Eintreten und Wohlfühlen

23.08.2006 um 13:26 Uhr

Spuren der Vergangenheit

von: Huehnchen   Stichwörter: Familie

Stimmung: festgehangen - traurig

 

Ich habe sie sofort erkannt. So ein hübsches Mädchen!Sie hat sehr viel zu erzählen und ich lausche gespannt – mittendrin schweife ich wieder ab, weil ich sie staunend beobachte. Wow! Ich sehe noch dieses kleine Mädchen vor mir. Ich sehe uns, wie wir in Betten rumturnen und im Mittelmeer planschen…. und nun… puh… jetzt sitzt vor mir so eine erwachsene, junge Frau, die von ihren Wochenendpartys erzählt.

Sie zeigt mir Album an Album Ihrer Kindheit. Auch ich tauche darin auf. Erinnerungen durchfließen mich. Je älter sie wird und je jünger die Fotos, desto trauriger werde ich. Warum habe ich keinen Teil mehr daran? Ich sehe Bilder meines Vaters. Was für ein cooler Typ, denke ich mir. Genauso einen Vater, den ich mir immer vorstellte. Lange Haare, Schlagzeuger in ner Band – ein echter AC/DC-Typ. Metaller vor dem Herrn. Ist Musikgeschmack erblich? Muss wohl…

So ein sensibles Thema… Und so ein verdammt sensibles Hühnchen. Mir fehlt das echte Vater-Tochter-Verhältnis. Diese Familie nagt an mir, ich spüre Neid in mir aufflammen. Es ist doch auch mein Vater! Wie gern stände ich neben meiner kleinen Schwester… und das nicht nur auf den Fotos….

Eigentlich möchte ich seit gestern Abend nur noch weinen… Warum fühle ich mich so deprimiert, traurig und voller Wehmut? Ist es nicht wunderbar, endlich wieder Anschluss gefunden zu haben?

Ich kann es nicht leugnen.
Dieses starke Gefühl meine Kindheit verpasst zu haben...
Mit etwas abschließen zu müssen, das noch unheimlich schmerzlich ist.
Wie denkt man in solchen Momenten nur geradeaus?

Ich will wieder zurück….

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZwischenweltler schreibt am 23.08.2006 um 14:25 Uhr:Deine Wehmut ist nur zu verständlich, liebes Hühnchen. Etwas unwiederbringlich verpaßt zu haben; um etwas betrogen worden zu sein, kann tiefen Schmerz auslösen. Doch die Uhren lassen sich nicht zurückdrehen. Zeit ist grausam in ihrem Vorwärtsdrang. Ich denke, Du solltest Dich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Du hast Deine Schwester wieder. Ist das nicht an sich schon grandios? Und ihr habt euch auf Anhieb wieder verstanden und Erfahrungen ausgetauscht, die ihr beide teilt. Was könnte schöner sein, als einen vermißten Menschen unversehrt zurückzubekommen...
  2. zitierenHuehnchen schreibt am 23.08.2006 um 14:35 Uhr:Hmm…. Ja… Nur liegen zwischen uns mittlerweile Welten, habe ich gestern schmerzlich spüren müssen. Es ist sehr schwer an etwas anzuknüpfen, was so weit in der Ferne liegt, bzw. noch gar nicht vorhanden ist. Ich weiß nicht, wie sie das Treffen empfunden hat. Was verbindet uns, außer demselben Vater? Hat sie mich auch vermisst? Ich frage mich, welche Bedeutung es für mich im Großen Ganzen hat und wie ich diese Aufgabe anpacken soll… ich muss es noch herausfinden… ich weiß es ist bedeutungsvoll! aber im Moment ist es sehr schwierig für mich rational zu bleiben…

    Danke für Deine aufmunternden Worte, lieber Zwischenweltler!

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