Man hört nur mit dem Herzen gut.

20.10.2008 um 00:22 Uhr

Porkeh te pass

von: sunnysightup   Kategorie: Kinderlieder

Was man nicht alles beim Stöbern findet. Und das unter den Favoriten von Poems for Laila! Ich liebe sie. Weil sie mich daran erinnert haben, wie ich dieses wundervolle spanische Lied inbrünstig auf dem Hinterhof verballhornt habe:

 

Porkeh te pass

 

Mannometer, ich habe es mit all meinem kindlichen Schmerz in eine Klobürste getrötet, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was es bedeutet...

 

22.12.2007 um 15:13 Uhr

Zwischeneinspieler

von: sunnysightup   Kategorie: Kinderlieder

Stimmung: 1977

Als Kind ist man ja um jede Aufmerksamkeit froh. Man nimmt alles, was man kriegen kann. Lacherfolge weiß man besonders zu schätzen. Aber irgendwie fühlte ich mich an dem Tag, an dem ich Costa Cordalis im Fernsehen Anita zum besten geben sah, laut mitsang, mich danach mit leuchtenden Augen zu den Erwachsenen umsah und mit kindlicher Inbrunst feststellte, das sei der "schönste Mann, den ich je gesehen habe", nicht ernst genommen.

Sie hörten einfach alle nicht mehr auf zu lachen. Man tätschelte mir den Kopf und man sagte Dinge, wie "Werd mal größer, Geschmack kommt mit den Jahren" und "Hahahaaa! Costa Codaaaaaaarlis! Hahhaaahaa!" "Ausgerechnet! hihihi!".

Dabei fand ich ihn wirklich, richtig, ganz und gar unglaublich schön.

Ich hatte später eine Ahnung, was die Erwachsenen gemeint haben könnten, nämlich, als Costa fünfundzwanzig Jahre später im Jungle-Camp auftauchte. Aber guckt doch ma. 1977 war der doch ganz, äh, ganz schnuckelig, oder?

guckst du hier, weil Bildeinfügung zurzeit unmöglich, wenn ich es auch gerne hier in den Text integriert hätte und ziemlich sauer bin, dass hier ständig was nicht funktioniert und total genervt und brummelig und das kann doch nicht sein, dass man mal was machen kann und mal was nicht, aber das gehört jetzt auch nicht hierher...

 

 

17.12.2007 um 19:24 Uhr

Ach bitt'rer Winter...

von: sunnysightup   Kategorie: Kinderlieder   Stichwörter: 1984

Als wir rübermachten, war das für mich ein Schock. Ein Riesen-Schock. Ein Schock-Schock. Ich war schockiert. Ich hoffe, das ist jetzt klar geworden.

Ich war ein 11-jähriges Mädchen, war gerade verliebt in einen Jungen aus der Christenlehre (meine Mutter legte Wert auf Protest. Im Osten war Christenlehre Protest, der reine Protest. Außerdem war es protestantische Christenlehre). Noch ein halbes Jahr zuvor habe ich mit ihm das Krippenspiel aufgeführt. Ich die MAria und er der Josef. Alle neckten uns, dass wir Mann und Frau seien. Und wir protestierten natürlich (uppsi, schon wieder), aber ließen es uns innerlich lächelnd wohl gefallen. Zum Geburtstag hatte ich von ihm ein zart-rosa Alpenveilchen bekommen. Die Sache war klar. Sonnenklar. Sebastian und ich - wir waren verlie-hiebt.

Und dann sowas unfassbares: Verabschiede dich von deinen Freunden. Wir machen rüber. Du wirst sie wahrscheinlich nie wieder sehen.

Oha. Für eine 11-Jährige kein Leichtes. Es war ja nicht nur Sebastian. In der fünften Klasse hatte ich meinen Platz unter den beliebtesten Mädels erobert. Ich hatte Klavier-Unterricht und sang in einem nicht ganz erfolglosen Kinderchor. Ich hatte im Haus Freunde und drumrum auch. Ich fühlte mich wohl. Es gab noch so viel zu tun in dieser Woche noch, in diesem Monat, in diesem Jahr.

Aber nö. Verabschiede dich. In drei Tagen sind wir weg.

Was das mit Musik zu tun hatte? Naja. Musik war damals ungeheuer wichtig für mich. Allerdings gab es auch noch keine Steckbriefbücher und der Gruppenzwang war auch noch nicht ausgeprägt. Also spielte ich zwei Tage traurige Lieder auf dem Klavier. Das traurigste war ein Weihnachtslied. Dass April war, war mir scheißegal. Ich sang voller Inbrunst und mit Tränen in den Augen: 'Ach bitt'rer Winter...' und kam mir sehr verlassen vor.

Da war ich noch zu authentischem Pathos fähig. Mann waren das Zeiten. Schöne Zeiten. Wunderschöne Zeiten. Auch wenn sie traurig zu Ende gingen, sie waren voller Gefühl...

(Ihr seht ich mogel mich immer noch um den Kommerz drumherum. Aber das mit a-ha war auch eine große Geschichte, die, ja die ein andermal, ich denke, das nächste Mal erzählt wird.)

 

17.12.2007 um 13:14 Uhr

Humbala, Humbala, Humbala, Huuuaa!

von: sunnysightup   Kategorie: Kinderlieder

Stimmung: 1981

Na? Hat das jemand erkannt? Jawohl. Roland, der alte Barde.

Bevor ich meinen Weg in die Pubertät und in die damit einsetzende Kommerzialisierung meiner Musik beschreibe, guckst du hier!

Jedes Wort dieses Liedes ist mir heute noch geläufig. Wir hatten es als Tanz einstudiert. Bei Humbala, humbala wippten wir nur mit dem Knie und schauten züchtig zu Boden. Wobei wir dann bei 'Santa Maria' die Hände am Gesicht vorbeiziehen ließen, ähnlich wie der gute Travolta, nur natürlich weniger cool, die weiteren Zeilen waren mit anderen pathetischen Gesten behaftet. Unter anderem natürlich die gekreuzten Arme vor dem Herzen und all dieser Schnulz. Das Jahr 1981 (wir waren immer ein wenig später), also meine dritte Klasse, war von diesem Lied geprägt und der Tanz wurde bei jeder Gelegenheit aufgeführt. Immer und immer wieder stellten sich die Mädchen der Klasse im Schulflur auf und eine von uns fing an zu summen, die nächsten fielen mit Humbala-humbala ein, eine dritte Gruppe machte das Huhaa! und wir waren die Stars der Manege.

Gerührt lächelten uns damals die Lehrer zu. Was uns glauben ließ, dass wir ECHT gut waren. Und immer, wenn ich das Lied heute höre, mache ich im Geiste diese Gesten und tanze einen Gruppentanz, mit all meinen Freundinnen, und ich kann mich an jeden einzelnen Namen erinnern. Einfach, weil es doch so schön war...

 

16.12.2007 um 23:56 Uhr

Beatles

von: sunnysightup   Kategorie: Kinderlieder

Stimmung: 1979

Wir hatten damals nur einen ollen Kassetten-Radio-Recorder (Wir hatten ja nix, damals im Osten. Mit'm Bollerwagen simmer zum Intershop gepilgert und ham uns die Nasen platt gedrückt, herrje...). Aber das war ja schonmal was. An Kassetten allerdings gab es einen gewissen Mangel. Um genau zu sein: Wir hatten eine. Eine, auf die alles, was so im Radio lief und uns gut gefiel, aufgenommen wurde. Bald kam die Zeit, wo auch ich als kompetent erachtet wurde, Musik auszuwählen und aufzunehmen. Allerdings gab es strenge Regeln. Ich musste immer das Ende eines anderen Liedes auf der bespielten Kassette abwarten und darauf achten, dass ich schon nach wenigen Sekunden eine Entscheidung traf über Hop oder Top, denn das Lied sollte ja möglichst umfangreich abspielbar sein und den Ansager, den musste man natürlich rausschneiden.

Es gab trotzdem immer ein Riesen-Kuddelmuddel auf dieser Kassette. Irgendwann waren es dann auch mal drei, da hatten wir uns welche aus dem Westen schicken lassen.

Jedenfalls war das für mich als Schulkind eine schöne Spielerei. Nachmittage verbrachte ich in unserer gemütlichen Küche und drückte das Record-Knöpfchen, unermüdlich suchte ich Lieder aus, ehrlich gesagt sehr viele Schlager und ein bisschen Pop-Musik der 70er.

Eines Tages, eines sonnigen Tages im Hochsommer 1979, betrat ich die Küche des Morgens um ca. 7.11 Uhr und ich hörte so wunderschöne Klänge, die mich mitten ins Herz trafen, so richtig tief, dahin, wo der Musik-Nerv sitzt. Geistesgegenwärtig stürzte ich mich alle Regeln missachtend auf den Record-Knopf und bekam noch ca. 7-8 Liedzeilen zu fassen:

Picture yourself on a train in a station
With plasticine porters with looking glass ties
Suddenly someone is there at the turnstyle
The girl with the kaleidoscope eyes

Lucy in the sky with diamonds
Lucy in the sky with diamonds
Lucy in the sky with diamonds
Aaaaahhhhh...

Ich war verzaubert. Trotz des ganzen Ärgers, den ich bekam, weil ich 'Ti Amo' gehimmelt hatte. Ich hörte die paar Töne immer wieder. Unser Kassettenrecorder hatte nämlich einen Trick. Der spulte nämlich Lieder bis genau der Stelle, an der sie begannen. Und das tat ich. Unermüdlich. Ich dachte: Was für eine schöne Melodie. Was für eine süße Stimme. Was für wunderschöne Bilder mir erschienen. Was für eine sonnige Musik.

Nur: Kein Schwein unserer Nachbarn und Verwandten wusste, welche Band das war. Ich rannte damit im Haus rum. Ich sang, summte und trällerte mich um Kopf und Kragen. Alle schüttelten den Kopf. Irgendwann bekam ich folgende Aussage: "Es könnten die Beatles sein, aber ich bin mir nicht sicher."

Flugs schrieb ich meiner Oma im Westen einen Brief. Ich hatte einen Wunsch. Die ganze Billig-Schokolade und den Kaffee sollte sie sich sparen. Sie sollte doch bitte eine Beatles-Platte schicken. Und dann meinetwegen nie wieder was. Oder alle anderen. Bestenfalls. Ich wollte sie. Wollte sie mit Haut und Haaren. Beatles-Musik, wollte ich. Und es dauerte auch nicht ganz ein Jahr, als ich mal wieder enttäuscht in eines dieser Pakete schaute und die mindestens dreiundzwanzigste Karl-May-Platte kritisch beäugte. Ich hatte keinen Bock mehr. Sah das nicht ein. Mama sagte ja, dass man die Beatles vielleicht nicht verschicken DURFTE. Ok, aber die Hoffnung, wisst ihr? Die Hoffnung stirbt doch zuletzt, oder?

Und in der Tat. In der Platten-Hülle von 'Der Schatz im Silbersee' war ein ein Goldschatz ein funkelnder, ein herrlicher ein wunderbarer, ein so unglaublich fantastisches Geschenk verborgen: Das Blaue Album. Zumindest Teil I. Und (ich war mir ja noch nicht ganz sicher): Das Lied war von ihnen. Es war sogar da drauf. Es hieß 'Lucy in the Sky with Diamonds. Toll. Warum nicht? Ein Mädchen namens Lucy im Himmel und Diamanten drumherum. Passte. Passte wie Arsch auf Eimer. Und erst all die anderen Songs, allen voran Strawberry Fields, dicht gefolgt von Penny Lane und und und... Ich war begeistert.

Dass die Beatles sich getrennt hatten, wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon und meinte, auch wenn ich das Wort zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte, ein schlechtes Musik-Karma zu haben. Dass John Lennon noch im gleichen Jahr meiner ersten Beatles-Platte starb, halte ich heute dennoch für einen traurigen Zufall.

Meine Gebete fingen ab dann nicht mit 'Lieber John' an, allerdings war Elvis erstmal entthront.

Als wir 1984 rübermachten, kommerzialisierte sich mein Musik-Geschmack, aber das ist eine andere Geschichte, und sie soll ein andermal erzählt werden...

16.12.2007 um 22:27 Uhr

Elvis

von: sunnysightup   Kategorie: Kinderlieder

Stimmung: 1977

Es begab sich zu einer Zeit, als ich mich an der Schwelle vom zarten Alter von 4 zu 5 befand, da brach mir ein schöner Mann namens Elvis Presley das Herz. Er tat es in Abwesenheit. Und er tat es durch Abwesenheit. Durch totale körperliche Abwesenheit.

Verliebt hatte ich mich, als ich ihn in Girls! Girls! Girls! besagtes Lied spielen sah und hörte. Ich tanzte durchs Zimmer und ich gab bekannt, dass ich verliebt sei. Richtig verliebt. Lächelnd begab ich mich ins Bett, im Wissen, dass am nächsten Tag wieder ein Elvis-Film gezeigt würde. Jailhouse Rock. Whatever that may be. Und als ich dann diesen sah, intensivierte sich mein Verlangen.

"Let's rock! Everybody let's rock!" waren meine letzten Gedanken und ich freute mich auf den nächsten Tag und den nächsten Film. Meiner Mama wars Recht. Sie fand Elvis auch gut, und so hatten wir was gemeinsam. Meine Passion steigerte sich ins Unermessliche, als ich ihn Love me Tender singen hörte und sah. Ich hatte den Mann meines Lebens gefunden. Ich war bereit. Ich wollte heiraten. Kinder. Viele Kinder. Das volle Programm.

"Wenn du geheiratet hast, wirst du es vergessen haben." Ich hasse diesen Spruch, habe ihn schon damals gehasst - schließlich schmälert er jedes Kinder-Leid, und das ist nicht ok. Aber zumindest hatte ich in dieser Zeit den passenden Spruch zurück parat. "Ja", pflegte ich zu sagen (so die Legende), "Ich weiß auch schon, WEN ich heirate." "Und? Wen denn?" Verschämt habe ich "Elvis Presley." gesagt, wofür ich gerührte und belustigte Erwachsenenblicke erntete.

Es wurden mächtig viele Elvis-Filme gezeigt um diese Zeit. Nahezu täglich einer. Später dann wöchentlich. Ich durfte sie fast alle gucken.

Diese Elvis-Dominanz im deutschen Westfernsehen (wir saßen fest im ollen Osten) hatte einen Grund. Einen traurigen. Den man mir lange vorenthielt. Und dann, eines Tages, kam es raus. Ein besserwisserischer Onkel sagte mir Folgendes: "Du kannst Elvis nicht heiraten. Der ist nicht nur zu alt für dich, sondern auch tot."

"Tot?" Elvis konnte nicht tot sein, ich hatte ihn doch gestern noch gesehen, heute noch gehört. Ein Mensch, der tot war, konnte doch nicht singen, nicht lächeln, nicht tanzen. Gitarre spielen wäre auch schwierig.

Mönsch. Meine Mutter bestätigte mir dieses unfassbare Desaster. Sie tat es so traurig, dass ich es einfach glauben musste. (Heute bin ich selbst Mutter und weiß, wie es ihr das Herz mitgebrochen haben musste). Fassungslos lag ich an diesem Abend im Bett. Jesus war passé. Mein Gute-Nacht-Gebet begann mit "Lieber Elvis." Jesus und dem lieben Gott ließ ich nur noch Grüße ausrichten. Und so hielt ich es, bis mir ein Mann namens John Lennon begegnete. Aber das ist eine andere Geschichte, und die soll ein andermal erzählt werden.