 4: Be my Number Two , Knuddelmix 5: You Can't Get What You Want und letzten Endes hatte Jörg, mein bester Freund damals und im Grunde bis heute, die Schnauze voll und ließ auf Knuddelmix 6, die I'm the Man enthielt, einen bitterbösen Brief folgen, der mit den Worten "Du bist ja wohl das Peinlichste, was ich kenne" begann. Naja, Anfang der Neunziger war es gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass das stimmte. Öhöm.

Das war alles sehr ärgerlich, ich sagte entrüstet die geplante Silvesterfeier mit bestem Freund ab, machte trotzdem mit dem Morrissey-Mann Schluss und angelte mir am 1. Januar um 5.30 Uhr einen Mann, der nur unter Zwang auf Parties Musik hörte, allerdings gehört das nun wirklich nicht hierher (herrje ich schreib mich um Kopf und Kragen), weil er mit Herz oder Musik einfach nichts zu tun hatte.

Zurück zu den Liedern: Dass ich nun mit dem stadt- bzw. uni-bekannten Frauenhelden zusammen war, nahm Jörg zum Anlass, mir von Neil Young 'A Man Needs a Maid ' auf die nächste Kassette zu plazieren, die nicht mehr Knuddelmix hieß, sondern 'Für Sunny'.

Er hatte Humor, das muss man ihm lassen.

Aber so gern ich Neil Young mag, er schaffte es nicht in mein Herz, doch Joe Jackson erobert es seit Beginn der Neunziger immer wieder.

Deshalb bekommt er auch nicht nur einen, sondern gleich drei Einträge.

Was folgt also?

Die Fortsetzung.