Ein Mann namens Horst - neuzeitliche Narreteien

30.09.2006 um 13:19 Uhr

Urelement Wasser

"Pigalle, Pigalle, das ist die grösste Mausefalle - mitten in Pariis!" Gemeinsam mit einem feuchtheissen Dunst drang Horsts Stimme aus Frau Müller-Bleibtreu's Badezimmer.             Er hatte bei ihrer Gartenparty letzte Nacht etwas über die    Stränge geschlagen und daraufhin bei ihr übernachtet.

"Horst, Junge, wie lange duscht du denn schon!? Bestimmt über eine halbe Stunde!"

"Sie wissen, dass Sie nicht Junge zu mir sagen sollen. Ich könnte einen Schulabgänger als Sohn haben!" ärgerte sich Horst.  "Ausserdem ist Wasser eins der Elemente - ein Urelement sozusagen - und somit hochgesund."  "Doch aber nicht heiss", belehrte ihn die alte Dame. "Kaltduschen ist gesund!"

"Ich habe mir folgendes überlegt" klang es aus der Dusche. "Heiss ist weniger gesund, zugegeben. Der Kontakt mit dem Urelement hingegen gesund. Also dehne ich den Kontakt ein- fach etwas in die Länge - und so gleiche ich es wieder aus!"

30.09.2006 um 12:32 Uhr

Der Codex von Camelot

      

Spiderman, Prinz Eisenherz und Till Eulenspiegel wanderten singend gemeinsam die abendliche Hauptstrasse entlang. Sie hatten am Nachmittag schon eine Flasche Wein zusammen geleert und waren auf dem Weg zum Faschingsball im Bürger- haus. Auf einer profaneren Ebene der Wirklichkeit handelte es sich allerdings um Heinz, Horst und Narrbert - aber sie waren ohne näheres Hinschauen nicht so ohne weiteres als solche zu identifizieren.

In einiger Entfernung erblickten sie einige lärmende Skinheads, die auf einer Bank eine Bierorgie zu feiern schienen.

"Auf der anderen Strassenseite ist es, glaube ich, heller!" sagte der Spiderman zaghaft. "Recht beobachtet!" pflichtete ihm Eisenherz bei.  "Mich dünkt, es ist klüger, die Seite zu wechseln!"

"Hoher Herr", ergriff jetzt Eulenspiegel das Wort "Ihr als Tafelrund'ler, sozusagen Rundtafler, plädiert dafür, jenen die Strasse zu überlassen!"  "Till, mein Teurer", Horst-Eisenherz war beleidigt. "Wie Ihr die Situation verkennt ! Man merkt, dass Ihr Keiner unserer Art seid."  Sie überquerten die Strasse.

"Wir suchen keinen Händel mit harmlosen Jugendlichen, die - sagen wir - etwas aus dem Gleis geraten sind oder vergreifen uns gar an ihnen. Wir schützen die Schwachen! Kennt Ihr nicht den Codex von Camelot?"

"Verzeiht, was bin ich ein Narr." entschuldigte sich Till.

Die letzten Meter zum Gehweg tänzelnd und hüpfend, rief er : "Zum Glück gibt's den Codex  -  sonst gäb's was auf den Podex!"

 

30.09.2006 um 12:17 Uhr

.. dafür lohnte es sich

"Einen Buben aus der englischen Königsfamilie vor'm Ertrinken retten, das wär' was!" sinnierte Horst. 

"Wieso denn das?" wollte Heinz wissen. "Man würde mich zum Ritter schlagen" seine Augen erhellten sich. "Sir Horst Müller - na, wie klingt das?"

"Dafür lohnte es sich, in's Wasser zu springen, wenn ich ein Königsknabe wäre" bemerkte Narrbert.

29.09.2006 um 14:37 Uhr

coole Dampfnudeln

"Bei mir gibt es heute Dampfnudeln!" rief Frau Schniepe. "Wenn du möchtest, kannst du mitessen!"

"Geil!" freute sich Horst.

"Wenn du aber wie ein Hippie redest, überlege ich es mir noch!" rügte ihn die Vermieterin.

"Öh, ich wollte cool sagen, Frau Schniepe."

"Du bist ein Dummkopf, Horst. Die werden heiss gegessen!"

29.09.2006 um 14:19 Uhr

Der moderne und achtsame Mann

Horst stand vor dem Urinierbecken in der Toilette eines Imbisses. Rechts von ihm stand jemand. Links stand jemand. 

Nichts tat sich. Rein gar nichts geschah.  Ausser dass Horst den Juniorpartner wieder herein holte, eine Melodie summte und in einer der Kabinen verschwand.

Nach Verrichtung der Dinge bemerkte Kurt, der am Eingang auf ihn gewartet hatte: "Er wollte wohl heut' nicht wie du, was!?"

"Nichts absurder als das!" meinte Horst.  "Zum Glück fiel mir noch rechtzeitig wieder ein, dass der moderne und achtsame Mann der neuen Weltära im Sitzen pinkelt!"

29.09.2006 um 14:00 Uhr

no satis-fäcktschn !

Horst hatte ein Jubiläumskonzert der Rolling Stones besucht. Am nächsten Morgen immernoch beschwingt trat er aus dem Haus und schritt johlend dem Job entgegen.

"Ei can get no ... satis-fäcktschn!  Ei can get no ... satis-fäcktschn!!"

"Ich wusste gar nicht, dass du unbefriedigt bist!" neckte ihn Traudl, die Tochter eines Nachbarn.

"Also bitte. Das ist musikalisch gemeint. Freiheit der Kunst. Ich bin Buchhalter" stellte Horst richtig.  "Ich habe eine befriedigende Arbeit. Und auch sonst, sozusagen, läuft es."

"Und auch sonst?"   "Ja genau. ich habe gerade eine Short-Story zu meiner vollsten Befriedigung abgeschlossen."

"Eine Kurzgeschichte?" Traudl war interessiert. "Erzähl, worum geht es da?"

"Bei der Hauptfigur" betonte Horst, "handelt es sich um einen unbefriedigten Buchhalter."

29.09.2006 um 13:45 Uhr

Kein Beinbruch

Horst hatte sich ein Bein gebrochen. Eingegipst sass er auf seinem Krankenhausbett.

Nachdem er über eine halbe Stunde geklagt hatte, wie arg es ihn erwischt hätte, warum ausgerechnet er und dass das Schicksal so unverhofft daherkäme, meine Narrbert :

"Aber Horst, ist doch kein Beinbruch!"

28.09.2006 um 17:58 Uhr

Tief 'Gisela'

"Das Tief 'Rainer' bringt kalte und feuchte Meeresluft von der Ostsee und später von Skandinavien mit. Hast du gehört, haben sie gerade durchgegeben." rief Frau Schniepe die Treppe hinauf.

"Ich bin gegenwärtig nicht ansprechbar."  Horst's Stimme kam von oben zurück.

"Zur Zeit habe ich mit dem Tief 'Gisela' genug zu tun."

28.09.2006 um 17:39 Uhr

Die Kontaktanzeige

Horst hatte eine Kontaktanzeige formuliert. >Erotischer Mann sucht nette, esoterisch interessierte Frau zwischen 20 und 40.<  "Wie findest du's?"  fragte er Heinz.

"Es spricht schon an" meinte der "nur, nette Frauen sind oft etwas schüchtern, womöglich traut sie sich nicht, wenn sie denkt, wenn der so erotisch ist!  Wenn sie wüsste, dass du auch nett bist ..."   "Das ist ein Einwand" gab Horst zu.

Nach einer kurzen Überlegung schrieb er erneut in den Computer.

> Nett erotischer Mann sucht nette Frau mit esoterischen Interessen. Gern zwischen 20 und 40. Horst.<

"Perfekt." stellte Heinz fest.

27.09.2006 um 17:45 Uhr

Akte X

Akte X  -  im Fernsehen lief die finale Staffel.  "Jetzt kriegen die Aliens was auf den Sack!" jubelte Horst, sich seine Flasche Bier öffnend.

"Das ist eine Hypothese, dass das anatomisch möglich ist." wandte Heinz ein.  Horst liess sich nicht beirren. "Ich hätte Scully längst abgeknutscht, wenn ich Mulder wäre."

"Wenn du Mulder wärest" - Klaus-Jürgen öffnete ebenfalls ein Bier - "wäre Scully wahrscheinlich längst mit einem Außerirdischen durchgebrannt!"

 

27.09.2006 um 16:07 Uhr

Horstnatur

Horst und Narrbert sprachen über Buddhismus.

"Das Ziel von uns Menschen", meinte Narrbert " - so lehrt es der Buddhismus - ist unsere Buddha-Natur zu verwirklichen."  "Und was geschieht wohl, wenn ich sie nicht verwirkliche?" fragte Horst.

  Narrbert dachte nach. "Weiss nicht.

Vermutlich verbleibst du in deiner Horst-Natur!"

27.09.2006 um 15:59 Uhr

postpubertär

Horst trug ein etwas bieder aussehendes gestreiftes Polohemd.  "Wo hast du das denn her?" fragte Gitte.

"Ein Weihnachtsgeschenk von Mutter. Es gefällt mir nicht." Horst wirkte nicht glücklich.  "Und warum trägst du      es dann?"

"Sie sagt, wenn ich es nicht anziehe, wäre das klar postpubertäres Protestverhalten."  Seine Augen blinzelten.    "Den Triumph gönn ich ihr nicht!"

27.09.2006 um 14:08 Uhr

Das Leben ist schwierig

"Das Leben ist von Grund auf schwierig", meinte Heinz.  "Das kann man so nicht sagen", belehrte ihn Horst. "Es hängt ganz von der Sichtweise ab, die wir gewählt haben. Du bist frei, eine andere einzunehmen."

Er dachte kurz nach. "Manchmal erscheint es mir allerdings auch - wenn die Realität nicht wäre - wär's schon vieles einfacher!"

27.09.2006 um 13:53 Uhr

Stadtneurotiker

"Neulich hat mich einer als Stadtneurotiker bezeichnet", meinte Horst. "So ein Trottel."

"Wo ich doch in einem Vorort wohne." fügte er hinzu.

27.09.2006 um 13:19 Uhr

Mehr als real

Heinz und Horst saßen im Cafe und zeigten sich ihre neuen Briefmarkenalben. Einen Tisch weiter saßen zwei Frauen. Die beiden hatten das Gefühl, diese hätten herüber geguckt.

"Ob wir sie fragen, ob sie mit hineinschauen wollen?"  tuschelte Heinz.  "Du bist verrückt. Das ist zu platt!" fuhr Horst ihn an.

"Aber ich meinte das eigentlich real" flüsterte Heinz. "Ja schon", zischte Horst "aber womöglich verstehen sie es mehr als real!"

27.09.2006 um 13:12 Uhr

Stressfaktor Liebesbeziehungen

"Ist es wahr, dass Du ein Skript für einen Psychologischen Ratgeber  fertig hast?" wollte Klaus-Jürgen wissen.

"So ist es."  Horst’s Mimik verriet eine Mischung aus Triumph mit einem Hauch Griesgrämigkeit.

"Nun lass Dir doch nicht alles aus der Nase ziehen.  Sag schon, wie ist der Titel?"

„Stressfaktor Liebesbeziehungen – Von einem, der sich auskennt.“

26.09.2006 um 20:14 Uhr

Willkommen !

   Willkommen !

Der geneigte Leser befindet sich inmitten der JetztZeit und nimmt teil an den Abenteuern von Horst und Heinz, zweier Helden des gegenwärtigen Spätkapitalismus -     oder sagen wir besser des anbrechenden Wassermann-Zeitalters.

In ihrem Beziehungs-Umfeld erleben wir die Freunde Elmer    und Klaus-JürgenFrau Müller-Bleibtreu und  Frau Schneider-Lützgendorf .. Gitte  -  und nicht zu vergessen Frau Schniepe, Horstens Vermieterin.  Dann wäre da noch Narrbert, mit vollem Namen Narrbert van Kaspern; manchem Leser nicht unbekannt und ein neuzeitlicher .. .. da fehlen mir jetzt die Worte.   Das sind sie noch längst nicht alle  -  aber   ihr werdet sie schon kennen lernen.

Ein Mann namens Horst  -  es geht um, ähm, Lust .. und Liebesfrust, um Lebensfragen, Esoterik und alles Existenzielle;  um Menschen eben die, sagen wir, mitten im Leben stehen, irgendwo ..   - oder, wenn schon nicht immer dort, dann zumindest seitlich.

Aber machen wir nicht zu viele Worte, das macht Horst immer selber. Überlassen wir alles Weitere ihm. Es gibt für alles eine Zeit, wer philosophisch geschult ist, weiss das. Jetzt ist die Zeit für Horst.

Euer  Henri Hermes

                                           Foto :  Horst (Mitte), Narrbert (rechts).