Stimmung: wohlfühlig
Musik: Queensryche
Grundlegende Dinge haben sich verändert, meine Herrschaften!
Nee.
Eigentlich waren sie schon immer da, fällt mir gerade auf.
Nur hat sich meine Perspektive, mein Bewusstsein dazu verändert.
Ja, so kann man das sagen.
Mein Blickwinkel wurde verschoben.
Wo fang ich an?
Vielleicht damit, dass ich am Samstag den frühen Morgenhimmel betrachtete. Ich hab nicht aktiv mitgezählt, aber ich glaube, so etwas ist mir in meinem Leben weniger passiert als ich Finger an einer Hand habe. Durchzechte Nächte gelten nicht. Dafür war das Bewusstsein nie ausgeprägt genug. Nee, ich meine richtig mit durchschlafen und früh aufstehen und so. Ich muss zugeben, das war nicht geplant und auch nicht unbedingt freiwillig, aber es gab etwas, dass mich nicht länger im Bett hat verweilen ließ. Egal wie. Fakt ist, dass ich mich um halb sieben in der Morgensonne badete. Und es hat gar nicht wehgetan. Nachdem ich mich dazu entschloss und Groll beiseite schob, ging es mir richtig gut. Die Menschen sehen zwar auch nicht anders aus, aber sie sind weniger – ein entscheidender Vorteil. Und irgendwie riecht ein Morgen anders – zumindest wenn man frei hat. Und ich weiß jetzt, warum die Enten in meinem Park alle so fett sind. Omi kommt mit 2 vollen Beuteln Brotklumpen und erschlägt die Viecher fast. So ein Trubel ums Futter hab ich selten gesehen, da konnte der Papi mit seinem Kleinkind auf der anderen Seite des Teiches mit seinen 3 Krümelchen echt einpacken.
Dann hab ich gelernt, dass ich auch morgens unglaublich sexy sein muss, denn ein junger Mann kam nicht drumrum mir beim Gehen einen Brief zuzuschieben. Ich hatte ihn vorher kaum bemerkt, obwohl er 3 Meter neben mir saß und offensichtlich vertieft in mich und seinem Brief an mich war. Ich war in mein Wolfsfraubuch vertieft und ließ mich in eine andere Welt verführen, während ich die Sonne genoss. Er fand mich jedenfalls extrem anziehend und bat mir spontanen oder unspontanen Sex an. Yiiipiiiieee! Endlich! ??? Nee, also ist ja ganz nett und so… aber irgendwie doch ein bisschen mutlos, mich nicht direkt anzuquatschen. Er entschuldigte sich zwar dreimal dafür, aber abgesehen davon, dass ich nicht unbedingt zu der Sorte Frau gehöre, die auf unverbindlichen Sex mit dem Unbekannten steht, fände ich es schon schade, alles selbst in die Hand nehmen zu müssen. Ich frag mich immer, wie die Männer damit landen. Aber sicher wird es auch das passende Pendant dazu geben. Mir jedenfalls egal. Aufgepeppt, wie ich dann trotzdem war, lief ich durch die Weltgeschichte und wollte, wo ich schon dabei war den Morgen zu ergründen, nicht nach Hause. Wie schön es ist, frei zu sein, dachte ich mir, als ich spontan in den 200er Bus einstieg, der gerade reiiiin zuuufäääälliiiig vor meiner Nase hielt. Für diejenigen, denen diese Linie fremd ist: Der 200er Bus hält eigentlich an fast allen touristischen Sehenswürdigkeiten, die wo gibt in Berlin;) Also –zack– rin in dit Teil, wa und bis mitten in die Stadtmetropole Bahnhof Zoo gefahren. Schööön. Die mehr oder weniger vermissten Leutchens waren also alle hier. Natürlich alle nicht von hier. Klar. Frühstück nachgeholt und in einen der besten Plattenläden der Stadt eingekehrt. Ne Stunde Platten gehört und dann doch nur ne DVD gekauft.
So. Und nun? Nach Hause? Nö, lieber noch nicht. Da nimmt mein Problemkind noch das Bett in Beschlag und schläft seinen Rausch aus.
Also ab zum Kaufhof, meine Gabi besuchen. Wer sich erinnern möchte, die Frau meines Papas, den ich immer noch nicht wieder sehen durfte. Gabi nahm mich herzlich in Empfang und arrangierte sofort ein Date mit meinem Rocker-Papa. Auch alles super spontan, wenn ich das nochmal betonen darf. Er wollte sich sowieso heute mit Dir treffen, sagt Gabi. Na prima, da bin ich ihm wohl zuvor gekommen! :) Denn komm ich später nochmal wieder und unser großes Wiedersehen ist perfekt.
Wieder zu Hause angekommen, hoffte ich, mein Wegbleiben wäre irgendwie aufgefallen. Denkste, Puppe. Immernoch am Ratzen, der Gute. Okaaaaay. Musik an und Bude durchgeschrubbt. Keine Reaktion. Aber kein Problem, die Bude hatte sowieso mal wieder eine Auffrischung verdient. Das kann ganz schön schnell ganz schön verlebt aussehen, wenn 2 Leute auf engstem Raum zusammenleben. Mal abgesehen davon, dass ein eigener Raum zum Rauschausschlafen manchmal ganz praktisch wäre… Nee, ich beschwer mich ja nicht….
Dann rückte das Treffen näher und ich stand mit meinem Reality Daddy Nase an Nase. Also um genau zu sein, war es eher Nase an Kinn. Er ist immer noch viel größer als ich. Aber schlank ist er geworden. Und Haare sind ihm zum Pferdeschwanz binden gewachsen. Und einen schicken Bart hat er jetzt. Aaaaaber, er ist immer noch derselbe. Immer noch dieselben Sprüche, immer noch diese leicht ruppige Art, die ich, würde ich ihn nicht kennen, falsch verstehen würde. Aber ich weiß, wie er es meint und im Herzen ist er ein lieber Mann, der es immer gut mit mir meint. Vergesslich und manchmal wirkt er wenig interessiert – aber das täuscht. Ich weiß, er fühlte sich mit mir pudelwohl, denn immerhin konnten wir uns schon wieder richtig käbbeln.
Es war wie früher. Es war wie Familie. Ich hab mich willkommen gefühlt und wohlig heimelig. So angenehm, dass ich bis zum Frühstück blieb. Ich schlief übrigens neben einem Schlagzeug, dass er im Wohnzimmer aufgebaut hat und Gitarren, die an der Wand klebten. Der Abend wurde mit Musik untermalt, die mir nur allzu bekannt vorkam. Meine Lieblingsmusik. Wer weiß, was ich gern höre, der weiß auch wie selten es geworden ist, das jemand das hört….
Ich hoffe ich sehe alle schon ganz bald wieder!